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Die neue Welt · 1928-02-17 · Heft 22 (17.2.1928) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 22 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. n H ABGEARBEITETE CTADBC <von 50s aufw.;, Decken-, «I VRE« Filet-, Klöppel-,Tüllspiizen usw. billigst. TUCHLAUBBN 12, im Hausflur gegen den Ottakringer S. C. Gegen den gleichen Gegner trägt Hasmonea ain l. und 18. März Mcisterschaftspiele ans Der Sportklub Hasmonea hat wegen der Ausschreitungen im Spiel gegen AJsergrnnd beim Wiener Fuß ballverband die Anzeige erstattet. Der Sportklub Menorah wurde nach mehreren Erfolgen von Unitas unverdient 4:3 besiegt. , o V°m. S.portk,ub Hagibor. Zwilling, der ehemalige Scktionsleiter des 5. C. Achduth, wurde in den Ausschuß kooptiert nnd zum Delegierten im Jüdischen und Wiener FuOballverband gewählt. Der Sportklub Achduth ist korporativ Hagibor beigetreten, wodurch der Verein eine bedeutende Verstärkung erfährt. Vergangenen Sonntag unterlag Hagibor ge$en die spielstarke I B-Mannschaft von Nicholson 1:5 (0:1). Für Hagibor war Amster erfolgreich. Belm Stande von 5 : 1 für Brlglttenaocr Sp. Vg. wurde das MeisterscnaUssplel «regen Hechawer fünf Minuten vor Schluß aus Verschulden der Brigittenauer abgebrochen. Der Schiedsrichter wurde von den Bri- Xittcnaucrn bedroht und außerdem kam es zu Raufszenen. Vereinsnachrichten. Jüdisches Zentrum der Sozialen Hllfsgetnelnschaft Anltta Müller, IL, Untere AugartcnstraQe 35. Sonntag, den 19. d. M„ 4 Uhr nachmittags, zweiter Künstlcrnachmittag mit reichhaltigem Programm. Gäste herzlich wiilKommen! Unentgeltliche Arbeltsvormlttlungsstelle des Jüdischen Hochschulausschusses. Hotmeister. Hauslehrer mit Kcnntnisen fremder Sprachen, auch für Nachhilfeunterricht in allen MfUelschulfächcrn (Philosophen, Pädagogen), erstklassige Kräfte für kommerzielle Unternehmungen und Advokaturskanzleien (Handelshochschüler, Juristen), Privatsekretäre, vermittelt prompt und unentgeltlich der Jüdische Hochschulausschuß, IX., .Zimmermannplatz C, Telephon A-25-2-28. Telcphonischer Anruf oder Postkarte genügt. q in. "oacton .IwrI; Inf0,tec der am Samstag, den 18. Jänner 1928, um \ i?r *ben('s 101 Jüdischen Zentrum stattfindenden Gedenkfeier für t iS °Ld.°..nJentfä,lt dic ^wöchentliche Versammlung des Moadon iwn. Die Mitglieder werden aufgefordert, an dieser Feier teilzunehmen. <*nm.4^VOiriCSn"P11 am,??!lene,r ,Be,h Hamidrasch, IL. Tempelgasse 3. Samstag. 18. Februar, 3 Uhr, Lektor Dr. S. Rubin: „Recht und Gesetz m Leben der Volker'. Sonntag, 19. Februar, 5 Uhr, Lektor Dr. Gelb- Iiaus: Mecbilla; 6 Uhr Lektor Dr. Rubin: Midrasch nach den Quellen erläutert und interpretiert. Montag, 20. Februar, 7 bis 8 Uhr, Professor Dr. r Kraus Liturgie, Seder Hatfila. Dienstag, 21. Februar, 6 bis 7 Uhr.?»?htS«8».r Kra"?; Liturgie, Seder Hatfila; 7 bis 8 Uhr, Lektor Doktor 5 ^-J1^^' 22, Februar. 6 bis 7 Uhr, Lektor Dr. Gclb- 5? iL™«5 l £,S,8tFuhr h^t0T £r' S- Rubit,: Talr""d. Donnerstag, r'i.« cbSÄ-V6.Ä!s 7 Uh^ Hofrat Dr- Schwarz: Mischna; 7 bis 8 Uhr Lektor Dr. Gelbhaus: „Die Sentenzen des Rabbi Nathan". r^Vo,?rassz.yk,!ü.s. dcr zionistischen Jugendgruppe Leopoldstadt. tlSLu heopold f laschkes hält einen ans acht Vorträgen be- SSWk"" ™'-22L F^bruar: h zi°nisnius, Theorie und Wesen. 29. Februar: 2. Zionistische Organisation, ihr Aufbau und ihre nst.tut.onen; 7. März: 3 Die zionistischen Fraktionen und Föderationen! Ii" n 'n jM««?he Arbeiterbewegung seit dem Jahre 1SS1; T'Jp^l'.5-; Dcr Palästina-Aufbau seit der Balfour-Deklaration; 28. März: 6..Die Friedenskonferenz im Jahre 1918-19; 18. April: 7. Die Geschichte &LL; Hi Ap.ni; ,S-,DaIf ^üdische Minoritätsproblem. _ Samtliehe Vorträge im Vereinslqkal. IL. Zirkusgasse 33. präzise */48 Uhr. u Zionistische Jugendgruppe Leopoldsfadt. IL, Zirkusgassc 33.?ihCÄ^rramr,-f3SamSta,g: ,halb,7 ^hr Hebräisch für Anfänger 2; 8 Uhr SS CJi % Aaiäuas" 1''.,7 y,hr Sichah der Kwuzah „Alcf"; 8 Uhr äft k m, KunlZab -rDror' Sonn«as: 9 Uhr vorm. Büchsenleerung; h» s o nu!'uÜuT?SÜSü?ns-^ M°ntaE: J ^r Hebräisch für Anfänger 1; hn^^.UhrT.?eb^'2ct lür Vorgeschrittene; 7 Uhr Sichah der Kwuzah fiirr v™-Vh.r«S,chlf dir„Kwula,V "A,e{"- Mittwoch: 7 Uhr Hebräisch £Lj0TSe*c*Tl tenc %-7 Uhr Sichah der Kwuzah „Dror"; *Us Uhr Th^Z™*?™™"5' .Fe,£r*t: Dr' Le°P°,d Piaschkes über „Zionismus, o rftnd uWKSre.n L D„onn«stae: 7 Uhr Hebräisch für Anfänger 2; halb 9 Uhr. Hebräisch für Vorgeschrittene. Freitag: 8 Uhr „Tanach". «'öl h.Z'°$sti?ch* .Sektion VI.—VIH. Samstag. 8 Uhr abends, im Fest- Tanz " 'meS Bennoplatz la) Gesellschaftsabend mit hoih o ifu^Cbu J,8C?»»«wl«"»t Landstraße. Dienstag, den 21. d., halb 9_ Uhr abends, im CafG Lovrana, III., . LOwengasse 36. Vortrag « lT «Dl?.sen/d5"ck: "Querschnitt durch das palästinensische literarische Schaffen". Gäste willkommen. .•„ „ t£ritnT,Ha-zollm, IL, Rembrandtstraße 18. Samstag, 18. Februar, mp 4 Uhr, Kurs: Geschichte des Zionismus. Sonntag, 19. Februar, 7 Uhr. StÄ^ Zusammenkunft. Mittwoch, 23. Februar, halb 8 Uhr, „Sicha Klalitt . ,u ,Zl??' Mädclienaruppe „Dworah". Sonntag, den 19. Februar, hajbll Uhr, zweite Führung im jüdischen Museum, IL, Malzgasse 16 Leitung Dr.' Bronner. Es folgen daselbst noch Führungen, wie auch durch dJe alten jüdischen Friedhöfe, jüdisches Ghetto, jüdische Institutionen. Blindeninstitut n. a. Trauerfeier für Oberrabbiner Gedalje Schnielkes s. A., veranstaltet vom Misrachi, im Bethaus Liwjat Chen (IL, Holland- In jedem modernen Haushalt FRIGIDAIRE! Befreien Sie sich von der lästigen Pflicht, dem ewigen Problem, die richtigen Lebensmittel im richtigen Augenblick zur Hand zu haben. Entschließen Sie sich zur Anschaffung eines Frigid aire, jetzt, sofort; Der Tag, an dem Frigidaire bei Ihnen aufgestellt wird, macht Ihren Sorgen um die Frischerhaltung Ihrer Vorräte ein Ende. ,;• Kaufen Sie einen Frigidaire und Sie genießen diese sieben Vorzüge: 1. Ihre Lebensmittel bleiben frisch. Dies ist lebenswichtig, namentlich wenn Kinder im Hause sind. : 2.-Sie können jederzeit Eisspeisen im eigenen Haushalt herstellen. 3. Sie brauchen kein Eis mehr. 4. Sie haben Jederzeit* Eiswürfel für Limonaden, Bpwlen oder Bargetränke zur Verfügung, .:. .5. Frigidaire; erfordert keine Wartung, oder Bedienung, kein Ein- oder Ausschalten. 6. Frigidaire benötigt nur elektrischen Strom. •7. Frigidaire braucht kein Kühlwasser. Für 30 Groschen täglich Stromkosten hält Frigidaire automatisch' die, beliebig eingestellte Temperatur, die trockene. Kälte konserviert alle Lebensmittel fünfmal länger als. Eis. Ständige Ausstellung und Vorführung im neuen „Frigidaire"-Lokal, Warchalowski, Finsterle & Co., Ges. rn, b. H., I., Am Hof 3. Verlangen Sie . unverbindlichen Vertreterhesuch! DER flHKER wig. Verslüierungs A.c. Straße 2), Sonntag, den 19. d. um 6 Uhr abends. Redner: Rabbiner Schmerlcr und Löbl Taubes. Gesinnungsgenossen und alle, die den großen Niftar kannten, sind hötl. eingeladen. Misrachl-Mlnian im Lokale des Misrachi, IL, Pratcrstraßc 43, diesen Sabbat. Eingang 5 Uhr 5 Min.. Sabbatvormittags (Praterstraße 43 um 9 Uhr, Untere Augartenstraße 35 um 8 Uhr). Minchagebet (IL, Untere Augartenstraße 12 Uhr 30 Min., Praterstraße 4 Uhr 45 Min.). Teilnehmer willkommen. B'rlth Hanoar Hamlsrachl. Samstag, den 18. d., halb 8 Uhr abends, Heimabend. Sonntag, halb 8 Uhr, Gemarah-Kurs, Vortragender Herr M. D. Groß. Samstag, den 25. d., Vortrag des Herrn Löbl Taubes über Rabbi Jochanan ben Sakai. Jüdischer Verein Nordost. Der diesjährige Ball findet am 18. Februar in den Sälen des Hotel Coniinental statt/ Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs! Fmuensruppe IX. Den von der Frauengruppe IX. veranstalteten Vortragszyklus über zionistische Bewegung eröffnete Frau Gisela Blauer mit einem Referat über „Die Vorbedingungen des modernen Zionismiis". Das zweite Referat über „Assimilation und Zionismus" wird Frau Salome Taubes in der Lese- und Rcdchalle, IX., Türkenstraßc 9, am 22. d. M. um 8 Uhr abends SCHOLEM ALEJCHEM: MENACHEM MENDEL. (Aus dem Jüdischen übertragen von Siegfried Schmitz, Copyright 1921 by R. Löwlt, Wien und Leipzig. Gnies Sbudi: LOS DON (S>u Borst in Ode sa). 6. Fortsetzung. 10. Brief. Scheine-Scheindef aus Kasriliwke an ihren Gatten Menachem Mendel in Odessa. Dem hochgeehrten, edlen und mächtigen Herrn, dem v/cisen Kenner der Thora, dein hochgeehrten Reto Menachem Mendel ehrfürchtigen Gruß! Erstens vermelde ich Dir, daß wir alle, Gott sei* Dank, beim besten Wohlsein sind; gebe Gott uns, das gleiche von Dir zu hören fürderhin und nichts Schlimmeres, Zweitens teile ich Dir mit, daß alle drei Kinder die Masern haben; ich schlafe keine Nacht und er — trinkt dort Rosinenwein mit Lakritzen! Sag' mir: Was fehlt dem Manne? Er hat sein .Vergnügen. Und da will er mich nach Odessa nehmen! Hör', Mendel! Den Plan schlag' Dir aus dem Kopf; mich wirst Du, Mendel, nicht närrisch machen! Nur langsam. Großmutters Großmutter ist nie dort gewesen und hat dennoch in Frieden geleibt, ich werde es auch, ohne Odessa. Du wirst mich nicht überreden, Mendel, Vater und Mutter, alle Beikannten und Freunde zurückzulassen iund mich in dem wüsten Odessa (ibrennen möge es!) anzusiedeln. Mendel, Du kannst sagen, was Du willst, D e i n Odessa gefällt mir nicht. Ich hasse es, ich weiß nicht, warum. Und meine Vernunft sagt mir, Du mögest Deine Ware allmählich abstoßen und den Gewinn einstecken. Wie sagt doch die Mutter, sie soll leiben: „Von allen milchigen Gerichten ist das beste — ein Stückchen Fleisch.' Und wie, wenn Du Dich in Deinen Berechnungen geirrt hast? Solches Glüok möge einen anderen treffen! Du schreibst, daß Dein verrückter Gambet — ich (bleibe dabei, daß er verrückt ist — Dich nicht verkaufen läßt; ich begreife nicht: was geht ihn das an? Ist das für ihn Familiensache? Spuck' ihm ins Gesicht, wenn er Dir. vom Krieg erzählt! Mendel, gehorche mir: hör' mi; mach* Ausverkauf, wenn Dir Gott lieh ist! Du 'hast ein paar Rubel verdient — genug! Wie lange gedenkst Du noch.dort zu verlottern? Doch mein Reden ist vergebens. Habe ich denn — Gott sei's geklagt — Wert in Deinen Augen? Ich bin ja Scheine-Scheindel, nicht Blime-ZJate! Wenn Blime-Zlate ihrem Mann nur pfeift, da rennt er schon als hätte er Leibschmerzen. Um Himmels willen, Mendel, liebster Mendel: verkauf* und mach' Dich auf den Heimweg! Vergiß aber nicht: ein Dutzend gestickte Hemden für mich, Samt für ein Kleid für die Mutter; sie soll doch auch ein Andenken haben an die Zeit, da ihr Schwiegersohn in Odessa mit Narren wäre Handel getrieben hat. Auch ein Stück Damast mit Mustern, wie sie heute modern sind, kannst Du mitbringen; wenn es im Koffer noch Platz hat, auch einiges Glasgerät und was Dir sonst preiswert vorkommt. Und komm nur zurück, daß die Leute aufhören, das Maul mit mir vorzunehmen und hiich zu sticheln. Ich will dooh sehen, ob Du mir nicht gehorchen wirst. So sicher sollen meine Feinde krepieren, wie Du mir folgen wirst, wie es Dir wünscht aus tiefstem Herzen Deine wahrhaft treue Frau Scheine-Scheindel. 11. Brief. Menachem Mendel aus Odessa an seine Frau Scheine- Scheindel In Kasriliwke. Der teuren, edlen, tugendhaften und klugen Ehefrau Scheine-Scheindel meinen Gruß! Zu in ersten sei Dir kundgetan, daß ich — Dank seinem lieben Namen! — gesund bin und mein Leben das des Friedens; der Herr, gelobt sei er, möge helfen, daß eines vom anderen nur Gutes höre in guter Botschaft zu Trost und Heil —- Amen. Zum zweiten wisse: der „Ultimo" ist gekommen und es war eine Panik, davor Gott behüten und bewahren möge! Aus der großen „Schwankung", auf die ich gewartet habe wie auf den Messias, ist ein großes Nichts geworden. Bismarck, erzählen sie, hat sich erkältet und einen Katarrh gekriegt; so ist in der Politik eine Verwirrung entstanden und keiner weiß, was vorgeht. „London" ist so teuer geworden wie Gold und der Rubel ist gefallen bis Jn den , erstatten. — Samstag, den 3. März, halb 9 Uhr abends. In den Prunksälen des Handelsmuscums, IX., Berggasse 16, Gescllschaftsabend mit Tanz. Karten bei Frau Finkelstein, 1., WipplingcrstraOe 20, und Frau G. Blauer, IX., Pfluggasse J>/8. Zlon. Arbeitspartei „Hltachduth", Verband der zion. sozial. Jugend. Samstag, den 18. d. M., halb 8 Uhr abends, findet im „Jüd Zentrum". IL, Unt. Augartenstraße 35, ein Gordon- Gedenk« abend statt. Redner: Prof. Dr. Zwi Diesendruck: „Die Persönlichkeit A. D. Gordons"; J. M a n o a c h, Dagania: „Aus dem Leben A. D. Gordons". Regiebeitrag 50 Groschen; Der Verband der hebräischen professionellen Lehrer beruft alte Mitglieder zu einer Versammlung für Samstag, den 18. Februar, um 9 Uhr abends im „Jüdischen Zentrum", IL, Untere Augartenstraße 35. Jüdischer Unterstü'tzungsvereln „Ahawath Achim (Wien, VL, Millergasse 43). In der am 29. Jänner d. J. stattgefundenen V. ordentl. Generalversammlung wurden Beschlüsse hinsichtlich der Gründung einer Frauensektion sowie die Errichtung einer Talmud Thora-Schule gefaßt. Dic bisherigen 12 Vorstandsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt. Als Präsident des Vereines fungiert nach wie vor der bekannte Holzindustriclle Herr Oskar Preminger. Abgrund der Hölle, und es wurde eine furchtbare „Baisse"! Du fragst natürlich, wo meine Stüoke „Baisse" und meine „Schlüsse" sind. Die Erklärung ist die: Die Baissestücke sind keine Baissestücke, die Schlüsse sind keine Schlüsse; denn keiner will nehmen und keiner will geben; wenn's anders ist, will ich Fips heißen! Und wie zum Trotz habe ich mit meiner Ware bei lauter solchen Fröschen gesteckt, die bei einem Druck erstickt sind. Kurz und gut — es Ist eine Pest und Verderbnis über die Welt gekommen, daß sie zur Ruine geworden ist. Oh, hätte ich doch einen Tag früher „realisiert"! Aber — bin ich ein Prophet? Alle laufen da herum wie vergiftete Mäuäe; jeder einzelne tut, als wäre es nicht ganz richtig bei ihm; und a'Hes schreit „London"! Wo ist mein „London"? Gib mir mein „London"! „London"! „London"! Doch wo ist „London", was ist „London"? Und es regnet Schläge und Flüche und Ohrfeigen, und für mich fällt auch was ab . . . Und zu guter Letzt — gibt es gar kein „London", nirgends. — Ueberhaupt, meine teure Gattin — es ist bitterböse und arg; ich habe den ganzen Gewinn hineingesteckt samt dem Kapital, dem Schmuck, welchen ich Dir gekauft habe, sogar den Sabbatroak habe ich versetzt — und alles ist hin ... Meine Lage ist jetzt so traurig, es ist nicht m schildern, und nach der Heimat ist mir so bang, daß es mir beinahe das Leben abdrückt! Ich verfluche mich hundertmal im Tag. Einen Fuß hätte ich lieber brechen sollen, ehe daß ich hierher nach Odessa gekommen bin, wo ein Mensch gar keinen Wert hat; sterben kann einer hier und keiner wird auch nur stehen bleiben, um sich nach ihm umzuschauen. Wie viele Makler haben um mich herumgetanzt und vonmir gelebt — und'heute kennen sie mich gar nicht! Früher, da halben sie mich den B1 e i c h r ö d e r von K a s r iliwke genannt und heute machen sie, dieselben Makler, sich über mich lustig; sie sagen, daß ich nichts vom Ger schäift verstehe. „London" — sagen sie — „muß man verstehen." Wo waren sie vorher, die weisen Ratgelber? -r Sie sprechen schon gar nicht mehr von mir, als wäre ich überhaupt schon nicht mehr auf der Welt. Oh, wäre ich doch gestorben, ehe ich das erleben mußte! Und wie zum Trotz sitzt da dieser Garnbetta — ausgelöscht werde sein Name! — und hört nicht auf, einem die Ohren volteuratschen mit seiner Politik. „Na," ~ sagt er — whabe ich Ihnen nicht »Baisse4 geraten?" „Was habe ich von Ihrer .Baisse'," sage ich, „wenn mir keiner ,London' gibt?" Und der — Pfui! — lacht und sagt zu mir:, „Wer ist daran schuld?" ,J)ie Börse" — sagt er — „muß man verstehen und wer nicht mit Xondon' handeln kann, der soll" — sagt er — „mit Aepfein. bandeln" ... Ich sage Dir, teure Gattin, es ekelt mich vor diesem Odessa samt der hiesigen Börse, samt Fanconi und allen Leuten! Ich möchte am liebsten auf und davon in die weite Welt! Da ich jedoch keine Zeit halbe, fasse ich mich 'kurz. So Gott will, werde ich Dir in den folgenden Briefen alles ausführlich berichten. Jetzt gebe Gott nur Gesundheit und Glück! Und grüß* die Kinderchen und Schwiegervater und Schwiegermutter gar freundlich von Deinem Geraahl Menachem Mendel Richtig: das, Wich tigsi e! Da in Odessa ist es Brauch, daß man, wenn man ein Darlehen braucht, nicht zu einem Nachbarn, einem Verwandten oder Bekannten geht, wie bei uns in Kasriliwke; nicht weil man zu bequem ist hin-zugehen; sondern man weiß im voraus, daß der das Darlehen nicht geben wird; es wird nicht gegeben und dabei bleibt es! Was tut man also, wenn man Geld braucht? Da haben sie einen „Lombard" aufgestellt, der gibt Dir Geld, wieviel Du willst, wenn Du ihm nur ein ordentliches Pfand bringst: Gold — Gold; Silber — Silber; Messing — Messing; ein Kleidungsstück; ein Samowar; eine Bank; auch wenn Du ein Stück Vieh bringen würdest, Du bekommst dafür Geld geliehen. Der Haken ist nur, daß sie alles sehr niedrig einschätzen, es ist kaum auszudenken. Dafür haben sie eine gute Eigenschaft: Prozente nehmen sie ordentlich, daß man es spürt, und die Zinsen fressen das Kapital aufy Und alle paar Wochen machen sie „Lizitation", das heißt die nicht eingelösten Pfänder werden ausverkauft; dabei kaufen Leute schöne Sachen halb umsonst ein und machen so ein hübsches Geld. Wäre ich jetzt bei Geld, so könnte ich jetzt so ein Geschäft mit einem „Lombard" anfangen und meinen Unfall wieder gutmachen, sogar noch etwas einbringen . .. Doch versuch's — so wie ich jetzt dastehe.! Ohne Geld soll mau auf dieser Welt nicht geboren werden; und ist man doch schon geboren worden, dann lieber sterben ... Ich kann nicht mehr schreiben. Schreibe mir von Deinem Befinden und was die Kinder machen, sie sollen leben; und grüß' Schwiegervater und Schwiegermutter und alle recht herzlich. Der Obige. (Fortsetzung folgt.)

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