Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 22 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 72 DIE NEUE WELT doch schon allgemein bekannt — die Anwesenheit einer silbergrauen alten Jüdin. Sie ist durch und durch krank, alleinstehend, weil sie sehr schwer verträglich ist und sich alle Verwandten und Bekannten entfremdet hat. Muß da noch gesagt werden, wie man sie „gerettet" hat? Wenn ich an alle dort Gesehenen denke, dann muß ich die Mission bemitleiden! Ihre Mühe — ist einer besseren Sache würdig. Aber — ob alt, ob jung, wertvolle Menschen, oder ganz unbedeutende, ganz gebrochene Seelen — in der Statistik ist jeder eine Einheit. Und jährlich werden die „Geretteten" triumphierend zusammengezählt und gezeigt. Dagegen ankämpfen — ich weiß nicht, ob wir es können, und wie wir es sollen, Aber eines ist unsere heilige Pflicht: Herunter mit der Maske! Die jüdische Gesellschaft, vor allem aber die zionistische Öffentlichkeit, »miß mit aller Kraftanstrengung es verhindern, daß dieses schmutzige Handwerk sich hinter der wohlwollenden Kritik des jüdischen Galuthseins und der Erniedrigung der jüdischen Renaissance verbirgt und sich aufspielt als der wirkliche Wegweiser zur „Auferstehung Israels". Und daß die skrupellosen Assimilanten nicht mehr den Versuch wagen können, das Tun dieser ihrer würdigen Gesellschaft uns anzukreiden. Umdlchtung der „Hatlkvah" zu einem Mis&io«tshymnus. Jerusalem, 8. Februar. (J. T. A.) Ein christlicher Missionar, ehemaliger Jude, hat den Text der zionistischen Hymne „Hatlkvah" zti einer hebräischen Missionshymne umgedichtet. Die Missionshymne wird nun mit der bekannten Hatikvah-Melodie in Missionsversammlungen zum Christentum übergetretener Juden gesungen. Richter Rutherford. ' Zu der in Nummer 21 veröffentlichten Zuschrift eines Lesers über eine von Juden verbreitete Broschüre schreibt uns die Vereinigung der Bibelforscher: 1. Richter Rutherford, der Verfasser des Buches, ist nicht protestantischer Judenmissionär, sondern Präsident der „Internationalen Bibelforscher-Vereinigung". Er gehört keinem Kirchensystem an, sondern ist christlich freistehend. 2. Das Schreiben von Nathan Straus ist nicht erschwindelt. Es ist keine Widmung. Der Vortrag Rutherfords „Die Rückkehr der Juden nach Palästina" veranlaßte Nathan Straus, das erwähnte Schreiben an Richter Rutherford zu richten. Wir geben dieser Berichtigung Raum, wollen aber bemerken» daß es für jeden, der die Broschüre liest und der die Vorträge hört, unzweifelhaft sein muß, daß es sich um Mission und Seelen fang handelt. Die mit vieler Salbung und Zitaten aus den fünf Büchern Moses und den Propheten vorgetragenen Erläuterungen über „Das Königreich des Messias" sind christliche Propaganda. . Falls Herr S t r a u s tatsächlich, wie behauptet tvird, seinen Brief spontan geschrieben hat, so ist das eine unerklärliche und bedauerliche Entgleisung). Sir Alfred Mond in Bagdad. Heftige Demonstrationen mohammedanischer Studenten. Der UllstelnnDienst meldet ans Bagdad: Der Besuch Sir Alfred Monds in Bagdad hat zu antizionistischen Ruhestörungen Anlaß gegeben, die zium (Einschreiten der Polizei, zur Verhaftung von vierzig Personen und zu Verletzungen vieler Demonstranten und Schutzleute führten. Die Behauptung einer mohammedanischen Zeitung, Sir Alfred Mond komme nach dem Irak, um dort zionistische Kolonien einzurichten, hatte die Studenten von Bagdad zu dem Beschluß veranlaßt, seine Ankunft zu verhindern. Eine große Volksmenge zog dem englischen Parlamentarier auf der Landstraße entgegen. Eine andere Volksmenge umzingelte das Haus, in dem er absteigen sollte. Die Polizei mußte wiederholt eingreifen, um Sir Alfred Mond und seine Reisegesellschaft vor der Menge zu schützen. Sir Alfred und seine Begleiter gelangten auf Umwegen in die britische Residenz. Während später in der Stadt selbst Ruhe eintrat, wurde aus der Umgebung gemeldet, daß die Araber Reisende überfallen und beraube«. Mehrere Abteilungen berittener Polizei sind auf den Schauplatz der Ueberfälle abgegangen. * Str Mond beabsichtigt, im Irak bis zum 19. Februar zu verbleiben, dann nach Palästina zurückzukehren und am 4. Märe: nach Europa abzureisen. )) (( SERIÖS / DISKRET / PROMPT HANSA s, W8EN,I., FRANZ-JOSEFS-KA113 | H T«LtPHON 70-40» 35 Ü Hgiteer / Bureaui / Wohnungen § Ü Hypotheken / Verwaltungen | =5 Unter wenigen T«g«n baste Resultato. Visen« 3 «J KreditabtenunQ nur tUr grpBe Transaktionen 53 illlllllllllHIIIIIIIIIIIIÜII, Amerikareise Dr. Wefztnnnns. Wie „Jewiah Times" berichten, begibt sich der Prä* sident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Welzin a n n, a m 29. Februar auf der „Majestic" nach den Vereinigten Staaten, um an der diesjährigen Kampagne der Vereinigten Palästina-Aktion teilzunehmen. Das Geschenk der italienischen Zionlsteii an den König. Wie bereits gemeldet, Meß die zionistische Organisation in Italien in der kunstgewerblichen Anstalt „Bezalel" in Jerusalem eine silberne Kassette, weiche sämtliche neuen Paiastinamüinzen enthält, als Geschenk a.n den König von Italien, der als großer Münzensammler bekannt ist, herstellen. Die Kassette wurde in Filigranarbeit, mit ßlfenfbednschnitzereien und Edelsteinen verziert, angefertigt Auf dem Deckel sind die Ansicht von Jerusalem und die alten heiligen Stätten sichtbar, in der Mitte der Davidsturm und das goldene Tor, im Hintergrund die Universität von der Sonne bestrahlt. In den beiden Ecken oben befinden sich, in Elfenbein gefaßt, zwei palästinensische Münzen; die eine stellt das besiegte Juda dar und stammt ans der Zeit Titus, die «weite Münze ist das Symbol des befreiten Juda und wurde seinerzeit von der SclwiJe Bczadel als Widmung für die Soldaten der jüdischen Legion angefertigt. In der untersten Reihe des Deckels siebt man die italienische Trikolore in Elfenbein auageführt. Die Schatulle wurde am S. Februar dem König durch eine Deputation bestehend aus dem Präsidenten der italienischen zionistischen Föderation Herrn Giro Glas, dem Überrabbiner von Rom Dr. Sacerdoti und dem Präsidenten der jüdischen Gemeinde in Rom Herrn S e r e n i überreicht. Der König sprach seine Bewunderung des von der Bezalel-Schule angefertigten Kunstwerkes aus und ließ sich dann in einer einstündigen Unterredung über die Fortschritte der zionistischen Aufbauarbeit in Palästina unterrichten. * Die zionistische Föderation in Italien arbeitet, wie uns aus Rom berichtet wird, mit gutem Erfolg. Die Zahl der zionistischen Lökalgrtippen in den verschiedenen Städten des Landes nimmt zu und sowohl die finanziellen Leistungen als auch, was besonders wichtig erscheint, die Vertiefung ■des zionistischen Gedankens macht erfreuliche Fortschritte. Die Zentralleitung der zionistischen Organisation in Italien, deren Stz in Rom, Foro Traiano I, und deren General- Sekretariat in. Mailand, Via Amedci Nr. 3, ist, gibt seit kurzem ein periodisch erscheinendes zionistisches Bulletin heraus, dessen zweite Nummer vor einigen Tagen erschienen ist. Keine Uebersiedlung Professor Einsteins nach, Palästina. * Verschiedene holländische Blätter, so der „Nieuwe Rotterdamsche Courant", haben mitgeteilt, daß Professor Einstein, der sich jetzt vorübergehend in Holland befindet, die Absicht habe, sich in Palästina niederzulassen, um an der Hebräischen Universität in Jerusalem zu arbeiten. Wie die „B. Z. am Mittag" von einer dem Gelehrten sehr nahestehenden Seite erfährt, entspricht diese Nachricht nicht den Tatsachen. Einstein beabsichtige keineswegs, seine Lehrtätigkeit in Berlin aufzugeben. Drei Millionen Juden in der Sowjetunion. In der Sowjetunion wurden insgesamt d r e i Millionen Juden gezählt, darunter eine Million Arbeiter und Angestellte nebst Familienangehörigen, 170.000 Ackerbauer, 850.000 Handwerker und Hausgewerbetreibende mit Angehörigen und etwa eine Million Kleinhändler und Angehörige der freien Berufe. Die Juden in Leningrad. Nach einer soeben veröffentlichten Statistik leben Im heutigen Leningrad 84.503 Juden gegen 52.373 im Jahre 1923. Die Zahl der Russen Leningrads beträgt 1,386.872 gegen 916.833 im Jahre 1923. Die Juden bilden die zweitgrößte n a.t i o n a I e Gruppe der Stadtbevölkerung. Ein neuer Rekord an Billigkeit wird vom populären Leopoldstädter Warenhaus Brüder S cb i f f m a n n, 2. Bez., Taiborstraße 48, während der verblüffenden Verkaufsokkasion des „Wirtschaftsrummels" aufgestellt. Sämtliche Qualitätserzeugnisse in Weben, Leinen, Chiffons, Haus- und Bettwäsdhe, Damen- und Herrenwäsche werden zat noch nie dagewesenen Preisen abgestoßen. Unter anderem gelangt österreichische Speziafbetfwäsche der weltbekannten Marke „R. S." mit herrlichen Toledo-Stickereien zu Originalfa-brikspreisen zum Verkauf. Mengenabgabe vorbehalten! Nachstehend einige Beispiele aus der Preisliste: Reklamewebe, per Meter 55 Groschen, Geschirrtücher, per Stück 39 Groschen, Scheuertuch 54 Groschen, Batist-Taschentücher, gestickt, per Stück 20 Groschen, Damenwäschegarnituren, Hemd oder Hose, 90 Groschen, Daineuwaschegarnituien, ajouriert und gestickt, Hemd oder Hose, S 1.98, Hemdhose, gestickt und ajouriert, S 2.90, Miederleibclien 50 Groschen, Herrenhemden, weiß und färbte, neueste Mode, alle Halsweiten, S 2.90, Herren-Unterhose, Prlmaojualität, lang S 1.90, Herren-Kragen, welch, alle Halsweiten, 20 Groschen, Prima-Blaudruck, 78 breit, per Meter 98 Groschen, Prima- Seidenbatist für Wäsche, 78 breit, per Meter 98 Groschen, Prima.Bettuch, 140 breit, S 1.69, Prirna-Atlasgradl, 80 breit, per Meter S 1.25, Madras-Stoffe, für Vorfiitage, per Meter 70 Groschen, Prima-Wirtschaftshandtuch 89 Groschen, Prima-Frottierhandtuch S 1.25. Gleichzeitig wird der sensationelle Sonderverkauf in Seidenwaren fortgesetzt. Jeder Kunde erhält ein Geschenk. Provinzversand per Nachnahme. Zur Vermeidung des Andranges wolle auch der Vormittag mm Einkauf benützt .werden* Rektor Pangrati für die Synagogenschfinder. Aus Bukarest wird gemeldet: Unter dem Vorsitz des Rektors der Bukarester Universität, Pangrati, fand eine Sitzung des Universitätssenates statt, in der beschlossen wurde, alles Material, das zur Entlastung der verurteilten Studenten dienen könnte, zu sammeln und dem Unterrichtsministerium zuzuleiten. Es wurde der Ueberzeugung Ausdruck gegebem daß die Urteile zum größten Teil ungerecht und zu revidieren sind. (Rektor Pangrati hat im Vorjahre auf der Berliner Konferenz der Union der Völkerbundligeu die Judenverfolgungen in Rumänien verteidigt und u. a. erklärt, daß im Weltkrieg zu wenig jüdische Soldaten für Rumänien gefallen seien. — Red.) Das Jassyer Appellationsgericht hat die Strafe des Studenten Buzueanu von zwei Monaten auf 15 Tage, die des Bardulescu von vier Monaten auf einen Monat herabgesetzt. Das Testament eines rumänischen Universitatsprofessors. Aus Bukarest wird uns berichtet: Vor einigen Tagen wurde das'Testament des am 26. Dezember verstorbenen Professors der Juridischen Fakultät an der Bukarester Universität Dr. Posceanu eröffnet und erweckte durch seinen Inhalt allgemeines Auifseben. Das am 26. Mai 1927 errichtete Testament, in welchem der Verstorbene außer vermögensrechtlichen Verfügungen auch an seinen Sohn Ratschläge für sein künftiges Leiben richtet, hat eine vom 19. Dözemiber 1927, also unmittelbar nach den großen Pogromen in Siebenbürgen datierte Ergänzung, die elben gerade in rumänischen Professorenkreisen solches Aufsehen erregt bat. Hier registriert Professor Posceanu voll Trauer die verwerflichen Geschehnisse und ermahnt neuerdings seinen Sohn, nicht den Lehren des Hasses zu folgen noch auf die Demagogie der Hetzer zu hören, und setzt dann fort: „Und ich bitte ihn inständig, bloß de,r Religion der Anständigkeit und der Menschenliebe zu folgen, ohne hierbei Unterschiede naoh Konfession öder sonstigen Unterscheidungen walten zu lassen. Meinen Leichnam vermache ich den jüdischen Hörern der medizinischen Fakultät. zum Beweise dafür, wie hoch in der Achtung bei mir die Erkenntnis der Wahrheit und der Gerechtigkeit stellen und auch bei meinem Sohne stehen sollen." Studentenkrawalle in Krakau. Am 11. Februar nachmittags kam es in Krakau auf dorn Ringplatz zu heftigen Zusammenstößen zwischen nationalistischen und, jüdischen Hochsohülern der hiesigen Universität. Die nationalistischen Studenten forderten die in Farben und Mützen erschienenen jüdischen Hochschüler der Verbindungen Kadianah und Emunah auf, ihre Mützen abzulegen, was jedoch von diesen abgelehnt wurde. Es kam zwischen beiden Gruppen zu einem lebhaften Handgemenge. Schließlich mußte Polizei intervenieren, die; zahlreiche Verhaftungen vornahm. Während der Attacke berittener Polizeiaibte 1- 1 urigen wurden zahlreiche Hochschüler verletzt. .utlsemitisches Notgeld. Das jüdische Nationalmuseum i-n Jerusalem besitzt' eine ziemlich reichhaltige numismatische Sammlung, die nach dem Spender des größereu Teiles der Sammlung, Rafaeli, benannt ist. Einen für die Geschichte des Judenhasses sehr lehrreichen Teil der Sammlung bilden die Geldnöten, welche während des Krieges umd auch nach dem Krieg als alligemein gültiges Notgeld oder von bestimmten Organisationen als gamgibare Note ausgegeben wurden. Diese in unzähligen Exemplaren ausgegebenen Geldnoten wurden von den antisemitischen Organisationen zu einem sehr winkunigsvollen Propagandamittel miß-, braucht. Das Nationalmuseum In Jerusalem beslttzt eine stattliche Serie solcher antisemitischer Geldnoten in den verschiedenen Sprachen. Diese Sammlung wurde dieser Tage durch ein Exemplar einer d eu tsch e n Note über 2 Mark bereichert, die die Aufschrift trägt: „Jeder, der bei Juden kauft, unterstützt die Blutsauger seines eigenen Volkes." ^ILlllllllllltltlllltSlillllltliltlltllllllllilllllllllllllilltlillllllttlllllllllllllllllllllllllllllllllltL^ "Talare «m» Barettefür Kultus i und Justiz in den mannigfaltigsten Formen erhalten Sie fertig und nadt Maß In bester Qualität zu den billigsten Preisen! in der allbekannten Uniformierungs-uJaBsdineiderel Wien. ll.TaborstraBe nr. K (Achtung auf Hausnummer l) W* Tel. 45-29 Gegr. 1866 Zah'refche belobende Anerkennungsschreiben! 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