Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 22 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Dlß NEUE WELT Seite 5 Mitglieder der sozialistischen Fraktion» und zwar die Herren Meister, Moritz und Pick stimmten» was um so mehr auffiel, als ihr Sprecher Herr Dr. Bader ausdrücklich erklärt hatte, seine Gruppe werde gegen das Budget votieren. 1 Hast Du Pccli in Deinem Leben, Alles wird zu Essig eben. ■ i Doppelt traurig ist der Fall, Weii's HUBER-ESSIG nicht einmal. Der Revolver als Erzieher. —y. Der Prozeß um die Steglitzer Mordaffäre hat.denn auch bereits ein politisches Echo geweckt Hin deutschnationaler Volksvertreter, hat im Reichstag verlangt, daß die Prozeßberichte wegen der Gefahr für die Sittlichkeit der Jugend verboten werden. Daß der Antrag von einem Deutschnationalen kommt, ist wohl verständlich. Denn diese im deutschen Volk fuhrende Partei hat aJle Ursache, die Aufmerksamkeit von dem Kernpunkt der Affäre abzulenken. Sie wird in diesem Bestreben von allen unterstützt, die sich um den Prozeß gruppieren. Es ist uneingestandenes Bestreben,* die Erörterung auf ein totes Geleise zu schieben und einer Untersuchung über die brennende Frage vorzubeugen: Wie wird die deutsche Jugend erzogen? Und diese Frage ist h e;ute dar u in brenne ii d, w e i 1 d i e Jugend aller Nationen, die im Influenzbereich der deutschen Kultur leben, ähnliche Symptome der Verwilderung erkennen läßt. In Deutschland, wo alles organisiert, geprüft, sohematisofi geordnet wird, fällt gerade dieses schwerste Brandmal nicht auf und es ist allgemeine Uebereinsrhrmiung, geradeso wie bezüglich der schwarzen Reichswehr auch über die Erziehungsfrage zu schweigen. Die deutsche Jugend wird zum Revolver erzogen und sie macht von, ihm Gebrauch. Das Gericht drückt sich um diesen Punkt herum. Es nimmt es mit aller Sachlichkeit als gegeben hin, daß der Selbstmord und Mord (vielleicht war es Dopipehnord) begangen wurde und läßt sich in der Suche nach dem Motiv einzig von der Sexualität Ieiten.: Es tritt nicht aus dem Milieu heraus, das ja wirklich abscheulich ist. Da waren halbwüchsige Buben, die nach allen Vorschriften der pädagogischen Neuroner lebten. Sie widmeten sich einzig dem Ich und seinen. Trieben, Elternrecht und Elternpilicht traten, bescheiden zur Seite. Die Jugend muß aber nicht bloß ihre Erotik pflegen, sondern sie wird auch der Politik zugeführt. Man sagt ihr, daß sie eine neue, bessere Menschheit, eine neue Ethik, ein neues Recht EU bekennen halbe; daß es ihr Pflicht sei, auf dem Wege zu diesen neuen Dingen nur der eigenen Nase zu folgen und daß sie nicht mitzulieben. sondern mitzuhassen habe. Die bessere Menschheit ist nicht die Menschheit, sondern das eigene Volk, das nach der "Weltherrschaft gegriffen hat und sie nicht erlangen konnte, weil, das die Juden nicht zulassen wollten. Die Juden haben , das deutsche Volk um den Sieg gebracht, säe verhindern seinen Aufstieg und seine Rache; ihr materialistischer Sinn stellt sich der idealistischen, im All lebenden germanischen Anschauung entgegen. Die deutsche Jugend muß das strafen. Sie wird national ausgebildet, körperlich ertüchtigt, lernt das Saufen und bekommt den Revolver. Und mit dem Revolver auch seinen Geist. Dieser Günter Scheller und dieser Paul Krantz sind in Millionen von Exemplaren an Deutschlands Schulen vorhanden. Sie sind in Stahlhelm und Wiking und Werwolf und Jungdo organisiert,, werden .dort in Lied und Wort auf den Mord gedrillt und1 darauf, den Mord dann abzuleugnen.. Sie lernen vor jüdischen Friedhöfen ausspucken, jüdische Grabsteine umstürzen, Synagogenfenster .einwerfen, Bilder vom Ritualmord verteilen. Und damit zugleich lernen sie die Theorie von der Rasse und das bringt sie in die sexuelle Sphäre. Es ist ja niclrfc zufällig, daß die deutsche nationalistische Literatur, die Menschenwert und Dasein vom Standpunkt des Pferde^üchters ansieht, sich so gerne in eingehenden Schilderurigen der semitischen Geilheit ergeht und daß sie sich in den Grenzdistrikten des Geschlechtslebens umhertreibt. Die Rathenau-Mörder ^hatten #ch vorder befohlenen Tat in den Lokalen % horizontaler Damen Mut geholt; die Fememörder, die Attentäter : gegen Harden und Seeckt taten das \ iiSS Zionistische Jugendorganisation " Brlglttenau, XX., Jagerstraße Nr. 30/9 PROGRAMM DIESER WOCHE: .; MQü»a*,2Ö./ll. V$8 Uhr Bibliothek; «/.9 Uhr Hepxäi$ch-Kurs Dienitog, 21. II. 8 Uhr Plenarversammlung Mittwoch. 22./II 7a8 Uhr Hebriüsch-Kurs; V«9 Uhr 2. Vortrag des Chawer Sigall ' über : , Das Geistes« und Gemütsleben des Menschen" Donner*!»*, 23./H. 8 Uhr Referat Somitag, 25/11. yfl8 Uhr 1. Generalversammlung %mm<mlmmmmnmmmmmmmmmmnmmmmm gleiche. Immer ist diese AufgipfeJtmg des arischgermanischen Wesens irgendwie sexuell betont, immer aber gehört die Mordwaffe zu ihr. In dem Steglitzer Bürgerhaus traf beides zusammen. Die Buben mordeten einander. Der Nowosad hat seinen Freund erstochen, der Feldwebel Schulz ließ seine Kameraden erledigen, den Schlagetter lieferten seine Genossen an die Polizei aus. Es ist eine merkwürdige Erziehung. Verantwortlich für sie sind die Führer dieses Deutschland von heute, die gemeinsam mit Zensur und Klotüre die Erörterung der Wahrheit verhindern und die es auch wirklich zuwege gebracht haben, daß sich Publikum und Gericht ausschließlich mit den Der Abbau der Arbeitslosigkeit. Bekanntlich konnte infolge Vornahme verschiedener Arbeiten die Arbeitslosigkeit in Palästina so weit abgebaut werden, daß die Zionistische Palästina-Exekutive bis auf Tel-Awiw in allen anderen Städten Palästinas schon seit Monaten die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung einstellen konnte. Nur in Tel-Awiw, wo bis vor kurzem die Zahl der Arbeitslosen zwischen 3000 und 4000 betrug, mußten noch wöchentlich äg. Pfd. 1000 für Auszahlung von Arbeitslosenunterstützung zur Verfügung gestellt werden. Auch hier ist es letztens gelungen, einen bedeutenden Schritt vorwärts zu tun. Dank der Inangriffnahme verschiedener neuer Arbeiten konnte, wie der Ziko aus Jerusalem telegraphiert wird, auch in Tel-Awiw die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung an unverheiratete Arbeiter eingestellt werden. An die Familienväter wird vorläufig noch bis zum 1. März die Unterstüzung gezahlt* Storrs — Plumers Nachfolger? in Palästina sind laut Meldung der „Jewish Times" wiederum Gerüchte verbreitet, daß der frühere Gouverneur von Jerusalem, General Storrs, zum Nachfolger Lord Plumers als High Commissioner von Palästina ausersehen sei. (Nachdem erst unlängst gemeldet wurde, daß Lord Plumer eine wefiere Amtperiode in Palästina zu bleiben gewillt ist, dürften wohl alle Gerüchte über seinen Nachfolger jeder Grundlage entbehren.) i Die Staatsbürgerschaft Die Bewegung zur Erwerbung der palästinensischen Bürgerschaft nimmt unter den Juden zu, In Tel Aviv (bewerben sich 4942 Familien mit rund 16-000 Seelen, das sind 70 Prozent aller noch Unnaturalisierten, um die palästinensische Bürgerschaft. 5000 Personen aus Tel A/viv, die früher türkische Staatsangehörige waren, sind automatisch Palästina-Bürger geworden. Die jüdischen Gemeinden Palästinas ein Bestandteil des jüdischen Nationalheims. In Erwiderung einer Begrüßung seitens des Waad Leumi richtete Sir H e r b e r t Samuel an diesen ein Schreiben, an welchem er erklärt, der Verband jüdischer Gemeinden in Palästina, der auf Grund der Gemeindeordnung geschaffen wird, 'bilde einen integrieren den Bestandteil des jüdischen Nationalheims. Pas Budget der Palästina-Regierung für 1926. In dem Budget der Palästina-Regierung für 1928 sind die Einnahmen mit Pfd. Sterl. 2,322.935, die Ausgaben mit Pfd. Sterl. 2,443.677 beziffert. Das Defizit beträgt demnach Pfd. Sterl. 120.742. Für das Departement. des Polizei- und Gefängniswesens sind Pfd. Sterl. 529.580, für Unterricht Pfd. Sterl. 143.619, für öffentliche Arbeiten Pfd. Sterl, 373.654, für Landwirtschaft und Forstwesen Pfd. ßtcri. 65.46S, füll Gesundheitswesen Pfd. Stert. 105.460 eingestellt. Die Röhrenleitung von Mossul nach Haifa. Entgegen den Meldungen, daß in der Konkurrenz zwischen Haifa und Alexandrette bezüglich der Legung der Rohrleitung für das mesopotamischc Petroleum die Entscheidung zugunsten von Haifa bereits gefallen sei, erklärte die „Turkish Petroleum Company", die an den Oelfeldern bei Mossul mitbeteiligt ist, der J. T. A., daß eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen sei. Jugend-Verein „Erez-lsrael", Wien, II., Zirkusg. 33 Soontae den 19. Februar 1928, halb 8 Uhr abends Großer Konzerthaussaal II. Hebräisches Konzert (Kompositionsabend Prof. Artur W o 11) , Mitwirkende: Gr^te Koller-Geyer (Danziger Stadttbeater), Reija Pfiffer-Lax (Volksoper), Margarete Slezak (Wiener Stadttheater), Hatina Schwarz (Volksoper), Obprkantor Gerson Margulies, Hans Schwestlka (Opernsänger aus Brün«), Prof. Karl Lafite (Orgelu. Klavierbegleitung), Gemischter Chor. Das Reinerträgnis fließt den vom Oberrabbiner Prof,i Dr. Z. P. Chajes s. A. gegründeten Kultur-» institutionell und dem Chajes-Waldc m\ ' Restliche Karten an der Abendkassa. Bettkrisen der Hilde Scheller befassen. Niemand fragt, was lernte dieser Günter beim Jungdo und wozu bekam er den Revolver. Aber trotzdem ist einiges darüber bekannt geworden. Der Angeklagte hatte im Tagebuch geschrieben, er wolle sich der Idee des Rassenkampfes widmen, Weiße gegen Gelbe und Schwarze. Das nämlich, die arrogante Uekerwertigkeit der eigenen Rasse (die biologisch, pnysiologisch durchstudiert wird), lernen die Buben und sie kriegen die Waffe, um Juden zu killen und das Wesen zu zeigen, an dem die Welt genesen soll. Und was die deutsche Jugend lernt, das lernt die ungarische, die rumänische, die Jugend überhaupt, deren Lehrer von diesem Geist beschattet wenden. I Tel-Awiw als Eisenbahnknotenpunkt. IDiescr Tage* , wurde in der großen Synagoge zu Tel-Awiw eine Massenversammlung abgehalten, in der der' Bürgermeister Bl o cb, der frühere Bürgermeister D i zc ngoff, die Herren Glocikrnan und Shoshani als Redner auftraten und die Notwendigkeit der Verlegung des' palästinensischen Eisenbahnknotenpunktes von Ludd nach Tel-Awiw begründeten. Dizengoff erinnerte an die Tatsache, daß die Eisenbahnvcrwaltuiig vor längerer Zeit die. Stadtverwaltung von Tel-Awiw um die Ucbcrlassung eines Bodenareals von 140 Dun am zwecks Erbauung der Zentralstation in Tel-Awiw ersucht hat. Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, in der gefordert wird, daß die Verlegung des Eisenbahwknotenpurtktes nach Tel-Awiw ehestens zu geschehen habe; ferner wird gefordert, daß mit den Erweiternngs- und Verbesserungsarbeiten im Hafen von Jaffa unverzüglich begonnen werde. Preise: S 16-. 20-, &5-„50 und aufw. Ein Haus des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem. Die Leitung des Jüdischen Nationalfonds trifft Vorbereitungen zur Errichtung eines eigenen Hauses im Rechawja-VieTteü zu Jerusalem. Die Versicherungsgesellschaft „Phönix" gewährt zu diesem Zwecke eihe^Afileihe von 10.000 Pf und aus den Eingängen der mit Hilfe1 des .Nationalfonds abgeschlossenen Versicherungen.' Das Haus Achad Haam's nationaler Besitz. Montag, den 6. Februar, wurde das Haus vört Achad Haam (Ascher Ginzberg) in Tel-Awiw in feierlicher Weise vom Stadtrat von Tel-Awiw als nationales Eigen tum in Obhut übernommen. Das Arbeitszimmer Achad Haams und seine Bibliothek werden genau so erhalten bleiben, wie sie zu seinen Lebzeiten waren; der übrige Raum des Hauses soll ein Aufbewahrungsort für alle Schriften über Judentum und Palästina werdenv Keine Ansiedlung von Armeniern. Entgegen den aus arabischen Quellen stammenden Mitteilungen, wonach der Völkerbund beabsichtige, armenische Flüchtlinge in Palästina anzusiedeln, wird mitgeteilt, daß diese Meldung jeder Grundlage entbehrt. Keine Heuschreckengefahr. Bekanntlich wurden in Palästina umfassende Abwehrmaßnahmen gegen die von der sudanesisch-ägyptischen Grenze her drohende Heuschreckenjnv as i o n getroffen. Die Heuschreckenschwärme, die' auf ihrem bisherigen Zuge großen Schaden anrichteten, gelangten bereits bis in die Nähe von Petra in Transjotw danien und bedrohten unmittelbar Palästina. Die Regierung sandte eine Expertenkommission an Ort und Stelle, die über die zu treffenden Abwehrmaßnahmen Entscheidung treffen sollte. Wie nun mitgeteilt wird, wurden die Heuschreckenschwärme durch starken Wind gegen Südosten in die arabische Wüste getrieben, so daß für Palästina die Heuschreckengefahr für diesmal nicht mehr besteht. ( ...........♦♦♦♦♦♦»«♦♦»♦♦♦♦♦»»4M»»»M Denken Sie schon jetzt an Ihren Urlaub und lassen Sie sich im Kaufhaus Redisch, 1., Franz-Josefs« Kai 25, einen Reisekoffer gegen kleine Anzahlung T- (ohne Aufschlag) reservieren. Nicht umsonst ist das »Tuchhaus zum Hirschen" eine so beliebte, Einkaufsquelle. Ein, Besuch überzeugt Sie von den fabelhaft billigen Angeboten. Bedruckte KleiderseiJe von S. 2.95 aufw., Kasha-Neuheiten fürs. Frühjahr von S. 5.60 aufw. Ein tehr lympathüchei, 55fähr4tei, wirti<fe«ftUdi erzogenes M ä dche n aus streng jüdischem Hause, mit Wohnung and Ausstattung, jedoch ohne Vermögen, möchte zwecks Ehe mit charakterfestem, gutsituiertem Herrn passenden Alters bekannt wer-, den. Witwer mit 1 bis 3 Kindern nicht aufgeschlossen. Anträge unter „G. G, 7" an die Administration dieses Blatte?. AUS PALÄSTINA.