Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 22 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 22 Illllllllll: ■Ii In keinem jüdischen Hause dürfen an Pessachtagen flDÖ die weltberühmten nDS W Palästina & Mazzoth fehlen! hergestellt unter streng ritueller Auf sieht Sr. Ehr wUrdan Hat-rn Ö berrabblner Josef €haf m Sonnenfeld, alffa —"* - - - *-—----------- - - — - - - ----- -------— Jaffa, und das „Chief-Rabbi" vom firex Israel, Sr. Etirw. Herrn A. I. Kook, Jerusalem s Gepackt in hygienischen Kartons zu */, kg §1 Generalrepräsentani für ganz Oeslerreich: j| Nathan Brodetiki, Wien. II., I Leopoldsgasse 43, Telephon Nr. 46-1-90 |j Filialen: Heinrich Bendiener, I. Judengasse 11, u. Jakob Weiß, II. Uni. Augarlenstr. 25 »j Original Palästina-Weine aus „Rischon le Zion" ss Zionisten! Erfüllet Eure PHtem und kaufet jj zuPessach nur Mazzoth aus Ere« Israeli ■ illll in bürg, hat und in konsequenter Absicht nicht nur Zionisten und organisierte Jüdischnationale zu der Ueberzeugung gebracht hat, daß ein Wirkungsvoller . und ersprießlicher Kampf nur durch strenge Einhaltung solcher Neutralität geführt .werden kann. . -Leider wird diese Binigu ngsarbe i t besonnener jüdischer Politiker nach wie vor duveh die Trenflufigspolitiik der Agudah, die gerade in der Slowakei 'Und '/ö Karpathorußland ihre gütigsten Zentren besitzt, aufs schwerste geschädigt. Datbei zeigt sich gerade in den letztenfMonaten in diesen agudistischen Zentren ein sehr bedenklich fortschreitender Z e r s e t z u n g s- Prozeß, der auch zu wirklichen Geraöhtsprözessen ausartet und das Ansehen des Judentums; in schwer söhädigender Welse untergrabt. Prozesse, wie sie jetzt in Munkacs, in Neutra, Neuhäusl, Duna-Szerdahely und-anderen finsteren Hochburgen der ,Trennungsorfhodoxie die allgemeinen Geriphte. auirn Gaudium .des nichtjüdischen Publikums und * zur' Sbnnkch des "\Judehtums beschäftigen, dürften viieÜfeichT-.dbc%'aiich''die Kurzsichtigsten im' Lager der Agudah "sehend machen und sie zur Ueberzeugung bringen," daß ihre Führer dem Judentum auf die Dauer einen 'nicht mehr' gutzumachenden''Schalde'n zufügen nVÜS^Sn; ' :: V - r <- :\■, ,. ■,. \ ■. , i, .... .... Die Juden im Block der Minderheiten Polens. Vom Abgeordneten Izchak Griinbaum, Warschau. Es unterliegt keinem Zweifel: Hätte die Regierung den Block der nationalen Minderheiten nicht bekämpft und sich-nicht scharf gegen den Anschluß der Juden an ihn gestellt, keine einzige jüdische Partei wäre gegen eine Verbindung mit anderen Nationalitäten gewesen. Die Erfahrung von 1922 hat bewiesen, daß dies der einzige Weg 'ist, sich eine entsprechende Vertretung zu sichern. Aber die Gegnerschaft der Regierungspartelen, die Wirkung der Regierungsorgane hat bei verschiedenen Parteien und Kreisen Hoffnungen wachgerufen, daß sie wieder in der Lage sein werden,. auf der politischen Oberfläche aufzutauchen, ihre Repräsentanz zu verstärken und sich von der zionistischen Hegemonie zu befreien. Die Wirkungen der Regierungsaktion gehen nach ... zwei Richtungen. Erstens möglichst viel Juden von den Parteien, weiche auf der Grundlage des Nationalitätenblooks stehen, loszureißen und eine> Verbindung jüdischer Parteien szu einem besonderen Block moralisch zu unterstützen. Einstweilen. Was während der Wehlen sein wird, läßt sich schwer sagen. Zweitens aber sollen jüdische Kreise geweckt und ermuntert Verden, welche direkt für die Regierungsliste stimmen wollen. Diese beiden Richtungen laufen nicht parallel, sondern kreuzen sich; denn jene j-üdischen Kreise, die unmittelbar für die Regierung stimmen wollen, organisieren, schwächt bedeutend die selbständigen jüdischen Ziele und nimmt ihnen viel von der Hoffnung auf Erfolg. Es kann ihnen einfach zwischen dem Nationalitätenblock und der 'Regierungsliste der Platz fehlen. Die Regierung hat ihre Arbeit zuerst nach der ersten Richtung begonnen. Erst nachher hat sie mit der zweiten eingesetzt, mit der Aufmunterung der orthodoxassimilatorischen Kreise, welche entweder schon längst von derpolitischen Bühne verschwunden oder unter den Einfluß der Zionisten geraten waren. Man kann sich leicht vorstellen, welchen Eindruck diese Arbeit auf jene jüdischen Kreise gemacht hat, welche ihre Hoffnung auf die Unterstützung seitens der Regierung' gesetzt oder zumindest eine Störung seitens derselben nicht erwartet haben. Besonders groß ist diese Enttäuschung in Ga 1 iz,ien. Eines der wichtigsten Argumente gegen den Nath> nalitätenblock war dort c|ie Behauptung, daß die Regierung genötigt sein wird, die Assunilanten und die j Chassldim, welche immer mit der Macht gegangen sind, zur Auferstehung zu bringen und dem Nationalitätenblock entgegenzustellen. Nun erkannt man in Gadizion, daß , die Gegnerschaft zum Block diese Gefahr nicht beschworen hat. Die Regierung will'doch die direkte Unterstützung und glaubt mehr den Assimilanten. als den zionistischen oder den agudistischen Gegnern des Nätionalitätenblöcks. Die offizielle zionistische Leitung Ostgalizicns sieht nicht ein, daß sie die denkbar schlechteste Politik führt. Eine Politik von Menschen, welche absichtlich ihren Kopf auf den Amboß unter den aufgehobenen Hammer legen. Sie werden die Zufriedenheit der Polen nicht erlangen und bei den Ukrainern antisemitische Gefühle erregen. Nachdem sie die Macht unter den Juden den assimilatorischchassidischen Händen entrissen hatten, haben sie sich bloß ein einziges-Ziel, gesteckt, -- diese Macht um jeden Preis zu erhalten. > Darum wollen sie sich nicht 'auf schlechten Fuß mit den Behörden stellen, darum führen sie eine, „Regierungspolitik" und machen Annäherungsversuche zur Regierung. Die C h a s s i d i m und die A s s i m i 1 a n-t-e n sehen dies und bekommen Mut zur Rückkehr auf den alten Weg, unter der Devise, es nütze" den Juden, zu tun, was die Regierung befiehlt.' * Dasselbe sagt auch die Ag.ud a mit ihrem Kompagnon Herrn. Pry lucki.. Er hat einst hochklingende (nationalistische. - Phrasen .gedroschen., er. hat die Zionisten beschuldigt, daß sie keine ,.nationale, Politik,führen, weil .sie nicht übertreiben,, keine demagogischen Forderungen stellen;; •letzt ist Herr Prylucki .ein Genosse in Ehren. Er. hat sich überzeugt, daß die Regierung die Macht hat und vor Macht hat er. nicht nur Respekt, sondern beugt sich dreimal und ist bereit izu dienen. Uebrigens ist ihm nur dieser Weg^ geblieben, um sich vor dem vollständigen politischen. Tod. zu retten. Verlassen von. seiner Partei, würde er überhaupt , gar nichts unternehmen können, wenn nicht die Regierung, die ihn ausnützen will, und die Aguda auf der Suche nach Kompagnons ihn. aufnimmt, da sie keinen anderen findet. Vergessen ist, daß sie ihn bei den letzten Wahlen am schärfsten bekämpft hat. Bei diesen letzten Wahlen hat sich die Aguda dem Nationalitäteniblook angeschlossen. Damals war ihr der Block recht und billig. Damals hat sie keinen anderen Weg gesehen, sich und den Juden eine entsprechende Vertretung zu sichern. Damals hat sie jeden, der den Block antisemitischer Tendenzen beschuldigt hat, als Denunzianten gestempelt. Jetzt ist es anders. Aber ganz anders. Jetzt ist der Block eine Sünde, ein Verbrechen. Jetzt wiederholt sie alle Beschuldigungen; welche sie früher als Denunziantentum verurteilt/ hat. Jetzt bekämpft sie den Block wegen seiner antistaatlichen Tendenzen, jetzt leugnet sie, daß man ohne ihn keine entsprechende parlamentarische Vertretung haben kann. Es ist wahr, die Initiatoren des Blocks haben diesmal die Aguda nicht mitnehmen wollen. Sie konnten nicht mehr Welch zu werden! Ii Jist heutzutage leichter als früher. Das letzte Geheimnis! I des Erfolges der Milliardäre, der sicherste Wegweiser zu I |Reichtum, Macht und Ansehen) ist die I ■ Dazu bedarf es stählerner Nerven, einer Widerstands-1 ■ fähigen und wlderstandskräitlgen Konstitution und! I einer kampffreudigen Ausdauer. Wer von Kindheit auf \ DIANA I Franzbranntwein mit Menthol I Igebraucht, stählt se ne Nerven, macht die Konstitution! I wldeistandsfähig, kraftvoll und schafft eine kämpf* f freudige Ausdauer Nehmen Sie nur DianaI I Wertlose Nachahmungen weisen Sie entschieden zurück I Ueberau erMItllch! ihre Intrigen ertragen, ihr Durchkreuzen des nationalen Kampfes, ihr Untergraben der Einheit auf allen Gebieten des jüdischen Lebens. Heuchlerisch betonten sie die Notwendigkeit der Einigkeit in Jerusalem, in London, in Genf. In Warschau haben sie hinterrücks die nationalen Forderungen bekämpft, jede Entwicklung jüdischen Volkslebens gestört. Ueberall haben sie Spaltungen der Kultusgerneinden, des jüdischen Volkslebens hervorgerufen, wo nur ihre klerikal-reaktionären Gelüste nicht erfüllt wurden. Die Interessen der W u n d e r r a b b i-H ö f e, — des Gerer Hofes — sind ihnen das höchste Gebot Im Jahre bei den letzten Wahlen, haiben; sie den nationalen Kampf mitgemacht, man sollte meinen, daß sie Schritt halten werden. Sobald aber die Agudaführer ihre Mandate erlangt hatten, begannen sie ihr Intrigenspiel. Noch bevor die Frage der Beteiligung der Aguda endgültig beschlossen war, haben sie nach einer Verbindung, mit der Regierung, mit einer Regierungspartei ausgespäht. In der Angst vor einer Isolierung haben sie die Rolle von Regierung!?-' knechten übernommen. Ihre Parole lautet: „Wohl demjenigen, der in ewiger Angst lebt". Mit dieser Losung gehen sie in die Wahlen. Der Schreck, die Angst sollen die Politik entscheiden. Genug der geraden Rücken, gebückt muß man sein, auf allen Vieren kriechen und der Wille des Herrn hat zu geschehen. Sie bemühen sich, im Handumdrehen die ganze Entwicklung der Juden Polens zu vernichten, auf welphe die Juden der ganzen Welt so stolz waren. Die verfluchten Zeiten, der Majufes- Politik sollen wiederkommen! k Denselben Beweggründen der Angst entspringt die Gegnerschaft eines Teiles der Kaufleute. Sie, die den Großhandel vertreten, haben am meisten, von den. „Gefälligkeiten" der jetzigen Regierung genossen, während die Masse verarmt. Sie fürchten zu verlieren, deshalb sM sie gegen den Block. Kann aber eine Gegnerschaft, der solche Beweggründe zugrundeliegen, anhalten? Es unterliegt keinem Zweifel, daß die jüdischen Volksmassen sich nicht verraten-und nicht -verlieren werden. Sie werden unerschrocken ihren Wegen geheii — den Weg des Kampfes für Recht und Gerechtigkeit. Aus der Wiener jüdischen Gemeinde. Eine Rettungsgesellsehaft für Herrn Inspektor Dr. Redisch. ''Win*''haben an Hand der Ausführungen, die sich'der. ReWgionsscfoiulinspelktbr der Wiener Kultusgemeinde, Herr .-. Dr. R edis oh, dn: einer offiziellen Religionslehrerkonferens' . leistete, den bejammernswerten Zustand, in welchem. sich : Idas jüdische ßj^öKungswesen':öetäiidfe't£ charaktewsierti.Dier'.'': jMantir welchem di^ wesen Wiens anvertraut ist> wußte auf die in'der Konferenz aufgeworfenen Fragen der Aibfallbewegüng und dier Fest» haltung der Jugend am Judentuwne wichtanders zu -rea-' gieren, als daß er einerseits gegen die jüdische Renaissance- ' bewegung, den Zionismus,', gegen die hebräische Sprache, gegen das jüdische Schuhwerk, gegen die nationale Erziehung und ihren hervorragendsten Vertreter, des ver- . storbenen Oberrabbiner Dr. Ohajes polemisierte, andererseits Sympathie und Verständnis für die Orgel und das „verständliche", also deutsche Gebet in den Synagogen, den .Christbaum bei Juden unid;noch andere herrliche Dinge an den Tag flegte. , Nun läßt uns die Vertretung der iRefigionsiehrer eine Antwort (zukommen. Ein trauriges Schriftstück! Lobhudeleien auf Herrn Dr., Riedisch, «leer und servil. Sie bd'lden dein beträchtlichsten Teil Dann „Feststellungen". Es wird konstatiert, daß die Konferenz „ruhig und würdevoJl" unter gespannter Aufmeriksannkeit der Anwesenden verlief. Wir halben nie behauptet,' daß es dort unruhig: «uging. Aber gerade in dieser Ruhe läg verdammt wenig Würde. Die an-. wesenden Lehrer und Kwitusvorsteher hätten dem Herrn Dr. Reddsch an Ort und Stelle energisch entgegentreten müssen. Dann hätte es in dieser Konferenz wohl weniger Ruhe, aber mehr Würde gegeben. Auf den Gegenstand selbst geht die „(Resolution" der Lehrer nicht mit einem Worte ein. Dafür wird besonders hervorgehoben), daß sich' unter den anät Herrn Dr. Redisch so zufriedenen Lehrern „ehernaligie Hörer ides israelitischen Religio n s 1 eh re r-Semin ars" befinden. In dieser scheinbar neibensächlichen Erklärung liegt ein tiefer Sinn und wahrlich kein schöner. Der Schöpfer und Leiter dieses Seminars war C h a. j e s! Er gründete das Institut, um jüdische Jugendbildner in se-inem Geiste, dem Geiste nationaler Würde und Größe zu erziehen, in einem Geiste, der .das Gegenteil des Geistes des Herrn Doktor Redisch ist. Als Chajes lebte, haben seiue Zöglinge sich, in Beaeugiung ihrer treuen; Anhänglichkeit an ihn und seine Grundsätze nicht genug zu tun gewußt. Nun ist Ohajes tot und Herr Dr. Redisoh; bekommt ein Ehrendiplom. Wir nehmen an, daß die Zögiinge des Ghajes-Institutes einer geistigen Ueberrumplung.'zum Opfer gefallen sind und sich sphließlich wieder daran erinnern werden, daß sie berufen sind,: dem nationalen Erziehungswerke rückhaltlos zu dienen, daß sie aber nicht dazu da sind, eine Rettung»-, gesellschaft für Herrn Dir. Redisoh, den Verfcünder des alienkleinsten Judentumes, zu bilden. Die Abstimmung Über das Buöget. Uefaer die Geratung des Voranschlages der Wiener Kultusgemeinde hat die „Neue Welt" ausführlich be» richtet. Zu deu Mitteilungen über die Abstimmung ist noch nachzutragen, dafi iiix, 4ca. VoxftatsJiJftg auch drei