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Die neue Welt · 1928-02-17 · Heft 22 (17.2.1928) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 22 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 22 DIE NEUE WELT Seite 3 Katha Neuheiten SS Uns im Uta', II. lata» n Was ist's mit dem zionistischen Kontrollamt? Nach langen, gründlichen Beratungen in der finanzpolitischen Kommission und bewegter Debatte im Plenum hat der letzte ZionistenJcongreß die Errichtung eines Kontrollamtes beschlossen. Die wichtigsten Bestimmungen des Beschlusses lauten: JDsr Kongreß errichtet zum Zwecke der Kontrolle aller mit Einnahmen und Ausgaben verbundenen zionistischen oder von der Zionistischen Organisation abhängigen oder ihr verantwortlichen Institutionen ein Kon troll« a m t." „Das Ziel der Kontrolle ist: a) Die Gewährleistung korrekter wirtschaftlich zweckmäßiger Geschäftsführung; b) die Sicherstellung und Durchführung zionistischer Beschlüsse und Richtlinien in alten Zweigen der Organisation; c) die Gewähr für gedeihliches, sich nicht durchkreuzendes Zusammenarbeiten aller Abteilungen und Institutionen; d) die Vereinigung und Vereinfachung sowie V e r b i 11 i g u n g des Gesamtapparates. „Ali der Spitze des Kontrolikomitees steht der Kontrolleiter, welcher für die Dauer einer Kongreßperiode vom Kongreß, beziehungsweise Aktionskomitee gewählt wird. Der Kontrollor darf kein Amt oder Ehrenamt von den ihn amtlich interessierenden Organisationen und Institutionen bekleiden, auch kein Delegiertenmandat ausüben." ,yDem Kontrollor steht das Recht zu, der Exekutive wegen Entlassung von Beamten und Schließung von Bureaus Vorschläge zu unterbreiten. Falls die Exekutive seine Vorschläge ablehnt, kann er die Entscheidung des Aktionskomitees anrufen." Unter dem Eindruck der schweren, opferreichen Arbeit in Palästina, welche rationelle und sparsame Arbeit zur höchsten Pflicht macht, hat der Kongreß diesen Beschluß gefaßt. Die immer wiederkehrenden Klagen über «••rationelle Arbeit und Anwachsen des bureaukratischen Apparates und'seiner Erfordernisse bei gleichzeitiger Hintansetzung für den Zionismus lebenswichtiger Arbeiten —••Klagen, welche besonders häufig in der palästinensischen Oeffentlichkeit erhoben werden — haben den Kongreß zu dieser Entschließung gedrängt. Der Kongreß gab den Willen kund, daß einwandfrei' und von unbeteiligter Seite her festgestellt wurde, ob die Klagen berechtigt sind oder nicht, weil anders das die Kraft lähmende, das Vertrauen störende Gefühl der Unzufriedenheit nicht zu bannen ist. Der Kongreß gab der Exekutive den Auftrag, die Vorarbeiten für die Errichtung des Kohtrollamtes schleunigst in Angriff zu nehmen, damit auf der nächsten Sitzung des Aktionskomitees das Kontrollamt tatsächlich geschaffen werden kann. Da nunmehr fast sechs Monate verstrichen $ind, ist es hoch an der Zeit, an die Lösung der vom Kongreß gestellten Aufgabe zu schreiten. Wann wird die nächste Sitzung des Aktionskomitees stattfinden? Sind 4ie Vorarbeiten so weit gediehen, daß auf der Aktionskomiteesitzung das Kontrollamt definitiv wird eingerichtet werden können? Wann wird das Amt seine Arbeit be> ginnen? Die Delegierten des Kongresses und die zionistische Oeftentlichkert haben ein berechtigtes Interesse an der Beantwortung dieser Fragen. Robert Stricker. Brief aus der Slowakei. B. S. Preßburg, Mitte Februar 1928. Die Frage, wer der Nachfolger des gegenwärtigen Präsidenten der tschechoslowakischen Republik, Professor Masaryks, dessen Funktionsdauer In diesem Jahre ab läuft, werden wird, macht den Juden der gesamten Tschechoslowakei, besonders jedoch den Juden von Slovensko und KarpathoruBland schwere Sorgen. Der durchaus bedingungslos demokratische Präsident Masaryk gibt den Juden der Slowakei sowohl als religiöse wie auch als nationale Minderheit inmitten des immer von neuem aufgepeitschten nationalen Chauvinismus eine Beruhigung und Garantien gegenüber den Verhetzungen der nationalen Chauvinisten. Besonders sfurk und gefährlich wirkt sich dieser slowakisch-nationale Antisemitismus im nördlichen Teil der Slowakei aus. In den letzten Wochen erschienen im „Nove Mesto" (Waag-Neustadtl) und Umgebung öffentliche Mau era ns chl äge gegen die Juden, in welchen der jüdischen Bevölkerung mit den schwersten Folgen gedroht wird, weil sie angeblich als Magyaronen sich den Feinden des slowakischen Volkes zugesellt hätten. (In der „Neuen Welt" wurde darüber bereits berichtet.— Red.) Die von einem „nationalen Ausschuß" unterzeichneten Plakate fordern die slowakische Bevölkerung auf, sich solche Provokationen nicht länger gefallen zu lassen. Auch andere slowakische Blätter, so allen voran,die „Slovenska Politika" führen in letzter Zeit eine systematische Hetze gegen die Juden, die noch immer ungarisch sprechen und auch ihre Kinder im magyarischen Geiste erziehen. Diese Anwürfe sind natürlich völlig unbegründet. Bis auf einen geringen unverbesserlichen Teil, der noch unter dem alten Regime sich zum großen Schaden des Judentums chauvinistischer gebürdete als die. Urmagyaren selbst, machen die Juden der Slowakei alle Anstrengungen, die Kinder in dem, den neuen Verhältnissen angepaßten Geiste zu erziehen. Im Gegenteil, sie gehen in ihrer Angst «nd Loyalität so weit,- daß sie ihre Kinder nicht in die jüdischen, sondern in die slowakischen Schulen schicken, um auch auf diese Weise den Umschichtungsprozeß zu beschleunigen. Objektiv beurteilt droht dadurch den Juden der Slowakei eine neue Gefahr der Entladung in anderer Form. Am demokratischesten und dem jüdischen Volke entsprechendsten handelten die Juden wohl, wenn sie ihr bestehendes jüdisches Schulwerk aus der alten Zeit in der Form ausbauen würden, die ihnen der Friedensvertrag ermöglicht und gleichzeitig das Mittel böte, auch innerpolitisch der gegebenen Situation gerecht zu werden. I., Bellariastraße 12. Tel. 36-3-39 V.,Schönbrunnerstr.56. 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Selbst die sogenannte Lex D e r i r, die zur Milderung der Bestimmungen über das Staatsbürgerrecht er-, bracht wurde, hat für die „Galizianer" keinerlei Milderung gebracht. So sind weit über 100.000 Juden in der Tschechoslowakei, von denen der überwiegendste Teil bereits seit Jahrzehnten auf dem heutigen Landesgebiet der Tschechoslowakei wohnt, in ihrer politischen Existenz völlig der Willkür der Verwaltungsbeamten ausgeliefert. Die Gemeinderatswahlen in Karpathorußlan-d haben in den wichtigsten Städten und Gemeinden, obgleich nicht überall Einmütigkeit unter den jüdischen Wählerin geherrscht hatte, ansehnliche jüdische Vertretungen erzielt. Die gewählten jüdischen Mandatare haben sich, in den meisten Fällen zu jüdischen Klubs vereinigt, die durch würdige grundsätzliche EnMärungen den Willen bekanntgegeben haben, für die Interessen der Stadt und des Landes zu winken, dabei jedoch daraun zu achten, daß die Rechte der Juden in keiner Weise ge/kürzt oder verietet werden. Ebenso enthalten diese jüdischen Deklarationen auch die sogenannte N eu t r äli t ä t sikl a u s el in beztug auf die nationalen Auseinandersetzungen der anderen Na^ tionalitäten des Landes. Diese auch von den Vertretern der Majorität mit Zustimmung und Verständnis aufgenommenen Enklärungen sind ein Ergebnis der erzieherischen Arbeit der „jüdischen Partei", die i'hren Zentralsitz in Preß-: Dolus - Buchstaben gefunden! llf 4* T In Jeder Dose Dolus-Schuhcreme und Dolus-Fußbodenpasta. :: In jeder blauen Packung META-Waschpulver. W %9 m ' ■ Dolus-Prämienbüro. XVII. Bezirk, Ottakringerstrasse 24. , ' Rummy. Das Rummyspiel ist die rasende Mode geworden. Ich kenne es nicht, wohl aber seine Auswirkung. Teils durch persönliche Beobachtung, teils durch die Lektüre der täglichen Qerichtssaalrubrik Was die erstere betrifft, erübrigen sich umständliche Nachforschungen in Klubs, Spielzimmern oder Privatzirkeln. Entgegenkommender, als du es wünschen magst, kommt dir die Mitwelt, Rummy spielend, entgegen. Man mußte bloß in den verflossenen prachtvollen Sommer- und Herbstmouaten durch die Hauptallee des Praters spazieren, ahnungslos, dem Anblick des zchönen Parkes hingegeben und erquickende Kühlung suchend. Vor dem größten Kaffeehausgarten blieb man gefesselt stehen. trotzdem dort keine Kapelle konzertierte. Die einströmenden Gäste verzehrten hastig ihren Schillingschmaus, den vorletzten Bissen im Munde begannen sie zu „mischen", denn die Kellnerin hatte gleichzeitig mit dem Gulyas oder den Wörsteln, das Kartenspiel auftragen müssen. Soviele Tische, soviele Rummypartien. Die niedlichen Kartenpäckchen, übereinandergeschichtet, hätten das Riesenrad überragt. Da saßen sie, Männlein und Weiblein, in immer größerer Hast die Karten einfächernd, zückend, hinhauend, einstreichend, mit lauernden Blicken einander messend, die Kibietze anzischend, vergnügt den letzten Schlager pfeifend, wenn es gut ging, mißvergnügt fluchend, wenn die Verluste stiegen, Männlein und Weiblein, immer gieriger, immer demaskierter, also ordinärer dem sommerlichen Nachtvergnügen in freier Natur hingegeben, bis zum letzten Groschen, bis zum Verlöschen der letzten Lampe. * Im Kaffeehaus — wo sind die Zelten» da der geistige Habitus des Spielpartners wichtiger war, als Nervenkitzel und Gewinst! — haben sich die Spielzimmer übernommen und einen Teil ihres fragwürdigen Inhaltes erbrochen. Er überflutet die Ecke der Lesenden, drängt sie in immer dürftige« Enge suwmmefl. Dicht neben mir hat sich eine Damenplatte eingenistet. Kniefreie jeglichen Alters schlucken ihr Glas un* gezuckerten Tee (man muß schlank bleiben), decken sich mit Zigaretten ein und sind schon an der Arbeit. Kern Schulzimmer unbewachter ungezogener Buben kann kreischender sein, keine Vorstadtkneipe hemdärmeliger, grobschlächtiger, rülpsender, als dieser Spieltisch entfesselter Weiber, massierter, ondulierter, manikürter Mütter und Großmütter. * Vom Erhabenen zum Lächerlichen führt ein Schritt, vom Rummy in den Gerichtssaal nur ein halber. Einige diesbezügliche Ehrenbeleidigungsklagen der letzten Woche waren mehr lehrreich, als erquicklich zu lesen. Frau Dr. X. spielt in der Bridgestube, woselbst sie ihr Gatte nach Schluß der Kanzlei vereinbarungsgemäß abzuholen hat. Sonst kam er, wie spät er auch kam, zumindest um eine halbe Stunde zu frühzeitig. Sonst wünschte sie, daß er noch etliche Akten erledigt, etliche Klienten abgefertigt, etliches Geld verdient hätte. Diesmal aber erwartete ihn das traute Weib sehnsüchtig, eilte ihm sogar entgegen, in Tränen aufgelöst. Ihr Gelegenheitspartner, Herr Ingenieur Y., war unhöflich gewesen. Er fand, daß sie zuviel Glück im Spiele habe, gröbste sie an, schmiß ihr die Karten hin — und der eintretende Gatte erhielt den Auftrag, den Angriff auf ihre Ehre abzuschlagen. Wortwecfhsel der beiden Männer, etliche Tiernamen und Verbalinjurien, Gerichtsverhandlung!. „Nicht einmal vorgestellt hat er sich!" flötet die Gekränkte. Aber eine Stunde lang hat sie mit dem anonymen Partner gespielt. Und er handelte nach Abbruch der Beziehungen erwiesenermaßen wie ein Bridge-Ehrenmann, denn er bemühte sich, für die allzu eifrig Gewinnende eine „andere Partie zusammenzustellen". Mehr kann die Frau Dr. X. nicht verlangen, wenn sie sich ins öffentliche Haus des Kartenspiels begibt und mit jedermann,' der dazu taugt, in die Rummylaube geht. »Zju eiae£ besonderen ges.ejJschaMc.hea gücksjeht i§( njan im Bridgelokal nicht verpflichtet", verteidigt sich Hen; Ingenieur Y. mit Grund. Sie haben sich auch rechtzeitig ausgeglichen. Der Richter mußte nicht mit Urteil vorgehen. * Schwieriger war eine andere Causa. Da niußte das Bezirksgericht eine Kapazität zu Rate ziehen. Einen akademischen Bürger, denkt euch, also ein blutjunges; Herrchen, seines Zeichens angehender Brückenbauer, der es aber zum sehr geschätzten, mit allerhand Hochachtung bedachten Fachmann gebracht hat, lange bevor er zum Doktor der technischen Wissenschaften promoviert werden kann. — Er wird nämlich in der Welt des Rummyspielsi als Sachverständiger anerkannt. Kläger und Angeklagter, — letzterer hat ersteren des Mogelns beschuldigt — fügen sich seinem professoralen Urteil. Es ist ein Streit um den Jolly-Joker, den beim Kartenspielen für sich so häufig als möglich herauszubekommen die höchste Spielkunst ist. Tatsächlich hat der Jüngling mit der kleinen Semesterzahl -und dem stupenden Rummywissen den heiklen Fall vor den Schranken des Gerichtes entschieden. Er bezog 30 Schilling an Sachverständigengebühr und kann sich, da die Rummyprozesse so häufig sind wie die Selbstmorde wegen Arbeitslosigkeit, den Doktor der technischen Wissenschaften ersparen. * Die Rummyspielwut und ihre Rückwirkungen auf Familie, Geisteskultur und Menschenwürde sind eine Zeiterscheinüng, die sich jeder Nation, Konfession und Klasse liebreich annimmt. Aber wir sind nicht verantwortungslos genug, um zu erkennen, daß insbesondere das Großstadtjudentum, in seiner Nervosität, Oberflächlichkeit, Nachahmungssucht jeder Neuerung zugetan, einen erklecklichen Prozentsatz der Rummyinteressenten beistellt, einen weit größeren» als es unserer Ehre, imserem Familienglückv unserer. Zukunft zuträglich isj, ...... - , Otto Ab*]**''

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