Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 22 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 22 «m &tn gerichtete Zumutung, sicti zum Zwecke des Avancements taufen zu lassen. Er blieb treuer Jude, der sich für alles jüdische lebhaft interessiert. 1909 trat er als General in den Ruhestand. Während des Krieges hat er alle seine Entwürfe und Zeichnungen vernichtet. Einem Interviewer* der ihn dieser Tage aufsuchte, sagte er: .»Nichts von. Wert habe ich gebaut, Vernichtungswerkzeuge habe ich gebaut und mein einziger Trost ist, daß sie nicht dazu gelangten, zu vernichten, sondern . s e I b s t v e r n i c h t e t w u r d e n. Nichts von diesen Dingen1! I c h bin damit f e r t i g!" Wie anders spricht doch: dieser jüdische Arbeiter als etwa der Marschall 'Ludendorff, der Weiter auf Mord und Rache bedacht ist E tleneral' Popper ist seinerzeit von der Wiener technischen Hochschule zum Ehrendoktor ernannt" worden. Als an dieser Fachschule der antisemitische Kurs einsetzte, s a n d t e er sein Diplom zurück. Er hat seinen 80. Geburtstag in bester Gesundheit begangen und hoffentlich sind seinem Alter noch lange Jahre beschieden. Karl Kramarsch, ' der Führer der Nationaldemokraten in der Tschechoslowakei, hat sich von den ffascistösahen Bestrebungen losgesagt und als eineiig der Gründe seiner Abneigung den Antisemitismus bezeichnet. Bei der Bedeutung Kramarsch', der zu den führenden Personen der internationalen Poiitik zählt, kommt seiner Kundgebung sehr großes Gewicht zu. Kramarsch zieht die politische und kulturelle Konsequenz aus der Tatsache, daß sich die Judenschaft der Tscheche. Slowakei vorbehaltlos auf den Boden des Staates 'gestellt hat. Sie hat die Anerkennung ihrer Nationalität errungen, doch ist die Verwaltungspraxis vielfach von, antisemitischen Tendenzen durchsetzt. Der Aufkiärungsprozeß in der tschechischen Gesellschaft, an dem die besten Geister arbeiten, hat in der letzten Zeit große Fortschritte gemacht und es ist sehr erfreulich, daß Kramarsch nun sich öffentlich gegen die Schande des Judenhasses wendet. Er hat in früheren Zeiten diese Frage kalt und gleichgiltig, vielfach auch in ungünstiger Weise behandelt. Es war dies in der österreichischen Zeit, als'Kramarsch unter dem Einfluß des russischen Nationalismus stand. Das deutsche hysterische Getue der jüdischen,Kasinoleute in den tschechischen Städten, trug viel dazu, bei,, daß Kramarsch, wenn, er auch nie in den. Fehler des Pauschal- Antisemitismus - verfiel, dem Judentum seine Gegner-' schaft zeigte. Er erkennt jetzt, wie wenig sich. der Haß mit ehrlicher Demokratie verträgt, und er' spricht dies offen aus. Hinter den Kulissen der Numerus-clausus-Debatte. Aus Budapest wird uns berichtet:. Nur wirklicher Not gehorchend, entschloß sich die B-e.th'len- Regierung, die Novefle zum Numerus-cjausus- Gesetz,. die eigentlich alles eher als eine effektive Milderung; des Schandgesetzes herbeiführt, zur parlamentarischen Beratung zu bringen. Es drohte eine schwere Palastrevolution.. innerhalb der Einheitsr Partei der Regierung, sowohl -vom rechten als auch vom sogenannten, linken Filügel >der Partei. Die liberalen Mitglieder hatten bei den letzten Wahlen das. Mandat nur mit Hilfe der jüdischen Stimmen und durch einen in den meisten Fällen auch schriftlich ausgefertigten und unterzeichneten R e v e r s gerettet, in welchem sie sich eh re nw örtlich verpflichteten, den Kampf für die völlige Aufhebung des Numerus-clausus-Gesetzes zu führen. Auf der anderen Seite haben die Rechtsradikalen alles in Bewegung gesetzt und, wie erinnerlich, auch das Mittel der Ausschreitungen und Judenhetzen nicht gescheut, um die Regierung von der Behandlung der Gesetzesnovelle abzubringen. Aber selbst bei den Juden im Lande wurde durch erpresserische Zuschriften und Drohungen der Versuch gemacht, die Juden zu einer scheinbar spontanen Aktion zu be-i wegen, durch welche sie dem Völkerbund bekanntgeben sollten, daß sie kein,e Milderung des Gesetzes wünschten. Die Juden sind offenbar, zumindest nicht in genügender Zahl, den Erpressern nicht auf den lAim gegangen. Von dieser Seite ist der Befehlen- Regierung nicht die erwünschte Hilfe geworden. In den letzten Wochen jedoch liefen aus dem Ausland, und ganz besonders aus G e nf, wichtige Berichte ein, in denen dem Regierungschef nahegelegt wurde, die Numerus-clausus-Geschiohte so rasch als möglich in der einen oder anderen Form zu erledigen, da sich die diplomatischen und finanzpolitit sehen Schwierigkeiten Ungarns durch die unausgesetzte öffentliche Behandlung dieses Themas täglich steigern. In eingeweihten Kreisen will man auch wissen, daß der. Verbündete Bethlens, R, BÄSCH, IV. ARQENTlNieRSTRASSB Nr. 32 KOHLE * KOKS Toi. 5L2-87 ANTHRAZIT tmh 56-403 Rabttt&ektiort de» KEREN KAJEM6TH Hotel „NATIONAL" 22 Restaurant 331 Wien, ll.v TaborstraBe 18 n?!Ä3 Zentrale Lage, 200 Zimmar, fließendes kaltes und warmes Wasser und Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Unter der bewährten Leitung des bestbekannten Restaurateurs S. Q r ü n e r Vorzüglich« Wl«n«r, ungarUch* und ORIENTALISCH! (rumänische) Kttche« Wienerbrau und Pilsner Urquell Das österreichische Pro-Palästina-Komitee. Nahum Sokolow und Graf Bernstorff in Wien. Gestern nachmittag hat im Hotd Imperial die 'konstituierende Versammlung des österreichischen Pro-Palästina - Komitees stattgefunden. Zu der Veranstaltung waren Herr Nahum S o k o l o w; der Präsident der Londoner zionistischen Exekutive, und der Präsident des deutschen - Komitees, der - gewesene Botschafter Deutschlands in Amerika, ^Grai >Bernstorff,1 eingetroffen. Dem Komitee sind bisher .folgende Herren beigetreten: Der Präsiden* des Obersten Rechnungshofes Ministerpräsident a. D. Dr. Max Wladimir von Beck, der Präsident des Bundesamtes für Statistik Vizekanzler a. D. Dr. Walter B r e i s k y, der; Herausgeber der „Neuen Freien Presse" Dr. Ernst Benedikt, der Präsident der österreichischen Völkerbundliga Dr. Konstantin Dum ha, Universitäts^Professor Dr. Arnold Durig, Rabbiner Dr. David Feuchtwang, Hof rat Universitäts-Professor Dr. Siegmund F r a n k f u r t e r, Universitäts-Professor Dr: Siegmund Freund, Ministerialrat Dr. Bernhard Fuchs, der Präsident der österreichischen soziologischen Gesellschaft Dr. Rudolf Gold scheid, Abgeordneter Eduard Heini, Hof rat Dr. Friedrich He r t'z, der Jnnsbrucker Universitätsprofessor Dr. H p 1 z m e d s t e r, der Professor der Architektur an der Wiener Technik Dr. Ing. Klemens H o 1 zmeister, Gesandter Dr. Emil Junkar, der Vizepräsident der niederösterreichischen Rechtsanwaltskammer Dr. Siegfried Kantor, Hof rat UniversitätSr Professor Dr. Leon Kellner, Großindustrieller Ing. Johann Kremenetzky, der Leiter des Bundespressedienstes im Bundeskanzleramt Gesandter Eduard Ludwig, der österreichische Delegierte beim Völkerbund Graf Albert Mensdorff- Pouilly-Dietrichstei-n, Gemeinderat Ahlten Mac hat, der Rektor der Musikakademte Hofrat Dr. Josef M a r x, Hof rat Universitäts-Prof. Dr. Eugen Oberhummer, der Rektor der Technik Oberbaurat Dr. Leopold Oerley, der Generalsekretär für die auswärtigen Angelegenheiten Professor Franz P e t e r, der Präsident der Nationalbank Dr. Richard Reisch, Universitäts-Professor Dr. Moritz Schlick, Polizeipräsident Dr. Hans Schober, der Schriftsteller Dr. Friedrich S c h r e yv o g e 1, Universitäts-Professor Dr. Leo S f r i s ower; Professor Dr. Oskar Strnad, Universitätsprofessor Dr. Hans U e b e r s b e r g e r, Sektionschef Dr. Adolf Vetter, Dr. Franz W e r f e 1, Hofrat Dr. Anton W i 1 d g a n s und Dr. Stefan Z w e i g. Ferner gehören dem Komitee an als Delegierte der Zionistischen Organisation:. Fabrikant Adolf Böhm, Rechtsanwalt Dr. Desider Friedmann, der Präsident des Landeskomitees Dr. Leo Go 1 d ham mer und der V^präsident,. der israelitischen, Ktflrusgemeinde,Dr. Josef Löwen.herz. Die Geschäfte des Komitees werden, von. einem sechsgliedrigen .P,r,ä.s,id i u m,.geführt werden,:; . ■,r\> Freitag vormittag werden der, Bimdespräsidept ■Dri H a in-i, s.& Ji und;4er Bundeskanzler D .eljp/e 1 '.%^Herren^;^:p■k:0:•l;j)w. Ber.nstorff un^ Doktor Go 1 d h a'm.m e r in Audienz empfangen, Aiu. Freitag nachmittag findet im Hotel Astoria ein Presseempfang statt, bei welchem Herr Sokolpw .über die zionistische Arbeit sprechen wird. In einem Interview in der „Neuen freien Presse" bezeichnet Herr Sokolow, der. Dienstag nachts in Wien angekommen ist, als Zweck des österreichischen Komitees: „Wir wünschen von Oesterreich hauptsächlich kulturelle Zusammenarbeit und. kulturelle Unterstützung. Die Zusammenarbeit mit einem kathoHsehen Staat dürfte um so ersprießlicher sein, als ich vom Papst wiederholt die Zusicherung erhalten halbe, daß . er dem Palästi naäufbau sehr freundlich gegenübersteht." Das Pro*Palästina-Koinitee in Italien.. Am 9. Februar Saud in Rom die Gründungsversainmlung des italienischen Prp-Palästina-Komitees unter Teilnahme zahlreicher Persönilchikeiten des politischen Lebens Italiens statt. Zum Präsidenten wurde der frühere Kolpiiienminister Prinz S.calea gewählt. Die Versammlung. erteHte den vorgelegten Statuten einstimmig die Billigiung. Mussolini, der ungarischen Regierung dringendst empfohlen habe, die Milderung des Gesetzes raschest durchzuführen. Gerade mit dem Beginn der Verhandlungen fiel auch die Veröffentlichaing der Statistik über das .Ergebnis des Numerus clausus bei den letzten Einschreibungen an den ungarischen Hoohschuilen zusammen. Danach ist die Zahl der jüdischen Hochsohüler, die bereits im Sohuiaaihr 1926-27 auf ein Fünftel der Friedensziffer gesunken war, hoch weiter gefallen, Bs ist demnach gelungen, die Juden in Ungarn von den intellektuellen Berufszweigen abzudrängen, und ihre völlige Verdrängung dürfte trotz der sogenannten, Milderung des Nu'merus-clausuS'-Gesetzes in ganz wenigen Jahren vollzogen sein. Als Gegenstück <m dieser Wirkung des Niumerus-oiausus-Gesetzes dient die Rundfrage der Budapester wissenschaftlichen Zeitschrift „Magyar1 §zemie" bei einer großen Za'hi ungarischer Hochschulprofessoren über den gegenwärtigen geistigen und Bil'dungsstand der ungarischen Hochschüler. Sämtliche Professoren antworteten, daß mit der Zahl der Hörer auch d a s g e i s t i g e N i v e a u der Hoohschüler in erschreckender Weise gesunken Ist. Die meisten Professoren beklagen sich 'bitter darüber, daß der Idealismus und Wissensdurst der Juden völlig verschwunden sei, Unter den Tausenden von Hochschülern finden sich kaum einige, bei denen eine Begeistenun« für die Wissenschaft m enttdecteu mm Die überwiegende Mehrheit betrachte die Universität bloß als e i n. e F a b r i k vonDiplom e n, dfe ihnen mit der Zeit ein Stück £rot reichen wird, für das sie nunmehr vor der jüdischen Konkurrenz , niebt mehr zu zittern brauchen. An der öudapester Universität sind, die Studenten in den Streik getreten. Am Montag «ab es Krawalle, am Dienstag wurden die Tore geschlossen. Die Regierung läßt jedoch erklären, daß die Streikenden das Semester nicht verlieren werden,. Diese offenkundige Begünstigung der gegen das Regienungsgesetz gerichteten Bewegung erklärt sich zwanglos aus dem Umstände, daß an der Spitze der Studenten*- revolte der Schwager des Ministerpräsidenten, Graf Paul Teleki, steht. SIEGM. KORNMEHL QROSSFLEISCHHAUERSI Zentrale IX., Berggagge 19, Telephon 17-3-99 u. 16»9»3 4 , Lief(rant f ü r H e i 1 a n s t a 1 t e n Äbtglljinjgi^ll^ anter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der l»r. Kul- " tuagemeinde Wien