Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 22 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 Groschen V.b. b. DIE NEUE WELT BEZUGSBEDINGUNGEN : Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljahrig Kc. 15 —; Jugoslawien monatli ch Dinar 14.—t vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweber Francs 1.50, Vierteljahr! * Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 17. Februar 1928 Nr. 22 Ford, Rotliermere und Artur Schnitzler. Würdelosigkeiten. — Jüdische Reklame für den Antisemitenhäuptling. Antwort des Lords auf Schnitzlers Hatvany-Brief. Die Zehn Jahre lang hat der amerikanische Automobilmagnat und . DollarmiHiardär F o r d einen Verniohtungskampf gegen die Juden geführt. Er hat den Antisemitismus auf der ganzen Welt finanziert,;" _ -": den deutschen Hakenkreuzlern, den magyarischen, polnischen und rumänischen Pogromleuten hat er Millionen, zur Verfügung gestellt, einen, großen Teil der Ritualmordliteratur und das Schan^ipuch „Die Weisen von Zion" in Dutzende Sprachen übersetzen und in Millionen Exemplaren. verbreiten lassen. Bis. er eines Tages es sind einige Monate her — entdeckte, daß sein Absatz an Automobilen bedenkliph. zurückging. Das jüdische Puiblikum istzwar'vs$ir;ged.tildig,. aber was Ford sich an Antisemitismus genieinster Art lei- \ «tltfe». ging ilmi doch üljer/' deW S#iäi^uiid:1 es hörte atii/' Ford^AutömdK -zu •käuten.' Überdies erschien Morgan als gleichwertiger -K^xT^rräi£t :'äti|/dei|i: Markt. Iii, Erkenntnis der Sachlage beschloß, der fixe Amerikaner seinen Betrieb umzustellen.! Er schuf eine neue,.. noch billigere Automobiltype und legte sich auch'eine neue Weltanschauung bei.. In den Ankündigungen des neuen Automobils würde bekanntgegeben; ' daß Ford aufgehört habe, Antisemit zu sein. Einigen seiner heftigsten jüdischen journalistischen-Widersachern bot er glatt GeJd an. Ob sie es genommen haben oder nicht,,ist fraglich/Dann tat er hoch ein Uebriges und unternahm eine Art Wallfahrt zürn Führer der reichen amerikanischen Juden, zu Louis Mars ha 11 in New York. In stundenlangem, geheim gehaltenem Gespräch verweilten die beiden Gewaltigen. Die Juden haben zwar keinen Papst, welcher den größten Verbrecher absolvieren und engelrein und lilienweiß machen karfn. Aber Tatsache ist, daß nach diesem Gespräch' der Name Ford wieder in den jüdischen Zeitungen erschien, und zwar in Form von Anpreisungen seines -Automobils und Verherrlichung seiner Person als genialsten Konstrukteur und Kaufmann, Gegen doppelten imd dreifachen Inseratentarif ward, dem Antisemitenhäuptling völlig verziehen. Heute kann man nicht nur in amerikanischen, sondern auch in europäischen, in reichsdeutschen jüdischen Zeitungen Fords' Bild mit dem schmeichelhaftesten Begleittext prangen sehen. Ford hat gewiß durch seine antisemitische Propaganda das Judentum auch moralisch schwer geschädigt, aber durch seine „Bekehrung'.' hat er es unendlich tiefer herabgesetzt. Er, der nun in jüdischen Zeitungen sein bezahltes Lob verbreiten läßt, hat bewiesen, daß - es im Judentume Gruppen gibt, denen die jüdische Würde feil ist, daß Juden sich alles abkaufen lassen, auch die Erinnerung an das schändliche Treiben eines übermütigen Geldmenschen, der hunderte und tausende jüdischer Existenzen und Menschenleben auf dem Gewissen hat, Aeußerlich hat Ford Umkehr getan. Innerlich kann sein Antisemitismus durch die Berührung mit den neuen jüdischen Freunden nur gestärkt worden sein. Vielleicht überlegt sich Ford wieder einmal die Geschichte und gibt als neuerstandener Antisemit seine Erlebnisse mit den würdelosen und käuflichen Juden zum besten. T ■Baron-Hätvany---- vor seiner Taufe hieß er Deutsch----- ist den Schergen. Horthys: in^dae Arme gelaufen und. zu 's i eben J a h r e n K erke rs verurteilt worden. Der verwöhnte,, ..blasierte; Sohn reicher Assimilationsjuden hatte es für giit gefunden, Revolutionär zu spielen und gegen das Hor.thysche reaktionäre Regime derbe Artikel zu schreiben und, schreiben zu lassen. An Taufjuden ist aber gewöhnlich alles unsolid und auch der revolutionäre Anstrich des Baron Deutsch-Hatvany hat sich als nicht waschecht erwiesen. Vor dem Gerichte ist er w i nselnd zusammengebrochen, hat widerrufen und die,Sache der Freiheit, der er zu dienen glaubte, schmählich besudelt. Trotzdem, vielleicht deswegen, hat er Freunde gefunden, die mit viel Reklame-Aktionen unternommen haben, ihm .zu helfen. Eine große Zahl Literaten jüdischer Abstammung, als Aufputz dienen drei oder vier Nichtjuden, hat Adressen an Horthy und zum Ueberfluß auch an den antisemitisch-reaktionären Londoner Zeitungskönig Lord Rothermere gerichtet, in welchen um Gnade für Deutsch- Hatvany gebeten wird. An der Spitze der Gnade Heischenden steht der Wiener jüdische Schriftsteller Artur S c h n i t z 1 e r. Viele jüdische Opfer sind den Budapester Henkern und Richtern zum Opfer gefallen, nach fürchterlichen Qualen . ins Grab gesunken, ohne daß Schnitzler und seine Freunde sich bewogen gefühlt hätten, zu protestieren. Bei verschiedenen Anlässen hat es S c h n i t zl er. abgelehnt, als Jude für Juden einzutreten, dort in die, Erscheinung zu treten, wo er es in Würde hätte tun können. Er sei Wiener und deutsch e r Dichter, nicht jüdischer, gab er zur Antwort. Nun geht er hin und arbeitet, weil mit einem getauften, baronisierteh Millionärssohn unsanft verfahren wurde. Er schmeichelt einem Horthy, preist das „Gerechtigkeitsgefühl" einer: hohen Antisemitenregierung, appelliert an die edlen Herzen der Pogromleute und bittet um Gnade. Nicht genug daran, drahtet er nach London,. an Lord Rothermere, l Aus dem Inhalte: Das österreichische Pro-Palästina-Komitee. Robert Stricker: Was ist mit dem zionistischen Kontrollamt? Brief aus der Slowake!. Deputierter I. Grünbaum: Die Juden im Block der Minderheiten. Aus der Wiener jüdischen Gemeinde. —y: Der Revolver als Erzieher. Aus Palästina. Ein Besuch im israelitischen Versorgungshaus. Die Frontkämpfer. ' Die Judenmission in der Seegasse. Der Dybuk geht um ... Für Ungarn verwundet, von Ungarn ausgewiesen. Dr. Otto Abele s: Rummy. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung: Die jüdischen Sportorganisationen in Polen, Rumänien und der Tschechoslowakei.1— Die Meisterschaftsspiele der Hakoah. — Aus dem jüdischen Sportverband. * Austritte aus dem Judentum. Scliolem Äje|'che(m: Menachem Mendel. , , Schalbm Äsch: Die* Zauberin von Kastilien. den Beherrscher der reaktionären, hetzerischen, antisemitischen, Presse, •und fleht um gütige Protektion. Die ungarische- Regierung hat ihm keine Antwort gegeben, und der liebe Lord hat erklärt, daß Batvany-Deutsch vo n, rechtswegen an den Galgen gehört und Herrn Schnitzler und seine Freunde grob, und höhnisch abgeschnauzt. Zum Ueberfluß hat er seine Antwort an die lästigen Juden durch die ungarische Regierung publizieren lassen. Die Aktion der Herren Schnitzler und. Genossen ist ein Schulbeispiel für A r m u t a n j ü d i s c h e r Würde. In ihr sind Selbsterniedrigung und Selbstüberhebung vereinigt. Antisemiten anzuflehen «und zu umschmeicheln ist kriecherisch. Zu glauben, daß die Antisemiten ausgerechnet den Herren Artur Schnitzler und Genossen ihr Judentum nicht anrechnen und sie gleich zu gleich behandeln werden, ist überheblich. Selbsterniedrigung plus Ueberhebiuwg ergibt Wi*rdelosigkeit. RUNDSCHAU. General Siegfried Popper hat dieser Tage in Prag, wo. er seit seinem Rücktritt vom Amt lebt, seinen 80. Geburtstag begangen. General Popper — sein Titel lautet: General-Schiffsbau-Ingenieur — ist der Erbauer der österreichischen Drednought-Flotte, die aber im Weltkrieg keine Gelegenheit zu besonderer Auszeichnung fand. Ihre erste Ausfahrt war auch ihre letzte und endete unter dem Kommando Horthys mit der fürchtbaren Katastrophe des „Szent Istvan". General Popper ist einer der anerkanntesten und berühmtesten Schiffbautechniker und Amerika, Deutschland und England machten ihm wiederholt ehrenvolle Anträge, die er alle ablehnte. Sehr energisch wehrte er sich gegen die aus der Generalität und vom Hofe Der emriseh'automatüche KÜHLSCHRANK für dm HAUSHALT ist die beste, billigste und hygienisch vollkommenste Methode zur IDEALEN KONSERVIE» RUNG ALLER LEBENSMITTELI - Das Kühlhaus für den Hausgebrauch! DIE PRAKTISCHE HAUSFRAU verlange Prospekte oder besuche unser AusstettmgsloJcaU — GENERALREPRÄSENTANZ: Warchalowski, Finsterh & Co., Oes. m.o,H., Wien, l.} Am Hof Nr. 3 Telephon: 66*1,74