Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 21 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 21 Die Organisierung der jüdischen Kaufleute. Von A. M. Ehrlich, Vizepräsidenten des Verbandes der Jüdischen Kawrleute und Gewerbetreibenden in W-ien. Die Jüdische Bevölkerung Oesterreichs rekrutiert sioh aatm (größten Teil aus der Schichte der Kauileute und Gewerbetreibenden und nichts *st selbstvefständlicher, als daß dieser Kreis von Personen mit «leichartlgen Interessen sich zur Durchführung seiner gemeinsamen Aufgaben vereinigt. Der Verband der jüdischen Kauficute und Gewerbetreibenden in Wien ist eine Notwendigkeit und das nicht nur lim Interesse seiner Mitglieder, sondern a-uoh der gesamten österreichischen Volkswirtschaft Dank seinen internationalen Beziehungen wird es dem Verlband möglich sein, einen engeren Kontakt mit den ausländischen Wirtsctraftskorporationen herzustellen und die wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Auslände sowohl als auch den Handel in Oesterreich auszubauen. Ein besonderes Augenmerk werden wir dem Handel anit dem aufstrebenden Palästina zuwenden. Durch Errichtung einer Korrespondenzstelle in Palästina," durch Aufstellung einer permanenten Mustersahau von den aus Palästina nach Europa importierten Waren und umgekehrt einer solchen in Palästina sollen Angebot und Nachfrage für die Mitglieder unseres Verbandes und die österreichische Volkswirtschaft «esa-mmelt und verwertet werden. Hoffnungsvolle Perspektiven für die Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten durch Selbsthilfe eröffnen sich in dem umfangreichen Einlau! von Angeboten und Nachfragen aus aller Herren Länder, die wir den Verbandsmitgliedeni täglich zur Verwertung mitteilen und in der ^Neuen Welt" veröffentlichen. Der Verband ist auch bestrebt, seinen Mitgliedern in diesem Zusammenhang mit zweckdienlichen Informationen zu dienen. Bin Kapitel für sich bildet die Kreditfrage. Der wirtschaftliche Niedergang der kleinen Unternehmungen ist auch zum großen Teil auf den Kreditmangel zurückzuführen, und unter diesem Niedergang haben die jüdischen Kaufleute and Gewerbetreibenden besonders zu leiden. Hier kann nur die Schaffung eines entsprechenden Kreditinstituts Abhilfe schaffen. Die große jüdische Oeff.nit- Uchkeit muß zu dieser Sache der Selbsthilfe aufgerufen werden. Aber auch die öffentlichen Körperschaften, und besonders die Ku 1 tusgean einden, müssen für das Kreditinstitut interessiert und in Anspruch genommen werden. Das Kreditinstitut müßte eine Genossenschaft sein und das notwendige Eigenvermögen durch Anteilzeichnungen aufgebracht werdea Im Zusammenhang mit der Kreditgenossenschaft soll, noch eine Redhe anderer Er'wer bs- und Wirtschaf tsgenossenschaften ins Leben gerufen werden. Die vielen jüdischen Gewerbetreibenden und kleinen Unternehmungen — wollen sie reüssieren — müssen konkurrenzfähig gemacht und in ihrer1 Leistungsfähigkeit gefördert werden. Dies soll "durch die Errichtung von Produiktivgenossensc'haften, . Interessengemeinschaften usw; zuwege gebracht werden. Durch die Errichtung von Rechtsschutz- und S t e u e r b e r a t u n g s s t e 11 e n wie auch durch Interventionen bei staatlichen und kommunalen Behörden sollen die Mitglieder vor eventuellen ungerechtfertigten Härten geschützt werden. Der Verband, der bedeutende Fachleute auf den verschiedenen Wirtschaftsgebieten und aus verschiedenen Berufsgruppen zu seinen Mitgliedern zählt, wird auch zu Gesetzesvorschlägen, Verordnungen usw. Stellung nehmen und auch selbst Gesetze und Verwaltungsmaßnahmen anregen, die geeignet sind, Handel, Industrie und Gewerbe zu fördern. Ein besonders wichtiges Problem äst für den Verband die Arbeitslosigkeit unter den Jüdischen Handelsvertretern und reisenden Käu Heuten, die trotz ArbeitswilUgkedt und Fähigkeit keine Arbeitsmög-lichkeit linden. Der Verband bemüht sich, für die Handelsvertreter Erwerbsmöglichkeiten durch Bekanntgabe von vakanten Vertretungen des In- und Auslandes zn schaffen. Der Verband trifft Maßnahmen und Vorkehrungen, um für die Stabilisierung der internationalen wirtschaftlichen Interessen des Warenaustausches im Interesse der österreichischen Volkswirtschaft einen internationalen Kongreß der Verbände Jüdischer Kaufleute, Industrieller und Gewerbetreibender der Welt nach Wien einzuberufen. Diese und noch viele andere Aufgaben stehen dem Verband bevor. Die wichtteste Voraussetzung für die Erfüllung seiner Aufgaben ist eine starke Organisation, und diese kann nur durch Zusammenfassung aller jüdischen KaufJeute, Industriellen and Gewerbetreibenden des ganzen Bundesgebietes geschaffen werden. IbGch'erct S II.TAßORSTRASSE20a, TELEPHON 43-1-58 S MODERNE LITERATUR / WISSENSCHAFT JUGENDSCHRIFTEN / JUDAICA UND HEBRAICA Es erseht demzufolge an unsere jüdischen Kollegen der Appell, sich chetunlichst unserem Verband anzuschließen und dies durch Uebergabe der Beitrittserklärung in unserem Sekretariat, L, Elisabethstraße 9, 1. Stock, Tür 10 (bei der Kredit- und Handelskassa „Metropole"), zu dokumentieren. Der Mitgliedsbeitrag beträgt S 6 halbjährig. Die zionistische Völkerbundsa n leihe. Die „Zion. Korr." meldet: Der britische Kolonialminister Amery hat seine halbjährige Tour durch die britischen Dominions beendet und wird für den 10. Februar in London zurückerwartet. Die Rückkehr Amerys dürfte auch eine Beschleunigung der Verhandlungen über die geplante zionistische V 51 kerb und sanleihe für das Palästina-Werk ermöglichen. * Minister Amery hat auf seiner Reise wiederholt Gelegenheit genommen, um zionistischen Abordnungen gegenüber seine Sympathien auszusprechen. In Ottawa empfing er eine Deputation der amerikanischen Zionisten und erklärte ihr, er müsse zugeben, daß in Palästina gewisse von der Türkei geerbte Besteuerungsmethoden geändert werden müssen. Er versicherte, daß die Regierung an dem Palästina-Mandat festhalte. Am 29. Jänner hielt Amery auf einem Bankett der kanadischen Zionisten in Montreal eine Rede, in der er sich gegen einen böswilligen antizionistischen Artikel des Londoner „Daily Expreß" wandte, der die zwischen England und dem Zionismus geschlossene Allianz als einen Versager bezeichnete. Der Minister bezeichnete die Ausführungen als bösen Willen oder Ignoranz. (,/DaiIy Expreß" gehört dem Lord Beaverbrook, einem Millionär, dessen Vermögen aus der Beteiligung an der kanadischen Zementindustrie stammt. Direktor des Blattes ist Generalmajor Sykes, zugleich auch Direktor'der dem Lof|d Rothermere gehörenden wDaily Mail", der zweiten antizionistischen Zeitung.) ^liiiiiiniiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiuiiiiiiiiii^. Talare^Bareltel für Kultus und Justiz in den mannigf alflqsTen Formen erhatten; Sie fertig und nam Maß ü Iii bester Qualität | zu den blUJgsfen Preisen! § ' in der allbekannten Uniformißiungsa. Maßschneiderei | Fieii,ll.TataMeHr.yi (Achtung auf Hausnummer I) E Tel.45-29 Gegr. 1866 | Zählreiche belobende Anerkennungsschreiben! 1 _ Versand natn allen Weltteilen 1 m illustrierte Kataloge gratis I I r^IiimiBiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiieiiiiiiiHfiififiifiiiiiiiifiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiFifiiiiiiiiititi^ Jüdische Jugendversammlung. Im Hotel „Bayrischer Hof" hat vor einigen tagen die angekündigte Versamnvhing der jüdischen Jugend stattgefunden. Die Redner beschäftigten sich mit den Vorgängen in der Kultusgemeinde und die Versamnilung, die sehT stark besucht war, nahm die folgende Resolution äni „Die versammelte Midiseihe Jugend eribdickt -in den jüdischen KuilturinstiUUionen (wie Jüdisches Realgymnasium, Pädagogium, liefcräisöhe Schul- und Kindergärten) das wesentlichste Mittel, einer Aibikehr der Jugend vom Judentum entgegenzutreten und eine mit jüdischem Inhalt erfüllte Erziehung des jungen Menschen zu ermöglichen, Sie protestiert daher auf das entschiedenste gegen die GJeicngifiiltigikeit, mit der die Kuiltusg e m e i n d e m a j o r i -t ä t der Frage der Schafif>ung.und Ausgestaitung eines umfassenden jüdi sehen SchuUwerkes gegenübersteht und verweist insbesondere auf den Gegensatz, in welchen sich die Wiener Gemeinde bezüglich der Errichtung jüdischer Geroeindescihulen zu anderen jüdischen Gemeinwesen ste'Ht. Sie erhebt ferner Einspruch gegen die rückschrittliche und unsoiziale Haltung der Vorstandsmajorität zur Frage der Verallgemeinerung des Wahlrechtes, da eine Gemeinde, die auf das Zusarranenwiricen aääer Bevölkerungsschichten Wert zu legen hat, unmöglich den Großteil der Gemelndeangehörigeiu insbesondere die Frauen, ihres primitivsten Reedites, auf die VerwaHtung der Gemeinde Einfluß zu nehmen, berauben darf." SPEZIALIST Ifttr Klnd«r. und Mädchenzimmer-, Küchen* und Vor- ■ slmmer-MÖBei,. SchlaHauteuiis, Diwans und Ottomanen elge- ■ der Erzeugung. Geschäftsbesaad seit 60 Jahren,. Motto: Oroöei ■ UrasaU. -r kleiner Nutten, OrOfite Auswahl! 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Aber bei keiner dieser vielen heiligen Stätten ist das Eigentumsrecht des jüdischen Volkes durch einen „Kuschan", einen Kaufvertrag für alle Ewigkeit, festgelegt, wie gerade bei der Höhle Machpelah!, von der es in der Bibel ausdrücklich heißt, daß Abraham! sie als ewigen Besitz von Effron dem Chetiter gegen Erlag der Kaufsumme vertragsmäßig erworben hat. Und dennoch geht seit Jahrhunderten der Kampf um die achte Stufe jener Treppe, die in das Innere der Höhle Machpelah führt. Bis zur siebenten dürfen auch Nichtmohammedanerj, also auch Juden gelangen, und dort auf der siebenten Stufe haben die geschäftstüchtigen Mohammedaner eine große Einwurfsöffnung gemacht, durch welche Juden ihre tausendfältigen Wünschen und Bitten an die unten bestatteten, als heilig verehrten Toten richten dürfen. Was die Mohammedaner mit den vielen tausenden „Quittein", den schriftlichen Bittgesuchen machen, weiß kein Mensch. Zu allen Zeiten war die Höhle Machpelah, vielleicht gerade weil sie von den Mohammedanern so eifersüchtig bewacht wird, das Ziel der Sehnsucht von Juden, und Christen gewesen. Und im Laufe der Jahrhunderte) haben sich, wie die Geschichte verzeichnet, so manche groteske, aber auch tragische Episoden ereignet, von denen hier an einige erinnert werden soll. Zunächst ist es interessant, festzustellen, daß das Verbot der Besuches der Höhle so strenge gehandhabt wurde, daß selbst der große Moses Montefiore bei seiner Anwesenheit in Palästina sich vergeblich bemüht hatte und vergeblich alle seine hohen und höchsten Verbindungen spielen ließ, um die Erlaubnis zum Eintritt zu erlangen. Der erste Jude, der im letzten Jahrhundert, die Höhle offiziell . besuchen durfte, war Josef Kriegen» der damalige türkische Regierungssekretär des liberalen Gouverneurs von Palästina Rauf Pascha. Vor 40Jahren etwa hatten die Enkel der Königin Viktoria von England, and zwar der jetzige König Georg und sein jüngerer Bruder Robert auf ihrer Orientreise auch Palästina besucht und sprachen in Jerusalem den Wunsch aus, nach Hebron zu fahren, um die Höhle Machpelah von innen zu besichtigen. Zu diesem Zwecke mußten besondere Erlaubnisscheine ausgestellt werden; aber selbst diese Passierscheine schützten den Inhaber nicht immer mit Sicherheit vor Insulten oder gar Mord. Deshalb begleitete der Gouverneur und sein jüdischer Sekretär Josef Krieger die englischen Prinzen, um mit Sicherheit alle Zwischenfälle zu verhüten. Daß auch Fürstlichkeiten, soferne sie nicht mohammedanischen Glauben angehörten, bei einem Besuche der Höhle, selbst wenn sie in Begleitung, der Vertreter der türkischen Macht kamen, vor Insulten nicht ßicher waren, geht aus einer Aufzeichnung des vorzüglichen Kenners der älteren Geschichte Jerusalems, Grajewski hervor. Er erzählt: Im Jahre 1870 war der damalige deutsche Kronprinz Friedrich Wilhelm mit seinem Reisemarschall und kleinem Gefolge in Jerusalem Gast des Gouverneurs von Palästina. An einem Freitagmorgen begab sich die ganze Gästeschar unter Führung des Pascha von Jerusalem nach Bethlehem, von wo die Gesellschaft nach Hebron fuhr, und sich in das Innere der Höhle von Machpelah begab. Die Besichtigung währte ungefähr eine Stunde. Der Scheich, der mit einem Wachkommando, das zur Bewachung der Höhle Machpelah bestimmt war, am Höhleneingang stand, murrte schon, als er zähneknirschend gezwungen wurde, den „Giaurs"» den Ungläubigen den Eingang freizugeben. Nun wurde damals die Reinhaltung des Heiligtums vor Ungläubigen mit solcher Strenge gehandhabt, daß es nicht genügte, einen Passierschein beim Eintritt vorzuweisen, sondern man auch einen Passierschein beim Austritt aus der Höhle vorweisen mußte. Die Aufsichtspersonen in der Höhle, nämlich konnten, wenn ihnen ein Besuchen verdächtig erschien, diesen einer förmlichen Inquisition unterziehen, und wehe dem, der als Jude oder als Christ entlarvt wurde. Als der deutsche Kronprinz und die übrige Gesellschaft die Höhle verlassen wollte, verstellte ihm trotzig und mit blitzenden Augen der Scheich an der Eingangspforte den Weg mit den Worten: „Ich weiß, daß du eine iiuaderbewilligung die zum Eintritt Ja die Höhle,