Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 21 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. ZI Der arme feige Hatvany und seine Helfen llliii 1 In keinem jüdischen Hause dürfen an Pessachfagen | jj HDB *W dl« wBUberUhmien no© W §j I Palästina $ Mazzoth I ■ fehlen f § =s hergestellt unter streng ritueller AuHchtSr. Ehr wUrden Hort nOberrabbfn«? Josef th«1mSonn«tcfeld, §§§ | Jaffa, und das „Chl«r-Aabbi" von ftres Israel, Sr. Ehrw. Herin A. I. Kook, Jerusalem es sp Gepackt in hygienischen Kartons zu */, kg g « Generalrepräsentanz fOr ganz Oetterrelch i I| Nathan Brodetzki, Wien, IL, | Leopoldsgasse 43, Telephon Nr. 46*1 -90 , ■ Finalem Heinrich Bendiener, I. Judengasse 11, u. Jakob Weift, If. Ifnt* Augarfenstr. 25 g Original Palästina*Weine aus „Rischon le Zion" m a?lewlstetil erffUHet Bure PW*ht «;d ka^t §| zu pessjach nur Masxotti au« Srot l»ra<a« l |§ BBBflBHBBBBBBBBaaBBBaBEaBM . iiniiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim winden können. Wär wollten, daß die Regierung die Baifour-Erkiärung und die Mandatsverpflichtungen von toten Bachstaben zu realem Leben macht; wir wollten, daß die vom jüdischen Volke in Palästina durchgeführte Aufbauarbelt sich der aktiven Förderun« der Regierung zu erfreuen hat. Was heute vor sich gebt, ist damit nicht ganz identisch. Die Zionistische Organisation hat ihr Aufbauwerk iör eine bestimmte Zeit unterbrechen müssen; ihre Mittel reichen nicht einmal aus, um das Bestehende zu erhalten. In dieser Notlage hilft ihr die Regierung. Die Zionistische Exekutive kam zur Regierung nicht fördernd, sondern bittend; sie kam in höchster Not und mit der Erklärung, daß sie selbst nicht weiter könne. Es bedarf keiner großen Phantasie, um sich auszumalen, daß diese Tatsachen die Position der Regierung ebenso stärken, wie die unsere schwächen müssen. Die Regierung wird künftighin die Möglichkeit haben, die Einwanderung mit der Begründung hintanzuhalten, daß sie nicht noch einmal in die Lage kommen wolle, für Arbeitslose sorgen zu müssen. Erst die nächsten Jahre werden lehren, ob die Hütender Regierung in diesem Augenblick in ihrem Endergebnis mehr nützlich oder mehr schädlich gewesen ist Unser Zier muß jedenfalls bleiben, die Regierung an den Gedanken zu gewöhnen, daß sie zu kontinuierlicher aktiver Mithilfe beim AhfDäüwerk verpflichtet-is^'üFcht nür zu sporadischer Hilf e/ wenn die Not auis Höchste gestiegen ISt! Es wäre natürlich verfrüht, heute ein Urteil über die Haltung der neuen Exekutive abzugeben. Die Wiedereröffnung der Schulen ohne wesentliche - Kürzungen, die Verkleinerung des Apparates der Zionistischen Exekutive, die beginnende Liquidierung des Arbeitslosenprohlems sind positive Momente, die dem Konto der Exekutive gutschreiben sind, auch wenn, diese, Erfolge nicht bloß der Exekutive zu verdanken sind.. Alber vor allem steht der Exekutive ein entschuldigender Umstand zur Seite. Die Voraussetzung nämlich, auf Grund deren das Triumvirat steh wählen ließ, war das Versprechen aller beteiligten Faktoren, daß das regelmäßige und pünktliche Eingehen der Kejren Hajcssod-Gelder hi Höhe des vom Kongreß beschlossenen Budgets, garantiert sei. Dieses Versprechen ist nicht, erfüllt worden. Der" Ker'en Hajessod hat bisher noch nicht in; einem einzigen Monat des neuen Budgetjahres der Exekutive denjenigen. Betrag zur Verfügung stellen können,, mit dem sie au rechnen hatte".'Ein neues Defizit ist somit entständen, und,. wenn man auch hoffen kann, daß. dieses Defizit "/ganz, oder teilweise ton' Laufe der nächsten Monate ausgeglichen werden 'kann, so' erschwert doch das au oh hur vorübergehend. vorhandene heue Defjzlt die „Konsolidierung der/Kasse", die sich .die •Exekutive als erste Aufgäbe gestellt hat. Es ist bekannt, daß vor-allem d i c Amerikaner b i sh eV be'd6 ri tili c h versagt haben,. und das gegenüber „ihrer Exekutive"! Wenn sie sich nicht bald eines Besseren besinnen, besteht die Gefahr, daß selbst das Mitiimalbudget des letzten Kongresses nicht eingeht und daß somit aityh die kleine Aufgabe, die sich die neue Exekutive sesttllt hat, nicht .durchgeführt werden kann. 3jlilllllfji)!i!!!lffl =§ §F 1 radikaler Ziems teil jj §j ' Mittwoch, den 15. Februar 1028 um halb 9 Uhr §j H_ .. , abends findet .im Klüblokälc'Cafe Atläshof, V/ieh.L/J| §2 Äspemplatz; cUe'~ "'' ' - 8 | KSubversamielsinf* start ■• | =5 Gegenstand: ■ §j | Popper-LynkctB oder Marx 1 H Referent:. S H Robert Stricker H 1 . § §gj fm österreichischen Landesverbände organisierte . gg || Zionlsten als Göste willkommen. Zu dieser Ver- 35!§ Sammlung ergehen l<eine besonderen Einladungen g' lliilllllfH wje Sie die Broche machen ~ ich habe mir sagen lassen, daß es am Freitag abends bei Ihnen besonders1 feierlich zugeht... Aber warum stehen Sie denn noch immer, Reb Arn-Leib? Bei Gott, meine armen Waisenkinder sind so hungrig sie haben heute den ganzen Tag nichts gegessen!u Nun reißt Keb Arn-Leib die Geduld. »Joobewed," ruft er seiner Frau zu, „wo ist der Hausmeister? Ruf ihn!" Der Hausmeister erscheint In der Tür. Reh Arn-Leib weist auf Chaje-Raize. Der Hausmeister geht auf sie zu. Da erheben sämtliche Kinder ein furchtbares Wehgeschrei: „Hilfe! Weh' uns; man scWägt eine Witwe! Man mißhandelt eine arme Witwe!" und alle, die Großen und die Kleinen werfen sich auf Reb Arn-Leib und bearbeiten ihn mit den Fäusten: „Gewalt! Man schlagt eine Witwe! Man bringt sie um!" Und unter allen Stimmen am lautesten klingt Chaje-Raizes Geschrei: „Gewalt! Er schlägt meine Waisen, meine armen, kleinen Walsenkinder!" Aus allen Gassen laufen die Leute zusammen, dringen in das Haus und brüllen wacker mit. „Man schlägt eine Witwe! Reb Arn*Leib Will unschuldige Waisenkinder schlagen lassen!" Vor allem fliegt der Hausmeister über alle Treppen hinunter, dann umringen sie den Herrn des Hauses und halten ihm ihre Fäuste uhter die Nase. Nach und nach wird es ein wenig ruhiger. Der Sturm beginnt sich zu legen, Reb Arn-Lefb fährt sich durch den langen Bart, zupft seinen Seiderikäftan zurecht und trifft Anstalten, die Broche zu machen. Es ist doch Schabbes! Nachdem er sie beendet, rufen die arme Witwe und die armen Waisen ein kräftiges;,Airien" dazu und Reb Arn-Leib schickt sich an, sieb die Hände zu waschen. Nun reicht man dem Hausherrn auf einer Schüssel einen riesigen Karpfenkopf. Wie der Blitz stürzt sich Chaje-Raize darauf und in einem Augenblick hat sie den Kopf 4es Karpfen« zerlegt njri an ihre aarmen" WaImo verteilt. Dann greift sie nach den Barohes und jedem Kind ein Stück davon abbrechend, sagt sie dazu: „Iß, mein gutes Kind, iß zur Gesund! Ihr eßt ja nicht, Gott behüte, jemandem etwas weg, Ihr eßt nur, was Euch zukommt! Was Eure Mutter durch ihren Fleiß verdient und was Euer Vater, Gott laß Hin selig riihen, Euch hinterlassen hat!" Arn-Leib folgt mit erstaunten Augen ihrem Tun. „Was soll das heißen? Und wo bleibt Euer Gewissen?" „Es gehört sich," entgegnete Chaje-Raize salbungsvoll, „daß Ihr als guter Jude vor allem die Freitag-Abendgebete anstimmt. Ihr könnt ruhig sein, mein Sohn und meine Enkel tun mit!" Reb Arn-Leih bückt nach seinem Weib und sieht, wie sie, feiertäglich angetan, mit Seidenkleid und Brillanten in den Ohren, verzweifelt dasitzt und die Hände ringt. ,,WcJ?' uns, ein großes Unglück hat uns betroffen!" . Man wartet noch immer mit dem Auftragen der Suppe — man wartet — und Chaje-Raize wartet auch. „Wie soll das eigentlich enden?" fragt der Herr des Hauses. — „Wie das enden soll? Sehr einfach — Ihre werte Gattin, Frau Jochcwed, soll ansphafien, daß man die Suppe aufträgt. Soll mir Gott so helfen, als mein Söhn David einen Löffel Suppe braucht — seit der Früh hat er nichts gegessen!" / Als das Fleisch hereingebracht wird, trägt es jochcwed geschwind zu ihrem kleinen Tisch in der Ecke, zerschneidet es und winkt ihren Mann zu sich. Aber Chaje- Raize ist nicht faul, sie stürzt zu Jocheweds Tisch, packt die ganze Schüssel und trägt sie zu ihren „armen" Waisen/ „Gott steh'mir bei" sagt sie — „wenigstens werden die armen Kleinen zu Kräften kommen. Die ganze Woche kommen sie nieht zu einem so guten Essen ~ aber hier, für ihr eigenes Geld sollen sie sich anessen und, gütlich tun!" Jochcwed, Ist ihr srte ekw LüwJo aachgettüxtt und Nicht auszumalen das ingrimmige Behagen, mit welchem die Büdapester Richter dem BarOn Ludwig HatvanyDeutsch zugehört haben mögen, als er da vor ihnen stand, an Leib und Seele zitternd, in Angstschweiß gebadet, um Verzeihung flehend, demütig gestehend, daß er sehr schwer gefehlt habe, daß er in seiner heißen Vaterlandsliebe den Einflüsterungen boshafter, verlogener Zuträger erlegen sei und damals, vor sechs Jahren Uuter Unwahrheiten Über das Horthy-Regime geschrieben habe. Jetzt sei er eines Besseren belehrt Horthy und seine getreuen Diener sind die edelsten, gerechtesten, menschlichsten Hüter der Ordnung, die verehrungswürdigen Retter. Ungarns. Nieht auszumalen» wie sich der Judenhaß der Hörthy-RIchter am Anblick dieses Angeklagten gelechzt haben mag. Bei der Abgabe der Personalien wurde zwar protokolliert: Konfession römisch-katholisch. Aber wer den Literaten Hatvany-Deutsch jemals gesehen hat und man sah ihn doch in Wien überall ~ der weiß, daß er das Prototyp des degenerierten nervösen Großstadtjuden ist, und zweifelt nicht, daß für die Horthy- , Leute die Verhandlung über politische Preßdelikte des magyarischen römisch-katholischen Adelsmannes ein Prozeß gegen das Judentum war. Er hat sich in Wien viel umgeian, der bedauernswerte, zu sieben Jahren Zuchthaus undzu einer riesigen Geldstrafe verurteilte Baron Hatvany. Man las seinen Namen in den Zeitungsberichten über alle gesellschaftlichen Veranstaltungen, die sich „ein Ereignis" nennen, sah ihn bei allen Theaterpremieren und bei de« Premieren ungarischer Dramatiker erschien er im Frack. Er veranstaltete eine große Pctöfy-Feier in der Hofburg, ließ es niemals an der Betätigung seiner Liebe zu Ungarn fehlen,-wollte eine Rolle spielen, denn er war immer strebsam und betriebsam, hatte Geld, trachtete allenthalben auf der Oberfläche zu schwimmen und da ihm nun einmal Erfolge a Ia Molnar oder Kalmar nicht beschiedeu Waren, suchte er sich als Publizist hervorzütun, gelegentlich auch als Politiker. Diesen armen reichen Baron haben sie sich eingefangen, ah hätten sie geahnt, wie schmachvoll er sich , in dem Prozess benehmen werde, den sie, ihm machten, als hätten die Rasscnschützier gewußt, hier müsse es gelingen, dem ungarischen Volk ein Schauspiel „jür&chcr Feigheit und Jämmerlichkeit" vorzuführen. Selbstverständlich gibt es in Horthy-Ungarn armselige Intelligenzler israelitischer oder meistens — ehemals israelitischer Konfession, welche die nämliche Erziehunggenossen halben, wie Hatvany, welche die nänv.; : liehe blöde/ "hündische/- gatt* fruchtlose Feigheit, Wie sie der arme Barön vor seinen Richtern an den Tag legte, seit der Etäblierüng des weißen Terrors beobachten. Sie waren Törekys Helfer, sie berieten Hatvany dahin/zu widerrufen, zu winseln, sich der Verblendung zu zeihen und den Mächthabern den Stiefel zu lecken. Oh, niemand hat Terror geübt, gefoltert, zu Tode geprügelt, in die Donau geworfen, an den öalgen geknüpft... Es hat dem unglücklichen Jammerlappen nichts genützt. Es hat nur der Gerechtigkeit geschadet, es hat nur Verbrechern ein Alibi verschafft. Es hat nur den jüdt-, sehen Rücken tiefer gebeugt. Denn trotz Taufwasser, Magyarentum und Baronie werden die feige unterkriechenden Hatvany uns zugerechnet und uns wollte man mit dieser Gerichtsverhandlung treffen. will Ihr gewaltsam die Schüssel entreißen. Aber da umringen, sip die „armen Waisen" und bämgcu sich an ihre Kittelfalten. „Gewalt, sie will eine arme Witwe schlagen!" Und wie immer, am lautesten tönt Chajc-Raizes Stimme: „Gewalt! Sie.schlägt meine armen Waisen!" Und wieder läuft die ganze Gasse zusammen, dringt ins Haus und alles schreit,'lacht und flucht durcheinander. Mit Mühe und Not wird die Abendmahlzeit nun auch beendet, Reb Arn-Leib schickt sich an, das Abendgebet zu sprechen, als die junge Witwe.zu stöhnen und klagen beginnt.. . . Die viele Aufregung hat wohl dazu beigetragen, daß der erwartete Erdenbürger etwas verfrüht seine Ankunft anmeldet Alber Chaie-J;taize weiß auch hier Rat. Kurz entschlossen, packt sie die junge Frau und schleppt sie in Reb Arns Schlafstube; mit flinken Händen macht Sie sein Bett auf und dabei spricht sie auf die junge Frau beschwidfo« tigend ein: „Sei ruhig, meine Tochter! Er, der Vater der Witwen und Walsen, wird dir helfen, daß alles gut geht!" Und zu einem der Kinder, die mit Weit aufgerissenen Auge» dastehen, sagt sie: „Geb rasch, mein Kind, zur Babe Nechfc und sage ihr, es ist an der Zelt, sie soll schnell zu Keb Arn-Leib kommen, bei dem wir, leben soll er, von jetzt ab glückliche Tage verbringen werden zu seinem und ganz Israels Glück!" Ais Reb Arn-Leib und Jochewed sehen, was geschieht, fangen sie seitost an, über Gewalt zu schreien. Sie stürzen ins Schlafzimmer und versuchen zu verhindern, daß ihr Bettin Anspruch genommen wird, aber da umringen sie die sämtlichen Kinder und brüllen von neuem: „Weh' über uns, man schlägt uns arme Waisen!" Und Chaje-Raize schreit am lautesten dazwischen: „Weh' mir, Gewalt — er läßt die :arme, verwaiste' Witwe zugrunde gehen!" Wieder läuft die ganze Gasse zusammen — Männer, Friaeo, Kinder « und CtaJe-tUfee fdureit noch lauter;