Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 20 (3.2.1928)
- Date
- 1928-02-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Hr. 20 DIE NEUE WELT IUDISCHES^ KINDERMÄDCHEN sucht Posten zu besserer Familie. Auch Provinz. Gefl. Zuschriften unt. „ivinder liebend-*a.d Adm.d. Bl. Die Juden In Afghanistan. Die Weltreise des Königs Am a null ah von Afghanistan hat auch das Interesse für däe «n diesem mittelasiatischen Lande leibenden Juden geweckt. In Afghanistan loben rund 5000 Juden. Sie wohnten früher alle in Herath, jetzt findet man jüdische Gruppen in Khandar, Meioiona, Mouizard-cnevif, Anchei und in anderen kleineren Städten. In ihrem Aetißeren sind sie von der übrigen Landesbevölkerung nicht w unterscheiden, sie führen auch die gleiche Lebensweise, meist beschäftigen sie sich mit Handel. Man findet mehrere junge Juden, die ihre Ausbildung in Europa genossen haben. Der jetzige König unterhält die besten Beziehungen zu den Juden seines Landes. Die Juden Afghanistans stammen von jenen Marranen a/b, die vor etwa 90 Jahren Persien verlassen haben, um ihrem jüdischen Glauben weiter leiben zu können. In Kabul leiben noch 30 jüdische Familien, die von den aJten ernst vertriebenen Juden Afghanistans abstammen. Einige von ihnen sind sehr reich, man nennt sie die „alten K a b u 1 e r F a m i 1 d eri Das afghanische Volk selbst hält sich für einen Afotkömimfeg des jüdischen Stammes Benjamin, die Afghanen nennen sich auch öenjanfiiten. Die Juden Afghanistan sind gute Patrioten; im letzten Krieg gegen England kämpften sie in den Reihen des afghanischen Heeres. Einer der Führer der Juden Afghanistans, der beikannte Philanthrop A g a Moussa Arn lauf, ist, wie viele afghanische Juden, ein wärmer Anhänger des Zionismus. Jüdisches Leben in Indien. In Indien leben insgesamt etwa 15.000 Juden: sie scheiden sich in drei Gruppen: Bnei Israel, Koudjinjuden und Bagdadjuden. Die Bagdadjudcn sind erst im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts nach Indien gekommen. Sie zählen rund 3000 Seelen und leben im Bombay, Ebenfalls in Bombay lebt der B n e i -1 s r a c 1 - S t a m m in einer Stärko von 3000 Seelen. Der Stamm, der die .Moratlesprache "spricht, besitzt fünf Synagogen, die Namen wie „Schaarei Rozon", „Tifereth Israel" tragen. In der Stadt Kradzi leben weitere 2000 Mitglieder des Bnei-Israel-Sfcammes, die in der Gari Hoteistraße eine Synagoge besitzen. In K o u djin,-Distrikt Malabar, lebt eine Anzahl jüdischer Familien. ,,I)iese. besrtzeji eine, nach der Ueberlieferanig 1150. Jahre alte Synagoge, die. den Namen Kadavumbagan trägt. Das Gros der K ond j i n j u d e n lebt in der Stadt Eirau&ulam und in den benachbarten Orten Dzenou, Manglan und Porti. In Kalkutta leben etwa 1000 Juden. In der Umgebung von Bombay und Reivarandt leben 40, in Panveil 30, in Pein 30, in Aliborg 22, in Pirna 30 jüdische Familien. In jedem dieser Orte gibt es eine Synagoge. Die Bagdadjuden und die, Koudjinjuden beobachten streng alle jüdischen Gesetze und Traditionen, dies ist bei den Bnei-Israel-Juden nicht in dem gleichen Maße der Fall. Die erstgenannten Gruppen schließen mit den Bnei Israel Iceine Ehen. Der Führer der Bnei Israel ist Rabbi I sb i r E c he s k i e 1, der ein sehr gelehrtes Buch über die Herkunft der Juden in Indien geschrieben hat. Angehörige des Bnei-Israel-Stanrrnes sind in der Hinduregierung vertreten und bekleiden hohe Regienrngsämter. Viele von. ihnen sind Lehrer der Hindusprachen, über die sie besser Bescheid wissen als die Hindus selbst. Im allgemeinen sind die Bnei Israel nicht sehr bemittelt, viele von ihnen treiben Ackerbau. Ihre Kinder 'besuchen englische Schulen, gleichzeitig auch die von Mitgliedern der Sassoon-Familie begründeten hebräischen Schulen. Die Bnei Israel sind jüdisobnational gesinnt, viele von ihnen streben danach, nach Palästina auszuwandern. Die Bagdiadjiwien aber betrachten die Bnei Israed nicht als Volljuden, weil viele alte jüdische Bräuche bei ihnen in Vergessenheit geraten sind und. sie sich nur an Sabbat- ) und Festtagen zu gemeinsanier Andacht vereinigen. Es fehlt jetzt nicht an Bemühungen, eine Annäherung zwischen den Bnei Israel und den anderen jüdischen Gruppen Indiens herbeizuführen. * Auf seiner Reise von Singapore nach Colombo besuchte der Keren-Hajessod-Ronier L>r. Alexander Goldstein Rangoon, die Hauptstadt von Burma. Am 27. Dezember sprach er dort in einer von der jüdischen Gemeinde veranstalteten Versammlung, die sehr stark besucht war. Den Vorsitz führte der Präsident der Gemeinde A. J. Cohen, der mitteilte, daß die zionistische Tätigkeit in Rangoon sich gut entwickelt und daß die Keren-Hajes- San Retno PENSION KOKISCH Streng fPS VILLA EUGENIA Aller Komfort, mäßige Preise sod-Aktion im Jahre 1927 R«. 4900 erbracht habe. . Das Frauenkomitee hat 100 Nationalfondsbüchsen verteüt. Doktor Goldstein hat auch in der früheren Hawptstadt von Burma, Mandalay, ein zionistisches Komitee organisiert. Kartonnagen-Erzeugung. Einer unserer Mitarbeiter hatte m den letzten Tagen Gelegenheit, der Kartonnagenfabrik Gel band & Co., IX., Grundlgasse 5. einen Besuch abzustatten. Das Unternehmen wurde im Oktober des Jahres 1926 von den Brüdern Arnold und Hermann Gel band ins Leben gerufen und zählt nach dieser verhältnismäßig kurzen Zelt, dank dem intensiven Arbeitseifer der FJrmeninhalber zu den führenden in der Branche. Im Arbeftsraum sind die allermodernsten Maschinen aufgestellt, die in rasendem Tempo die einzelnen Teile der Kartons verarbeiten. Von besonderem Interesse ist eine kombinierte Maschine, die innerhalb einer Stunde den Zuschnitt für 5000 Kartons besorgt. Die Fabrik, die ungefähr 30 Arbeiter beschäftigt, beliefert nahezu alle führenden jüdischen Unternehmungen und verdient deshalb besondere Beachtung, weil sie trotz der widrigen wirtschaftlichen Verhältnisse weder an Feiertagen noch an Samstagen in Betrieb ist. Ein jüdisches Unternehmen, geführt von zwei : ambitionierten Leuten, das sich in Wien in solch pietätvoller Weise eingeführt hat, wird gewiß seitens des jüdischen -Publikums die größtmögliche Unterstützung finden. Sterbeiälle. . . . . , Am Sonntag ist hier Frau Karoline G r o ß dn hohem Alter gestorben. Sie erfreute sich, flhrer Güte wegen, bei allen, die sie kannten, großer Syimnathien. Die Bestattung hat aim Dienstag auif dem Zentralfrdedihof stattgefunden. Am Mittwoch ist hier der Rechtsanwalt Dr. Itzku Landau im 41. Lebensjahre plötzlich verschieden. Doktor Landau, der ein treuer Mitarbeiter der jungjüdisohen Bewegung war,, hat sich während setiner Universitätsizeiit der akademischen, Venbindung ^KJadimah" angeschlossen. In der letzten Zelt leitete er ihren Alte-Berren-Verband und stand nirgends zurüdk, wo es galt, ifür die zionistische Idee zu winken. D'i-e Bestattung findet heu te, den 3. d. M., statt. Dreißigjähriges Auitsjuhiläuin. Der Verwalter des Spitals der Wiener isr. K u 11 u s g e m e i n d e, Herr Hugo Weiß, beging am 1. Februar sein 30jähriges Amtejubüläu'm. Herr Weiß hat sich um das ihm anvertraute Institut große Verdienste erworben. Das Judentum Wiens weiß ihm Dank ifiür die Aufopferung und Treue, mit der er das Krankenhaus insbesondere während der Kriegszeiit und der ersten Friedensjahre leitete, in denen die schweren Folgen der Inifiation sich geltend machten. In dieser Zeit hat Herr Weiß geradezu Vorbildliches geleistet, das SpiUal und die Kranken als ein ikostbares Gut der jüdischen Gemelnschaift geschützt und sich die Anerkennnus . der ^on ,4hm Betreuten und seiner-Vorgesetzten erworben? Mit ihnen danlkt. liten die gesamte jüdische Oeißfentficlifkeit für seine unermüdliche, von echter Menschenliebe und jüdischem Empfinden beseelte Pflichterfüllung. Eine Erklärung. Herr Kultusvqrsteher Moses Rath ersucht uns ttm die Veröffentlichung der folgenden Erklärung: ... . ,} „Bei der Generalversammlung des Vereines „Beth- Israel" wurde gegen mich der Vorwurf erhoben, ich wäre in. der sozialdemokratischen Partei politisch "organisiert, obwohl ich Mitglied des Zionistischen Landeskomitees und zionistischer Mandatar im Kultusvorstand bin. Ich erkläre demgegenüber: Ich gehöre seilt 24 Jahren ununterbrochen der zionistischen Organisation an und war n i e an a 1 s bei der sozialdemokratischem'Partei gewerkschaftlich oder politisch organisiert. Dieses, in den •letzten Wochen von einem Herrn systematisch verbreitete Gerücht ist glatt erfunden." Personalveränderungen in den Wiener Gemeindesynagogen. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien hat den Oberkantor Heinrich Fischer des Großen Leopoldstädter Gemeindetempels auf die durch das Ableben des Oberkantors M. B. Kaufmann freigewordene Oberkantorstelle im Seitenstettentempel versetzt, dem bisherigen ersten Kantor am Gemeindetempel im 18. Bezirk, Gereon Marguli es die Funktionen des Oberkantors am Großen Leopoldstädter Tempel übertragen und dem ersten Kantor am Gemeindetempel im 21. Bezirk, David Groß die hiedurch freigewordene Stelle am Gemeindetempel im 18. Bezirk verliehen. Die genannten Funktionäre werden ihre neuen Aemter bei dem am Freitag, den 3. Februar k J« stattfindenden Abendgottesdienste antreten. Zionistische Versammlung in Leoben. Aus L e ob e« wird uns geschrieben: Ann 23. Jänner fand hier eine Versammlung der (Zionistischen Ortsgruppe statt. Der Vorsitzende Herr Simon G e w i ng widmete deim dahingeschiedenen Oberrabbiner Prot Chajes tiefempfundene Worte des Gedenkens, welche von der Versammlung stehend angehört wurden. Die kleine Ortsgruppe, die bloß 15 Mitglieder zählt, arbeitet unverdrossen für den zionistischen Gedanlken. Leaben, welches 30 Jüdische Familien bat, besltet 23 National-Fondsbüchsen. Die Chänukaleerung ergab S 60. Köstlich und erfrischend ist der Schlaf in EfcJers patentierten „Ide a 1 be 11 en". die nach den neuesten hygienischen Regeln aus besten Materialien hengesteSUt werden, Verkauf zu Fabrikpreisen en detail durch Eisler Nacht, Wien, II., Praterstraße 4$, und V., DJehOigasse 19, Daselbst große Auswahl in Bettfedern, hygienischen Drahteinsäteen, Patent-Schlaifmöbeln jeder Art, modernsten Kinder* und Puppenwagen. Nur .erstklassige Qualitätsware m enorm frUttgea Preisen, H ABGEARBEITETE C1"ft DEC (von 50S aufw.), Decken-, * ■ w K B 9 Filet-, Klöppel-, Tüllspitzen usw. billigst. TUCHtAUBEN 13, Im Hausflur Theater und Kunst. Jüdische Künstlerspiele« Wiederauftreten Isaak Deutsch'. Der Name Isaak Deutsch hat in Wien immer den besten Klang gehabt; ist doch mit ihm die leider zu kurze Glanzperiode der .yFreien jüdischen Volksbühne" aufs innigste verknüpft gewesen. Er war der einzige j'üdische Theaterleiter mit literarischen Amtbitionen, mußte aber dem neuen Zeitgeist, der Revue und Operettettmode, ,dk auch die jüdischen Theater in Wien enfaßt hat, weichen und nach Südamerika auswandern. Daß man aber ihn und seine große Kunst in all den Jahren nicht vergessen hatte, bewies der überaus herzliche Empfang, der ihm nach seiner Rückkehr von einem übervollen Hause zuteil wurde. Leider war das Ärrtrittsstück nicht glücklich gewählt. Die alte abgespielte Operette „Isaalks Opferung" vpn Goldladen bot Deutsch wenig Gelegenheit eur vollen Erit- 'failtung seines schauspielerischen Könnens.• . Immerhin konnte man feststellen, daß er der gleiche sympathische, geschmackvolle Schauspieler ' geblieben ist und seine Stimme schöner denn je klingt. Es .wäre sehr erfreulich, wenn die Leitung der „Jüdischen Künstlerspiele" Ihm zuliebe das Revuenprogramm hie und da beiseite schieben' würde und dem jüdischen Publi'kum auch ernste Vorstellungen böte. Wenn man über so ausgezeichnete Schauspieler wie Isaak und Mina Deutsch verfügt, dürfte es wohl nicht seftwer sein, auch mit der Literatur volle Häuser <m erzielen. „Auf nach Tel-Awiw!« Die Revue in den „Jüdischen Künstlerspielen". Der Erfolg dieser ersten jüdischen Revue, wdohe ami Donnerstag den 2. Februar wiederholt wird, ist so groß, daß bereits am 13. Februar die 50. Aufführung stattfinden -,'>;l^>: < V*4 V*f ':<> « ' $ " 1 "<^Cj;*- i-V&hvA-*,' < i \ . , ^> A <\ - ""<' < s ''- i ",<'jX'"» - » u *' <^ ' " , - ' <i \ i^k/i?:^% - sh*,fa i<^v" ^v^L „>™ - , ' >>>M% wird. Von besonderem Interesse ist das letzte Bild, welches in landschaftlicher und kostümlicher Treue den Anita&t zum Leben in Tel-Awiw zeigt, per Autor der Revue, A. M eis eis, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der „Jüdischen Künstlerspiele", geiderikt die Jubüläumsvorstellun« durch einige neue Bilder zu bereichern» * Jödfscfte Kflnstlorsptefe. Wocfienrepertolr« Fre^*' den 3., bis Donnerstag, den .9. Febrnar: „Jideles Bar Mlsswah. , Singspiel von A. Tomaschewski mit Isaak Deutsch als Gas*. Vorlesung Jehuda Ehrenkranz. Dankenswerte Begegnung mit einem sehr begabten und kultivierten jungen ostjüdischen Künstler. Ein edleai Organ, das über alle Register verfügt und seelenvolle Anteilnahme an den Dichtungen, die er interpretiert, erhöhen den Genuß, ihm zuzuhören. Das Bedürfnis^ die Personen der einzelnen Geschichten und Skizzen „auftreten" zu lassen, gibt zweifellos zu erkennen, daß de* Sprecher berufen ist, von der Bühne zu wirken. Er ge!- staltet die wandelnden Figuren, gibt den Frauen, Kindern, Die groDe Warschauer jüdisöi-politiseöe lasratig ,Der Moment' allen Kolportennm Wiens* wieder täplitli eiltlich Ab«nn«in«nto lind Inverato su richte« am S. Landau, Wien, II. Tandelmarktgasse 12