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Die neue Welt · 1928-02-03 · Heft 20 (3.2.1928) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 20 (3.2.1928)
Date
1928-02-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT Nr. 20 Das Beste vom Guten sind die In Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassig-altrenommierten Schmidl-Mazzoth illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllilillllH welche unter streng orthod. Aufsicht des Rabbinates der isr. Kultusgemeinde Wien hergestellt werden Die Maz2oth werden aus dem feinsten ungarischen Mehl erzeugt Seit vielen Jahren genießen die „Schnüdi-Mazzoth" das beste Renommee und werden vor allen anderen bevorzugt Zentrale: N. Brodetzki, ll.y Leopoldsg. 43 Tel. 46-1-90 Generalvertretung und Niederlage: Jakob Weiß, II., Uia&. Augartenstrafte 25 Filiale: Heinrich Bendiener,!., Judengasse fl IIIIIIIWIÄ Der Missionsrabbiner. Persönliche Erinnerungen von Jakob Krausz. Vor genau zwei Jahren war ich in Steinbruch, einer Vorstadt von Budapest, bei einer jüdischen Familie als Hochzeitsgast geladen. Die Brauteltern, in deren Wohnung die Hochzeit stattfand, waren in der ganzen Umgebung bekannt und angesehen, und so kam es, daß sich zur Trauung eine stattliche Anzahl jüdischer Familien eingefunden hatte. Die Stunde der Trauung war bereits gekommen, die Gäste hatten sich im Hof des Hauses der Brauteltern, wo die Ghuppa, der Trauhimmel, schon aufgestellt war, versammelt und warteten mit Ungeduld auf die Ankunft des Brautpaares und der nächsten Angehörigen und das Erscheinen des Rabbiners, der die, Trauung zu vollziehen hätte. Mitten in der Ungeduld der Gäste wurden plötzlich aus dem Innern der Wohnung des Brautvaters erregte Stimmen laut. Steinbruch-war damals nQch eine ganz junge VörstadtsiediJung von Budapest, gehörte zu den dunkelsten ..ehteren Grund", und:die Juden.und Christen dieser Arbeitervorstadt, zählten damals zu . gefürchteten forschen Klemenleh in-Budapest,«die ihrer :Memung oft-in recht derben Worten Ausdruck zu geben pflegten. So schien es auch im „Bedeclczwnmer", wo die Vorbereitungen für die Trauung geschahen, herzugehen. Da wurde ich voneinem nahen Verwandten der Braut gebeten, ins Bedeckzimmer zu kommen. Bei meinem Eintritt fand -ichi den Rabbiner des Beckes im vollen Ornat und noch einen zweiten Mann, der gleichfalls Im. Rabbineromat' dastand, .während zwischen leiden der ju-nge Kantor: schön•/ungeduldig wartete,;die Funktion, beginnen zu können. Ein Stimmengewirr; und die. angeregten, n Zwischenrufe. der beiderseitigen;V,erwattdtsoh'äft-and-';diev-starre Haltungdes -Bezirksrabbiners;klärte mich "bafdvdärüber auf,- daß :ichjbenifen wurde,: in einer röcht■■: heiklen;.'und sonderbaren: Frage. den . Schiedsspruch Abzugeben.; ■..Dies) Verwandten derBraut wünschten, ■ daß der ortsfremde;^^biiiet,;/ider:.^chvn^r'.äiis Rabbiner Lichtens I c i n im 'Ruhestand',. vorgestellt hatte, einen Teil. der. rabhtöisofiein; Tra^ungsfunktion -übernehme,'<weil e-r, ein naher Verwandter;des Brautpaares sei. Der Bezirtorabbiner von S.teinbtuclfil:e:in^^noch', junger. Mensen, lehnte das .Ansinnen api:i^;aiß:lQ\\^im' fragte,- aus welchem Grunde er dies tue, antwortete ßv -schließlich erregt:- „Ich.4u|de es nicht,. daß ein Mann, der überjührt wurde, daß er. f ür,s chn öd e s G'e 1 d seine ganze, j üd is che Ge m e i n d e d e r Taufe zuführen sollte, -,überhaupt jemals n och eine j üdische r eliigi ös e Fun k ti o n vollziehe!" ' ■• ... ..■ . Die Trauung wurde schließlich in gedrückter Stimmung vom Bezirksrabbiner allein vollzogen. Rabbi Lichtenstein aber blieb während des Trauungsaktes und auch später während des5 Hochzeitsmahles demonstrativ in seinem Ornat anwesend. Ich .mußte bei meinem Schiedsspruch, so sehr ich dadurch die. Sympathien des Hausherrn und des Brautpaares aufs Spiel setzte, mich ganz auf die Seite des Rabbiners stellen. Denn dieser Rabbiner im Ruhestand Liphtenst^in,-der vor mir stand, war kein anderer Klub radikaler Zionislcn Mittwoch, den 8. Februar J928 um halb 9 Uhr abends findet im Klublokale Cafe Atlashof, Wien, I., Aspeinplatz, eine Klubversammlung m Gegenstand: Gibt es außerhalb der Kultusgemeinde Juden? Referent! t J. Hellenbcrg im österrelcliisclien Landesverbände organisierte Monisten al$ Gäste willkommen; Zu dieser Versammlung ergehen keine besonderen Einladungen liliilillllilllllllllllllllllllfllllllllllllllllllllillllilllllllllllH als jener berüchtigte Rabbiner von Tapio-Szel e, einer kleinen Gemeinde nicht weit von Budapest, die, wenn nicht einzelne Mitglieder der Gemeinde im entscheidenden Augenblick die Führer der Pester Judenschaft alarmiert und die englische Missions&esellschaft die Lieferung der getauften Judengemeinde nicht schon ungeduldig urgiert hätten, von ihrem Seelsorger, dem sie sich samt und sonders anvertraut hatte, buchstäblich wie zur Schlachtbank zur Taufe hätte geführt werden sollen. Rabbi Lichtenstein war damals ein Mann in den besten Jahren, war ursprünglich JescHiwah-Bachur, später Kaufmann, und da er sich als Kaufmann nicht bewährte, nahm er den Ra'bbinerposten in Täpio-Szele an, einer Gemeinde, deren Mitglieder bis auf geringe Ausnahmen einfache Landjuden ohne große Bildung waren, die sich über große. religiöse Probleme niemals den Kopf zerbrachen, ein- oder zweimal in der Woche in die Synagoge gingen und in gewissen Abständen auch die Predigt ihres bezahlten Rabbiners mit ziemlichem Gleichmut, anhörten, wenn sich nicht der , eine oder andere über sie lustig machte. Rabbi Lichtenstein gehörte zu jenen wankelmütigen Naturen, die ohne/innere Ucberzeuigung ihre . Pflicht jähre auf Wunsch der Eltern in der Jeschiwah verbrachten, sich auch manches talmudisches. Wissen aneigneten, dabei ra;ber viel- Im Teppichhauf Sommerfreund l VIII. Josefstädterstraße 35 / Telejpkon A kaufen Sie Perserteppiche infolge äußerst günstigem Einkauf zu besonders billigen Preisen. Zahlüngserleickterungen werden gewährt! leicht, weil es verboten war oder weil es damals in der Luft lag, im Geheimen "ohne Führung und ohne Richtschnur alle möglichen Bücher über Philosophie und Naturwissenschaften zusammenlasen und sogar ihre Meinung über die wichtigsten philosophischen Probleme abgaben. Rabbi Lichtenstein gehörte zu jenem Kreis der Entgleisten, die sich anmaßen, im Judentum die Rolle eines modernen Propheten und Religionsgründers zu spielen und dabei die Maske der Verbrüderung der Menschen durch die vereinte christliche Religion anlegten, Das war nun der richtige Köder für die Judenmiss i o n. Daß es gerade die englische, das heißtprotestantische Juidenmission war, die dieses Rabbi Lichten* stein habhaft wurde, lag zum Teil daran, daß die englische Judeiimission. inimer besser organisiert war, Uber mehr Mittel venfügte als die Missionsgesellschaften der anderen christlichen Konfessionen, und auch daran, daß die Juden! die für den Abfall reif waren, stets für den Protestantismus leichter zu haben waren als für den an seinem Ju* denhaß und seiner Judenverfolgoing stets brutalen Katholizismus. Es wurde später erwiesen, daß Rabbi Lichtenstein mit der englischen Jtidenanission einen förmlichen L i e f e r u n g s v e r t r a g abgeschlossen hat und daß er für diese Dienstleistungen bereits hohe Beträge in Empfang genommen hatte. RabW Lichtenstein entledigte sich seiner Vertragspflioht in recht origineller Weise. Er hielt fast jeden Samstag Predigten und Exhörten und sonstige Vorträge. In diesen Vorträgen führte er seine naiven Gemelndemitglieder, und besonders die Juden, immer mehr und 'mehr, fast unbeachtet, dem Jesusglauben zu, Die Gemeinde war bereits so präpariert, daß die meisten glaubten, eigentlich schon längst keine Juden gewesen zu sein. Sie waren sich auch gar nicht dessen bewußt, daß sie irgend etwas Unrechtes begingen, wenn sie ihrem geistlichen Führer folgten. Erst als Rabbi Lichtenstein selbst und durch einige seiner bezahlten Ueberläufer die Fühler ausstreckte, ob die Judengemeinde von Tapio-Szele nunmehr auch entschlossen sei, die letzte Konsequenz zu ziehen und sich der T a u f z e r e m o n i e zu unterwerfen, kamen einige Gemeindemitglieder zum Bewußtsein und schlugen. Lärm. Gleichzeitig traten auch die Judenmissionäre mit ihren energischeren Forderungen auf. Sie beschuldigten ihren Exponenten Rabbi Lichtenstein, daß er seine Auftraggeber bewußt hintergangen habe, die ganzen Vorbereitungen seien bloß Komödie gewesen, um für sich und seine Komplicen größere Beträge herauszuschlagen. Der Skandal wuchs ins Gigantische. Rabbi Lichtenstein versuchte, sich nach rechts und links reinzuwaschen; es entstanden auch verschiedeine Prozesse, und das Ende vom Lied war, daß Rabbi Lichtenstein sowohl von jüdischer als auch von christlicher Seite fallen gelassen wurde. Wie eingangs erwähnt, lebte dann Lichtenstein als Rabbiner im „Ruhestand" nicht von der Pension, die ihm seine Gemeinde bezahlen sollte, nicht, wie er behauptete, von der Unterstützung seiner Familie, wie aber allgemein versichert wurde von den Zinsen jener enormen Beträge, die er für die Lieferung seiner Gemeinde erhalten hatte. ...! Jüdische Mitglieder der Ehrenlegion. Andre Levinson, der bekannte französische Kunstkritiker, wurde mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet, der bekannte Dramatiker Henri Bernstein wurde zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt Mapus verbotene Schriften gefunden. Jini Staatsarchiv des Gouvernements Minsk wurden einige Schriften des hebräieshen SclhriftstelHers Abraham Mapu gefunden, die seinerzeit von der Zensur beschlagnahmt worden waren. Selbstmord eines verbannten Zionisten. Aus Riga wird berichtet: Der wegen Vertriebes von Keren Kajemeth-Marken verhaftete und nach dem Narim- Gebiet in Sibirien verbannte Zionist Hirsch L i p a n o r hat nach einer soeben aus Narim eingetroffenen Nachricht Selbstmord begangen. Verblüffend wirkt die fast unglaubliche Leistungsfähigkeit des bekannten Warenhauses Brüder Schiff mann, II., Taborstraße 48. Während der heuer zum erstenmal veranstalteten Seidenwoche werden Seidenwaren jeder Art für Kleider, Wäsche, Mäntel usw. zu noch nie dagewesenen Preisen abgestoßen. Seide — die große' Mode — ist auch für die große Masse der Minderbemittelten erschwinglich geworden. Nachstehend die Preisliste: Faille de Ciaire. alle Farben, per Meter nur 98 Groschen, K.-Seide für Kleider, 80 cm breit, per Meter S —.98, Waschseide, 70 cm breit, S 1.50, Diagonalselde. blau, 60 cm breit, S 1.90. Crepe-de-Chine-Imit.. alle Farben, 100 breit, S 2.90, Satin de Chine und Moireeseide, in allen Farben, ä S 2.S0, K.-Seide, Schotten, für Kleider, 80 breit, S 2.50. Pongis, weiß, 100 breit S 2.90, Chantungseide. alle Farben, 80 breit, S 2.90, Crepe Marocain, 100 breit S 3.90, Liberty- und Lameseide, 90 breit, per Meter S 3.90, Tafte, alle Farben, und Duvetineseide, schwarz, ä S 3.90, Crepe de Chine, für Kleider, alle Farben, 100 breit, S 4.90, Suraselde, 90 breit, und Pongis, 100 breit, in allen Farben, ä S 4.90, Crepe Georgette, 100 cm breit,, alle Farben, für Kleider S 5.90. Foulards. neueste Dessins, 100 breit, S 6.90, Crepe Satin, 100 breit, alle Farben, S 7.90, Ripse für Mäntel, 90 breit, S 7.90. Jeder. Kunde erhält ein. Geschenk. — Provinzversand per Nachnahme! Die Restfoestände der „Weißen Woche", darunter Auslagestücke, werden zu teilweise tief reduzierten Preisen abgestoßen^ Versäumen Sie nicht diese ungewöhnlich günstige Kaufgelegenheit! _ (Entgeltlich.) EinheitsdainpSer dritter Klasse nach Südamerika. Durch den großen Ausbau der Flotte hat der „Lloyd Sabaudo" in Genua den Luxus-Expreßverkehr nach Nord- und Südamerika erweitert. Die nach Südamerika verkehrenden Expreßdampfer — in 11 Tagen nach Brasilien» in IßVa Tagen nach Argentinien — stellen die kürzeste derzeit bestehende Verbindung dar. Wenngleich diese Expreßdampfer auch eine sehr schön eingerichtete dritte Klasse mit zwei- und vierbettigen Kabinen hahen, hat der „Lloyd Sabaudo" nach Südamerika auch zwei Einheits^- Eildampfer eingestellt, welche nur die dritte Klasse führen und den Passagieren dieser Klasse die größtmögliche Bequemlichkeit bieten. Nur zwei- und vierbettige Kabinen* ' große,- schön eingerichtete Gesellschaftsräume und ungefähr 2000 Quadratmeter Promenadede.cks. Die Benützung dieser Dampfer, für welche die normalen Preise dritter Klasse Geltung haben, kann nur bestens empfohlen werden. Wieder ein Haupttreffer der Klassenlotterie bei der „Glücksstelle Stein" gewonnen. In der soeben stattgefundenen Ziehung der 2. Klasse der Klassenlotterie wurde der, Haupttreffer von S 20.000 von glücklichen Kunden der „Glücksstelle Stein", Wien, I., an der „Hohen Brücke", gewonnen. JIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIM Zionistische Jugendorganisation | Brlglttcnau, XX., Jägerstraßo Nr. 30/9 S . ..... 2 PROGRAMM DIESER WOCHE: § Sams'ag, 4./1I. Chamischah-Assar-Feier unter Mitwirkung hervorragender Krähe; Beginn S V88 Uhr, irn großen Saale der Sektion § Sonntag, 5 /Ii. Freie Zusammenkunlt Montag, 6.11. Ab Va8 Uhr Bibliothek; 7.9 Uhr Kurs: Hebräisch Dienstag, 7./H. 8 Uhr Plenarversamtnlung Mittwoch, 8/II V28 Uhr Kurs: Hebräisch; Vt9 Uhr Vor rag des Chawer Sigall über: ,üas Geistes- und Gemütsleben des Menschen* Donnerstag, 9./U. 7 Uhr Sichah der Kwuzah „Gi eon-; 8 Uhr Referat des Chawer Kubinger über: „Der Antißemitismus jn Alexandrien =§ Samstag, J UV. Schachabend; Schachuntenicht ff ^_ von Chawer Feuerstein §§ ~^?f I lllllllllllllltltllltlllf III1IIJII11 lllltllllll f tflltli lllllllllltl Mllf Ititllllllll f Miiiinaitill^^

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