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Die neue Welt · 1928-02-03 · Heft 20 (3.2.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 20 (3.2.1928)
Date
1928-02-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 20 DU NEUE WELT Sette 8 " Versicherung seien OberbetfeiuM! Anlagren, Bilanzen, Stundenbuchhaltungen, Organisationen, Revisionen (Auffindung jedes Fehlers) Expert* für die Ruf. Buchhaltung Spezialist für verworrene Buchhaltungen, Spezlalbuchfahrung für Klein- Gewerbetreibende (Fernbuchhaltung). Berechtigt zur Steuer- und Oebflhrenberatung Buchhaltung«- und RevIslonsbUro V A IICIII#« XVII., Hern. Hauptstr. 24/26 99f AUdlli Telephon A 22-112 fibernimmt volle Haftung und Verantwortung für richtige Besteuerung Die Juden Polens in den Parlamentswahlen. Von Leon Wechsler. Frankreich, Deutschland, Polen wählen in diesem Jahre wieder ihre gesetzgebenden Körperschaften. In Polen geschieht dies zuerst, bereits anfangs Marz. Zweifellos bestehen neben allgemeinen Interessen in .Polen auch sehr starke jüdische Interessen. In diesem Staate mit rund 28 Millionen Einwohnern leben fast dreieinhalb. Millionen Juden, die somit unter, den fünif Minderheitsnationen der Republik an zweiter Stelle stehen. Zu mehr als zwei Dritteln leben sie auf ehemals russischen Gebieten und stellen nach den furchtbaren Erschütterungen des russischen Judentums die zahlenmäßig und jüdisch-kulturell stärkste und bedeutendste Gruppe des Ostjudentums dar, eine reiche Quelle jüdischer Kultur. Nach fast anderthalb Jahrzehnten, unterbrochen durch zwei kurze Aufenthalte, reiste ich wieder für mehrere Wochen ins Land, in dessen östereichisohem Teile mau einst in der Jugend beinahe 15 Jahre gearbeitet, rnitgeschaffen und mitgeführt hatte. Wie stellt sich der jüdische Wahlkampf dar? Wie sieht während dieser Wahlen die jüdische Gasse aus? Wird sie das Richtige finden? Im Laufe dieser Wochen suchte ich während mehrmaligen längeren Aufenthaltes in Warschau und Lemberg, Städte, Ortschaften, Volksversammlungen, Führer der Juden und anderer Nationen, Durchschnittsmenschen, Zeitungsschreiber auf. Das BHd, das sich durch diese» Umfrage ergibt, ist das folgende: Bis jetzt ist im allgemeinen eine besondere Wahlaufregung, eine pulsierende Bewegung eher in den verschiedenen Parteikomitees, bei den Leitern, weniger jedoch in den Massen wahrzunehmen. Das ist übrigens natürlich, da doch nach dem Wahlgesetz, bis auf die Stimmenabgabe, über alle Fragen der Wahlen die Parteien entscheiden. Doch scheint hier noch eine besondere Ursache 2U bestehen. Seit dem Palsudski-Umsturz im Mai 1926 ist die Autorität und Macht des Parlaments zurückgegangen, die Zustände im, Lande sind an so mancher Hinsicht in beizug 'auif die öffenäiohe Ruhe, die; Prosperität des Handels und Wandeis besser geworden. Die Bevölkerung ist zuversichtlicher. Man weiß auch nicht, ein wie langes Leben dem künftigen Parlament beschießen sein wird. Die Parteimacher betreiben ihr Handwerk emsig. Viele, gar zu viele, glauben, daß es wirklich notwendig ist, daß sie Abgeordnete werden. Dieser Drang, eine gewisse Unentwickeltheit des politischen Lebens, deren gegensätzlicher Ausdruck in einer gar zu bunten Männigfaohheit allzuvieler Parteien der sechs Nationen sich zeigt, hat es mit sich gebracht, daß 35 verschiedene Reichslisten eingebracht wurden, um 13 mehr als Im Jahre 1922. Statt einer Konzentrierung eine weitere Atomisierung. Im Pilsudski-Lager sieht man darin, nicht mit Unrecht, kein besonders günstiges Prognostikon für die Arbeit des kommenden Parlaments und findet im Gegengewicht, i nder Per söniichkeitdesMarschalls, die. Beruhigung.; An rein jüdischen Listen sind der Reihe der Eintragung, nach die folgenden sechs eingebracht worden; 1. Allgemein-jüdischer Arbeiterverband Bund in Polen. 2. Jüdisches Arbeiter-Wahlkomitee Poale-Zion. (Linke) 3. National-jüdische Vereinigung in Kleinpolen. (Führung Dr. Leon Reich, Dr. Osias Thon.) 4. Poale-Zion. (Rechte.) 5. •Zionistisch-demokratischer Arbeitsblock. (Ostgalizische Hitachduth.) *, 6. Allgemeiner jüdisch-nationaler Wahlblock für den Sejm und ,den Senat. (Aguda mit Prilucki und Wislicki.) De« stärksten,, national gesündesten Teil des'Judentums jedoch umschließt die Liste des Blocks der nationalen Minderheiten in Polen, welche die i m j ü d Ischen N a t i o n a 1 r a t - z u s a m in e n g c f a ßt e n Z i o n i s t e n repräsentiert. Liest man die Programme, Aufrufe, Zeitungen, hört man die Sprecher der sieben Listen, so sind folgende Gruppier ungen feststellbar: drei Listen proletarischer KARTON NAG EN FABRIK II GELB AND A C9, WIEN, IX. ORUNOLSTR. 5 M l ' Telephon 19-0-69 {■ * beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit «■ ALLEN ARTEN KARTONS Parteien: Bund, linke und rechte Poale-Zion; drei Listen bürgerlicher Parteien: Galizische Zionisten. Aguda, jüdiseber Nationalrat im Minderheiitsblook. Etwas besonderes ist die ostgalizische Hitachduth. Ein wenig Kleinbürger, weniger Arbeiter, ziemlich Jugend. Sie war für den Minderheiitsblocik und blieb ihm doch fern. Sie konnte sich in der ostgalizischen Blockliste nicht leicht und nicht rechtzeitig zurechtfinden. Die Einreichung ihrer besonderen Liste deutet darauf hin, daß die ostgalizische Hitachduth entweder in den Verhandlungen wegen des Beitrittes zu der von Dr. Reich geführten Liste noch zu keinem Abschluß gelangt oder wegen des negativen Ergeh' nisses allein geblieben ist. Im Block der nationalen Minderheiten, der im großen und ganzen die bürgerlichen Parteien der Minderheiten umfaßt, fehlen die galizischen Zionisten und die Aguda. Die ersteren wollten dem Block weder beitreten, noch mit ihm eine territoriale Vereinbarung treffen; die anderen fanden keine Aufnahme. Sie zeigten auch bald ihr wahres AntHtz, als Anfang einer Moszka-(Assimüatious-)PoJitik in Polen. Sic versuchten sich um jeden Preis der Regierungspartei anzubiedern. Der Agudaführcr K i r s c h b r a u n wurde auf die 37., der mit ihm liierte Führer der Kaufleute Wislicki auf die 25. Stelle der Rcgierungslistc aufgenommen. Beides aussichtslose Rückversicherungsplätze. ' Der Minderheitenblock umfaßt ganz Polen, mit Ausnahme der jüdischen Minderheit in Galizien. Die Wahrung und Sicherung des Minderheitenrechtes, dessen Verkünder und Vorkämpfer ja die Juden sind, gebietet das Bilden des Blocks. Nicht minder jedoch auch die technischen Rücksichten auf die Wahlgeometrie. Die Juden bilden in Polen ungefähr 13 Prozent der Bevölkerung. Von den 444 Sejmmandaten sollen ihnen daher fast 60 zufallen. Man wird aber von Glück reden können, wenn sie es diesmal alles 'in allem auf die Hälfte dieser Zahl bringen werden. Ich versuchte die Gründe des Nichteintrittes der Zionisten Galiziens in den Minderheitsblook zu erforschen. Verschiedenes war maßgebend. Zweifellos besteht eine ver- Künstler-Diele im „Roten Saal*' dos Cafe Arlon Tischbcntelluncr: 62-4-30 Täglich 9 Uhr abends DIE KLABRIAfPARTIE (Oaitspiel „Max und Moritz"-Ensemble) Adolf Gllnger, Alex. Treblftsch, J, Hau« schule, Frans Engel» Jos. Fleischmann Vorher: Lilly Saal und das übu'ge erstklassige Programm J»za-Stimmutt9 Dicker - Burian - Neuhaus Kfinstl. Leitung Leopold Refsx Publikumstanx Eintritt frei schiedenartige Mentalität der Juden Galiziens und jener in Polen. In Galizien bei älterer legaler Organisation doch stärkere Polonisierung, Rücksichtnahme auf angebliche Stimmungen in den Massen, noch aus der österreichischen Zeit ein stärkerer Einfluß der Regierung, der Respekt vor der Macht, andersartige Entwicklung, andere Tendenizen, vielleicht auch oder vor allem auch p e r sö n 1 i che Umstände In Polen urwüchsiges Judenrum, ungebrochen und unbeirrt durch Unterdrückungen der Vergangenheit, nationaler Willen, Mut, Trotz. Vor allem jedoch ein starker Führer in der Person Izchak Grünbaums, dem Programm und Grundsatz noch wichtiger sind als Taktik. Wie schön wäre es gewesen, wenn zumindest alle n a i i o n a.l e 11 Jude n im Nationalitätenblock .gestanden wären, um wieviel mächtiger wären sie auch in dieser Konzentration gewesen und aus den Wahlen 'hervorgegangen! Es wurde versucht, in Ostgalizien den Minderhei.tenblock zumindest in den für die Juden nicht sicheren Wahlkreisen durchzuführen. Da jedoch die. zionistische, teilweise radikale Opposition in 'Galizien, die'Anhänger der (Blockidee schwach schienen, da die Verha.ndlungon mit den Ukrainern in diesem Abschnitt zu umständlich Vor sich gingen, Vorschläge, solange sie aufrecht waren, nicht angenommen wurden, das Organ der Opposition, „Dqr Morgen", der zionistischen Exekutive verpachtet wurde, wurde es für den Gegenpartner, die Ukrainer, angeblich zu spät. Die Minderheitenliste ist daher in Ostgalizieü eigentlich nicht vorhanden. Sie ist nur eine rein uflerainische. Die Juden haben eine eigene. Die Opposition in der ostgalizischen zionistischen Organisation unter Führung des bisherigen Abgeordneten Dr. Insler, des Kultuspräsidentenvin Tarnopol Dr. Parnes und des Dr. Mandel aus Rawa ruskä, ungefähr 35 Mann von den etwa 90 Teilnehmern der letzten Lemberger Parteiratstagung, entfernte sich aus der Sitzung des Parteirates, hielt eine eigene Beratung ab' und konstituierte ein Komitee. Sie lehnte die Verantwortlichkeit für' die Wege der Landesorganisation ab und unterstellte sich dem zionistischen Zentralkomitee zu •-Warschau. Die Sonderung der galizischen Zionisten hat die Assimilanton- und so manchen Häuptling von Beruf «Organisationen zum Mandatsstreberium ermuntert. Sie wird auch zahlenmäßig ungünstige Folgen haben. Im Minderheitenblock hätten die Juden Galiziens 11 Sejmdeputiertcnniajidate, somit samt der Rcichsliste 13 Sejmabgeordnete. Jetzt können sie ja ungestört versuchen, das meiste allein heraus- SPEZIALIST Ifür Kinder- und MSdehenxlmmefs Küchen- und Vor- ■ zlmmer-MOBEL. Schlaffauteulis, Diwans und Ottomanen eige- ■ ncr Erzeugung. Qeschäftsbesand seit 60 Jahren. Motto: Orottet ■ Umsatz — kleiner Nutten. Größte Auswahl 1 Billigste Preise I ■ Joiaf Kobllt» & Sohn, VII., Slebentterng. 12 | zuholen. Wenn es gut geht, sind 7 Abgeordnete erlangbar, es können aber auch nur 4 werden. Der Minderheitenblock machte eine Krisis durch, teils wegen Ostgalizien, teils wegen Pfacierungs- und ukrainischen inneren Fragen in den Randgebieten. Doch bald konnten die Nationalitäten, Ukrainer, Juden, Weißrussen, Deutsche, unter einem technischen Blockdach vereinigt werden. Die Litauer, deren es in ganz Polen 70.000 gibt, bleiben im wesentlichen aus Rücksichten auf den litauisch-polnischen Konflikt dem Block fern. Man soll in Kowno befürchtet haben, daß ihre Wahlbeteiligung als Anerkennung der jeteigen Grenzen ausgelegt werden könnte. Sic dürften sich (bis auf eine Gruppe in einem Wahlkreis) absentieren. In der Reichsliste des Blocks stehen an zweiter, siebenter und elfter Stelle Juden, und zwar Grün bäum, Rasner (Handwerkervertreter) und Dr. Insler (radikaler Zionist in Ostgalizien). Der Wahlaufruf des Minderheitenbiocks spricht das Recht auf einen Block der nichtpolnischen Nationalitäten aus, weist auch auf seine technischen Ziele hin, fordert die teilweise Gutmachung der ungerechten Wahlkreisgeometric und tritt für die V öl k e r f r c i h ei t und die Unabhängigkeit der parlamentarischen Ver tretung ein. Zu der derzeitigen Regierung nimmt der Aufruf keine Stellung. Im Interesse der polnischen Republik wird es zwischen Regierung und Minderheiten, etwa 35 Prozent, zu einer Zusammenarbeit kommen müssen. Gewisse Ansätee waren in der letzten Zeit des gewesenen Selm wahrnehmbar. Namens der Juden ist das Manifest von den früheren Abgeordneten Grün bäum und Hartglas (Präsident des jüdischen Parlamentsklubs) sowie von Dr. Szabad (Volkspartei, Wilna) gezeichnet. Außerhalb der Juden im Minderheitenblock und der Zionisten Galiziens haben noch von den Wahlwerbern in der jüdischen Gasse gewisse Aussichten: der jüdisch-sozialdemokratische Bund, reorganisiert,' aus Amerika materiell gestützt, ein wenig nationalisiert, etwas erstarkt, sowie die nationale (ein Mißbrauch des Wortes) Vereinigung der Aguda mit Prylucki und Wislicki. Diese zwei Gruppierungen dürften etwa. 4 bis 5 Sejmmandate an sich bringen.. Die Juden im Nationalitätenblock sollten rechnungs-. mäßig 15 Sejmabgeordnete erlangen. Sollten; man kann schwer voraussagen, was Einfluß der Regierung, Wablmachertum der Assimilation und der Rabbis «bedeuten werden. , ,; . Der Ausgang dieser Wahlen ikann viel Gutes bringen, er kann aber auch dem polnischen Judentum verhängnisvoll werden. Hoffenwir das Beste. Den vielen zionistischen Rednern, Organisatoren, die in diesen Tagen aus den Zentren, insbesondere aus Warschau, in das weite, verschneite Land, in die Städte und Städtchen ziehen, um aufzumuntern,; arizueifern,' wünschen wir vollen Erfolg. Alles, was sie tun, beschwingt das Jüdische Leben, reißt die Massen aus der Apathie itnd; erfüllt sie mit dem Geist der Aktivität.; Die jüdischen Kandidaten des Minoritäfenbiocks. Aus W a r s c h a iu ward uns berichtet: Die jüdische Gruppe des Minoritätenblocks hat am 29. Jänner einstimmig dje folgende Liste der Spitzenkandidaten, für die einzelnen Wahlbezirke beschlossen: Grünbaum, Hartglas, Dr. Schipper, Dr. Wygodzki, Dr. Rosenblatt, Dr. Rotfeid, Dr. Gottlieb, Hindes, Redakteur Heftmann, H. Farbstein; Rabbiner Brodt, Dr. Feldman, Rabbiner Rubinstein, Ing. Kerner, |)r. Tartakower, Ch. Rasner, Ing. Czerniakow, Dr. Gzerruchower, Dr. Szabad, Dr. Weismann, Dr. Dawidson, Dr. Insler, Stein und Ing. Szpiro. Die Jüdischen Studentenwahien in Warschau. Die Wahlen in die Exekutive der vereinigten jüdischen Studentenorganisationen in Warschau er.ga.ben das folgende Resultat: Gewählt wurden? Zionisten, 5 Vertreter der extremen Linken, 1 linker Poale Zionist, 1 rech-, ter Poale Zionist und 1 Bundist. Gedalja Bublik — Präsident des amerikanischen Misrachi. Die Exekutive des amerikanischen Miisrachä hat den Herausigeber des „Jiddischen Togblatt" (Jewish Daijy, News), Gedalja Bublik zum Präsidenten der Organisation gewählt. Vizepräsidenten sind Rabbi /Wolf Gold und Rabbi Eliah Inselbusch, Bekanntlich ist die letzte Jahres-konferemz des amerikanischen Misrachi auseinandergegangen, ohne daß es gelungen wäre, sich auf die Person eines neuen Präsidenten au einigen, nachdem Rabbi J, Levensau die Würde abgelehnt hatte. Schließlich wurde der in Aimesrika anwesende Präsident des Weüt-Atisnaohi, Rabbi Mayer Berlin, gebeten, zeitweilfe die Leitung der amerikanischen Organisation zu übernehmen. ßücherschwemme .Vienno'; I. Bon 4 Dostojewski, Balzac, Flaubert, Strindberg, Lagerlöf, Poe usw. in schöner Ausstattung zu nu

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