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Die neue Welt · 1928-02-03 · Heft 20 (3.2.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 20 (3.2.1928)
Date
1928-02-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seftß 4 DU NEUE WELT rfr.'j» O 9Li I., BEUARIASTRASSE NR* IS Telephon 36.3*39 Sprechapparate Uiusr Speiial-Koffer-Apparat ,,Mln*rva«...........S 78.— „Majestroia" L.......S130 — , Maj«strott)" Luxus.....S 198.* bewilligt Neueste Schlagerplattan in größter Auswahl Von der antisemitischen Ethik. —y. Man söttte eigentlich die 'beiden Worte nicht verbinden. Sie vertragen sich nicht miteinander, schließen, sich gegenseitig sogar ans. Aber da der Antisemitismus, die auf Haß >uhd Vernichtung des Judentums errichtete Bewegung, sich mit dem Mantel einer höheren Ethik drapiert und das Judentum als eine Gefahr für »Kultur, Sitte und Wirtschaft hinstellt, scheint es geboten, andh seine sittliche Struktur anzusehen; sie zeigt sich ain besteh anvden Personen, die sich das Richteramt anmaßen, und man hat, wenn man, die Tagesereignisse würdigt, die schönste Gelegenheit, diese 'höhere Moral und die besondere Sittlichkeit ins rechte Licht zu stellen. Noch keiner, der im antijüdischen Treiben eine Rolle spielt, hat sich als fester Cliarakter erwiesen. Das ist selbstverständlich. Denn Haß gegen eine Menschengruppe und ihre Mitglieder ist an sich schon Korruption und seelische Entartung, ist an sich die Gesinnung der Kanaille, wie dies' einmal der deutsche Kaiser Friedrich III. sagte. Antisemitismus als Weltanschauung ist ein Unding, es sei denn, .man identifiziert Weltanschauung mit Geschäft und das geschieht sehr Oft. Tatsächlich nährt diese Kategorie von Haß ihren Mahn und es ist Reih zufälliges Zusammentreffen, daß alle Pröpagätoreh des militanten Nationalismus, alle, die sich eihem' pauschalierten Gegner widmen, zugleich auch der jitdenfresserei huldigen. Manche, wenige aus einem inneren Antrieb, den der Psychopath zu würdigen hätte; die meisten aus'einem' hoch zu wertenden merkantilen Interesse. Die judenfrage ist stets aktuell, und wer sie-so 'behandelt, Wie es dem Instinkt des Janhagels b&Mgt, der verdient ein schönes Geld. Es gibt tatsächlich eine Rasse von Marodeuren; der Politik, die vom Judentum lebt. Sie sind alle vermögend, angesehen und einflußreich. Der Profit schafft sich seine Ethik und von ihr aus erweitert er sich ständig sein Arbeitsfeld. In dem man freilich nicht ungestraft wandelt. Denn mit. der. Zeit wird die Beschäftigung zur Manie. Wenn man. die Verrücktheiten liest, die,zum Beispiel der Marschall Lud 6n Üorff erfindet dann denkt .man unwillkürlich, ait die weißen Mäuse, wenni man wohlwollend sein will. Da aber das Wohlwollen nichts in der Politik zu suchen bat, so bleibt nur die einfache simple Lüge* Der Marschall hat einen Vortrag über die Ba If o u r-Dekla r atio n gehalten, zu dem nichts weiter zu bemerken wäre, als daß er einem politisch infantilen Gehirn entspringt. Der Marschall sagt aber, daß. damals (in 4er Zeit der Abfassung der Deklaration) der „Jud e N o r d a u" geschrieben habe, ,rE n g 1 a n d e r w a rtet, daß jeder Ju d e seine Pflicht tu t"! Das hat der Jude Nordau — es ist schmerzlich, diesen allen Juden teuern Namen in Verbindung mit Ludendorff nennen zu müssen — nicht geschrieben, da er doch damals im Exil in Spanien war. Diese Lüge ist freilich nicht auf dem Ludehdorffschen Mistbeet gewachsen, sie findet sich schon rudimentär in Henry Fords „Unbekannten Juden". Von dort hat sie der deutsche Schmierfink abgeschrieben und man merkt an diesem Schulbeispiel, wasdieser Henry Ford angestellt hat und welchen praktischen, Wert sein Widerruf besitzt. Dieser Ludeu.dorff kann ganz gut als der vor« n&bjrtfichste Repräsentant der deutschen Ordensprovinz des Judenhasses gelten. Er besitzt noch heute eine nicht zu untenschätzende Autorität in den nationalistischen Kreisen Deutschlands und Oesterreichs, und unter der im deutschen geistigen Bannkreis stehenden militaristisch orientierten Jugend Rumäniens, Ungarns und der T ü r k e i. Was also der General an Lügen ausheckt, das findet seine Verbreitung und die Wirkungen sehen wir in der Hauptsache an den Universitäten und in legalen oder illegalen Exzessen. Die Fälschung führt einerseits zum roten Pogrom, andererseits zu dem nicht minder folgenschweren weißen Pogrom, dem Bestreben, da« Judentum von der Bildung abzuschnüren und in geistage Verwahrlosung zu stürzen» Die Einflußnahme auf die Jugen,d ist eine sittliche Gefahr, weniger für die jüdische Bevölkerung, als für die von der Pest betroffenen Nationen. Wenn die jungen Menschen zum Schänden; jüdischer Friedhöfe, zu Straßenkrawallen, zum Angriff auf jüdische Synagogen und 2fur Plünderung jüdischer Wohnungen angeeifert werden — wie wird die weitere Entwicklung dieser Leute sein,? Die nationalsozialistischen Knaben, die in Deutschland zum antisemitischen Aufruhr, zur Feme msw. erzogen wurden, halben sich vor Gericht als feige Abletigner ihrer Taten erwiesen. Die rumänischen Studenteft, die jüngst Großwardein und Klausenburg brandschatzten, haben sich in allem auf Unbekannte berufen, die die Zerstörungen begangen hätten. Sie haben auch die von ihnen gestohlenen Thorarollen (soweit säe sie nicht schändeten) der Kulhtsgememde zum Rückkauf angeboten. iEs bietet sich also das abstoßende Bild einer Jugend, die wissentlich fügt und stiehlt. Wie wird diese Jugend einmal ihr Volk führen? Diese Frage, vielleicht die wichtigste ziu* Beurteilung der Zuikunftsperspektiven, wird immer nur von Juden gestellt. Es wäre aber sehr angezeigt, wenn auch die Mehrheitshationen über dieses Thema nachdenken würden. Es kann ihnen nicht verborgen bleiben, daß die nächsten Generationen in einer ethischen Auffassung erzogen werden, die zum Untergang der ohnediesschon so erschütterten europäischen Kulturwelt führen muß. Was in Europa gegen die jüdische Minderheitsgruppe getan wird, das zieht auch seine Wellen außerhalb Europas. Was die chinesischen und japanischen und arabischen Studenten an den deutschen Hochschulen ungestraft treiben sehen, das bringen sie als politische Theorie heim, die sie getreulich befolgen als. den Ausfluß der in den Stammländern so hoch geachteten antisemitischen E+hik. Eine Unterlassung der zionistischen Jugend. Eine der letzten' Reden, welche unser Ghajes hielt, war eine Barmizwab-Anspraohe. Er sagte ungefähr: „Ich weiß nicht, ob du, mein lieber Junge, die Gabe hast, durch künftige große Leistungen unsterblich zu werden, ob dir der Ruhm eines überragenden Künstlers, Forschers, Staatsmannes, Erfinders winkt. Aber.-.ich'.'weiß, daß du dir einen Anteil an der Unsterblichkeit auch ohne große persönliche Taten und Werke sicherst, wenn du bei allem, was du tust und unterlassest, an die kommenden Generationen denkst, \vemi du dich immer wieder überprüfst, ob das, was dii tust oder unterlassest,, die. Nachfahren zu befreien und zu erhöhen geeignet ist; Uhsterblich'bleibt' dein Wirken auf dieser Erde, wenn du in Jahrhunderten denkst." Diese schöne Barmizwah-Aiisprache des toten Fühjers muß man auch recht verstehen. Die gute Absicht, für die Zukunft seines Volkes zu wirken (selbstverstündlicji so, daß die Entwicklung des Volkes, der M e n s c h h e i-t lilent) —dieser ehrliche-W'iHe ,au :sioh.:tind seine Betätigung genügen nicht.. Es.'?efn.e-; immer wälzet .de», ' gewissenhaft^, strenge P r il f u n g nötig, ob man wirklich deh ^Hcliti^en' Weg geht, ob man .nicht in, Irrtümern befangen ist, ob die Handlungen und Unterlassungen die Zukunft, wie sie. Chajes meinte, nicht hemmen, statt sie zu fördern. Wir gfau'bcn, die Zelt ist gekommen, in der man es aussprechen darf, ohne als Ketzer verdammt oder krassen Unverstandes geziehen zu werden: Fast die gesamte zionistische Jugend ist seit dem Tage der Prpmulgierung der Balfour-ibekiaration in einer solchen irrigen Ü n t e r 1 a s5suug befangen. Sic hat sich „ganz auf Erez Israel eingestellt", hat sich in einer unseres Erachtens gefährlichen Verengung des Begriffes „Chaluziuth" verfangen und kümmert sich nicht um die politische und wirtschaftliche Lage der Juden in den Ländern der Zerstreuung. Ja, selbst' Kulturarbeit akzeptiert die Jugend nur insoweit, als sie „Vorbereitung für Palästina" ist: So barV so paradox es klingen mag.* die mit diesem schweren Versäumnis belastete „palästinozentrische Richtung" hat die zionistische Jugend ihrem Volke entfremdet Kampf um das Recht auf die eigene Nation; um Sicherung des Minoritätenschutzes, um politische Geltang in den einzelnen Staaten mit großenjüdischen Minoritäten, um Regeneration der jüdischen Wirtschaft ist ihnen mehr oder minder Hekuba. SimtHche ICIbAVIERE auch auf Mark«« W. KREITLER A Teilzahlung ~* IX. Onl vrtltat»»traS^ ~ |Sie müssen energisch! dazuschauen, sonst wird Ihr Reißen. Ihr Zipperiein Immer unerträglicher! Sie bewahren und schützen sich gegen alle Folgen der Erkältung» Sie vermindern ihre Schmerjen durch |ständisen gebrauch von} DIANA Franzbranntwein mit Menthol |Nehmen Sie nur Diana!| Wettlose Nachahniiflig«« weisen Sie entschieden zurück! Ueberau erhältlich Sind wir so verbohrt, die entscheidende Wichtigkeit, die Heiligkeit des Entschlusses der zionistischen Jugend zu verkennen, die ihr künftiges Leben mit Palästina verknüpfen wöl? W4r sind nicht so verbohrt. Die neu« Generation hat erkannt, daß sie nicht selbst beim „Judentum unterwegs" verbleiben, sich persönlich mit dem Leben im Gahitb nicht abfinden darf. Aber dieser Pionierbewegun?.; wird die Stoßkraft gehemmt, wenn sich die nämliche Jugend um das Gegenwartsschicksal der verstreuten Judenbeit so gut wie gar nicht kümmert. Es ist eine Binsenwahrheit: Wer die jüdische Gegenwartsarbeit vernachlässigt oder gar negiert, verlangsamt das Tempo des Palästina-Aufbaues, verringert die Eingänge an Anfbaumitteln, schwächt unsere Position gegenüber der Mandatarmaoht und dem Völkerbund und — fördert den in der jüdischen Gasse noch lange nicht ausgemerzten Irrtum, daß die Palästina-Besiedlung eine Wohltätigkeitsaktion ist. Und verliert allmählich auch den Sinn für Kraft und Bedeutung der zionistischen Organisation, welche als Aufbaumelte außerhalb Palästinas noch wichtiger ist, als es Schulfarmen sind. Tatsächlich drohte — ein zweites Uganda! — der völlige Niedergang der zionistischen Organisation, die bereits zwerghaft verkümmert war. Jetzt ist, darf man hoffen, eine Aera der Regeneration der zionistischen Organisation gekommen und die Jugend, vor allem die Jugend, muß „revidieren". Die Palästina-Krise, die Sperrung der Immigration, die Unmöglichkeit, in der nächsten Zeit Leben und Arbeit nach Palästina zu verpflanzen, kann diese eine wohltätige Wirkung haben: Abbau des fatalen „Desinteressements" an der Organisation und an der Gegenwartsarbeit. Nicht um ein Jota muß der zionozemtrisch» WiUe des jungen Juden durch, solche Wiedergutmachung einer argen Unterlassung vermindert werden! Aber zu dem bisherigen Mißverständnis käme ein neues, bitteres, wenn solche Betätigung in der Organisation und im Volke von der Jugend gewissermaßen als „Notstandsaktion" aufgefaßt würde, weil man doch gegenwärtig nicht hinüber kann. , Nur wenn ihr euch, junge' Juden, verantwortlich fühlt-für Judenheit und Judentum dort u n.d hier, seid ihr in Wahrheit Zionisten. Der Weg in die jüdische Zukunft für alle Juden, wo ■ immer, sie siedeln würden, führt über Palästina. Aber ihr verlängert diesen Weg sündhaft, noch mehr: ihr verstärkt die Bestrebungen, welche bewirken möchten, daß der Weg nicht über Palästina führt, wenn ihr euch von den Juden eures gegenwärtigen Wirkungs- Rrejses -glejc&sa^;/: . : %>'Av-..' Martin Büber 50 Jahre alt. Martin Bit her vollendet am 8. Februar 1928 seih 50. Lebensjahr. Er wurde 1878 in Wie n geboren, studierte 1896 bis 1900 in Wien, Leipzig, Berta und Zürich Philosophie und Kunstgeschichte. 1901 war er Redakteur der von Theodor Heral »begründeten zionistischen Wochenschrift „Die Welt"! Er war Führer der kultur.poiitischen ,;demdkratisch-zionistischen;' Fraktion auf dem 5. Zionisteniköhgfeß und Mitbegründer des Jüdischen Verlages. Seit 1906 lebte er,, mit religionswissenischaftlichen Studien beschäftigt, bei Berlin. 1916* fcpg er mäch Heppenheim an der Bergstraße. 1916 bis 1924 redigierte er die von ihm begründete Zeitschrift „Der Jude". Seit 1923 bat er den Lehrauiftrag für jüdische Religionswissenschaft und -Ethik an der Universität in Frankfurt am Main. Seit dem 12. Zionistenkongreß (1931) (hat sich Buber5 von aktiver zionistischer Politik zurückgehalten, doch ist er in das Kuratorium der hebräischen Universität *zu Jerusalem eingetreten. Sein Interesse grHt vorwiegend der Schaffung einer jüdischen Volkshochschule in Palästina. Autf denn Gelbiete der jüdischen, aber auch der allgemeinen Rdigiohswisseuschaft gehört Buber zu den führenden Persönlichkeiten. Von seinen'Schriften sind zu erwähnen: Die Selbstbiographie,.Mein Weg zum Chassidistrais" (1918), „Zaun jüdischen Problem" und „Vom Geist des Zionismus" (4915), „Die jüdische Bewegung" (erster Teil 1916, zweiter Teil 1920), „Reden über das Judentum" (1933), „Drei Reden über d'as Judentum" (1911), „Der hei-Jige Weg" ('1919), „Gherufch" (1919), „Völker, Staaten und Zion" — Antworten an Herrtirann Cohen $916), „Zur Kenntnis des Chassidlsmus", „Die Geschichten des Rabbi Nachraan" (1906), „Die Legende des Baal Schern" (1907), „Der große Maggid" (1922), „Das verborgene Licht" (1924), „Ekstatische Konfessionen" (19Ö8), „Reden und, Gleichnisse des Tschu'ang Tse" (1910), „Prinzipielle Religiojisphilosophte" (Vorbereitendes), „Daniel" (1913), „Die Rede, die Lehre und das Lied" (1917), „Ereignisse und Begegnungen" (1917), „Ich und Du", Enstes Buch e4ner Gesatntdarstellung (1923)- Seit 1926 erscheint die von Buber und Franz Rosenizweig gemeinsäm besorgte Bibeihübersetzung. Die Juden in der Ukraine und in Weißrußland. Das «entraJe statistische Amt der Sowjet u n i o n gibt die Vo^zä^hlungsergebnisse jn der Ukraine und WeiÜmWand belkannt. pie Gesan>tbeiv<ükerm»g der Söwjetukraine beträft 39,018.087. Davon sind 5,43 Prozent der Abstanimuns nachY 4.13• Prozent der Sprache nach iWsch. Die Gesafntbevölikerunig der welßrussisohen Sowjetrepublik b^trälgt 4,983.329. Davon sind 8,17 Prozent der Abstammung nach, 7,41 Prozent der Sprache nach M

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