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Die neue Welt · 1928-01-27 · Heft 19 (27.1.1928) · page 9

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 19 (27.1.1928)
Date
1928-01-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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•Nr. 19 DIE NEUE WELT Seite 9 Uchfige Hausschneiderin die perfekt Mäntel. Kleider und Kostüme näht, bittet um Arbelt. Nimmt auch außer Haus. Mäßige Preise. Adresse: Fanny, HI., Petrusgasse Nr. 9/4 Das Goldene Buch des jüdischen Nationalfonds. In der Sitzung Vom 10. Jänner hat das Direktorium des Keren Kajemeth in Jerusalem einhellig beschlossen, die erste Seite des Jubiläumsbandes des Goldenen Buches für zehn Ehrencintr-agungen zu rcserviereii. Unter diesen Eintragungen befindet sich auch der Name des verewigten Obe r r ab bin er s Prof. Ciiajcs und des Herrn Johann Kremenctzky als des ersten Leiters des Keren Kajemcth. Ferner wurden eingetragen: die Zionistische Föderation und Organisation Hadassa in Kanada für Ihre Verpflichtung, dem Keren Kajemeth eine Million Dollar zur Erlösung des Palästinabodens zu übergeben; die Gründer der Kolonie Pet ach Tikwah anläßlich des 50jährigen Jubiläums; die Lehr er-Organisation Erez Israel anläßlich ihres 25jährigen Bestehens;, die Weltorganisation „Hcchaluz" anläßlich ihres 10jährigen Bestehens; die in Sowjet-Rußland verfolgten Zionisten; Miß Henriette Szold, die crs,tc Frau in der Zionistischen Exekutive; A c h ad Haara anläßlich derersten Wiederkehr seines Todestages; Ingenieur Wladimir T i oinki n-anläßlich seines Ablebens. Die „Zurück zu Herzl"-Bewegung in Amerika. Ans New'York, 15. d. wird berichtet: In einer unter dem Vorsitz von Dr. Jaköb de Ha«s stattgefundenen Versatnmfeng der Anhänger der „Zurück zu Herzl"-Bewegurig wurde beschlossen, einen Aktionsausschuß zu ernennen, der-die Idee der neuen Bewegung unter den Zio-' nisten > Amerikas verbreiten soll. Hauptredner des Abends war E. W. Le win-Epstein, einer der Gründer derjüdischen Kolontfe „Rechowoth", der mehrere Jahre in der zionistischen Propaganda aktiv tätig war. Lewin-Ep-. stein kritisierte scharf die ökonomische Politik der Zio-. nistischen Organisation in Palästina, der er die Schuld an der gegenwärtigen Krise zuschreibt. Ein Erpressungsversuch. Aus Großwardein meldet die „Ozern. Ailg.. Ztg.": Der neue Polizeipfäfekt Traian P u 14 c i i hat die: Rabbiner Dr. Kesikemeti und Fuchs eingeladen und ■ ihnen ein Schriftstück zur Unterschrift vorgelegt, in. welchem gesagt wird, daß der frühere Präfekt Bunescu sich bei den Ausschreitungen anläßlich des Studentenkon-;, gresses in jeder Hinsicht k o r r e k t betragen habe. Die;i Rabbiner haben: mit Entrüstung züt'ückgiewiesen, dieses Schriftstück zu unterschreiben. Hingegen, hat ein" gewisser;' Eugen F i sehe r, ein Holzhändier, angeblich im Namen der jüdischen Bevölkerung dieses Schriftstück unterzeichnet. Das Judaistische Institut. Laut dem „Dawar" soll demnächst mit dem Bau des Judaiistiischefl Instituts der Universität zu Jerusalem begonnen werden, nachdem es Dr. Magties In Amerika gelungen sei, die Mittel für den Bau sicherzustellen. Ebenso stehe der Bau des physikalJsch«rr Instituts bevor. Der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde. ■ Die Repräsentanz der Berliner jüdischen Gemeinde nahm am 20. Jänner die Neuwahl des Präsidiums vor. Zum. ersten Vorsitzenden wurde Geheimrat Dr. Julius Ster.n mit einer Mehrheit von elf Stimmen wiedergewählt. Zum ersten Stellvertreter des. Vorsitzenden wurde. Dr. Alfred Klee (Jüdische Vol'ksparte. ij, zum zweiten Stellvertreter M, A. Loeb (konservativ), zu Schriftführern Landesgerichtsrat Ran und Frau Lina Wagner- Tauber gewählt. Der Vorstand bewilligte in. a. Zuschüsse für das Misrachi-Lebrgut in Rodges bei Fulda und für die ostjüdische Lesehalle in Berlin.; Synagogensttirmer in Plozfc Aus Warschau, 16. d. wird gemeldet: Gegen 7 Uhr morgens, als viele Andächtige in der Synagoge der-Stadt Ploizk versammelt waren, randalierten mehrere betrunkene Polen vor dem Synagogeneingang,' drangen in die Synagoge ein und mißhandelten mehrere der Andächtigen, von denen der 60jährige Juda Moses P1 o z k e f und der Synagogendiener M a u s e r schwere Verletzungen davontrugen. Als Polizei herankam, flüchteten die Exzedenten, einige aber wurden ' von den Synagogenbesuchern zurückbehalten und .der Polizei, übergeben. Zur Geschichte der Juden in Belgien. Die Geschichte der Juden in Belgien blickt auf mehrere Jahrhunderte zurück und bat sich trotz der verhältnismäßig geringen Zahl der Juden in diesem Lande wie überall in der WgJt recht ereignisreich gestaltet. Eine in allen ihren Einzelheiten erforschte und authentische Geschichte der Juden in Belgien ist bisher nicht geschrieben worden. Es gibt Forscher,' die behaupten, daß das Vorhandensein von Juden m Belgien Im vierten Jahrhundert dokumentarisch nachzuweisen, sei, während der Gelehrte Dr. Uli mann, der sich besonders In der Erforschung jüdischer Grabstätten in Belgien spezialisiert, jüdische Gräberfunde a * s dem d r e i z e h n t e n J a h r h u n d;e r t fiachgewtesen hat. Um nun die'Erforschung" rdb'r':jiMli^cheh Geschichte in Belgien in ein wissenschaftliches Fahrwasser zu bringen, wurde, wie uns aus Antwerpen berichtet wird, dort dieser Tage unter Vorsitz des Rechtsanwaltes Nüko G ü n s b n f greine Beratung der in Betracht kommenden Faktoren abgehalten und die Gründung einer Gesellschaft zur Erforschung der Juden in Belgien beschlossen. Der als Gast anwesende städtische Archivar Pfarrer Fritns begrüßte die neue Gesellschaft und versprach, das gesamte städtische Archiv den Forschungsarbeiten der Gesellschaft uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen. Henry Ford bei Louis Marshall. Der in Detroit wohnhafte Henry Ford kam dieser Tage nach New York und stattete Louis Mars ha 11, dem Präsidenten des American Jewish Committcc, einen Besuch ab. Ford beriet mit Marsliall über die Art, wie der noch heute betriebenen an t ise tu i t i s c h e n Propaganda früherer Bevollmächtigter Fords zu begegnen sei. E$ wurde auch über die Weigerung Theodor Fritsch's den Vertrieb der deutschen und spanischen Ausgabe des ^Internationalen Juden" einzustellen, gesprochen. Eigenartige totelllgenzprüfungen für Einwanderer. Das Oesundheitsamt der Vereinigten Staaten hat der Jüdischen Wanderschutz-Geseltschaft Rias mitgeteilt, daß es zwei Psychiater nach Warschau entsandt habe, um die gegen das dortige Konsulat erhobenen Klagen betreffend eigenartige Methode bei der Prüfung der Intelligenz der Einwanderer zu untersuchen. Beamte des Konsulates sollen, um die -geistige Gesundheit und Reife jüdischer Einwanderungsbewerber zu prüfen, an diese ganz lächerliche Fragen gestellt haben, die geeignet waren, die Bewerber zu verwirren und lächerlich zu machen. So zum Beispiel/ hat ein Beamter einer jüdischen Frau die folgenden Fragen gestellt: WieviclFedern hat eine Gans mehr als eine Ente? Worin unterscheidet; sich ein Mann von einer Frau? Wieviel Beine haben drei Menschen und zwei Kücken? Die Geprüften gerieten über solche Fragen in Verwirrung und Erregung und wurden dann als geistig unter Durchschnitt von der Einwanderung ausgeschlossen. Die Gesellschaft Hias hatte gegen diese eigenartigen Methoden beim amerikanischen Einwanderungsamt Klage geführt. Nur noch wenige Tage haben sie Gelegenheit, den' sensationellen Sonderverkauf in Weiß waren im Warenhaus Brüder Schaff m a n n, ■ II. Bez., Tabörstraße 48, «ür Deckung Ihres Bedarfes aus- „zunüteeH? -Verblüffend sind die, Angebote anläßlich der . „Weißen Woche". Alk Erzeugnisse der weltbekannten' Qualltäts-Standard-Markc; „Li Ja en" werden zu Original-:- fabrakspreiisen verkauft." Das 'Riescnlaiger ist allen erdenklichen Weben, Chiffons,' Grad), Bettüchern, ferner in Damen- und Herrenwäsche wird bei erstklassiger Qualität: zu;verblüffend niedrigen Preisenabgegeben. 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Zu dieser Angelegenheit .erfahren wir von informierter Seite: Bei der JahrcskonfereiiÄ der C. I. E., die im August 1927iu Rom tagte, machte der Vertreter Deutsch« lands der Exekutive der G. 'L Es Vorwürfe wegen der gesonderten Einladung der Studenten Oesterreichs, da* die Vertreter Deutschlands auch die Vertreter der öster* reichischen Studenten seien. Ein Sekretär der C. I. E-, der Belgier Dr. Baugui et, erklärte; daß er nach Berichten aus Oesterreich schließen .müsse, daß der Kreis VIII der . deutschen Studentenschaft absolut nicht das Recht habe, ira N a me.n a 11 e r ö s t e r r e 1 c h i s c h e n S tudenten zu sprechen und dfciß die von den Deutschen gelieferten s t a t i s ti sehe n Daten un. richtig sind. . Nach einer längeren stürmischen Debatte wu.rde beschlossen, von allen studentischen Gruppen Oesterreichs diesbezügliche Informationen einzuholen. Es ist allgemein bekannt, daß die C. I. E. den Beitritt nur solcher Verbände KARTON NAG EN FABRIK I» GELB AN O & C9, WIEN, IX. 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In Rom ist der deutschen Studentenschaft die Aufnahme in ihrer großdcutsolierv Ztisautrneiisetizung,.(ifÄsive Oesterreich), wie sie sie erstrebt hat, nicht gelungen urfd die Aufnahme wurde für ein Jahr verschoben. Die Mitteilungen der deutsohvölikischen Blätter von einer. Siege und von einer Aufnahme iu die,C. I. E waren unrichtig. Noöh uiirichtigcr ist es, wenn die ,,Reichs,post''' am 29. Dezeitlber berichtet, daß es der deutschen, Studeutchschaft gelungen ist, iu der C. I. ß. die Auenkennung des „bestehenden staatenumspaunenden Aufbaues der deutschen Studentenschaft durchzusetzen" und deshalb waren „außenpolitische Erwägungen" dafür maßgebend, die V e r o r d u u n g d e s preußischen Ministers Ii e cik er aibzulehneu. Ein „beachtenswerter EniOlg" ist nicht erreicht worden und der Beckerschc Erlaß hat gar keinen Zusammenhang und Einfluß auf die Entschlüsse der C. 1. E. Nur ein schlechter Kenner der Verhältnisse kann'so falsch informieren. tu der Zeit vom 22. bis 29. d. M. veranstaltet die C. I. E. Wettbewerbe im Wintersport 'in Cortina d'Ampoazo. In den ersten Tagen des laufenden Monats fand zwecks Vorbereitung dieser Veranstaltung eine Sitzung des Exekutivkomitees der C. I. E. in Malo.ia bei St '■ Möriz (Schweiz) und in Laiibach statt, bei der die deutschen Vertreter gegen die Wiahi des Veransta'ltungsortes mit Rücksicht auf die Eimpf f nd'l'i c hikeit der Südtiroler I)rotesticrteu. Die deutsche S tudentenschaf t sagte' eine Beteiligung an dem Wintersporttoewcrb ab und übergaib 'der Exekutive eine Derfechrtft über die Lage der Deutschen in Südtirol., Gleichzeitig wurde die Drohung ausgesprochen, daß. bei der im Mai 1. J. in Str^&bui'g Stattfindenden nächsten Exükutivsitotng der C. I. E. die deutsche Studentenschaft zum il e t z t c ti m a 1 die bedingungsilosc Auinalnne, als großdeutsche Vertretung der Studenten innerhalb und auß-erhalb der Röichsgrenizen ancükannt zu werden, verlangen werde. Vor einer Woche Wannen nun auf der Durchreise aas Laibach ' einige Mitglieder_ des ' Exekutivikornitecs (Dr. GräjUer, Kopenhagen, Inj?; Palacek, Prag, Cami'Iic.Ernst, Paris) nach Wien und traten mit 'Alfen Studentcn.gruppen.in yenbindung, mm über die Läge der Studentenschaift in Oesterreich Iniförmia-tiorien einzuholen. Bei dieser Gelegenheit kattien einige nichtvöl'kischc Gruppen mit den Vertretern der C. ■ I. E. zu einer, unverbindlichen Besprechung zusammen, in der sie auf die Frage der. Gäste die selbstverständliche Auskunft - gaben, d a ß d i e d e u t s c h v ö 1 ik i s c h e Studenten s c h ä it' i n einem privaten Verein o r g a h i s i e r t i st und kein Recht habe, im In- oder Auslände im Nauieu-der österreichischen Studentenschiait zu sprechen ünid'sie irgendwie zu vertreten. Die Informationen wurden von den-'Vertretern der C. I. E. zur Kenntnis genommen. Die Vertreter der C. I. E., die auch im Biuhdesministerium für Unterricht und im Reiktorat Auskünfte erhielten^ haben verschiedene studentische Institutionen ■ besucht, darunter« auch die Mensa a c a d e m i c a j u d a i c a, über deren ausgezeichnete Organisation sie sich sehr lobend aussprachen. Nun ist zu erwarten, ' daß die Exekutivkomiteemitglieder, in Brüssel einen objekiven Bericht über ihre Eindjücke in Oesterreich erstatten werden, und auf,' 3er Plenarversammluug ward dann endgültig ausgesprochen werden müssen, daß die österreichische Studentenschaft nur durch ein eigenes,.von allen studentischen Gruppen Oesterreichs eingesetztes Komitee vertreten werden kann. Wir meinen, daß; auch die jüdische Studentenschaft sich die nichtdeutschvölMsühen Gruppen genau wird ansehen müssen, bevor sie sich mit ihnen zusammensetzt. Werden es die Vertreter der großen Kulturnationen bei der nächsten internatSonalen Studentenkonferenz mit ihren Atisichten yon Ehre und Moral für vereinbar finden, sich an einen Tisch 's?u setzen mit den Mordbrennern und Dieben, die für den [ Nunrerus clausus kämpfen? Kultusvorstand und Hochschulausschuß. - In Vertretung des jüdischen Hochsohulausschüsses., der Exekutive des 'Gesamtverbandes' Oesterreichs „Judäa", erschienen letzten Freitag die Herren Dr. E. Pachtmann, Dr. Ch. Bernstein, Robert Mehler und A. Teich im Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde, wo sie von den Vizepräsidenten Dr. Omstein und Dr. Löwen herz empfangen wurden. Die Mitglieder des Hochschulausschusses ersuchten das Präsidium, der Jüdischen Studentenschaft das bis nun entgegengebrachte Wohlwollen auch weiterhin zu bewahren. Sie wiesen auf die schlechte wirtschaftliche Lage eines großen Teiles der jüdischen Studentenschaft hin, deren Not sieh nach dem Tod des Oberrabbiners Chajes sehr verschärft hat, da die Mittel für dfle bedürftigen Studenten größtenteils der Verstorbene zur Verfügung gestellt hat.

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