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Die neue Welt · 1928-01-27 · Heft 19 (27.1.1928) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 19 (27.1.1928)
Date
1928-01-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 m NEÜE WELT Nr. 19 inuifw^inifMrmrmrfiHrriinniHifTinuHiiiMifiiiniMinHiiinüminifirnrHuiHiii^ Klub radikaler Zionisten Mittwoch, den 1, Februar 1928 um halb 9 Uhr abends findet im Klublokale Cafe Atlashof, Wien, I., Aspernplatz, eine Klubversammlung s(,„ S Gegenstand; | Bericht über die Lage in der | Zionistischen Organisation und | in Palästina« ] Freie Aussprache/ 5j 5= Im österreichischen Landesverbände organisierte g Zionisten als Gäste Willkommen. Zu dieser Ver- S Sammlung ergehen keine besonderen Einladungen iiniiiiiiitiiiiiiiiw Präsident und Minister im .italienischen Kabinett war, mit dem Annunziata-Orden ausgezeichnet werden. Großmeister des Ordens ist der König von Italien, der mit Rücksicht darauf, daß die Mitglieder dieses Ordens zum größten Teil regierende Fürsten und hohe Staatsmänner waren, vor jeder neuen Verleihung des Ordens an die Mitglieder eine Rundfrage zu richten pflegte, ob sie gegen die Verleihung Jes Ordens an die betreffende Persönlichkeit irgend welche Einwendung hätten. Es wurde dabei selbstverständlich niemals an . eine ernste Ballotagc gedacht, das ganze war bloß eine Formalität, und es hatte sich niemals der Fall ergaben, daß gegen eine vom König von Italien in Vorschlag gebrachte Persönlichkeit von irgend einer Seite ein Einwand erhoben worden wäre. So wurden denn auch anläßlich der geplanten Auszeichnung Luzzattis die Fragebogen an die damaligen Inhaber des Ordens'ausgesendet. Von keiner Seite war ein Anstand gegen die Auszeichnung. Bloß Kaiser Wilhelm II. sandte den Fragebogen mit der von ihm eigenhändig •unterzeichneten schriftMchen Bemerkung zurück: ,,.M.i t Juden duze ich, mich nj cht!" Es war nämlich die Gepflogenheit, daß die Besitzer des Annunziata-Ordens miteinander auf dem Dufuß stehen. Diese schroffe Bemerkung Wilhelms II. hat damals am ■ königlichen Hqie und auch in den diplomatischen Kreisen Italiens großes Aufsehen und Entrüstung hervorgerufen. Nicht etwa-deshalb, ■weil Wilhelm niit dieser Bemerkung seiner antisemitischen Gesinnung Ausdruck gab, sondern weil die italienischen Staatsmänner den Standpunkt Vertraten, daß die Verleihung'des Annunziata-Ordens: durch den König von Italien eine rein tri n ere A i* g e 3 e g e n h e i t' 11 üi i e n s sei und Wilheim II. durch Mißbrauch1 einer Formalität sich in t;a k 11 o s e s t e r Weise in die inneren Angelegenheiten Italiens gemengt habe. - . Der König berief sofort , einen außerordentlichen Ministerrat ein, dem er die peinliche Geschichte .unterbreitete. Zu jener Zeit war die internationale politische Lage aijfs äußerste gespannt. Die Verleihung der hohen Auszeichnung an Luzzatti trotz 4er ablehnenden Bemerkung des deutschen Kaisers hätte die Situation ohne Zweifel noch mehr augespitzt. Man war 'daher davon abgekommen, Luzzatti die Auszeichnung zu verleihen. Wohl gelang es Wilhelm, den Juden Luzzatti um den verdienten Annunziata- Orden zu bringen, als aber einige Monate später der Weltkrieg ausgebrochen war, hatte sich am italienischen Königshof auch nicht eine einzige Stimme dafür erhoben, daß Italien an der Seite der Mittelrnäehte In den Krieg treten soll. Juden im Kundjscbafterdienst. Aeufterungen eines österreichischen Heerführers. — Die wichtigste Meldung des Weltkrieges von einem jüdischen Ziigsführer erstattet. General 'Eduard Fischer, der als der Befreier der Bukowina bekannte Österreichische Heerführer, in dessen; Gruppe sich bekanntlich viele jüdische ~. Soldaten und Gendarmen befanden, schreibt der Wiener „Sonn- und Montags-Zeitung": ': Iis dies« in der Natur der Sache, daß die Juden ihres praktischen Scharfbjiäkes, ihrer realistischen Beobachtungsgabe .und ihres spekulativen Sinnes wegen, oft aber atich ms Idqajistmta und glühender VateriEandsbegcisterung die trefflichsten Kundschafter gewesen, sind. An Todesverachtung und Kaltblütigkeit selbst in den verzweifeltsten Tagen dieses ungeheuer schwierigen und gefahrvollen Dienstes gaben sie den anderen Nationaiitätsn nicht das geringste nach. Deshalb waren -auch ihre Erfolge im Kuudsc|ja|terdienst beispiellos. So danke ich die u n g e h e ti e rw i c h t i g e M e 1dung vom. Anmarsch der Armeegruppe Iwanow auf Lemberg -einem jüdischen Zugsführer, der das wtj^laylWidie Wagnis fertigbrachte, die diesbezüglichen feldtelephonischen Befehle eines russischen Divisiot$rs im Sitze des feindlichen Divisionskommandos .selbst a'bzwh.PTchenv und mir bitinen kürzester Zeit am 10. August 1914 zu überbringen. Naturgemäß leitete ich dje entscheidende Meldung sofort an unser Oberkommando weiter, Dpit wurde leider die kolossale Wichtigkeit ihres Inhaltes nicht erfaßt, was dann d i c v e r h ä n g n i svoMe NiedeHa&c unserer Hawptarmec 6?e! Leinberg zur Folge hatte. Ich erwähne noch, <crtt» dieser jüdische?«ffs*ölirer, ein blutarmer Teufel, sich absolut wergwe, (Sur seine großartige Leistung auch nur diegeringste Belohnung anzunehmen. Unzählige Beispiele erfolgreichster Tatigikeit im Kundschafter- und Spionagedienst seitens Juden, die siel) freiwillig und im voraus jede Entschädigung ausscMagend gemeldet hatten, könnte ich noch anführen, wozu hier aber der Kaum mangelt. Anderseits darf streng objektive Wahrhcitsschiklerung nicht die Tatsache verschweigen, daß unter den galizischen Juden, vorwiegend den armen und ärmsten, sich auch solche befanden, die, vom rollenden Rubel verführt, Spionage im Dienste Rußlands getrieben haben. Aber — wieder der 'Ungeschminkten Wahrheit die Ehre — derartige Spione gab es ebcnsoviele unter den Nichitiklen b i s Ii i n a u f v u den höchsten Kreise n u n d b e k a n n t e s t c n N a m c n. Ausdrücklich unterstreichen muß ich jetloch, daß während der ganzen Kriegs* daner kein einziger Bti'kowinaer Jude sich der Spionage oder des Hochverrates schuldig gemacht hat. Das geheime Gericht der Oberrabbiner. Wahnvorstellungen der Frau LudendorK. in dem Mtonchener Organ Ludendorffs, dem „Deutschen Wochenblatt", findet sich ein Aufsatz der Gattin des Feldmarschal'ls, der Frau Mathilde K r e m n i t z - L u d e nd o r f f, die ihren Gemahl in der hysterischen Angst vor dem Judentum noch übertrifft. Sie schreibt diesmal über „Die Fälschung des Testaments Luthers durch die protestantische Kirche", die angeklagt wird, das antisemitische Testament Luthers, die Austreibnng der Juden und Z c r s t ö r u n g. d <e r Synagogen als Stätten des S a t a n s k u 1t e s, nicht ausgef ührt zu haben. Schuld daran trügen die 500 VoiMitJuden auf den Kanzeln der Lutöierikirche und die noch zahlreicheren Söhne von Juden als lutherische Geistliche, die also auch der geheimen Gericht sbankeit der Ohe rr aibb in er . unterstehen, sowie die künstlichen Juden des Freimaurerordens, in Berlin allein -10, die. sie aäsAaronspriestcr bezeichnet. Der Artikel gipfelt in der Aufforderung an die Völkischen, gegen diese Geistlichen durch , oppositionelle Zurufe der Gemeinde zw demonstrieren, wenn sie es in Zn'kuiiift wagen seilten, von,der Kanzel das Alte Testament auszulegen. , . Weiters halben Erich und Mathilde Ludeüdorftf, die schon lange gegen die bösen Frcimaurersitten wetterten^ einen gräßlichen 'Generalstabsip'lan 4er' Freimaurer im „Deutschen Tageblatt" enthüllt. Er sieht so aus: 1. Das Hochziel der j.iidiscih-ireimaurerischen Verschwörung ist die Beseitigung Deutschlands als Nationalstaat, und zwar sowohl als, Monarchie als auch als Republik. 2. Die Mittel «u diesem Hochziel, dem die Aufrichtung der all jüdischen Wel't zugrunde liegt, sind, Verbrechen, Kriege, Revolutionen und Wirts c h a f t s k r i s e n. 3. Die jüdisch-f rehnaurerische Verschwörung hat im Kampfeam Beseitigung Deutschlands als Nationalstaat bis heute folgende Mittel angewendet: a) Der „Grand Orient de la France" (die französische. Hochgrad-. freiniaurerei) hat das Attentat gegen das öster-. reichische Throniolgerpaar beschlossen und dtirchführe« lassen, b) Infolge dieses Attentats, ist am 2. August 1914 der blutige Krieg mit den, Kriegserklärungen aller Machtstaaten der Erde plangemäß entbrannt, Deutschlands Rüstungen wurden durch jüdisoh-tfreittiaurerische Irreführungen der öffentlichen Meinung, durch Pressefehden, Reichstagskämpfe usw. sabotiert. 4. Durch dou Beitritt Deutschlands in den freimaurerischen Völkerbund wurde die erste Stufe zur Anerkennung der Diktatur einer überstaatlichen Macht gebaut. Der Vater der „Hatikwah"« Z um 50jährigen J ubi 1 äum der jüülschen Nationalhymne. Von S. Cutler, Jerusalem. Vor 50 Jahren hat Naftalä Herz ) m b e r die „Hatikwah" gedichtet, die in der Folge zur jüdischen Nationalhymne geworden Ist. Woher die Musik stammt, ist unbekannt. Nach einer Version ist sie 1883 in Rischon Ic Ziqn entstanden. Wahrscheinlich stammt sie aus Stnetanas Symphonie „Moldau" und djeser dürfte sie zuerst an der Ukraine gehört und niedergeschrieben haben. Unter meinen kurzen Notizen über berühmte, und interessante Persönlichkeiten, die ich einst kennen gelernt und mit denen ich mich manchmal befreundet habe, finde Ich folgende Notiz: „Heute, am 15. Jänner 1008, habe ach in <ler Redaktion des New Yorker „Tageblatt" Naftali flere Iinber, den Schöner der „Hatikwah", angetroffen, ihn kennen gelernt und etwa 10 Minuten mit ilrni gesprochen. Im Vergleich zu dem Schöpfer der „Hatikwah", wie er m meiner Vorstellung lebte, bedeutet der wh^ichp Imbcr eine große Enttäuschung. Man darf sich nicht mit dem ersten Bkidru<$ be- ' gnügen. Möglich, daß sich Iinber bei näherer Bekanntschaft doch als eine Persönlichkeit herausstellen wird. Ich will abwarten." ' Der erste Eindruck ist nicht maßgebend — so hat mich meine langjährige Erfahrung in bezug auf berühmte und interessante Persönlichkeiten, die ich im Laufe meines Lebens in Europa, Amerika und Asien kennen gelernt habe, gelehrt. Sogar Prof. Henry ßergson, Prof. Masaryk (der jetzige Präsident der Tschechoslowakischen Republik), Nordau, Zangwill, Mendele Moohcr Sfarim, Roosevclt u. a. in. hatten mich beim ersten Anblick dei> maßen enttäuscht, daß ich ganz ärgerlich darüber war, daß »eh so erpicht darauf gewesen bin, sie zu sehen und persönlich kennen zu lernen. Erst später, als ich Gelegenheit hatte, näher mit ihnen bekannt zu werden, sie zu sprechen und Interviews von ihnen zu erhalten, erst dann habe ich mich davon überzeugt, daß meine erste Vorstellung unrichtig war, * ..Zwei Gegensätze in einer Person" — mit dieser talmudischen Sentenz ließe sich Imber am besten charakterisieren. Ein Gemisch von Acsfchetik und Zynismus, Poesie und Phrase, Radikalismus und Konservatismus — das alles war in Imber verkörpert. Es ist «aber kein Paradoxon, sondern eine Tatsache, daß diese Zweiseitigkeit in der Seele Imbers gerade in seiner Tendenz, nur das Ganze, das Vollständige zu lieben und zu vergöttern, begründet ist. Er haßte den Mittelweg und belegte ihn mit dem Spottnamen „der Pfad des Schmutzes"; der größte Schmutz bildet sich gerade in dem so gepriesenen „goldenen" Mittelweg. Gehen muß man auf der einen oder der anderen Seite. Die Mitte heißt eine Konzession machen, heißt nicht hin und nicht her —« pflegte er zu sagen. „Ich hasse Genossenschaften im Leben" — pflegte er zu sagen — „das bedeutet schon ein h a I b e s Leben, und ein halbes Leben ist ein halber Tod". „Ich 'kann nicht verstehen" — sagte er einmal im Scherz — „warum der liebe, kluge Herrgott sich einen „Genossen bei der Weltschöpfung" gewählt hat, und noch dazu. den Menschen — das schlimmste, zweifüßige Tier." Entweder alles oder nichts — das war seine Devise. Sein Ideal war Diogenes, ein armer, nackter Mensch in einem Faß... * hnber war der konsequenteste Anarchist, den ich je »getroffen habe. Er duldete keine Gesetze, keine Tradi-. tion, kein Prinzip, keine Regel und keine Sitte. Sogar die Gesetze der Grammatik haßte und verachtete er. Nur in bezug auf die Juden in Erez Israel war er streng und konservativ. Wiederbelebung heißt nicht Nachahmung — ■pflegte.er zu sagen — wir wollen zurück zu •unserem früheren Leben und nicht vorwärts. Sagen wir „ein auserwäbltes Volk" — so müssen wir es sein. Wollen wir hingegen ein . Volk wie die anderen Völker werden, so brauchen wir nicht Erez. Israel; das können wir,Jn Amerika, in England besser erreichen. Ein „auserwähltes Volk" heißt, sich vom Neuen lossagen und das Alte wieder aufnehmen. Das Alte hat es doch verstanden, daß man dem Armen die einzige Decke, die man von ihm als Pfand •genommen hat, des Abends zurückgeben muß. Das Neue hingegen verlangt, daß ein Armer, der kein Kleid hat, um seine Blöße zu dee/ken, und bei jemandem, der Kleidungsstücke dutzendweise besitzt, eine Hose stiehlt, streng bestraft werden snuß. Wo findet man mehr Logik und Ordnung? s* l "., - Alles pflegte• er-recht vulgär, sogar zynisch-zu be«. handeln; selbst seinen besten Freund pflegte er nicht anders als mit ,,Lu-mp" anzusprechen. Das einzige Heiligtum war ihm Erez Israel, Denn um über Erez Israel zu roden, muß man einen reinen Mund haben. Einst fragte ich ihn, wo er bei seinem Aufenthalt in Erez Israel am liebsten geweilt habe. „Irgendwo in den Bergen Judäas, zwischen den Felsen. Dort pflegte ich mich zu verstecken, um diev dunkle Geschichte des Landes aus den Rissen und Klüften der Felsen zu lesen", erwiderte er. * Der einzige Trost und 'Lichtstrahl in seineni traurigen-, finsteren Leben war ihm die „Hatikwah, die er 1877 in Jassy gedichtet hatte. Eines Abends im Winter kam er in New York spät nachts zu dem Saal, in welchem der jährliche Ball der Zionisten abgehalten wurde. Imber war •betrunken, schmutzig und halb erfroren. Der Portier, ein Neger, wollte Ihn in diesem Zustand nicht in den Saal lassen. Imber begann zu schreien und Skandal zu machen, worauf der Neger ihn hinausdrängte und die Türe hinter ihm schloß. In diesem Augenblick war der Ball zu Ende, die Musik spielte die „Hatikwah",, und alle Anwesenden sangen ergriffen mit. Da veränderte sich plötzlich Imbers Haltung. Nüchtern, aufgerichtet, blieb er vor der ver^ schlossenen Türe stehen. Sein Haupt schwankte wie der Kelch einer Blume. Seine dünnen, blauen UpRen lispelten etwas vor sich hin. Er sang seine „Hatikwah" mit... San Remo PENSION KOJCISCH Streng «wq VI ILA EU G E N I A Aller Komfort, maßige P< eise

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