Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1928-01-27 · Heft 19 (27.1.1928) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 19 (27.1.1928)
Date
1928-01-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2711613-2711630-2711634--0246-2713374
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Hr. » Dfß NEUE WELT ScJte 5 Diese Worte stehen auf einem Flugblatt, das der „Gdud magineh hassafah", die Legion zur Verteidigung der Sprache in Jerusalem hat ankleben lassen: „Der Lehrstuhl für Jargon, ein Götzenbild im Tempel des Hebräischen". Dies also ist der zweite Frevel, der F a n a t i k e r e i n e r anderen O b s e r v a n z auf den Plan gerufen hat, der Lehrstuhl für die jiddische Sprache. Die Frage hat freilich in den letzten Tagen etwas an Aktualität verloren. Die Ktiratoriumssitzung in Mainz hatte sich (wie die „Neue Welt" berichtete) einstimmig für die Annahme des in Amerika angebotenen" Betrages für diesen Lehrstuhl ausgesprochen, hatte aber zugleich mit Rücksicht auf die erregte Stimmung in Palästina den palästinensischen Instanzen das letzte Wort gelassen. Diese haben nunmehr den wiederum einstimmig gefaßten Beschluß angenommen, die Entscheidung über diesen Lehrstuhl zu vertagen, bis die Lehrstühle für die hebräische Sprache, für Bibel, für jüdische Gqschichte und für jüdische Philosophie errichtet worden wären. Dieser Beschluß ist, wie der Kanzler der Universität, Herr Dr. Magnes. uns erklärte, keines« wegs als eine Ablehnung der Errichtung des Lehrstuhl in höflicher Form aufzufassen. Dr. Magnes selbst ist durchaus für die Errichtung dieses Lehrstuhls, glaubt aber, daß die genannten vier anderen Lehrstühle der' judaistischen Fakultät zunächst errichtet werden müssten und wichtiger seien. Dieser Ansicht wird man nur vollkommen beipflichten müssen. Der Aufbau unserer Universität muß ein geregelter und organischer sein. Wir dürfen nicht, auch wenn uns ein' noch so großzügiges Geschenk angeboten wird, uns dadurch im systematischen Aufbau unseres Werkes stören lassen, Und, prinzipieller gesprochen: Jiddisch 'ist für uns ein aus der jüdischen Geschichte und Gegenwart nicht wegzudenkender Faktor, ohne den eine umfassende Kenntnis jüdischen Volkstums unmöglich ist, wie dies übrigens etwa vom spaniolischen, dem jüdisch-arabischen und anderen Judendialekten zu sagen ist. Hebräisch aber ist für uns nicht nur zentrales Gut der Vergangenheit und Gegenwart, sondern Grundlage unserer nationalen Zukunft und der jiddische Lehrstuhl vor dem Hebräischen würde schlecht zu dem Verhältnis passen, in dem diese Sprachen für uns zueinander stehen! Und doch haben die Schreier gegen den Lehrstuhl für Jiddisch unrecht. Denn ihnen geht es nicht um die Reihenfolge, nicht um systematischen Aufbau der Universität, nicht um den Vorrang des Hebräischen, , sie sind engstirnig genug, einen Lehrstuhl für die Erforschung der Sprache, die Millionen Juden seit Jahrhunderten sprechen, prinzipiell verbieten zu wollen, Sie sind kleinmütig genug, noch immer nicht an den Sieg des Hebräischen glauben zu wollen und befürchten allen Ernstes, daß ein Professor, der in hebräischer Sprache vor einem Dutzend Studenten über die jiddische Sprache vorträgt, damit das Hebräische gefährden könnte. Sie verstehen nicht, welcher Triumph für das Hebräische gerade darin liegt, daß nur an der hebräischen fUniversität für die Erforschung des Jiddischen eine Zufluchtsstätte geschaffen werden kann! An allen Schulen Palästinas lernt man fremde Sprachen: sollte nicht das Erlernen des Englischen vielleicht , ebenfalls eine Entweihung des Hebräischen sein?! Wahrlich, das Hebräische ist weit über die Zeit hinaus, wo es derartiger Verteidiger bedurfte! Dagegen gibt es eine Stelle in Erez Israel, auf die ich das Wort „Zelem bahechal" gern anwenden würde. Diese Stelle heißt: Petach Tikwah, ein Götzenbild iin Tempel der jüdischen Arbeit, ein Bild,' um dessen Beseitigung schon Jahrzehnte gekämpft wird, um das Blut geflossen ist, das aber noch heute fast unverändert besteht. Nach allen Kämpfen der letzten Wochen, nach Druckrder Regierung auf die Pflanzer, nach Protesten und Vorstellungen des Waad Leuini, nach Unterzeichnung des Vertrages, durch den sich die Pflanzer zur maximalen Beschäftigung jüdischer Arbeiter verpflichten, lautet die letzte Ziffer dahin, daß bei 4er PfUickarbeit zirka 750 Araber und 40 Juden beschäftigt sind. Zelem bahechal!! Versleheruns seien Obernesteueruns! Anlagen, Bilanzen. Siundenbuchhaltiinjjen, Organisationen, Revisionen (Auftindung edes Fehlers) Experte für dlo Ru'-Buchhaltuitfl Spezialist für verworrene Buchhaltungen, lpezialbucMühruntjfür Mein- Pewerbetrelbend (Ferabuchhaltung). Berechtigt zur Steuer- und Oebfihrenberatung Bu«ftöaltungs« und Rev'slonsbttro 6f XVII., Hern. Hauptstr. 24/23 Telephon A 22112 übernimmt volle Haf ung und Verantwortung für richtige Besteuerung ,,TAU$!K' Die Krim-Krise. —y. Die Krim-Siedlung ist In eine Krise geraten," die sidi aus politischen Ursachen herschreibt, aus den gleichen Ursachen, die sich in der Verbannung- Trotzikis und der anderen jüdischen Führer des BolsohewisttTus ausdrücken, die in der Verfolgung jüdischer Jugendlicher, und in der Ritualmordpropaganda sich zeigen. Es ist ein guter Schuß Antisemitismus in das Sowjetsystem geraten und dies ist so auffallend, daß es nicht bloß von antijüdischen Organen, wie kürzlich der Wiener „Reichspost", sondern auch von sozialdemokratischen Blättern konstatiert wird. So 'berichtet das Züricher „Volksrecht", das angesehene Organ der schweizerischen Sozialdemokratie, in einem Brief über den Stalin- Kurs: ,yDie Hetze gegen die Opposition geht Hand an Hand mit einer eigentlichen Attacke gegen die Juden, die Hinter der Opposition ein starkes Kontingent 'bilden und gegen die darum der Haß des Volkes orrizieM geschürt wird." Es sind also keine Zufallserscheiiiungen, wie sie ja in einem so großen Wirtschaftskörper immer auftreten könnten, sondern es 'handelt sich um eine von oben dirigierte Bewegung 'imd sie zeigt alle Symptome des Antisemitismus, die wir überall bemerken und die sich gegen die Juden als Gruppe wie als Individuen richten. Daß die Opposition einen starken jüdischen Einschlag aufweist, erklärt sich zum Teile aus der kritischen Veranlagung des östlichen Judentums überhaupt, zum größeren Teile aber aus der Tatsache, daß der Bolschewismus am stärksten das Judentum getroffen uind in ein rettungsloses Proletariat geworfen hat. J>ie Servilität der Jewsekzija, des jüdischen Departements in der Regierung, konnte lange Zeit diese Tatsache vertuschen, für die Dauer jedoch war dies 'unmöglich und selbst die hartgesottensten Verteidiger der Dampfwalze mußten Vergleiche darüber anstellen, wie sich der Kurs •bei Nich'tjiiden und Juden auswirkte. Die jüdischen Kommunisten erfanden in diesem Dilemma das Krimprojekt, den Plan einer jüdischen Mass e il s i e d 1 u n g in, der südlichen Ukraine und in der Krim. Das sollte der jüdischen Mißstimmung ein Ventil schaffen und auf eine raffinierte Art der russischen Außenpolitik dienen. Geld konnte oder wollte der Staat nicht zur Verfügung stellen, aber es bot sich die Möglichkeit, m den aufbauenden Tendenzen des A u s 1 a n d s j u d e n i u m s m sprechen, sie zu den Kosten .iieranjyuziehen und sich zugleich durch sie politischen Ei|ifIiiß siehern. Diese Möglichkeiten boten sich -vor alleM,'• im amerikanischen Judentum;ünd so entsiaiid Üas'seltsame Bild, daß die reichen.ranierikanischen Juden, die an ihrem hundertprozentigen Amerikanerin niemals zweifeln lassen wollen, sich für das Krimprojekt erwärmten. In diesem 'Falle erwies es sich, daß nicht immer die wirtschaftlichen Momente die Haltung bestimmen. Die an ti zionistische Einstellung wa r stärker ■und sie traf sich fiaargenair mit den gleichartigen Tendenzen der Jewsekzija, die den Zionismus als Sklaven des britischen Imperialismus denunziert. Aus Amerika fioß also Geld in reichen Strömen, Rußland stellte die Menschen und den Boden, Es war ein macchiavellistisches Unternehmen", das politisch sehr weit angelegt war. Der Boden war-enteignetes Land, das den Romanows und <em Hochadel abgenommen war und auf das zunächst die bodenhniigrigen Ukrainer und Tataren sich. Hoffnung gemacht hatten. Da das Land den Juden zugewiesen wurde, denenman nicht ganz traute, so lenkte man die 'ukrainische .und tatarische Opposition auf'sie, ab, umgab sie mit einem Wall des Basses und des Neides und glaubte sich auf diese Weise in den Juden ein stets loyales und gefügiges Grenzerelernent zu schaffen. Aber in dieser jüdischen Siedlung entstand mich ein jüdisches Leben, das nationale Empfinden Setzte sich durch und dies weckte auch in dem getretenen, verarmten Judentum des übrigen Reiches ailerfei Hoffnungen. Die Denunziantengikle der Jewsekzija setzte mit Strafen, ein, die j u n gen Z i onisten wurden in die Kerker gesteckt ■und nach.Sibirien geschickt, wo sie starben und verdarben. Und nun wechselt der Kurs und dreht sich gegen die Krimsi ed hing. Herr Bragin, einer der Vorkämpfer dieser Bewegung, hat 'seine Befürchtungen offen ausgesprochen. Das Verhältnis der Regierung zu den jüdischen Kolonisten ist erkaltet und die Entwicklung gerät auf das tote Geleise. Vielleicht wäre eine Ver-. Pflanzung nach Sibirien ein Ausweg, aber auch'der Iii/ ein lieben Gatten, Vater, Großvater, Schwiegervater Mordechai Barifeld gratulieren herzlichst zu seinem 50. Geburtstage! Jevto Öarffchl / Efrafm Barifeld / Pe**e! Ltebermann / Jacfred Bortfeld ✓ Molsche Ltobermana ✓ Channah Liebermann Painach ßartfeld LLOYD SABAUDO GENUA Gxpreßverkehr nach ZNordö. Südamerika leittiferlll. REPRKS.: I., KOLOWRAfRING 4-TEL.72-3.87 ist unmöglich. Hat Herr Bragin einen Gedanken der Regierung lanciert und ihn zugleich als Jude abgelehnt? Das ist im Augenbick ncht zu erkennen, aber es besteht doch die Tatsache, daß ein, jüdischer Sachverständiger die Krise 'konstatiert und die Aussichtslosigkeit ausspricht. Das wäre ein furchtbarer Schlag für die Siedler, die Hab und Out und Arbeit verlieren, für das Judentum Rußlands und für das gesamte Judentum, ein Schlag, um so schwerer fühlbar, als gerade in dieser Frage von nationalen Führern des Auslandes (wir erinnern nur an Stricker und Stephen Wise, sowie an die Haltung der „Wiener Morgenzeitung") die Gefahren rechtzeitig erkannt und immer vor ihnen gewarnt worden war, obzwar selbst Zionisten den Poterrrkinkünsten Moskaus unterlegen waren. Auch im Zionismus hat die Krimfrage viel Unfrieden gestiftet, hat daß Mißtrauen gegen die zum Eintritt in die Mandatskörperschaft angegangenen Personen des amerikanischen Judentums verschärft und den Bau der Organisation erschüttert. Nun droht eine schwere Krise'in einem der edelsten Stämme des Judentums und vielleicht wird sie beschworen werden können, wenn das nationale Judentum wieder zu sich selbst zurückfindet. ABGEARBEITETE ©ftf^ B9 KS € (von 50 S aufw.), Decken-, ä %sPMl&& Filet-, Klöppel-,Tüllspitzen usw. hilligst. TUCH AUßEN 12, im Hausflur Rabbiner Gedaljahn Schmelkes gestorben. Das Judentum, der Zionismus haben wiederum einen ihrer Treuesten und Besten verloren. In Przemysl ist am 22. d. Rabbiner Gedalija<hn Schmelkes gestorben. Ge-. boren im Jahre 1857 in Lemberg, eignete er sich ein großes jüdisches und allgemeines Wissen an. Seit Anbeginn hatte sich Schmelkes der zionistischen Bewegung angeschlossen, deren misrachistischen Fraktion er angehörte. Er nahm auch au den Kongressen in Basel, Hamburg, Karlsbad und Wien teil. Im Jahre 1907 kandidierte er gegen Dr. Bobr-. •zynski im österreichischen Parlament. Der Bezirks- ■hauptmann in Przemysl suchte den bedeutenden Mann zum Rücktritt zu bewegen. „Non possumus" erwiderte Schmelkes, „nicht ich kandidiere, ich werde vom Zionis-. rnus kandidiert." In Przemysl harrte er während des Krieges ibei seiner Gemeinde aus und schützte sie auch gegenüber den Russen. Nach dem Lemberger Pogrom eilte er mit dem verstorbenen Dr. Zip per nach Warschau, um zu intervenieren. Die jüdische Genossenschaftsbank in Berlin. Die in den jüdischen Kreisen Berlins schon seit längerer Zeit erörterten PJäne, eine jüdische Genosse u s c Ii a f t s b a n k zu gründen, um dem Kreditbedürf-. iiis der zahlreichen jüdischen Mittel- und Kleinexlstenzen entgegenzukommen, haben in den letzten Wochen zwr Gründung der Volksbank „Iwria" geführt. Das Präsidium besteht aus den Herren Direktor Kareski, Dr. Alt-i schul und Dr. Taitzliu. Ferner gehören dem Auf«! sichtsrat Dr. B r u t z k u> s, Dr. K1 e e, Dr, Köllen scher* L a n g e r m a n n, Dr. K a p 1 u n, Dr. M a n d e\l und andere an. Die Volksbank soll ihre Geschäftstätigkeit eröffnen, so-t bald die Zeichnungen in Höhe von M, 200.000 vorliegen. Die Hallte dieser Summe ist bereits gezeichnet, so daß da-, mix gerechnet werden kann, daß der Geschäftsbetrieb im Laufe des Monats Februar aufgenommen wird. -£lli itiiiiiiiiiiiiiiiiiiiua Iii Talare ■* Barelte für Kultus und Justiz in den itiaBiifffaftJfisfenfsnnenerhiltOT Sie fertig and ntAtyS ' In bester Qualität zü den tilligsten Preisen! infltfiit|tbnntai üflifonnifl/w§MfJa8jdiflalto8i WieDjl.latonWllr.Sl (Aähing auf Ususnunmu!) Wt Tel 45-29 Oegr.1866 Zahlreiche belobende Anerkennungsschreiben! _ Versand Radi allen Wellfeilen! Refö Mritrie Kataloge pttls! ^illtllflllltffllfllltlflflllllllllttllllilflillflliillfllllllilitiiiiliiiiiiiiitfHIlflfllHIlf ftlfHItmifl

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.