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Die neue Welt · 1928-01-27 · Heft 19 (27.1.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 19 (27.1.1928)
Date
1928-01-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 OfE NEUE WELT Nr. 19 Brief aus Prag. Eine Taktlosigkeit tschechischer Juden gegen Doktor Chajes. — Die Jüdische Gemeinde klagt einen jüdi* sehen Sportklub und verliert den Prozeß* — Sperre der deutschen medizinischen Fakultät für ausländische Juden. Aus P ras wird uns geschrieben: Eine merkwürdige Debatte wunde in der Satzung des Kultusvorstandcs am IS. Jänner durchgeführt. Die Zionistische Organisation hatte eine Trauerfeicr für Dr. C ha j c s und Tiomikin im Jubilätimstcmpel atigcsebzt und der Synagogenausschuß hatte die GemeitKlerepräscutlan-z m dieser Feier eingeladen, statt zuerst die Zustimmung der Repräsentanz einzuholen. Dieser geringfügige Formfehler lieferte den tschechischen As shn i 1 a n te n den Vorwand, gegen die Trauerfeier Stellung zu nehmen. Der Präsident, Dr. August S t e i n. erteilte eine Rüge und ergänzte sie noch durch die freimütige Erklärung, er hätte dje Bewilligung zur Feier nicht erteilt. Ihm schloß sich der Repräsentant Dr. Reiner an, der es sogar für nötitf fand, g. e g c n d c n Mi üb r auch der S y naso g e zu protestieren. Die Jiklisehn-ntionalcn, Dr. T Ii i e b e r gc r, Dr. G o J d s t e i n uii'd Oberinspektor S1 o n i t-z, verwahr-« ten sich in scharfen Erklärungen gegen die beabsichtigte Störung der Traiuorfelcr. Bei der Abstimmung wurde der Protest Dr. Reiners verworfen und damit gemäß einer Interpretation tlcs Präsidenten Dr. Stein der "Atoll a ii tu ng der Feier zu g e s t i -tn in t. i, Der Haß der Assimilanten gegen alles Jüdische iührte sodann zu einer weiteren erregten Diskussion über die Angelegenheit des Sportklubs Ha gl bor. Die Existenz dieser vornehmen jüdischen Vereinigung ist den deutschen und tschechischen Nachläufern schon hinge ein Dorn im Auge. Die ,K u 11 n s g c in p i n d e wurde, dazu getrieben, dem Klub d c i) S p o r t p 1 a i.a, z u k.üjid.i g e neunter der Ausrede, daß sie den Raum für e i n K r a nk c n h a us bmtehe; Es kam sogar' dazu, daß die judische Gemeinde den jüdischen Klub klagte imcU sie mußte es erleben, daß sie i n a I le u I n s t a ii zen du r, e'h f i e «1 und jetzt die Pjrpzeßkostcn tragen muß. In der Rcpräsenianteusitzung kam die An-gelegenbetit zur Sprache und der. tschechische Assimiilant R cd-n c r..forderte, die Gemeinde• müsse sich des Vertrages uiit Hagibor entledigen. Dr. Gold st ein verwies nachdrücklich auf die ,bereits, vorliegenden gerichtlichen 'En tschoidu ugen und-, beantragte, eine Kommission mit .den weiteren 'Verhandhiii'gen mit Hagibor zu betrauen. Der Antrag, wurde mit allen .Stimmen gegen die Tschechojtideu ^Hge u.o.m tn c n,' . die zum Zeichen d<js Protestes d e'n S a.aJ v e.r.Ii cß e n. «, :'Solche Vorgänge sind natürlich Ermunterungen für die Antisemiten'aller Riten und so ist es nicht verwunderten, daß die den tsclic m cdliinisChe Fakultät durch einfachen Anschlag die Sperre gegen alle A-ft sd ä nd'e r, lies Juden, verhängt hat, Aiisiedhmg der Konstantinopler jüdischen Flüchtlinge in Palästina. In der jüdischen Emigrantenkonfereuz, die Mitte Jänner in Berlin stattfand, hielt der Vertreter des Emigdirect in Genf, Herr Zwi Aberson, einen mit großer Spannung angehörten Vortrag über die'; politische Arbeit in Genf auf dem Gebiete der Emigration. Er schilderte die Zusammenarbeit der jüdischen Emigrationsfaktoren mit den zuständigen Stellen des Völkerbundes und den internationalen Gesellschaften und stellte fest, daß in den Kreisen des Völkerbundes die Frage der Emigration und Immigragration mit dem gebührenden Ernst behandelt werden; es gelte, den Völkerbund gegenüber den Widerständen der einzelnen Regierungen zu unterstützen. Ein eigenes Kapitel (Widmete Herr Aberson der Fürsorge des Völkerbundes für die russischen Flüchtlinge. In diesem Zusammenhange berichtete Herr Aberson, der Leiter des FliVchtlingskolonisa'tiönsfonds beim Völkerbund habe die Anregung gegeben, das schwere Problem der in Konstantinopel in unsicherer Lage befindlichen 750 jüdischen Flüchtlinge in der folgenden Weise zu lösen: Die Palästinaregierung wird ersucht, die Einwanderung der Flüchtlinge in Palästina zu gestatten und ihnen unentgeltlich Staatsboden zur landwirtschaftlichen Ansied jung zur Verfügung zu stellen. Die sonstigen Kosten der Ansiedlung sollen zum Teil von dem Genfer Flüchtliugskolonisationsfonds, zum anderen Teil von den jüdischen Organisationeii getragen werden. Ein derartiger Vorschlag des Volkerbundes, als des palästinensische Mandatarmacht, sei den Umständen Protektors Palästinas und der Flüchtlinge au die angemessen, Man nimmt an, daß Prof. F r i,th jqf N an sen den Plan billigt. 100.000 Dollar für die Flüchtlinge. Wiie das Internationale'. Arbeitsamt des Völkerbundes mitteilt, haben verschiedene amerikanische. Wohltätigkeitsorganisationen 100.000 Pollar für die Versorgung der russischen F1 ü cli t l i'iig e. au s K6n s ta n t iiiopel gestiftet. Die Zahl der russischen1Flüchtlinge In der Türkei betrug 1921 gegen 90.000, ist jedoch seither durch verschiedene Evakuatlonen auf 2800 zurückgegangen, wovon rund 1700 Männer, unter ihnen 750 Juden, sind. Die letzte von der Türkei für den Abtransport dieser Flucht-» ttB^e gegebene Frist ist der 8. Februar 4 J. ' O Ij M & f., BELIARIASTRASSE NR. IS Telephon 36.3*3» Sprechapparate Um er Spezlal-Koifer-Apparat „Minarva"....... . . . . S 78.— i.Majefttrota" L...... .3 130- „Majaströla" Luxu«.....3 19S. Ratenzahlungen werden bewilligt Neueste Schlagerplaitan in gfößt r Auswahl Die Davis-ÜilL Vollkommene Sperrung der Einwanderung aus Ruß« land, Tschechoslowakei, Litauen nud Lettland. Dem Kongreß der Vereinigten Staaten wurde airt 16 Jänner eine Bill zur Beschlußfassung unterbreitet, die besagt, daß das Quotengcsetz gegenüber denjenigen Ländern f ü r die n ä c h s t e n, fünf J a h r c keine Geltung habe, die ihre aus den Vereinigten, Staaten ausgewiesenen oder von der Einwanderung "zurückgewiesenen Bürger nicht mehr autnehmen. Eine Annahme dieses Oesetzesi durch den Kongreß würde bedeuten, daß für die Dauer, von fünf Jahren jede Einwanderung von Personen aus Rußland, Tschechoslowakei, Litauen und Lettland verboten ist. Verfasser der Bill ist der Minister für Arbeit und Einwanderung Davis, von dem auch das Quotengesetz stammt. Würden nun die erwähnten Länder beschließen, ihre aus den Vereinigten Staaten ausgewiesenen Bürger wieder aufzunehmen, so würde die Regierung der Vereinigten Staaten sofort mit der Abschiebung einer beträchtlichen Z a h 1 v o n J u d e n, n a in, e n 11 i c h aus Rußland, die o h n e g ü 11 i g c V i s a n a c h A m e r i k a g e k o in in e n sind, beginnen: Viele dieser jüdischen Bürger wohnen schon viele Jahre in den Vereinigten Staaten,, haben sich hier geschäftlich eingerichtet, mehrere von ihnen haben hier Ehen geschlossen. Lord Plumer, seit Mai IMS. Oberkomrnlssür von .Palästina. Seine Amtsdaucr soll, wie verlautet, «m ein Jahr verlftnßert werden. Sein Palais in Jerusalem ist im Vorjahr durch das Erdbeben zerstört worden, weshalb ihm Herr U s s i s c h k i ii, der Direktor des jüdischen Nalionallonds, seine Wohnung zur VerfflguiiK gestellt hat. Konstituierung des MlnderheiierAvahlblock.es in Polen. Aus Warschau wird unter dorn 18. Jämier berichtet: Der Minderlieitenwahlblock hat sich nach hingen Kämpfen konstituiert. Auf der Staatslisle kandidiert an erster Stelle der Ukrainer Lowick i, an zweiter Stelle der Zlonist Jizchak Grün ha um, an dritter Stelle der Weißrusse jeremlcz, an vierter der Deutsche Naumann, der bisherige Vorsitzende der deutschen Scjuifraküon. K0Hstl€ir-O8©6e Im „Roion Saal" doo Cafe Arlon t. Rf>tga.ss«f5 , , Tlschhei»tt»|lnin;: R3 4-30 Täglich 9 Uhr abend« DIE KLABRIAfPARTIE (Gastspiel „Max und Moritz"-Ensemble) Adolf «Ungar, Alex. rrebHach, I. Hauschulz, Frans Engel* Jos. Fleliritmann Vorher: Lilly Gaal und das übiige erstklassige Programm Jazz-Stimmung * Dicker Burfan Neuhaus Kflnstl Leitung Lftbnold Reist Publtk«m«tans tintrllt ffr«l Das Götzenbild im Tempel. Von Dr. Fritz Loewenstein, Jerusalem. „Zetern bahechal" (das Bild im Tempel): eine Erinnerung an die Zeusstatue, die Antiocluts Epiphaiies tri den Tempel in Jerusalem stellen ließ, eine Erinnerung auch an die Feldzeichen römischer Legionäre, deren Adler die Ursache eines Volksaufstandes wurden, als sie in das Heiligtum gebracht wurden. Zelem bahechaJ ist plötzlich wieder ein modernes Wort in. Erez Israel geworden. Was i& Schreckliches geschehen, .um die Erweckung dieses alten Schreckensnifes zu rechtfertigen? Nicht nur ein Greuel ist im heiligen Lande gesclfehen, sondern deren gleich zwei: das Gesetz über die nationale Autonomie ist endgültig bestätigt wonden und man spricht über einen Lehrstuhl für Jiddisch. Betrachten wir beide VorgängeJ , ■ * Acht Jahre kämpft der Jischuw darum, daß die Verfassung, die er sich selbst gegeben hat, von der Regierung anerkannt wird und daß sie das Steuerrecht erhält, . ohne das, die Verfassung ein Stück Papier bleibt. Niemand wird den Versuch wagen, die Geschichte aller Entwürfe, Gegenentwürfe, Resolutionen und Protestversammlungen zu schreiben, die dieses Gesetz über sich ergehen lassen mußte, das sicherlich den Weg von Jerusalem nach London und zurück besser kennt, als selbst die. in Palästina ansässigen Mitglieder des Großen Aktionskomitees. Vor einetri jsfcr hatten sich Palästina-Regierung und Waad Leutfii fest verständigt: da griff die Zionistische Exekutive ein, erklärte das Gesetz in dieser Form für unvereinbar mit unserer nationalen Grundauffassung, verlangte eine nochmalige Revision und erreichte Verbesserungen,, für . die heute der gesamte Jischuw Col. Kisch/fonkbar ist. Vor einem halben Jahre wurde der Gesetzentwurf publiziert;!UJid von neuem entbrannte der Kampf «einmal von Seiten der nationalen Institutionen, dann von selten der Sefardim und schließlich von sevteti! der militanten Orthodoxie. Die Regierung stimmte manchen Forderungen der Sefardrm und der Agudas Jisroel zu und publizierte am 1. Jänner endgültig das Gesetz. Wir behalten uns. vor, bei anderer Gelegenheit das Gesetz in seinen einzelnen Bestimmungen zu erörtern. Hier nur einiges Prinzipielle. Das Gesetz wird, von, keiner Seite des Jischuw als voll befriedi-' gciid .angesehen.' E$ .faßt die jüdische Gemeinscijaft als e i u'.e rieB g i ö s e auf,' es erleichtert tien; Äu>« tritt \aiis dieser ' Gemeinschaft, die' den Nämfen %ne ss eth J i sra'el tragt, es gibt der Regierung ein sehr weitgehendes Kontroll- und BetäMgungs- 'recht. Trotzdem bedeutet das Gesetz einen großen Fortschritt, eine Etappe auf dem Wege zur nationalen Organisierung des jüdischen Palästina. Die Organe des Jischuw: die Deiegiertenversammlung Assefäth Haniwcharim, ihre Exekutive, der Waad Leumi, der oberste rabbinische Rat, die jüdischen kommunalen und religiösen Körperschaften werden legalisiert und erhalten ein ziemlich weites Aufgabengebiet zugeteilt. Wie man sieht, sind organisatorischer Aufbau und Aufgabenkreis (zu dem z. B. das ganze Erzieh uTigsgebiet gehört) keineswegs auf eine bloß religiöse Gemeinschaft zugeschnitten; die Mandatsregierung hat in Wirklichkeit mit dem unbestritten nationalen Charakter der jüdischen Gemeinschaft gerechnet und, wöhl in unangebrachter Rücksichtnahme auf die intransigenten Orthodoxen,, nur der Form halber das religiöse Moment aHein namentlich erwähnt. Aber selbstverständlich enthält das. Gesetz alle Voraussetzungen zur Befriedigung der religiösen Forderungen. und gewährt, insbesondere Gruppen mit einem Sonderstandpunkt das Recht, innerhalb der Knesseth Jisrael sich zusammenzuschließen und die gesonderte Befriedigung ihrer religiösen Fordeningen aus den .von ihnen bezahlten Steuern -za verlangen. Wie man sieht, ist auf die Agudah jede erdenkliche Rücksicht genommen worden. . Und da das neue Gebilde mit Steuerrecht ausgestattet ist, kann es wirklich leistungsfähig sein und Entscheidendes für den weiteren Aufbau beitragen. In diesem Sinne hat denn auch die Mehrheit des Jischuw das Gesetz aufgenommen. Bei aller Kritik im Einzelnen verschließt man : stell den großen Fortschritten nicht," die '.das Gesetz'bringt und die es ermöglicht. Nicht t so; die Agudas Jisroel!./Die vielen Aufführungen des Dybuk tragen ihre Frucht. Nicht nur in Karpathorußland versteht man es, -den Gherem, den Bann nach altem mittelalterlichem Brauch Über die bösen. Ziohisten auszusprechen. Man 'hat es gewagt, a n der K l'agema ue-r in J er'usa 1 em in den Ta 11 e s ge hü 111 und beim Klangedes S c h o f e r d e n B a ri n ü her Knesseth Jisrael auszusprechen und organisiert den A u s t r i 11 und die B i 1dung einer Separationsgemeinde ä la Frankfurt' am Main. So geschehen in- Jerusalem im Jahre 1928, nicht bei Gnessm im letzten Akte des Dybuk, sondern . wahr v-alu haftig im Kampf gegen-' di^ -i:atiJ)ri.:< '••••»<]«•■} ■ - ~ raUisHncnsi- ÄtHön Jflsöhttw- ^eliMirbalVkiia!'! ■ ' '; '! ' ''••■

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