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Die neue Welt · 1928-01-20 · Heft 18 (20.1.1928) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 18 (20.1.1928)
Date
1928-01-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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1 Seite « DIE NEUE WELT Kr. 18 Im Hotel Britannia. Aus der Geschichte des christlichnationalen Kurses. I ^iiiiiiiiiiiiiimiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii llllllllllllllllllllllllllllv Die „Neue Welt" hat in Nr. 17 das Erkenntnis des Budapester Strafgerichtes mitgeteilt, welches den Leutnant Beöthy im Baborczy-Detachement von der Raiubanklage eines jüdischen Kaufmannes mit der Begründun« freisprach, er habe auf Befehl gehandelt und ' dic obersten staatlichen Organe hätten von der Existenz der Detachements Kenntnis gehabt. Dieses Detachement stand unter der Leitung des Oberleutnants Baborczy, der beute Steuerkontrollor ist, und hauste im Britannia-^Hotel, in dem auch ein Teil der <Hej jas-Bande [untergebracht War. Wie es dort zuging» darüber' erzählt ein deutscher Offizier, Hauptmann Tröbst, in einem im Jahre 1925 (bei K. F. Koehler in Leipzig) erschienen Buch „S o 1 d a t e n b 1 tu t" eine charakteristische Episode. Dieser Hauptmann, der 1920 nach dem Kapp-Putsoh Deutschland verlassen hatte, ist Mitglied der EhrhardtHBrigade gewesen, wollte sich als Landsknecht zur Wrangel-Anmee schlagen, geriet aber schließlich in die Armee Mustapha Kemals. Auf seiner abenteuerlichen Reise kommt er im November 1920 nach Budapest und trifft dort einen Kameraden, den Leutnant OefalSchläger, einen- Reäsläufer vom gleichen Schlag, und dieser erzählt Ihm in einem Cafe die folgende Ge-, * / schichte: ,,... Wdr wandten uns an das Kriegsministerium und wurden in eins der vielen Freikorps eingestellt, das ein Rittmeister* Baron Babortschi (richtig Baborczy. Die Red.) führte. Jeder von uns bekam einen alten Soldatenmantel und dreihundertfünfzig Kronen, das war alles. Jeden Tag wurde uns gesagt: „Es geht bald los!" Gegen die Tschechen, die Serben, die Rumänen oder Gott weiß, gegen wen noch alles. Dienst machte das Freikorps überhaupt nicht. Deswegen hieß es wahrscheinlich auch so. Die Leute lagen in Baracken in Dreck und Speck und die Herren Offiziere hatten das Hotel Britannia beschlagnahmt, wo sie herrlich und in Freuden lebten. Sold wurde überhaupt nicht bezahlt, die Mannschaften bekamen ihren Feldküchenpamps und die Offiziere hatten Geld en «lasse. „Nun ist ja hier die antisemitische Propaganda auf ihrem Höhepunkt. Jeden Morgen stand in den Zeitungen auch eine*Art »Streckem-apport', in dem jedesmal die Zivilisten verzeichnet waren, die in der jeweils vergangenen Nacht überfallen und ausgeraubt waren. „Na, also eines schönen Albends, so um zwölf, saß ich im Foyer im Hotel Britannia und .wartete auf den Rittmeister Babortschi, der mir meinen Sold versprochen hatte, als auf einmal eine Tür auffliegt und ein Z i v i 1 i s t. hereingestoßen wird, der von einem Wachtmeister am Kragen gehalten wurde. Sechs bis sieben Offiziere dahinter, die den UragLückswurrn mit Fußtritten und Schlägen vorwärts stoßen. Natürlich ein Jude! „Herr Leutnant, den hab' ich gebringt!" rief mir der Wachtmeister zu und die ganze Bande polterte die Kellertreppe hinunter. Ich natürlich mit, um endlich mal zu sehen, was eigentlich los war. Unten stand ein Tisch, auf dem ein leichtes Maschinengewehr montiert war. Einer schrie den Juden an: „Los! Geld her!" und gehorsam legte der Mann seine Brieftasche auf den Tisch. Der Leutnant sah rein — ich sah ein paar H u n d e r t k r o n e fisch ei.n.e — und wirft sie achtlos weg. Schon waren sde'bei einem änderen verschwunden. ,yLos! Ausziehen!" „Der Jude wollte nicht. Einer packte das Maschinengewehr und schwenkte dessen Lauf so ein paarmal elegant vor dem Schlachtopfer hin und her: „Kennst du das Grammophon?" „Das wirkte. Jammernd zog sich der Jude aus und unter dem Hemd hatte er e i n e n G ü r t e 1 m i t h u n d er tzwanzig tausend Kronen. Na, und nun fiel alles über ihn her und prügelte ihn, bis er in der Ecke lag. „Aha", dachte ich, „nun weiß ich, wo ihr Brüder das Geld herkriegt! Aber glauben Herr Hauptmann, daß die Soldaten einen Heller abbekommen haben? Nicht die Bohne!" „Na, hören Sie mal, das ist ja einfach unglaublich! Und der Zivilist? Was hat man denn mit dem gemacht? Totgeschlagen?" „Nein, das nicht, aber so verschiedene JllllllllllllllllllllllllllllllllllP Klub radikaler Zionisien Mittwoch, den 25. Jänner 1928 um halb 9 Uhr abends findet im Klublokale Cafe Atlashof, Wien, L, Aspernplatz, eine Klubversammlung Kritik derneugo RedifssdiufzorgaDisation (Vfllkerbund41ga,Müioritatenkongre^Völkerbundrai) Referent: Dr. Oskar Karbach Im österreichischen Landesverbände organisierte Zionisten als Gäste willkommen. Zu dieser Versammlung ergehen keine besonderen Einladungen andere haben dran glauben müssen. Mir war die Sache natürlich zu dumm und ich ging am anderen Tage zu Babortschi und bat um meine sofortige Entlassung. Der Kerl vertröstete mich natürlich und sagte: „Kamerad! Warte noch vier Tage, wenn es wird gehen los, komm' zu mir, du wirst haben Uhr, Gold, Brillanten, so viel du willst!" Also die alte Geschichte. „Tja, aber Menschenskind," fragte ich (Hauptmann Tröbst. Die Red.) „was sagt denn die Polizei dazu? Das sieht ja aus wie privilegierter Straßenraub?" „Die Polizei?" Er lachte. „Die Polizei macht ja auch mit. Sogar aus den v oH en Ka f f e eh äii s e r n haben sie die Juden herausgeholt und ,entrubelt'. Die .Babortschi-Offiziere4 halben gute Freunde, die sich an dic Ju d c,n mit den dicken Portemonnaies heranmachen müssen. Und wenn sie so einen Goldfisch aufgetan haben, läuft jemand ins Britannia und sagt Bescheid. Und prompt wird dann der Betreffende abgeholt. Out eingerenkt halben die Leute die Geschichte. Das muß man ihnen lassen. Und Angst haben sie auch nicht." Bisohoff unterbrach meinen Gedankengang. „Hören Sie mal, sehen Sie sich heute nachts vor! Es liegt irgend etwas in der Luft! Was, weiß man hicht. Pogrom, Regierungssturz oder sonst so was. Sagen Sie auch dem Oehlschläger und den anderen, daß sie heute zu Hause bleiben, sie sollen vor allem das Hotel Britannia meiden. Sie haben doch gelesen, was heute nachts wieder passiert ist?" „Gewiß, das waren natürlich wieder die Baibortschi- Leute!" , „Ohne Zweifel! Und wenn da deutsche Offiziere mit hineinverwickelt würden, das würde doch einen ziemlichen Staub aufwirbeln." „Natürlich, ich werde sofort aufbrechen, um die Gesellschaft zu warnen. Wir wollten uns heute sowieso in unserer Stammkneipe treffen." Eiligst verabschiedete ich mich. Die Babortschi-Leute hatten sich h e u t e n a c h t s w i e d e r e i n e n J u d e u „g e g r i f f e n" und hatten ihn zur weiteren Behandlung ihrer Räuberiburg zuführen wollen. Zufälligerweise* waren auf das Hilfegeschrei zwei Polizisten herbeigeeilt, es hatte sich eine Schießerei entwickelt und ein Polizist war dabei getötet wordein. Darüber hatte sich natürlich die gesamte Bevölkerung aufgeregt und es herrschte eine Talare «»i Barette für Kultus und Justiz in den mannigfaltigsten Formen erhalten Sie fettig and nach Maß In bester Qualität zu den billigsten Preisen! In der altbekannten öntformierungsu. Maßschnoideref WienJI.TaMraW.U (Achtung auf Hausnummer 1) Tel. 45-29 Gegr. 1866 S Zahlreiche belobende Anerkennungsschreiben! H Versand nach allen Weltteilen I Reich illustrierte Kataloge gratis 1 ^fiffffifffffffffffiiriifrfiifffffiffffrfffiffifffifffirfffiiiiiiiiiiiiiiiiiiiEiiiiiiiiiittiifiiiitiiiiiiil ziemliche Mißstimmung in der Stadt. Auffallend viel Kavallerie- und Infanteriepatrouillen trieben sich in den Straßen herum und Oehlschläger und Genossen, die sämtlich Babortschi-Ausweise in der Tasche hatten, hielten es für geratener, sich nach Hause zu beigeben. Ich hatte mein Quartier, um Herr meiner Zeit zu bleiben, aufgegeben und zog zu OehlsdMäger, der ganz draußen in einer Vorstadt ein kleines Zimmer „um" fünfeig Kroneti wöchentlich bewohnte. Zwei Stunden hatten wir bis dahin zu Fuß, da um halb neun Uhr abends plötzlich der gesamte Droscfokenumd elektrische Bahnverkehr stillgelegt wurde. Irgend etwas lag in der Luft! Soweit der Hauptmann Tröbst. In jener Nacht mußte die Regierung Simonyi, da die Polizei mit Rache für ihren ermordeten Kameraden, den Konstabier Solta, drohte, sich zu einem Schlag gegen diese im Sold des Landesverteidigungsministeriums stehende Bande entschließen. Das Hotel wurde gestürmt, das Detachement auf die Straße gejagt und entwaffnet: Ein Gerichtsverfahren wurde jedoch „auf .höhere Weisung" nicht eingeleitet, vielmehr wurde Baborczy in den staatlichen Finanzdienst übernommen, den er noch heute ziert. Seine Leute' würden in die reguläre Armee aufgenommen. AUS PALÄSTINA. Die landwirtschaftlichen Möglichkeiten. Aus London wird berichtet: Sir John Rüssel, der hervorragende landwirtschaftliche Sachverständige und Leiter der Rothamsted-Versuchsstation, der sich vor kurzem als Experte der Jewish Agency-Kommission in Palästina aufhielt, hielt vor den Mitgliedern der Geogra;- phischen Gesellschaft im Hause der London School of Economics einen Vortrag über die landwirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas. Der hoffnungsvollste Zweig der landwirtschaftlichen Betätigung der Juden in Palästina, so führte er aus, wäre die Züchtung von Früchten hoher Qualität und früher Reife, die als Qualitätsprodukte auf die Auslandsmärkte kommen und nicht in den allgemeinen Rahmen der Versorgung der Weltmärkte nfit Produkten mittelmäßiger Qualität fallen. Dies würde der Intelligenz, Individualität und Geschäftskenntnis der Juden freien Spielraum geben; die Erzeugung der gewöhnlichen landwirtschaftlichen Produkte würden den Arabern vorbehalten bleiben. Der Boden längs der Meeresküste eignet sich in hohem Qrade für Obstzucht, insbesondere für Zitronen, Orangen. Bananen, Gewürzen und Wein. Im südlichen Jordontal könnten Tropenfrüchte wie Ananas sehr gut gezüchtet werden. Die Erschließung des unfruchtbaren Berglandes dürfte ungeachtet der Aufforstungsarbeiten schwer und langsam vor sich gehen; wenn aber erst Berge und Hügel bewaldet sind, so würde ein normaler Reger.fall die Fruchtbarkeit des ganzen Landes heben. Das Hügelland in Nord und West, das mehr Regen erhält, wird von den Arabern kultiviert; es gedeihen dort Oliven Feigen, Wein und anderes. Der Haifa-Halen der größte Hafen der Mittelmeer- Ostküste? Der britische Hafembauingenieur Frederiok Pal mer äst in Haifa eingetroffen und wurde von Col. Holmes, Generaldirektor der palästinensischen Eisenbahnen, begrüßt. Es verlautet, daß geplaut sei, den Haifaer Hafen so auszugestalten, daß -er der größte Hafen der Ostküste des Mittelländischen Meeres werden soll. Er soll gileichzeitlg 40 Schiffe beherbergen können. M. Dizengoff belgischer Vizekonsul in Palästina. Der frühere Bürgermeister von Tei-Aviv M. D i z e ngoff, der auch der früheren zionistischen Exekutive als Mitglied angehört hat, wurde zum belgischen Vizekonsul in Palästina ernannt. Die Arab-Agency wird wieder aktuell. In kurzem wird der siebente palästinensischarabische Kongreß abgehalten werden. Es verlautet, daß dieser Kongreß eine von Grund aus neue arabische Politik einleiten wird. Es soll unter der großen Mehrheit der Araber die Bereitschaft bestehen, ein Verhältnis der loyalen Zusammenarbeit mit der Regierung Zu schaffen unter der Voraussetzung, daß die Regierung das im Jahre 1923 von ihr gemachte und von den Arabern abgefeimte Angebot der Schaffung einer Ar ab? und den Grundsätzen der Agency nach dem Muster Jewish-Agency ietzt erneuert. Verlängerung der Amtsdauer Lord Plumers? Der Oberfkommissär für Palästina, Fddmarschall Lord Plumer, begäbt sich dieser Tage nach London. Es heißt, Lord Pluimers Amtsdauer in Palästina werde um ein Jahr verlängert werden. ((Lord Plurrier wurde im Mai 1925 als Nachfolger Sir Herbert Samuels zum Oberkommlssär für Palästina ernannt. Wegen Krankheit konnte er erst im September 1925 sein Amt antreten.) Die Höhle Machpelah. Aus Jerusalem wird gemeldet: Der Moslemitische Oberste Rat hat den Entschluß gefaßt, von jetzt ab auch Nie htmosl emitischen den Zutritt zur Höhle Machpelah, in der nach der Bibel die Erzväter Abraham,'Isaak, Jakob und Joseph sowie die Erzmütter Sarah, Rebekka und Lea bestattet sind, zu gestatten. Gegen Entrichtung einer kleinen Gebühr werden nunmehr auch Juden die Höhle Machpelah besuchen dürfen, was ihnen mit wenigen Ausnahmen seit der Festsetzung der Moslemiten in Palästina verboten gewesen war. In den letzten Jahren hatmur ein einziger Jude, der frühere OberV kommissär Sir Herbert Samuel, die Höhle besuchen dürfen. Die Höhle liegt in Hebron, einer der ältesten fortdauernd bewohnten Städte der Welt, die jetzt 17.000 Einwohner zählt. Seit der Zerstörung des Tempels bis zum 15. Jahrhundert wohnten dort keine Juden. Im 15, Jahrhundert hat Malkiel Aschkenasi in Hebron eine Gemeinde gegründet. Jetzt ist Hebron der Sitz der berühmten „Slodokaer Jeschiwa"; die Stadt beherbergt eine ansehnliche jüdische Gemeinde. Ueber der Höhle Machpelah befindet sich eine Moschee, die von den Arabern aus einer im 12. Jahrhundert errichteten Kreuzfahrerkirche, St. Abraham genannt, um- Sonntag, 22. Jänner 1928, 8 Uhr abends in den Olympia-Sälen I., Rotgasse 3 3. Schiffmann~Ball Akademie mit Tanz Mitwirkend m. a. Max Brod, Prof. Bela Adler, Kurt Karsten, Fred Gärtner, Bert Silving, Else Kaufmann, Rosl Koppel- Schililerwein, Ballettmeister Buttwla (Staatsoper) mit seinen Schülerinnen etc. etc. Tanzarrangement: Hermann BinkenfeiicL Original engl. Jazzbond

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