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Die neue Welt · 1928-01-20 · Heft 18 (20.1.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 18 (20.1.1928)
Date
1928-01-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. t8 DIE NEUE WELT Seite 5 Der siebente Dezember in Klausenburg« Beriet eines Ein dieser Tage in Wien eingetroffener Großindustrieller aus Siebenbürgen teilte uns über die schrecklichen Vorfälle in Klauseniburg, deren Augenzeuge er war, das Folgende mit: loh war am Dienstag, den 6. Dezember .nach 'Klausenburg gekommen, wo ich verschiedene Geschäftsfreunde aufzusuchen hatte. Ich fand die Stadt in s t a r ik e r E rregung. Nachrichten aus Großwardein waren eingelaufen, wonach sich dort Mutige Exzesse gelegentlich des Studenteiikongresses ereignet hatten, und es thieß, daß die Studenten auf ihrer Rückfahrt nach Bukarest auch in Klauseniburg Station machen wollten. Alle Geschäfte wurden geschlossen. Die sonst so lebhafte Stadt befand sich in trübster Stimmung; aller Venkehr ruhte. Am Mittwoch-Nachmittag wurde der Bahnhof durch Militär und Gendarmerie abgesperrt, die •Zugänge zur Stadt von einem Kordonbesetzt. Um 3 Uhr 'kam der Zug mit den Studenten an. Der Lokomotivführer hatte sich bei der Ausfahrt aus Großwardein geweigert, den Zug zu führen, nachdem er von, den Vorfällen gehört und das Publikum dieses „Kongresses" gesehen hatte. Er wurde von Studenten gepackt und von der Maschine heruntergeworien. Einige Studenten führten die Lokomotive, auf deren Rauchfang ein Tallith (jüdischer-Gebetsmantel) als Trophäe angebracht worden war. Unter dieser Fahne fuhren die Studenten und Studentinnen, alle in der r u in ä n i sehen B a iier nt r a c Oi t, nach K 1 a u s e nib u r g. Alle hatten Freifahrscheine. Es waren etwa 5000 Personen. In Klausensburg stiegen sie aus und drängten aus dem Bahnhofe. Die Vertreter der Behörden verhandelten mit den Leuten, die schrieen, und Todesrufe gegen die Juden ausbrachten, wie mit Gleichgestellten. Nach kurzer Zeit jedoch gab der Kordon nach und es bieß später» er sei durchbrochen worden. Die Menge stürmte in die Stadt . . . Nach drei Stunden w a r a i 1 e s erledigt... Sechs Synagogen zerstört, 22 ThoraralJen zerrissen und zerschnitten, a 11 e Häuser in der Umgebung der Gotteshäuser verwüstet; alte Leute, die sich in den Synagogen In der Kanzlei der Großen Synagoge. beianden,. durch Hiebe mit Knütteln oder Stangen, einige durch Messerstiche verletzt. Bs war ein grauenvoller An'blicik. An manchen Stellen ging man (bis ^üm.Xuiie in Glasscherben, HoJztrümmern und zerrissenen: Ge'bettoucihiblättern. Hin und wieder traf man Züge von Exizedenten, die eine T h o r a r o 11 e führten. Die Behörden blieiben »uerst untätig. Als sie dann ajjf rAtoensiT-dnschrJtten, war es schon zu spät und die Einwohner empfanden die plötzlich auftauchenden Patrouillen' als eine Verhöhnung . , , Es ist ikeiu Zweifel, daß die Unruhen planmäßig organisiert waren. -jDie Studenten, unter ihnen sehr viele Mädchen, gingen unter. Führung ortskundiger Genossen an ihr Werk und konnten ungestört Ihausen. Der Exzeß richtete sich in Klauseiiibufg;wie.in Großwardein ausschließlich gegen die Juden und. es. ist. . unwahr, daß er antlinagyarischen Charakter gehabt £ hätte. Auch, die in Großwardeiu /mißhandelten Personen, wie deramerikanische Kapitän Keller und der Journalist H a i n a 1 sind Juden und wurden als solche angegriffen; Der polltische Sinn der Ausschreitungen ist unverkennbar. Die Regierung wollte der Opposition, insbesondere aiberden inationalzaranistischen Bauern beweisen* daß die Aufrechterhaltung des seit dein Kriegsende noch immer bestehenden Standrechtes notwendig ist,.' und das B e w e1 s o<b j e 'k t' sind' die J u'de n, g e we s e n. 20 jüdische Familien sind ohne einen Tisch, ohne " Lager, ohne Kleider und Wäsche geblieben, ihre. Wohnungen sind einfach verschwunden. Die Verwundeten sind 60- bis 80jährige Greise . .'.' Das sind die, Resultate eines Treibens, das unter den Augen der . behördlichen: Organe geschah, das aber schon «mit mehr Augenzeugen* oder weniger Intensität s e i t f ü n f J a h r e n im Gange ist. Denn, so lange, dauert nun schon die Verhetzung der •Studenten an den Universitäten. ' Die wirtschaftlichen Folgen sind noch immer nicht abzusehen. Die jüdischen FUrsorgeinstitutioneit sind durch die Größe des Unglückes in eine schwere Krise geraten und werden wohl an die Judenscliait der Welt appellieren müssen. Der G es am t s c ha'd e n" ist amtlich'mit 90 Millionen Lei festgestellt worden, ein Betrag, den die Klausenburger Judenschaft nicht aufbringen kann. Sie wird diesen 7. Dezember niemals aus ihrem Gedächtnis verlieren, zumal die rumänische Hetzpresse unter der Duldung der sonst so strengen Zensur ihr Handwerk fortsetzt. Cuz a, der jetzt das „Ehrenjahr" beendigt hat, konnte schon am Die erbrochene Bwidesladc in der Großen Synagoge. 13. Dezember, also sieben Tage nach den Ausschreitungen,, schreiben: . , „Die Juden haben ein allgemeines Tischa beäw vor sich! Tischa beaw! Höre, Israel! Es naht das grauenhafte . Ende und das endlose Grauen!" Die, Regierung und der Regentschaiftsrat und alle Rumänen' lesen das .ohne Widerrede und Befohlen protestiert ... . ... , Wieder Exzesse in Kischinew. : Aus Bukarest, 10. Jänner, meldet die J; T, A.: Gestern abends kam es in K i s c h i n e w, der Hauptstadt Bessarabiens, zu turbulenten Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. Studententrupps überfielen jüdische Passanten und schlugen auf sie solange ein, bis sie verletzt auf ' der Straße liegen' blieben. Auf dem Hauptbahnhöf wurden die von auswärts eintreffenden Juden überfallen und blutig geschlagen. Mehrere von ihnen mußten: in verletztemZustande in das Krankenhaus gebracht werden. Alsidie Polizei sich den Studenten entgegenstellte, kam es zu ,elnem; ems^en Gef«cht. Die Studenten schössen auf " die Polizei mit Revolvern, einige Polizisten erlitten Sehußverletzungen. [Bei großen Zahn«! |schmerzen und schlechtem Mundgeruch hilft] DIANA Franzbranntwein mit Menthol als erstrangiges Hausmittel sofort. I Die Zähne jener, die Diana täglich als Mundwasser I I benützen, bleiben gesund und schneeweiß, ihr Mund| bekommt keinen unangenehmen Geruch. | Nehmen Sie nur Diana!] Wertlose Nachahmungen weisen Sie entschieden zurück! Ueberau erhältlich Versicheruns sesen ÜberbesteuerunS! F Anlagen, Bilanzen, Stundenbuchhaf« tungen, Organisationen, Revisionen (Auffindung jedes Fehlers) Experte fi«r die Ruf-Buchhaltung Spezialist für verworrene Buchhaltungen, spezialbuchfflhrung für Klein* gewerbetreibende (Fernbuchhattun?)' Berechtigt zur S euer- und Oebührenberatung Buchhaltungsum» Rev^onsbUro i.1 XV.I., Hern. Hauptsir. 24/26 mm fi iifi mm i.1 XV.I., Hern. Hauptstr.; fJAUSIK Telephon A 22-1-12 Obernimmt volle Haftung und Verantwortung für richtige Besteuerung Die Prozesse gegen die Pogromisten. Am Dienstag den 17. Jänner begann vor dem. Gerichtshof von Jassy der Prozeß gegen sechs Studenten, die beschuldigt werden, vor mehreren Wochen an der Verwüstung und P1 ü nd e ru n g der Synagoge von Jassy teilgenommen zu haben. Das Gerichtsgebäude ist von einem starken Militärkordon umgeben, in den Straßen der Stadt zirkulieren Kavalleriepatrouillen. Aus Braila und Galatz wurden zwei Kompagnien Gendarmerie zur Verstärkung der Garnison von Jassy herangezogen. Die angeklagten Studenten, die vom Antisemitenführer Professor Cuza und fünf anderen antisemitischen Rechtsanwälten .verteidigt werden, erklärten sich nichtschuldig und gaben an, sie seien nur durch Zufall in die Masse der plündernden Volksmenge in die Synagoge geraten. Mehrere Offiziere und Polizeibeamte sagten dagegen sehr belaste nd gegen die Studenten' aus.' In der Nacht «auf den 17. Jänner veranstalteten Buka-, rester Studenten, die anläßlich des Prozesses nach Jassy gekommen sind, einen w ü s t c h a n t \ s e in i t i s che n Straßetiexzeß. Die Studenten griffen jüdische Passanten an und schlugen sie blutig. Die Polizei verr haftete sechs Ruhestörer. In K1 a u s e n b u r g (begann gleichfalls am ' 17. d. der Pi'ozeß gegen die Studenten Diiaconcscu und G'e rgcly, die angeklagt sind, bei den Unruhen in Großwardein den HoteHer Weässlevics schwer verwundet zu haben. ....... Die Synagoge l'oalc Zcdck. Verurteilungen. Das ßiukarester Militärgericht hatte am 10. Jänner Urteile gegen ' eine Reihe weiterer Teilnehmer an dem Pogrom in Großwardeiu zu sprechen. Ein Student.wurde zu drei Monaten, ein Kaffeeikellner zu fünf Monaten,'ein Handelsschüler zu 20 Tagen., ein Schneidergesellc zu 10 Tagen Gefänignis verurteilt:. : Maßnahmen des rumänischen Unterichtsministers. Der Unterrichtsmihister verständigte alle' {höheren. Schulen, daß Listen jener Schüler, die an den Ausschreitungen in Großwardein teilgenommen haben, anzulegen seien; diese müssen disziplinarisch bestraft werden. Mehrere solche Studenten wurden vom Unterrichtsministerium für immer vom Besuch der Universität ausgeischlossen. Maxa Nordau darf in Rumänien nicht sprechen. Ein Vortrag" der Bildhauerin Maxa Nordau, der Tochter Max Nordaus, in Baceu wurde im letzten Augenblick verboten. Maxa Nordau begab sich nach Bukarest, um beim französischen Gesandten über, die ihr zuteil gewordene Behandlung Klage zu führen'. Minister Duca lud sie zu sich ein und entschuldigte sich bei ihr. Die Erlaubnis, Vorträge zu halten, wurde; ihr aber nicht gegeben. _ FRIGIDA1RE — eine neue Annehmlichkeit für die Hausfrau! Mehr freie Zeit, Behaglichkeit ibei Tisch, Erfrischun*. gen zu jeder Zeit,, das^ sind einige Vorteile, die die Hausfrau durch FRIGilDAIRE gewinnt. 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