Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 18 (20.1.1928)
- Date
- 1928-01-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Stfe? Dffi NEUE WELT Nr. t8 Zu den Haifischen! —y. Der atnerikaaiische Bmvandemngskoiri- Dawis bereitet eine neuerliche Verschärfung der ImmigrattansKesetze vor. Es sollen in-Zukunft Länder, welche'-die von Amerika zurückgewiesenen Einwanderungsliustigen nicht zurüciknelnnen, aus der Quotenlliste a-usgesdiieden werden. Amerika besteht erstens auf Ordnung, zweitens auf Humanität. Wenn es stoh gegen einen Menschen, dem die Heimat zur Hölle geworden ist, absperrt, dann muß dieser Mensch wieder in die Hölle flurtiokgeiiotnmen werden und, kein Satan soll ihm dies verwehren können. Der Vorschlag des Kommissärs Dawis ist, praktisch genommen, eine Repressalie gegen Staaten, die mit Amerika keine geregelten diplomatischen Beziehungen unterhalten. Es gibt nun nur einen einzigen solclien Staat, nämlich R ti ß i a n d, und da die aus Rußland emigrierenden Personen in der überwiegenden Mehrheit Juden sind, so ergibt sich die Tatsache, daß das amerikanische Gesetz sich wieder gegen Juden richtet. Diese Wirkung ist den amerikanischen Politikern kaiwii ein Geheimnis, denn für die Erzielüng eines politischen Zweckes sucht anau sich stets den Ort des geringsten Widerstandes aus. Rußland wird wegen der jtidiefoen Auswanderer das System seiner diplomatischen Beziehungen sicherlich nicht ändern und es wird wegen der Juden keine Rekriitiinationen erheben und so bleibt diesen jüdischen Wanderern, die; nicht einmal mehr auf der Träncninsel weinen dürfen, nur mehr das Meer übrig. „Amerika treibt uns nach* Rußland zurück'4, liat einmal Lilien sein bekanntes Bild benannt. Auch das ist nicht mehr wahr. Amerika treibt sie zu den Haifischen. Und wenn man jetzt auf der Konferenz von Havanna-Ii zu der panamerikanischen Union gelangt, dann, schließt sich auch die letzte schmale, Tür für den so breiten Zug dieses Unglücksvoikes, für das die Höisle nicht nur russische, sondern auch deutsche, magyarische, rumäniche, . polnische Aufschriften trägt. Wohin mit diesen Menschen? Kein Tag vergeht, der nicht die innere Wahrheit der zionistischen Auffassung beweisen würde,' daß eine Lösung der Judenfrage ohne die Bildung eines "jüdischen Machtzeritrums undenkbar ist, das als Aufnahmssteilung, aber aiich als Schutzstation zu funktionieren hätte. Es ist für diese Erwägung zunächst irrelevant, wo dieses Zentrum zu. errichten v$fr«5..:■ D'f^jATistreng.iiugeri: aller Juden —" und das \£a>V .£me JJüdische Politik ™ müßten, sich darauf riciiten '-; eine -solche PgsUiQn . Z'u , Schäften! Nun, sind <ft<5. ryo^e^ljn!g^^fen; bereits, zur T'atsacihe 'geworden und ,es wär>;:inür;W^ , g^tfifene jüdi^ zu sichern,. a|is»MWe]$tufrd' r2&i: erweitern, sie so. auszugestalten, d^ sj#|VV^iÄ uu4 mit Brot.amd Arbeitr^ersp;Fgen,^ aber durch die lylöglichjc^it, 4eßR^pressalle schützen, 'kann. Auch wer dtobty^iyfcfotsi&istisdj .'d^nJct,. -ffTiuß. dies einsehen. Es lii^tÄ InteresW de.r'ges^rnten Judenheit, daß das Problem der Wanderung , g^rxlnet wird und daß wertvoile produktive Elemente, die durch den heutigen Zustand nullifiziert werden, für das große Werk des Aufbaues von Volk und Land herangezogen werden können.. Die Nichtziomsten,'die die jüdische Fürsorge nur als eine Frage der Humanität gelten lassen wollen, mögen es peinlich empfinden, daß in Palästina ein neues jüdisches Volkstum heranwächst. Aber sie können es nicht mehr verhindern, und ihr realpolitischer Sinn müßte dahin trachten, die nun einmal bestehende Situation in Palästina auszunützen. Und dies so intensiv als nur möglich, denn es besteht die Ge- Künstler-Diele Im „Roten Sftal" dme Cafd Arien t.t Rptgasse 5_ Tlschbcstcllung: 62-4-30 r ■ Täglich 9 Uhr abends I DIE ECLABRIAfPARTIE M (Gastspiel „Max und Moritz"»Ensemble) ■ Adolf Gllnger, Alex. Trebltsch, J. Hau- ■ sctiulx, Frans titoel, Jos. Fleiscbmann ■ Vorher: Else Kaufmann und das übrige erst- ■ klassige Programm H Jau-Sfimmuns H Dicker - Burian - Neuhaus ■ Kunst!. Leitung Leopold Reisz J Pubiikumatanx Eintritt frei fahr, daß auch dort die Ansiedlung der Juden trotz Mandat und Völkerbund sabotiert wird. Die jüdische Position ist teils durch Vereinsamung, teils durch die Schwäche und den Prestigeverlust der Zionistischen Organisation gefährdet, so sehr, daß die Bureaukratie und ihre Organe sich an Uebermut nicht genugtun können. Die letzten Tage haben uns wieder sprechende Beweise erbracht. In P e fca c h Ti >k w a h wurden Jüdische ■■ Arbeitslose von irischen KonstaiMern verprügelt und in verwanzte Kerker gesteckt; jüdische Verbanute aus R u Bland durf ten nicht uaoh Palästina und erst ein Einschreiten der zionistischen,Exekutive beim.Kolonjailamt (dessen Ghef: Minister Arnery eben in Australien eine schöne, zionsfreuudlic'he t Rede gehalten hat) konnte Abhilfe schaffen. . Ende Dezember wurde dem Amerikaner S. G o r d on: und seiner Frau, die mit den vorschriftsmäßigen Touristehvisen nach Jaffa jkamen, die Landungseiiaubnis verweigert. Begründung : Ö i e ,',. b e i* d e n . h ä 11 e n , q ii f / dem S chif f e g e äu.ß e r.t,"s'ie Sv',ürde n u n t.e r' U mständen ' d au er d. i n 'P a' 1 ä s t i n a b 3 e j b e n. Das zeugt zunächst für zwei .Dinge,: Es' besteht ein Spitzeldienst und die Polizei'i«t berzlicb dumm,, denn sie könnte doch , jeden, ihr Mißlieibigen, wann, immer sie'dies will, zur 'Abreise verhalten. Darüber Hinaus i9t jedoch als Drittes festzuhalten', daß die Einwanderung1 von Juden' jn däs /Laud, das vom Völkerbund zur jüdischen Heimsrätfe bestimmt ist, von der guten, Laune und dem höheren oder minderen Grad von Antisemitismus * eines' britischen Amfsscforeibers abhängt, der sich immer; darauf einstellt, welche Anschauungen in; seiner vorgesetzten 'Behörde 'bestehen. Wäre dieZiofoistöseJiö ^Ör-ganlsatiort stark Und vsohlag- •kräftig,, so würdeve^ irgendeinen luden, anzulasten. Aber; diese Fälle betreffeii1' doölt - dfe': ganze 'jüdische /Gemeinschaft und sie steht vor . einer unheilvollen Situation, In Amerika ist der Jude das wehrlose Objekt der Politik, in Europa herrschen Hunger, Haß und Korruption. Sollten wir alle es dulden, daß sich nun auch vor Palästina der nichtjüdische -Tschinow.nik. mit dem Gummiknüttel stellt? Wenn das. Judentum dies duldet, dann schreibt es seinen Wanderern das Todesurteil: Zu den Haifischen! ' Ein jüdischer Mäzen. Albert L a s k e r der frühere Präsident des Schiffahrts7kemitees der Vereinigten Staaten, hat eine Million Dollar für medizinische Forschungsarbeit der Universität von Chicago gestiftet. Albert Lasker widmet sich auch iüdischer Wohlfahrtsarbeiter ist Mitkurator der vereinigten jüdischen Wohlfahrtsanstalten von Chicago und Mitglied, des. American Jewish Committee. Feinste Herrengarderobeu nach Maß im altbekannten Maßatelier Rudolf Goldstein, IT.,' Taib'orstraße 54. Reiches Lager original englischer Stoffe, elegante Paßform, zivile Preise. Die lauge Rede hatte ihn ermüdet. ' „Ich verzeihe euch," begann er nach einigen Sekunden aufs neue. Er hatte sich ein wenig im Bett aufgerichtet, und musterte aufmerksam die ihn Umgebenden. „Da, schaut sie an, diese Baude", sagte er plötzlich, „stehen sie alle, gesenkten Blickes da, ais könnte keiner von ihnen den Mund aufmachen,! Also tut es. euch am Ende doch um den Vater leid — trotzdem' er ein Trunkenbold war — was?" Der jüngste Sohn hob den Kopf. Im selben Augenblick begannen seine Augenlider zu zittern, und er brach in lautes Weinen aus. Die übrigen Brüder folgten seinem Beispiel. Wenige Augenblicke spä'ter widerhallte die kleine Kammer von lautem Schluchzen. Der Kranke betrachtete sie einen nach dem anderen und senden vor Wonne zu vergehen. ' „Nim aber", schien er sich plöt-zlich zu besinnen, „mm ist's genug — diese Aufregung schadet mir . . . Laßt es genug sein, Kinder, wenigstens diesmal folgt eurem Vater!" „0 du Narr!" schreit Mirl, du Narr! Laß sie doch weinen — ihre Tränen werden dir oben zugute kommen, barmherziger Gott!" „Schwelg, Mflri, ich habe dir ja schon gesagt, daß mein Med aus ist!" ermahnte sie der Kranke. „Nun ist's genug! He! Chaira, Bert. JörneIhr alle! Hört auf mich! Rasch! Nehmt eure Mu&bkmstriimente zur Hand! . , Mit we<t ausgerissenen Augen starrten ihn alte an. 4 , „Ich rufe euch zusammen — ich bitte euch darum! Tut mir den Gefallen, ueiimt eure Musikinstrumente zur Hittri und steHt euch vor meto ßettT Die Söhne gehorchten und umringten das Lager des Kranken —- drei Geiger, zwei Klarduetten,. ein Kontrabaß und zwei Flöten. „Ich muß hören, wie mein Orchester ohne mich spielen wird," spricht der Kranke. „Und du, Mirele, ich 'bitt' dich schön, hol'den Nachbar!" Der Nachbar gehörte zur „Cliewre Kadisoha", Mir! konnte sich nicht entschließen, ihn zu rufen, aber der. Kranke sah sie so flehentlich an, daß sie seinem Wunsche wallfahren. rtiußte. (Später pflegte sie zu erzählen, daß dieses „Mirele" und dieser Blick ihr genaoi so vorgekommen waren, wie einstens gleich nach ihrer Trauung.) ,;Kinder, könnt ihr euch , noch an seine süße Stimme und diesen BHck erinnern?" pflegte sie nachher die; Kinder .zu fragen. Der Nachbar trat. ciii,: wri einen Blicik auf,den Kranken lind sagte: „Seid so gut, Mihi, und ruft., Min Jen* zusammen!" „Ist nicht, notwendig," jieß sich der .Kramke vernehmen, „was brauche ich ein .Minjeu', ich halbe mein eigenes .Minien' — mein Orchester! Bleib' da, Mirl!" Und zu seinen Kindern gewendet, fu-lir er fort:. „Hört mich, Kinder! Spielt ohne mich, wie ihr mit mir gespielt ha'bt, spielt anständig . . . Seid nicht unverschämt, wenn ihr einmal au«f einer armen Hochzeit;.aauspiolen niüßt . . . Achtet und schätzt eure Mutter hoch! pnd nun — spielt mir: ,Kol nidre!' . . . Freund Naclubar, lies die Ste,rbeie;bete!" -; Und hi der kiemen ainisdigen Kammer erklangen'die Töne des unsterblichen „'Kol nidre!" .... ■, (th<at> dem Original übertragen von Raja öarber,): <» Ij l.f BELLARIASTRASSE NR. 12 Teltphoh 36-3-39 Sprechapparate Unser Spezial-Koffer-Apparat „Minerva"...........S 75. „Majestrota" L.......S 130 „Majestrota" Luxus.....8 195. bewilligt Neueste Schlagerplalfen in größter Auswahl Eine Krise der jüdischen Kolonisation in Rußland. Aus Moskau wird gemeldet: Große Sensation erregt hier eine Rede, die vor ehiigen Tagen Herr Bragdn, eine der Autoritäten in der Frage der jüdischen Massenansiedilung in der Keim, gehalten hat. Herr B r ag i n sprach stich außerordentlich pessimistisch über den Fortgang der Kolonisation aus. Das Verhältnis der Regierung zu den Kolonisten erkalte limmer -mehr und es zeige sich immer deutlicher, daß die Entwicklung der Kolonisation unmöglich werde. Redner glaube, daß vielleicht ein Ausweg in der Richtung gefunden werde, daß die Juden Land in Sibirien erhalten, was aber aus verschiedenen Gründen wiimöglich sei. . , . M •' Der antijüdische Kurs in der Türkei. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Gemäß der Forderung der öffentlichen Anklage hat die türkische Nationalversammlung vor kurzem beschlossen, daß gegen die im September 1927 von der Anklage aufwieglerischen autistaatliahen Verhaltens beim Begräbnis des vom Türken Osman Bey ermordeten jüdischen Mädchens Elsa N i e g o freigesprochenen neun Juden das Gerichtsverfahren aufs neue eingeleitet werde: Die Gerichtsverhandlung hat am 14. Jänner begonnen" und wird bis zum 26. Jänner dauern'. Die Anklage lautet auf Beleidigung der türkischen Republik; darauf steht in der Türkei Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren. Der Mörder der Elsa Niego, befindet sich noch,immer zur Beobachtung seines Geisteszustandes im Hospital. Eine jüdische Mensa in Lemberg überfallen. : Am Dienstag abend haben sich in Lemberg schwere Ausschreitungen polnischer Studenten gegen(.:.e^__.,ittdisch,es_JLpk^l zugetragen. Eine Mens9, in der1 ebenjiidisciie ■■ Studenten sich beim Abendessen^ befanden,:, wuirdt;! -ü.b:e r 4 a=l"l e.n« S e.c h s : S t u detitA e n w.u.rd'-ß'-ji 9 |ih?eV..i 'v e r wund e t, ©ie- Polizei -irahm einige Verhaftungen vor.; , >. 11 Dr. N. Davidsolln gestorben,, , V ■^ : ''Ann;li:;Jänner nachts veritatlb m B'ial ^s, fcok, Wo eriin Aüffraige der Zionistischen •<Dr«aidsätionv*vteRte, der' Vizepräsident des Zentralkomitees der Zionistisighen Organisatuöir'P/piens, Dr.: Ndah >Dv i d s o 'ihii. •"'fb-ie. .^Nachricht Vdni -ÄbMb.ert :;<des-.'ppp'u'lä(ren Mannes hat "äü|; die Jii'densichaift Polens ersphüttertid gewirkt- Der Verst.orifeene, 187^ geboren, begründete 1907 in Warschau den' Jftää^ohnationalen Klub, von dem die Organisierung der modernen zionistischen Bewegung in Polen ausging. Im Kriege diente ■ er als Arat in der russischen Armee und brachte es zum Range eines Obersten, gillllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Billigste Preise haben den Ruf unseres Hauses begründet! Elegante Mäntel, Kleider, Kostüme etc. nach Original Pariser Modellen in unseren Ateliers hergestellt NURvll»Kaiserstr.115 ■mm^is?b7*jmmwmw keinbFiliale« mmmmm Führendes und größtes Spezialhaus Oesterreichs