Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1928-01-13 · Heft 17 (13.1.1928) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 17 (13.1.1928)
Date
1928-01-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2711630-2711632--0222-2713348
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr.!7 DIE NEUE WELT Säte 9 Auch in den Bloak der polnischen Parteien wurden die Assimilanten gebeten. Die ostgalizischeu Zionisten sahen sich siegreich itu Jahre 1922, wo es keine Widerstände gab und die Regierung die Wahlmacher nicht brauchte. Sie übersehen, daß nur ein starkes nationales Judentum, eine einige nationale Front, ein wahrer, seiner Würde bewußter Zionismus den Moschko dauernd niederhalten kann. Mit dem Herrn, dem Poryz, versteht der Majufesjude besser auszukommen ais der nationale. Die Zionisten Ostgaliziens glauiben, daß trotz der Wahlkreisgeometrie die Juden allein eine halbwegs entsprechende Vertretung erlangen können. Auch da dürften sie leider eine Enttäuschung erleben. * Den zionistischen Kandidaturen des Blocks in Ost« gaüzien kommt daher eine ungeheure Bedeutung zu.' Sie werden das Symbol der Minderheitensölidarität sein, gegenüber Regierung und Moschkos die Tradition der Kämpfe aus den Jahren 1907 bis 1911 verkörpern, die jüdische Vertretung vergrößern und — der Assimilation, dem Handel und Schacher mit jüdischen Stimmen einen Riegel vorschieben. Dies ist die schicksalshafte . Bedeutung dieser Wahlen für die' Jofden Polens. Bethlen und seine Protestler. Die unerhörten Vorgänge in den siebeiibürgisclien Städten, in denen hunderte antisemitische Studenten aus Bukarest und anderen Städten Altrumäniens, unterstützt von gleichfalls ortsfremden rasscnschützlerischen Elementen, stundenlang ungehindert wie die Wfilden gehaust haben, haben in, der ganzen zivilisierten Wielt Entsetzen und Entrüstung hervorgerufen. Besonders unter den Juden der ganzen Welt haben diese schändlichen Verbrechen, wie Schändung der Synagogen und Thorarollen, Schmerz und Empörung geweckt, und ' überall machte sich dieses Entsetzen in Protesten Luft. Diese Proteste haben eigentlich keine direkte Adresse. Sie richten sich sowohl au die rumänische Regierung als auch an den Völkerbund und nicht minder an alle guten Geister, die nicht ruhig bleiben dürfen angesichts solcher wilder Handlungen. Einmütig im Schmerz über diese Entartung der heutigen 'intelligenten Jugend und. dahor. wirkungsvoll waren die Entrüstungsschreie, die den Ausschreitungen der cuzistis.chen jugendlichen Banden folgten, als plötzlich in diese Harmonie kultureller und gesitteter Kundgebungen ein Mißton gebracht und diese schwer kompromittiert '•wuf^enri^e''%'"ÄV-ari's,c'h e' R e gi e r u n g hat gegen die wüsten Szenen in Großwardein und Klauseriburg gleichfalls protestiert und in einer Note an die rumänische Regierung dieses Interventionsrecht aus den Minöritätsrechtbestimmungen , des Trianoner Friedensvertrages abgeleitet. Ein einziger, "christlicher Magyar wurde im Laufe der Ausschreitungen in Großwardein,. wenn auch nicht allzu schwer, mißhandelt. Alle übrigen Opfer waren Juden. Und die ungarische Regierung klammert sich ari diesen einzigen Konnarionalen, um sich gewissermaßen auf seinen verbleuten Schultern in die Reihe der ehrbaren gesitteten zivilisierten Menschen emporzuschwingen. Zu Hause in Ungarn lehrt die irredentis tische (Propaganda, daß Trianon für Ungarn keine Rechtsquelle bilden, dürfe, weil Trianon nicht zu Recht anerkannt werden darf. Die ungarischen Juden haben, durch einzelne verblendete Führer irregeleitet, diesen Standpunkt sich in noch verschärfterem Maße zu eigen gemacht, indem sie gegen jede Einmischung ausländischer jüdischer Organisationen auf Grund des Trianoner Vertrages Verwahrung einlegten, weil die Juden aus dem Trianoner Vertrag für sich keine Vorteile ziehen wollen. Und-so antwortete denn die ungarische Regierung unter dem Drucke der rassenschütz- Ierischen Gesellschaften den Juden mit'dem irredenti'stischen Wahlspruch: „Nein; nein, niemals!", das heißt, daß die Juden niemals mehr in Ungarn jene menschenwürdige Position einnehmen dürfen, welche sie vor dem Kriege innehatten und ihnen auch tatsächlich gebührt/ Jetzt aber sind die Führer der ungarischen Juden, allen voran der Oberrabbiner von Budapest' Dr. Simon Hevesa, wieder sofort zu haben gewesen, ihren Standpunkt über den Trianoner Vertrag, den sie izu ihren eigenen Gunsten in Ungarn selbst verleugneten, zu verlassen und sich Rumänien gegenüber sittlich entrüstet zu gebärden;. Sie fühlen es gar nicht,' daß sie einen Großteil der Schuld an den blutigen Ausschreitungen, den Plünderungen und Synagogenschändungen, den Thoraentehruugen, selbst tragen, indem sie, die für sich jede fremde Einmengung: ablehnen, unausgesetzt in ihrer Presse und ihren Kanzelreden die Juden in den Nachfolgestaaten, so . auch in Rumänien, als magyarische,Patrioten verrieten und sie auf solche.Weise der nationalistischen Volkswut in dleseri Nachbarstaaten auslieferten. Die Juden in Neürumänien,. die sich. den gegebenen Verhältnissen fügen, sich ihnen anpassen und dem neuen Staat gegenüber von loyaler Pflichterfüllung beseelt sind, wollen Ruhe haben. Sie verzichten darauf, von ihren ungarischen Glaubensbrüdern als Kompatrioten ausgespielt zu werden. Sie leiden genug daran, daß.sie vor dem Kriege dem Assimilations- und Magyarisieruhgsterror in Ungarn nachgaben und heute nicht so sehr wegen ihres Judentums als wegen ihres magyarisch klingenden Namens die Zielscheibe jeder nationalistischen Ausschreitungen gewordeu sind. Die Juden Neurumäniens haben aus den geschichtlichen Erfahrungen gelernt, sie richten allmählich sich auf ein nationalbewußtes jüdisches Leben ein und verwahren sich Sonntag, 22. Jänner 1928, 8 Uhr abends in den Olympia-Sälen I., Rotgasse 3 3. Schiffmann-Ball Akademie mit Tanz Mitwirkend u. a. Max Brcd, Prof. Bela Adder, Kurt Karsten, Fred Gärtner, Bert Silving, Else Kaufmann, Rosl Koppel- Schi'lilerweii), Ballettmeister ßuttula (Staatsoper) mit seinen Schüler innen etc. etc. Tanzarrangemcnt: Hermann Binkcnfeld. Original engl. Jazzband. dagegen mit Recht, daß ausgerechnet die ungarische Regierung und ihre Israeliten sich als Rettungsmannschaft für die rumänischen Juden aufspielen. Sie haben den Anspruch auf ein solches Ehrenamt schon längst gründlich verwirkt. Die Horthy-Bethlen-Rcgierung ist in jüngster Zeit überhaupt krankhaft bemüht, sich unter Tilgung alter und neuer Verbrechen ein Völkersittenzeugnis zu erwerben, das ihr Eingang in die StaatengcscHschaft anständiger Regierungen verschaffen soll. Sie bedient sich hierbei allerdings der naivsten und verwerflichsten Mittel. Sic unterdrückt zu Hause die Preßfreiheit, erhebt gleichzeitig den lange verfemton Froiheitshelden Ludwig Kossuth zum Nationalheiligen und begeht damit eine wahre Schändung des Andenkens dieses wirklichen Freiheitskämpfers. Mit diesem Kossuth-Kultus möchte die Regierung selbst einen ganzen politischen Handel treiben, - sie glaubt sogar, mit solchen Mitteln die ungünstige Stimmung in Amerika ändern zu können, indem sie sich durch ihren Vertreterin Washington an die Spitze einer Aktion stellt, die den Zweck hat, Ludwig Kossuth in Amerikaein Denkmal zu setzen, Amerika ist wohl weif von-Ungarn, aber die Unr wissenheit über die wahren Vorgänge im Reiche Horthy- Bethlen, die bis vor einigen Jahren noch in den' Vereinigten Staaten geherrscht hatte, ist' bereits längst gebannt. Der Verband der Ungarn, in Amerika, sorgt durch häufige Vor- , träge und durch. Artikel.'Jn'V'den amerikanischen Blättern ■ für die entsprechende . Äufkiä.ru^!'^'i5iesei Aufklärung hatte das heilsame. Ergebnis,nM§i als'j dgs' 'neueste Mätzchen •Bethlen-% gleichzeitig mit. den, Ausschreitungen.,an den un-; garischen Hochschulen und . der Verhinderung der Aufführung des Theaterstückes, eines .jüdischen Autors in Amerika bekannt wurde, in einem vom Verbände der Ungarn in Amerika veranstalteten Massenmeeting nicht, nur gegen den Antisemitismus in1 Ungarn,, sondern auch gegen den Versuch der ungarischen Regierung protestiert wurde, durch die Komödie mit dem; Kossuth-Denkmal und der Ankündigung einer Milderung des Numenis-cIausus-Gesetzes die öffentliche Meinung in Amerika irrezuführen und glauben zu machen, daß in Ungarn bereits die'Aera des Liberalismus angebrochen sei/, t In Budapest haben sich orthodoxe' und sogenannte fortschrittliche Assimilanten zusanimengetan, um gegen jede bewußt jüdische Regung im ungarischen Judentum anzukämpfen. Kein Mittel ist schlecht genug, um in diesem Kampf gegen den Zionismus nicht angewendet zu werden. Oberrabbiner Dr. Simon Hevesi und der in seiner fetten Pfründe als Vizepräsident der orthodoxen Landeskanzlei recht reich gewordene Hartstein führen den Verleumdungskampf Arm in Arm. In jener Sitzung der Dunkelmänner in der ungarischen Orthodoxie, in welcher die Bekämpfung des nunmehr legalisierten Zionismus in Ungarn besprochen wurde, war auch der Führer der Aguda Wolf Pä.ppenheim aus Wien anwesend. Es gelang ihm wohl, an dem Bannfluch gegen den Zionismus mitzuwirken, dpch mußte er in der Durchführung seiner Aufgabe, die uugarlähdischen Orthodoxen zum Anschluß an die Aguda-. Weltorganisation zu bewegen, unveVrichteter Dinge" ab-. ziehen. Die urigarländischeu Orthodoxen sind eben genau so wie die neologen Assimilanten eine Rasse für sich. Wie, bereits (in Nr. 16) berichtet wurde, versagt die Provinz bereits immer unzweideutiger'den .Budapester Führern die Gefolgschaft. Auch in Ungarn wird siel» historische Konsequenz und'Logik im Wege des Zionismusdurchsetzen.- es soll der Sänger mit dem Könix Keli'n. Sie beide wolmcn aui der Menschheit Hüh'n. : Es soll der kltiirc Murin nur HOBER-LIKÖRE trinken, ' Wo Geist dem Geist sich paart, du gibt es kein Versinken. Das Numerus-clausus-Gesetz wird nicht abgeändert. Nach einer Budapester Meldung verzichtet die Regierung auf die parlamentarische Behandlung der von K1 e b e l s b e r g angekündigten Vorlage der Abänderung des Numerus-clausus-Gesetzes. Der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Andreas Puky erklärte, daß die Vorlage in der nächsten Zeit das Parlament nicht beschäftigen werde. Die Gründungsversammlung der ungarischen Zionistischen Landesorganisation, Auf Grund der von der ungarischen Regierung vor i kurzem erfolgten Genehmigung der Statuten findet am 15. Jänner in Budapest die Gründungsversammlung der ungarischen zionistischen Landesorganisatipu statt. Transjordanien. Zeitgemäße Bemerkungen von Rechtsanwalt Dr. Ephraim Waschltz (Haifa). In den letzten Wochen tauchten in der arabischen und englischen Presse immer häufiger Gerüchte über die Lostrennung Trausjordaniens von Palästina auf. Einmal hieß es, Emir Abdallah werde zum König von Transjordanien gekrönt werden, ein andermal sprach man von bevorstehenden Vertragsabmachungen zwischen England und Transjordanien, und es wurden verschiedene Gerüchte über die Einzelheiten des Vertrages verbreitet. Einem Interviewer gegenüber meinte Abdallah höchstpersönlich, er würde gern die Königswiürde annehmen, wenn sie sich auf die Territorien zu beiden Selten des Jordans beziehen würde. Auf jeden Fall bietet Transjorda-nien nicht nur vom allgemeinen internationalen, sondern auch vom speziell jüdischen Gesichtpttnkt aus manches Interessante, wovon in den folgenden Zeilen die Rede sein soll. Der historische Zusammenhang. In der „Preambel" zum Palästinamandat heißt es: „. . . und da hiedurch der historische Zusammenhang des jüdischen Volkes mit Palästina und die Gründe für den Wiederaufbau ihres nationalen Helms anerkannt wurden." Es genügt, das 4. Buch Moses, Kap. 32, aufzuschlagen, um die historische Verbindung Transjordaniens mit dem jüdischen Vol'k in unzweifelhafter Weise festzustellen. Die auf einen heroischen Ton gestimmte Auseinandersetzung zwischen Moses und den Stämmen Ruhen, Gad und dein halben Stamm Manasse endete mit der Erklärung des großen Führers: „Wenn Ihr dies tun wollt*' daß Ihr Euch rüstet zum Streit vor dem Herrn . . ., sollt Ihr dies Land also, haiben zu eigen vor dem Herrn." Und Kap. 34, Vers 15, resümiert: „Also haben die zwei Stämme und der halbe Stamm ihr Erbteil dahin, diesseits des Jordans gegen Jericho, gegen den Morgen." Der Vorgang wird auch im 1. Buch der Chronik (Kap. 5) bestätigt. . Und daß das Ostjordanland in der Epoche der Hasrtionäer und des Herodes eine große Rolle gespielt hat, ist historisch verbürgt. Dort fanden die vor- und urchristlichen Sekten ihre Zuflucht, dort lehrte und taufte der Jude Johannes. Politische Geographie. Ganz abgesehen von der „historischen Verbindung" muß jeder Unbefangene zugeben, daß in allen das Palästinamandat betreffenden Verhandlungen und Dokumenten der Begriff Palästina geographisch nicht durch, den Jordan begrenzt ist, sondern unzweifelhaft, auch das. Ostjordanland umfaßt. Schon der Art. 25 des Mandatsyertrages spricht von Ostjordanien als von den ,,Territorien,' 'd i c z w i s oh e n d em J o r d au u n d d e r ö s 11 i c h e h G r e n. z e P a 1 äs t i n as, wie sie endgültig festgesetzt werden wird, liegen." Daraus geht klar hervor, daß im Sinne des Maudatsvertrages, Transjordanien.einen Teil Palästinas iblldet, wenm auch auf Grund des Artikels .25 gewisse, in einem besonderen Memorandum des britischen Vertreters zitierte Bestimmungen des Mandats auf diesen Teil Palästinas nicht angewendet werden sollen. In' dem ersterwähnten Memorandum des .britischen Repräsentanten, welches am 16. September 1922 vom VÖHoerbundrat genehmigt wurde, heißt es in Punkt 2: „Folgende Vorschriften des Palästinamandats sind nicht anwendbar auf das Territorium, welches als Tran sjordanien 'bekannt ist." Auch hier wird implicite die Ausdehnung des iBegriffes Palästina auf das Ostjordanland bestätigt. Es gibt kein besonderes Ostjordanmandat für England, es gibt nur ein Palästinamandat, und auf. Grund des Palästinamandats führt England die Verwaltung Transjördaniens. In der königlichen Verordnung vom 1. September 1922, welche Palästina eine Verfassung gab, heißt es in Art. 86: „Diese Verordnung wird keine Anwendung finden auf solche Teile des Territoriums, die in Palästina Östlich des Jordans und, des Toten Meeres gelegen sind..." Der von der Mandatskommission des Völ'kerlbundes ausgearbeitete Fragebogen für Palästina enthält eine besondere . Frage üLber den Zustand Transjordaniens. Für Transjordänien ist kein besonderer .Fragebogen aufgestellt worden, Die ersten offiziellen Berichte der palästinensischen Regierung an den Völkerbund behandeln Transjordanien als Teil Palästinas und erwähnen Ostjordanland nicht einmal im Titel; Erst seit 1(924 erscheint der Bericht „als solcher ' über die Mandatsverwatltung Palästinas und Trausjordaniens. Die Lostrennungstenideri«. Es ist auf Grund des Vorhergehenden ganz küar, daß die Schöpfer des Mandats und seine ersten Verwalter in Transjordanien einen .untrennbaren Teil Palästinas gesehen haiben. Demgegenüber macht sich in den letzten Joihren die unleugbare Tendenz bemerkbar, das Ostjordanland nicht nur administrativ, sondern auch politisch von Palästina nach und nach zu sondern. Das Land, welches eine eigene Verwaltung hat, soll demnächst eine eigene Verfassung bekommen mit einem erblichen Herrscher an der Spitze, es verfügt über eine eigene Polizei, ein Grenzscbutzikorps, seit kurzem wurden dort eigene Postmarken mit dem Bildnis des Emirs Abdallah ausgegeben, und es kostete eine gewisse . Anstrengung, um das neue palästinensische Geld dort in Kurs zu bringen. Die araibischen Stämme Transjordafriens lassen sich das Wort von der Sonderstellung Trausjordaniens nicht zweimal gesagt sein, und ihr« Schelks werden in ihren Forderungen Immer kühner. Diese Sachlage erheischt aber größte Aufmerksamkeit vou Seiten des westijordaitischea Palästina. Es «na« ju

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.