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Die neue Welt · 1928-01-13 · Heft 17 (13.1.1928) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 17 (13.1.1928)
Date
1928-01-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. IT__ Cbajfcs ÄlsvlVäsifteiit der jüdischen Völkerinmdliga. Von Dr. Oskar Karbach. {Als über Initiative Leo Motzklns im Herbste 1923 h Wien die erste Jüdische Völkermmdliga gegründet werden konnte — sie hat seither eine Reihe Schwesterorganisationen in Europa und in Erez Israel erhalten —, trat Dr. Chajes an ihre Spitze und blieb ihr Präsident bis zu seinem Tode. Noch acht Tage vorher, am 5. Dezember 1927, präsidierte er der Generalversammlung der Liga und erstattete ein eingehendes Referat über seine, auf diesem Gebiete seiner unermüdlichen Arbeit für das jüdische Volk gesammelten Erfahrungen. Mit der Uebernahmc der Würde des Präsidenten der Liga in der Epoche des ersten Experimentierens mit diesem neuen Instrumente zur Geltendmachung unserer Interessen dokumentierte er nicht nur entschieden den besonderen Wert, den er dieser Institution vom ersten Augenblick an beigemessen sehen wollte, sondern er unterstrich auch damit deutlich ihren überparteilichen Charakter. War es doch die einzige Funktion, die er in einer rein politischen Vereinigung bekleidete. Es bedarf keiner näheren Ausführung, daß eine einmal übernommene Verantwortung von Dr. Chajes nie als eine Sinekure aufgefaßt wurde: obschon sein Name und der moralische Einfluß seiner Persönlichkeit, deren ' Schätzung gerade in den maßgebenden politischen Kreisen des Auslandes eine ganz besonders hohe gewesen ist, allein schon geeignet waren, die ersten Schritte unserer Liga in bedeutender Weise zu fördern, stellt er sich voll und gsatwi in den Dienst der von ihm als gut erkannten Sache. DIE NEUE WELT Seite T Sitzes in Wien, seiner Position in der jüdischen Welt, deshalb auch in der Minoritätenbewegung und seiner zahlreichen italienischen Verbindungen als die geeignetste hielten, als Vermittler an der Sache der nationalen Minoritäten in Italien aufzutreten. Welche Stellung er selbst zu dieser Mission eingenommen hätte, entzieht sich unserer Beurteilung. Tatsache ist aber, daß er sowohl von maßgebenden Persönlichkeiten auch des neuen Regimes in Italien hochgeschätzt und andererseits auch in den Kreisen der europäischen nationalen Minderheiten besonders verehrt wurde, Was Leo Motzkin auch an seiner Bahre betont hat. Seine Wirksamkeit in Triest mag viel zu seinem tiefen Verständnis für die Minoritätenfrage im allgemeinen beigetragen haben, obschon er Dr. Wilfan, den Schöpfer dieser Bewegung, der ja gleichzeitig mit ihm in Triest wirkte, erst 1926 in Salzburg persönlich kennenlernte. Im August 1927 nahm Chajes, obwohl schon leidend, an der dem Zionistenkongreß vorangehenden jüdischen Rechtsschutzkonfcrenz in Zürich in seiner Eigenschaft als Präsident unserer Liga in hervorragender Weise teil: Er war Mitglied der Organisationskomniission, die als Vertreterin der österreichischen Juden in dem durch sie geschaffenen Council on the Rights of Jcwish Minoritics in Ermanglung einer anderen juristischen Persönlichkeit unsere Völkerbundliga bestimmte und als deren Repräsen- Cliajes spricht zu den Studenten. (Enthüllung der Hcrzl-Gedenktafel int Hause IX., TiirkenstralJc 9.) Phot. Willinger. Er. fehlte bei keiner Sitzung und in keinem einzigen de* von uns im Laufe der vier Jahre veranstalteten Meetings .unterließ er. es, zu dem massenhaft zusammengeströmten Auditorium über die Ziele und Hilfsmittel unserer Liga zu sprechen. Dr. Chajes ist zeitlebens 'auch auf diesem Gebiete ein aufrechter und unerschrockener Kritiker geblieben. Für ihn stand die-jüdische geistige Urheberschaft der Idee des Völkerbundes unerschütterlich fest und er leitete daraus das Recht ab, alle Schäden, die heute noch der Liga der Nationen anhaften, zu rügen und ihre Abstellung als eine Mission des jüdischen Volkes zu proklamieren. Er ermöglichte-tatkräftig die Reisen von Delegierten unserer Vereinigung zu den verschiedenen internationalen Kongressen — unsere Liga steht auf dem Gebiete dieser wichtigen Repräsentation jüdischer Interessen an erster Stelle unter den jüdischen Organisationen — und ließ sich stundenlaug über ihre Ergebnisse berichten. Als im. Herbst 1926 eine Tagung des Generalrates der Union der Völkerbundligen auf österreichischem Boden stattfand, begab er sich trotz größter Arbeitslast an den Konferenzort nach Salzburg und sein Erscheinen wirkte auf die zahlreich dort versammelten hervorragenden Politiker aus allen Ländern der Erde sensationell. In Salzburg hatte er auch seine, bekannten Besprechungen "mit . dem Präsidenten . der hellenischen Völkerbundliga, Prof. A n d r e a d e s aus Athen, der in Beantwortung verschiedener, von Dr. Chajes an ihn gerichteter Fragen, über die Lage der Juden in Griechenland, besonders in Saloniki, kurze Zeit darauf t mit einem aus- ■» führlichen Memorandum antwortete, dessen wesentliche Punkte ich über seinen Wunsch in der „Wiener Morgenzeitung" veröffentlicht habe. Eine Aussprache mit dem Vertreter der ungarischen Delegation über den Numerus clausus'blieb .trotz uugarischer Versprechungen von Aufklärungen ergebnislos, ein Vorgehen, das Dr. Chajes noch kuraVor seinem Tode scharf gerügt hat. Besonders interessierte ihn auch die persönliche Aussprache mit Prof. Giaunini, der als Vertreter der italienischen Liga, -als ein Exponent des gegenwärtigen politischen Regimes in Italien gilt. Hier sei erwähnt, daß weite politische Kreise die Persönlichkeit Dr. Chajes' besonders infolge seiner amtlichen Stellung und seines Amts-. tantett Dr. Chajes in den Council und als Vizepräsidenten in. dessen Präsidium berief — eine Funktion, in der Chajes sicherlich Großes für die bedrohten jüdischen Rechte geleistet hätte.' Die jüdische Völkerbundliga für Oesterreich trauert um ihren Gründer und Führer, dessen Wirken ihre Arbeit ermöglicht, dessen Name sie, besonders auch im Ausland, außerordentlich gefördert hat: Einen Nachfolger von seiner Position :und seinem international anerkannten Einfluß — von den Schätzen seiner Persönlichkeit wollen wir hier trauernd schweigen — kennen wir nicht und werden ihn wohl auch nicht mehr finden. Das jüdische Realgymnasium — Chajes-Gymnasium. •... Das Kuratorium des Vereines „Jüdisches Realgymnasium" hat über Antrag des Lehrkörpers beschlossen, zur dauernden Ehrung des Andenkens des verstorbenen Gründers der Anstalt und Präsidenten des Kuratoriums, Oberraibbiner Dr. Chajes, die Schule statt „Jüdisches Realgymnasium" „C h a j e s - R e a 1 g y m n a s i u in" zu nennen. Die Schritte zur Erlangung der behördlichen Genehmigung wurden eingeieitet. Ferner hat das Kuratorium ein Stipendium! von S 100 gestiftet, das au einen würdigen und bedürftigen Abiturienten der Anstalt, der im ersten Semester seiner Hochschulstudien steht, alljährlich am Todestage des Oberrabbiners zur Auszahlung gelangt. Auch der Lehrkörper hat ein Stipendium in gleicher Höhe gestiftet. Bewerbungsberechtigt sind würdige und bedürftige Schüler der Oberklassen des Jüdischen Realgymnasiums. Bedingung für dieses Stipendium sind sehr gute Noten in den jüdischen Fächern. Gesuche um beide Stipendien sind sofort an die Direktion m richten. Die am 7. d. M. stattgehabte ordentliche Geueralß. BÄSCH, BV. ÄtfGENTSNÄERSrHASSE Nr. 22 KOHLE * KOKS 7e). 51.2-8/ ANTHRAZIT Tel. 96-403 Rabottsektion des KEBEN KßJEMETH Versammlung des Vereines „Jüdisches Realgymnasium" begann mit einer Tranenkundgebung für Oberrabbiuer Dr. Ciliares und Direktor Siegmund Epler. Die Gedenkrede des Direktors wurde stehend angehört. Sodann erstattete der Direktor einen Bericht über die Lage der Schule. Auf Grund dieses Berichtes wurde über Anregung des Herrn Dr. Desider Friedman«, der in längerer Rede die Schule der Unterstütziung der zionistischen Mandatare in der Kultusgemeinde versicherte, beschlossen, eine ewanziggliedrige Deputation «um Kultaisipräsidiaim zu entsenden, die eine Erhöhung der Subvention für das Jüdische Realgymnasium in dem Ausmaße verlangen sollte, daß das gesamte Defizit der Schule gedeckt wäre. Ferner beschloß die Versammlung die Schaffung eines großen Fonds für die Schule, der als Notstandsfonds und als Baufonds zugleich gedacht ist. Die Rawmsdiwieri'gkeiten, unter denen die Schule leidet, sind.so groß, daß der Bau noch im Sommer des laufenden Jahres durchgeführt werden muß. In der Versammlung selbst wurden bereits namhafte Beträge gezeichnet. Der Verein wendet sich an die jüdisohe Oeffentliohkeit -mit dem Ersuchen, seine Alktlon ziu unterstützen. In das Kuratorium wurden statutengemäß gewählt: Frau Perl M od Ii niger, Herr Dr. Benno Schaldingef und Herr AbraHiam Z e 11 e r <m a y c r. * Auf Grund des BescMusses der General Versammlung begafb sich eine zwanziggliedrigc Albordnung des Vereines Sonntag, den 8. Jänner unter Führung von Dr. Karl Pollak in das Präsidium der Israelitischen Kliültusigememdo. Dr. PoHak führte in seiner Ansprache an das Präsidium aus, daß, wenn Dr. Ohajes leibliche Kinder hinterlassen hätte, sie gewiß unversorgt zurückgeblieben wären, weil das Streben dieses Mannes auf höhere Dinge gerichtet war; es wäre jetzt die vornehmste Pflicht der KanltU'S>gemeinde, für sie zu sorgen. Nun halbe er aber keine leiblichen,.sondern nur g e 1 s t i g e K i n d e r, Kinder in Form seiner kulturellen Sohöpfiungen zurückgelassen, deren Existenz infolge seines Ablebens bedroht sei. Es sei Sache der Kultusgemeinde, diesen Institutionen über das bisher gewährte Maß jene Hilfe angedeihen zu lassen, deren sie jetzt bedürfen. Präsident Dr. Pick versicherte, daß all« von Dr. Chajes gegründeten Institutionen der Kuiltnsgeimcinde am Herzen lägen und daß sie alles tun wende, was in ihrer Macht stehe, um diese Institutionen zu erlhalten. Dr. Pollaik wies darauf hin, daß die Kultusgemeinde auf Grund der Bestimmungen des Vertrages von St. Germain das Recht und die Pflicht habe, als Minderheit für ihre kulturellen und sozialen Institutionen die Hille des Bundes und der Gemeinde in Anspruch m nehmen. Vizepräsident Dr. Ornst'ein erwiderte, er versdhafife sich eben die Unterlägen, um eine Aktion in dem gewünschten Sinne einzuleiten. Vizepräsident Dr. Löwen herz gab seiner Genugtuung darüber. Ausdruck, daß aus der Mitte der Bevölkerung derartige Anregungen kommen, welche geeignet seien, den jüdischen Mandataren in 'ihrer Arbeit Rückhalt m geben. Im Teppichhaus __Sommerfreund SS \ VI1L Joaefatädtmtvaße 35 / Telephon A 89-1-67 kaufen Sie Perserteppiche infolge äußerst günstigem Einkauf zu besonders billigen Preisen. Zahlungserleichterungen werden gewährt! Trauerfeier für Oberrabbiner Dr. Chajes. Die Zionistische Sektion, sämtliche Bethäuser «und jüdische Vereine des Praters veranstalten Montag den 16. d. M. um 8 Öhr abends im Prachtsaal des Restaurant Kadermann, II., Austellungstraße, vis-ä-vis Caie Abaazia, eine Trauerfeier, bei der die Herren Rabbiner Dr. F e u c ii U w a ü g und Dr. Josef Löwen herz, Vizepräsident de* Israelitischen Kuitusgemeinde, sprechen werden. Die kant törale Funktion versieht Oberkantor Wahr mann, Juden des Praters! Ehrt den großen Toten und erscheinet in Massen!! Chajes-Trauerfeier der „Zukunft". Am Montag, den 9. d. M., veranstaltete das Kuratorium des Lehrlingsheimes „Zukunft" für seine Mit« Slieder und Zöglinge eine Trauerfeier für den Oberrabbinec >r. Chajes. Die Feier wurde mit einem Präludium und einem Gedenklied an Chajes vom Chor der Zöglinge eingeleitet. Der Vorsitzende Herr Kommerzialrat Karl Klemperer begrüßte dann in kurzen Worten die Versammlung, worauf der Präsident des Vereines, Herr Kommerzialrat Paul Karpeles in zu Herzen gehender Weise das stille u nd in jüdischem Sinn tiefgehende Wirken des Oberrabbiners irn Kuratorium der „Zukunft" schi!« derte. Nach einer Minute stillen Gedenkens gelobte ein Zögling des Heimes im Namen der gesamten Zöglings^ schaff das Andenken des großen Führers der jüdischen Jugend durch verstärkte Weiterarbeit an seinem Lebens!» werke, dem Aufbau Palästinas, ehren m wollen. Mit dem jiddischen Schwurlied und der Hatichwah be» endete der Chor, die eindrucksvolle und würdige Feiert

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