Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 17 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sefte 3 DIE NEUE WELT Mr. f7 AUS PALÄSTINA. Die Arbeitslosen« taiit dem „Dawar" hat der Oberkommisfeär Lord PI«mer vor einigen Tagen sich an die Leiter der Regierungsdepartements mit der dringenden Aufforderung gewendet,. ihm unverzüglich Vorschläge über die in ihren Resdorfs vorhandenen Beschäftigungsmöglichkeiten für die Arbeitslosen während der nächsten Monate zu überreichen. Der Oberkommissär hat alle Departementschefs angewiesen, unverzüglich alle geplanten Arbeiten in Angriff zu nehmen, die während der Monate Jänner und Februar einer Maximalzahl von Arbeitslosen Beschäftigung geben können. In den verschiedenen Departements werden mit größter Beschleunigung alle Vorbereitungen hie2U getroffen. In Regierungs!- kreisen soll man annehmen, daß nach Beendigung dieser Arbeiten, i-m Monat, März die finanzielle Lage der Zionistischen ' Organisation sich wieder soweit gebessert haben, werde, daß sie in der Lage.sein wird, für die weitere Arbeitstage im Lande Vorsorge treffen zu können. Ein Memorandum der jüdischen Kolonisten in Petach Tikwah an Lofd Plumerv .; :Die Kolonisten Petach tikwahs haben dem. Oberkommissär Pilimer ein Memorandum überreicht, in dem sie ihren Standpunkt zu der Frage der Arbeitslosen in Petach .. Tikwah. und zum Vorgehen der Polizei gegen diese dffrlegen. '{ .Laut1 dem „Dawar" steht seit den Vorfällen in Petach Tikwah die zionistische Exekutive in dauernden Verhandlungen mit der Palästinaregierung über die Ordnung der 'dortigen Verhältnisse und die Beschäftigung 4er .lokalen jüdischen Arbeitslosen bei den Orangen- PmmtbeK^i.J . ' . . Die Schulen in Tei-Awiw, f n Te!^Awhv; sind ".bis jetzt }h Jderi Volksschulen . 4366 Schüfer eingeschrieben worden; gegenüber' 4576. im .vorigen järnv .dbeft dauert die Aufnähme neüer Schüler »och an. in die erste Klasse der verschiedenen Schulen sind 857 Schüler aufgenommen worden, doch nimmt die Zahl der Schüler ijn den höheren Klassen ab. In der achten Klasse gibt es nur noch 169 Schüler, was darauf deutet, daß die materielle Lage der Eltern den Schülern nicht erlaubt, den vollen achtjährigen Lehrkursus zu absolvieren. In Neeve Schaanan wurde in der Schchunath Hakawkasim eine neue Kindergartenklasse eröffnet. Raheis Grab beschädigt. Aus Jerusalem wird berichtet: Bis jetzt un- •ennfttelte Täter beschädigten in der Nacht das Gebäude, Welches das Rahel-Grab umschließt. Unter anderem wurde die mm Grabe führende Treppe zertrümmert. Der Außenhandel im zweiten Quartal 1927. Der Import Palästinas im zweiten Quartal 1927 betrug 1,443.642 äg. Pfd. Davon waren Fertigfabräkate für 810.054 äg. Pfd. und Lebensmittel, Getränke und Tabak für 351.655 äg. Pfd. Hauptlieferungsländer waren 'Aeg3T5ten mit 397.879, England mit 225.282, Syrien mit 210.143 äg. Pfd. und Deutschland mit 139.413 äg. Pfd. Der Export im zweiten Quartal 1927 betrug 341.624 äg. Pfd. Die neue Spiritusabgabe. Eine Sonderausgabe der palästinensischen „Official Gazette" bestimmt die Höhe der neuen Akzise für Spirituosen. Der aus Melassen und Fruchtkernen hergestellte Spiritus, von dem bisher eine Steuer von äg. Pfd. 24 per Tonne erhoben wurde, wird jetzt mit einer Akzise von 70 Mils per Liter, das sind äg. Pfd. 85 per Tonne belegt. Von dem ausländischen Spiritus wird ein doppelter Zoll erhoben. Die Akzise von Bier, Apfel- und Ananaswein beträgt bei einem Alkoholgehalt von unter 15 Prozent per Liter 5 Mils und bei Arrak per Liter 70 Mils. Bei Wein bei einem Alkoholgehalt von unter 15 Prozent 3 Mils und bis 25 Prozent 6 Mils per Liter. Bisher betrug die Akzise auf Wein 15 Prozeht seines Wertes und bei Kognak 30'Prozent , .' KUnstler-Diete Im „Roten Saal«' des Cafä Arlon I., Rolfjasse 5 "Nachbestellung: 62^4*30 j """ Täglich 9 Uhi* abend« Die KiMptle . . (Gastspiel. „Max und .Moritze-Ensemble) Adolf Gilliger, Alex, trebltsch, J. Hauschütz, Franz Engel, Jos. Fleischcnann Vorher: Elte Kaufmann und das übrige erst« : klassige Programm1 Jazz-Stimmung , DicketvBttrlan-Neuhaus Kunst). Leitung Leopold Helsz Publikumstanz Cinlrlll frei | sperre. Die Petroleumleitung von Mossul nach Haifa. . Der Jerusjlemer Korrespondent des „AI Sia'ssa" berichtet, daß einige Ingenieure "nach Haifa gekommen sind, um dort eine topographische Karte für die Lcgung der Röhrenleitung für das mesopotanische Oel von Mossul nach Haifa auszuarbeiten. Dr. Zollsclian Leiter des Röntgeninstitutes in v Jerusalem. Der bekannte Anthropologe Dr. Ignaz Zollsclian wurde zum Chef des Röntgeninstituts des Krankenhauses der Hadassah in Jerusalem ernannt. (Dr. Zollschan:, ein Wiener, dessen Werk über Rassenkunde viel sympa/- thische Aufmerksamkeit erregt hatte, war bisher am Rockefeller-Institut in New, York mit wissenschaftlichen' Arbeiten beschäftigt.) ..; Rücktritt eines1 jüdischen Polizeioffiziers. G. Kr i sc h W/s kV, einer' der wenigen jüdischen Polizeioffiziere Palästinas, der gleichzeitig Untergöxiverneur des Norddistriktes und mit dem G r e n ztl i en s t betraut war, ist von seinem Amt zurückgetreten. Das metrische System. Die Regierung hat durch eine Verordnung bekanntgegeben, daß von jetzt ab bei Maßen und. Gewichten nur o m* m o I., BELLARIASTRASSE NR. 12 Telephon 36-3-39 Sprechapparate Unser Spezial-Koffer-Apparat »Minerva**...........S 76.— „Majestrota" L .......S 130 „Majestrota" Luxus.....S 196. Ratenzahlungen werden bewilligt Neueste Schlagerplatlen in größter Auswahl noch das metrische System offiziell Gültigkeit hat. Von den amtlichen Stellen wurde auch schon: bis jetzt das metrische System anerkannt, doch haben sich die alten Maße und Gewichte, wie Dünam (919 Quadratmeter) und Rotl (2,56 Kilogramm), in der Praxis erhalten. Fremdsprachige Bücher in der Hebräischen Universitätsbibliothek. Von den in der "hebräischen Universitätsbibliothek in Jerusalem im November benützten: Büchern, die insgesamt 4403 Bände ausmachen, waren 58 Prozent fremdsprachlichen Inhalts, was die außerordentlichen Siprachkenntnisse der palästinensischen Bevölkerung beweist. 41,8 Prozent machten die. hebräischen Bücher aus, 24,4 Prozent die deutschen, 10 . Prozent die jiddischen, 9 Prozent die russischen, 8,3 Prozent die' englischen und 3,7 Prozent, die französischen. Konferenz für Kur- und Vergnügungswesen. In Tel-Awiw wurde dieser Tage die erste palästinensische Konferenz für Kur- und Vcrgnügurogswesen abgehalten. Es kam zum Ausdruck, daß Palästina als ein Land von Sonne und See die 'besten Möglichkeiten für die Entwicklung eines hochstellenden Kur-, Bade- und Vergniigungswesens bietet. Begrüßungsdepesolien langten ein von der Zionistischen Exekutive, den Stadträten' von Tel- Awiw und Jaffa, der'Hebräischen Universität, der Organi- Versicherung gegen liberbesteuerunf! MWfrwWWaWw^ Anlagen, Bilanzen, Stundenbttcliba!- ^^'•^ggHpifc^.....- -J3 tunge n, Organisationen, Revisionen (Auffindung jedes Fehlers) Experte fllr die RuNBuchhaliung Spezialist für verworrene Buchhaltuh* gen, Spezlalbuchfflhriuig fßr Klein" jjewerbetrelbende (Fernbuchhaltung). Berechtigt zur Sieuer- und Gebührenberatung ßuehhaitüngs- und Revisäonsbüro ftfi XV,I., Hern. Hauptstr. 24/26 II 1 wvvBim Telephon A 22-1-12 übernimmt volle Haftung und Verantwortung für richtige Besteuerung ja u sir iiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHU um 8 Uhr abends im ____________ großen Saale des I« I. Fleischmarkt 24 (Eingang Drachengasse 3) „Hotel Post' iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiü llllllllillllllllllilllllllllllllllllllilllllilH und vor allem nicht darnach zu streben, große Kaufleute zu werden, denn je reicher einer wird, desto eher hört er auf. ein guter Jude zu sein r~ das gilt besonders für meinen Sohn Jehuda, bei dem Ich einen ganz besonderen Hang zum Wohlleben bemerkte. Sehr viel Wert lege ich darauf, daß sie täglich mindestens eine Seite aus dem Talmud lesen — und einmal im Jahre mögen sie einen Wunderrabbi aufsuchen. Auch die Frauen sollen am Freitag-Abend und am Schabbes ihre Gebetbücher zur Hand nehmen — am Jahrestag meines Todes sollen meine Kinder den ganzen Tag in der heiligen Schrift lesen und die Frauen sollen Almösen verteilen, aber — was die Hauptsache ist — im stillen, ohne Aufsehen zu machen. III. Nachdem Moritz ßenditsohn (der älteste Sohn Benjamins) das Zeitliche gesegnet hatte, fand man folgende in polnischer Sprache geschriebene Verfügungen vor: „Man sende nach Paris ein entsprechendes Telegramm und man warte mit der Beerdigung bis . zur An* lumft meines Sohnes. Zehntausend Rubel * vermache ich dem Verein gegen Armut und Bettelei, jedoch die Prozente von diesem Kapital haben alljährlich an meinem TodesU tage an Unbemittelte verteilt zu werden. Zehntausend Rubel stifte ich für ein Spitalbett; jedoch mit der Bedingung, daß diese Stiftung meinen Namen tragen möge. Bei meiner Leichenfeier sollen viel Almosen verteilt werden. An alle Talrnud-Thoraschulen sollen Spenden geschickt werden — und die Melameds mit den Schülern «sollen meinem Sarge folgen. Man nehme einen frommen gelehrten Juden auf, tta Kad&b oaeu mk sagen sog. Mein Grabstein soll im Auslande bestellt werden(, und zwar nach der von mir selbst ausgewählten Mustetfzeichnung. Der Chewra Kadischa soll alljährlich eine bestimmte Summe ausgesetzt weiden und dafür hat sie die Pflege meiner Grabs^tte zu übernehmen. Die Firma soll fortan den Namen „Beuditsohna Sohn" führen. Was nun weiters ..." * Wir sparen uns die detaillierte Aufstellung des Nachlasses, der fälligen und nicht eingelösten Wechsel tmd der Weisungen, die die Fortführung des Geschäftes betreffen. IV. .. „Ich,, Bemlitsohns Sohn» gehe aus dieser Welt weder vor Freude noch vor Kummer, sondern weil ich ihre Leere nicht mehr ertragen kann ... Die Welt ist eine furchtbare Maschine. Jedes Rad erfüllt seine eigene Bestimmung und leistet daher die entsprechende Arbeit. Nützt sich ein Rad vorzeitig ab, oder hat es irgendwie Schaden genommen — so hört es auf, ein Bestandteil der Maschine zu sein; dann verläßt es das Weltall und versinkt in Nichts... Ich kann deshalb nicht länger leben, weil ich auf Erden nichts mehr zu tun habe. Ich bin zu nichts mehr nütz, weil ich meine Frist abgelebt habe. , Ich habe, die Schale der Genüsse, die mir vom Geschick bestimmt waren, bis zur , Neige geleert, ich habe von allem gekostet .und alles verschlungen, wonach mich verlangte. Man hat mich vieles gelehrt, man vergaß mich aber zu lehren, wie man leben müsse, um das Leben! nicht zu verprassen. Es gibt nichts auf der Welt, was imstande wäre, mich an steh m fesseln, micJj mfckwhzl!m~« Auj nichts hat es mir gefehlt, was je für mich von Wert und Bedeutung gewesen wäre — mir fiel alles von selbst in den Schoß — ohne Mühe, ohne Kummer, ohne 'Sorge — mir flog sozusagen alles entgegen... Alles, was ich mir nur irgend wünschte, und auch die Menschen -— Männer so wie die Weiber. Alle umschmeichelten mich, aber ich hatte keinen einzigen wahren Freund. Die Frauen verwöhnten micH, doch keine verstand es, sich mir unentbehrlich zu machen. Mir war ein großer Reichtum, als Erbe meiner Vorfahren, in den Schoß gefallen und dieser Reichtum wuchs und vermehrte sich, ohne daß ich meinerseits nur das Geringste dazu beitrug. Der Reichtum wuchs solcherart, daß er zuletzt mich selbst überragte. Wie oft krampfte sich mein Herz bei dem Wunsche zusammen, wenigstens einmal im Lehen das harte Muß der Arbeit auszukosten... Statt dessen verschrieben die Aerzte Bewegung, Sport und Zerstreuung —• aber nur nicht das eine, Richtige — normal zu leben und meine Pflicht zu tun. Viele Länder habe ich durchstreift, aber keines von ihnen wurde das Land meiner Sehnsucht, viele Gegenden haben mich entzüclct, doch keine hat mich dauernd gefeüsselt.., Ich sprach fließend mehrere Sprachen, aber keine war mir — Muttersprache!; ich warf mit leeren Worten um mich, wie mit Bällen. Ich wechselte meine Heimatszuständiglteft so unbefangen, wie man Handschuhe wechselt. Die ganze Welt gehörte mir, ich war jedoch zu unbedeutend, unt sie festzuhalten, und nicht stark genug, um sie zu umfangen; ebensowenig; war. ich zum Herrscher des .Weltalls, augercehe*