Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1928-01-06 · Heft 16 (6.1.1928) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 16 (6.1.1928)
Date
1928-01-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711630-2711631--0207-2713332
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 16 DIE NEUE WELT Seite 7 Das Urteil des Oberlandesgerichtsrates Sieben Die „Neue Welt" hat a*m 7. Oktober über das merkwürdige Urteil des Oberlandesgertehtsrates Sieber berichtet, der hl einer EhrenbeleidigurigsMagc des Hakoah- Spfelers Häusler gegen den Postofflzial und Fußball. Schiedsrichter Göbel entschieden hatte, die Bemerkung: „Sie haben Ihre jüdischen Manieren in Amerika nicht ab* gelegt!" enthielte keine Ehrenlbeleidiigunig. Dieses Urteil gelangte dieser Tage vor das Berufungsgericht. Der Vorsitzende Hofrat Schneeweiß leitete die Verhandlung mit der Erklärung ein, daß die inkriminierte Bemerkung eine klare Ehrenbelcidigung ist, weshalb das erstrichterliche Urteil nicht aufrechterhalten werden kann. Infolge dieser Aeußerung gab der Postoffizfal Herrn Häusler eine Ehrenerklärung. Damit ist wohl auch'ein UrteH über den Herrn Siebert gesprochen. Der zehnte ordentliche Delegiertentag der jüdischen Studentenschaft Oesterreichs, Am 10. und 11. Dezember fand, wie in Nr. 13 bereits kurz mitgeteilt, der diesjährige ordentliche Delegiertentag des Gesamtverbandes jüdischer Hochschtiler Oesterreichs „Judäa" im Festsaale, VIII., Bcnnoplatz 1, statt. Namens des für die Tagung gewählten Präsidiums (Dr. Kiwe, Dr. Greger, Dr. Gelbard) konnte Doktor Max Kiwe als Gäste begrüßen: den Ehrenpräsidenten der „Judäa" Herrn; Oberrabbiner Prof. Dr. Chajes, den Vertreter der JsraeUtischen Kultoisgemeinde, Herrn Vizepräsidenten Dr. J. Löwen herz, den Vertreter der israelitischen Allianz, Herrn Rabbiner Dr. A. Kaminka, für das zionistische Landeskomitee Oesterreichs dessen Präsidenten Herrn Dr. Leo Goldhamrner, für den Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa aeademica jttdaica Herrn M. Schlösinger, für den zionistischen Verband ehemaliger Hochschüler Herrn Dir. J. Vpge 1, sowie die Verr treter sämtlicher jüdischer akademischer Vereine und Ver-. bindungen. .In Abwesenheit des Präses der „Judäa", Herrn Dr. Chaim Gelber, erstattete der Vizepräsident Herr cand, med. Slavko K a u f e r, den Rechenschaftsbericht, in dem er u. a. die. Heraaisgabe . eines «Wegweisers" über das Studium an den Wiener Hochschulen,, die Schaffung eines Verbandesheimes und einer Sportsektion und die Anfertigung von gemeinsamen Abzeichen erwähnte. Auf wirtschaftlichem Gebiete war der jüdische Hochschulausschuß in der Lage, vielen minderten Kollegen mit Inskriptions- und kurzfristigen Darlehen, mit Bcteilttng Von Mensafreikarten, Gewährung von Darlehen verschiedener Art, mit einer großzügigen Krankenfürsorge unter Leitung des verdienstvollen Verbandsarztes Dr. M. Marguli es, Ermöglichung von Landaufenthalt für bedürftige Ko'llegen während der Ferien, in Krankheitsfällen Aufenthaltsermöglichung in Heil- und Pflegeanstalten und Beteilung mit Wäsche und Kleidungsstücken helfend zur Seite zu stehen. Die Stellenvermittlung habe in der Berichtsperiode in mehr als 90 Fällen erfolgreich interveniert. Der Bestand des Studentenheimes in Grinzing ist trotz größter Anstrengung n och n.i c h t g es i c h e r t. So besteht die Gefahr, daß die Organisation nicht in der Lage sein wird, den Bedürftigsten ihrer Mitglieder eine Wohnungsmöglichkeit zu bieten. Der,Referent beschäftigte sich sodann eingehend mit den Zuständen an den Wiener Hochschulen und den diesbezüglichen Verhandlungen mit den in Betracht kommenden akademischen und jüdischen Behörden. An der großen Veranstaltung gegen die antijüdischen Exzesse in Rumänien, denen zum großen Teile jüdische Akademiker zum Opfer fielen, nahm der Ausschuß aktiv teil. An zwei großen internationalen Studententagungen hat die „Judija" durch ihren Vertreter Herrn A. Teich teilgenommen. Es waren dies die internationale Schulungswoche in Dresden, auf welcher unter anderem mit Zustimmung der Vertreter von 25 Nationen die folgende Resolution gefaßt wurde. ,yper .Numerus clausus' ist kein.geeignet es .M.-!t.te,t zur Bekämpfung der Ueberproduktion der geistigen Berufe. Dort, wo er aus nationalen, rasse- oder religiösen Gründen geübt wird, ist er verwerflich." Die zweite Tagung war die Jahreskonferenz deT L S. S. (international Student Service in Schiers) bei Chur in der Schweiz. Herr A. Teich setzte sich besonders dafür ein, daß der; Vorschlag des britischen Delegierten Mr. Wforigt, bei der nächsten Tagung trotz des Widerstandes von ungarischer und rumänischer Seite das Problem des A n t i s e m i t J s m u s ausführlich zu diskutieren, zum Beschluß erhoben wurde. Oherrabbiner: Prof, Dr. Chajes, sichtlich erfreut über den inhaltsvollen Bericht des Referenten, hob mit besonderer. Genugtuung die Bestrebungen der Judäa und die Zusammenarbeit mit anderen großen Studentenorgänisationen, die der Verständigung und gegenseitigen Annäherung der Völker dienten, hervor und! fprderte die Studentenschaft auf, sich ihrer Pflicht als der führende Teil in der jüdischen Jugend wieder bewußt zu werden. Vizepräsident Dr. J. Löwen herz «ab namens der israelitischen Kvltusgemeinde das Versprechen, daß sie auch In Zukunft sich ihrer Studenten annehmen werde. Präsident Dr. Leo Goldhammer erklärte, daß die zionistische Organisation wie' bisher die jüdische Studentenschaft moralisch und, wo es nottun werde, nach Kräften auch materiell unterstützen werde. KÜHL¬ ANLAGE Für jeden gewerblichen Betrieb! Patentierte elektrisch - automatische Kühlschränke and Anlagen garantieren für billigte, beste und gesündeste Aufbewahrung alier Arten von Lebensmitteln Oie Lösung des WirtsGhaftS' Problems! 60% nnd mehr Betriebskosten^ Ersparnis! Der Betrieb erfordert nur 3ine elektrische Steckdose Vorteile der FBIGIDAIRE-Kiihlung Frigidaire kühlt ohne Eis, arbeitet vollkommen automatisch und spart alle Bedienungskosten. Frigidaire erzielt eine stets gleichbleibende trockene Kälte und vermeidet jede unwillkommene Feuchtigkeitsbildung. Fleisch und Würste sind daher, ohne schlitzig zu werden, dauernd konserviert. Milch und Butter ziehen durch andere Lebensmittel nicht an. Gemüse und Ob»* bleiben knusprig und irisch. Düren Frigidaire~Kühlung wird die Güte aller Arten, Lebensmittel wesentlich erhöht Teilzahlung! Die kleinsten wie die grössten Anlagen können für Wien bis zu 20 Monatsraten auf Teilzahlung geliefert werden gegen 7Va% Zinsenberechnung. Verlangen Sie Prospekte oder besuchen Sie unser Ausstellungslokal GeneralreprSteniant: Warcöalowski, Finsterle & Co. Gel m. b. H. Wien. 1., Am Hof Nr. 3, Telephon 66-1-74 Trauerfeier für Oberrabbiner Chajes in Graz. Die zionistische' Ortsgruppe -G r az veranstaltete am Dienstag den 27. Dezember 1927 am Tempel, dessen Estrade von der Kultusgemeinde schwarz drapiert worden war, eine Trauerfeier für unseren Führer Zwi Perez Chajes. Fast alle Kreise der jüdischen Bevölkerung waren zur Trauerfe'ier erschienen, ein sichtbares Zeichen dafür, daß der Verstorbene 'weit über den Rahmen der zionistischen Kreise hinaus sich Anerkennung und Wertschätzung erworben hatte. Nachdem Herr Oberkantor Heinrich K a tz und der jüdische Gesangverein einen Trauerpsalm zum Vortrag gebracht hatten, ergriff im Namen der zionistischen Ortsgruppe Herr Karl Schwarz das Wort zu einer Trauerrede, in welcher er dem Schmerz Ausdruck gab, daß unser Führer so schnell von uns geschieden sei und sicherlich im Namen aller Zionisten das Gelöbnis aussprach, in den uns von Chajes gewiesenen Bahnen stets opferbereit für unser Volk zu wirken. Sodann sprach Herr Rabbiner Dr. David Herzog. Ausgehend von dem Spruch unserer Weisen: „Auf drei Dingen beruht die Welt, auf der Thora, auf der Arbeit und auf den Werken wohltätiger Nächstenliebe", schilderte er in beredten Worten, wie der Verstorbene in diesen Bahnen gewandert sei und wie er, erfüllt von den Idealen der Thora, begeistert, unermüdlich in der Arbeit für sein Volk, aufopfernd in'der tatkräftigen Hilfe in Werken wahrer Nächstenliebe, allen zum Vorbild eines wahren, edlen Juden geworden sei. Nach dem „El molei rachamim" des Herrn Oberkantors Heinrich K a t z widmete der Präsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. Robert Sonnenwald, dem Verstorbenen Worte ehrenden Gedenkens, ausklingend jn dem altjüdischen Spruch, daß, wie das Leben des Verstorbenen uns eine Quelle des Segens war (secher zaddik livrachah), auch das Andenken an den Verstorbenen uns zum Segen werden möge. Nach dem vom Oberkantor und dem Jüdischen Gesangverein stimmungsvoll vorgetragenen Schlußpsa^n endete die Feier. „TarbuW-Konlerenz in Pojen. In Warschau wurde am 26. Dezember im Großen Saal des Theaters Nowosczi die dritte Konferenz der hebräischen Kultur- und Schulorganisation „Tarbuth" eröffnet. Anwesend waren 335 Delegierte aus mehr als 200 Städten und zahlreiche Gäste. Der Vorsitzende, Dr. M. K1 u m e 1. eröffnete die Konferenz mit einer Ansprache, in der er einen Rückblick auf die Tätigkeit der „Tarbuth" in den letzten drei Jahren gab. Es wurden ein großes Netz moderner hebrähscher Volksschulen und mehrere Voll- "g^mnasion geschaffen; alle .Amalien. .stehen auf einem hohen pädagogischen Niveau. Es /bestehen einige ./mustergültige Lehrerseminare und hunderte 'Bibliotheken. Die zahlreichen Abendkurse werden von tausenden Zuhörern besucht. Dr. Klümel setzte sich mit den k o n s e r v ä t i ven Kreisen auseinander, die die ,,Tarbüth"-Organisation als angeblich nicht religiös genug bekämpfen, und beteuerte, daß von allen Tarbuthfreunden der religiöse Gedanke, der das Judentum in den tausenden Jahren erhalten hat, sehr hoch gewertet wird. Er nannte „Tarbuth'* die Seele der zionistischen Bewegung und beklagte es, daß die Zionistische Weltexekutive und die zionistischen Landesverbände die Idee des „Tarbuth" nicht mit voller Kraft unterstützen. Es begrüßten die Konferenz J. Grün bäum im Namen des jüdischen National rates, Dr. J, Schweig im Namen von Hitachdurh, Dobkin im Namen des Berliner Hauptbureaus der . „Hechaluz", ferner Oberrabbirier Professor Sc hör u. a. m. Der Führer der Revisionisten, Wladimir J abo« tinsky, hielt ein sehr wirkungsvolles, Referat über hebräische Sprache und Kultur. Er skizzierte' die beiden Kulturkreise im Judentum der osteuropäischen Länder, Jiddisch und Hebräisch, und kam zw dem Schlüsse, daß die jiddische Kultur eine Basis für eine 50jährige Dauer hat, daß aber die hebräische Kultur Ewigkeitswert hat. Die Politik solle zwar den Schulen ferngehalten werden, aber Zionismus müsse ihr Inhalt bleiben; Zionismus ist keine Politik, sondern Endziel des jüdischen Volkes. Unter gespannter Aufmerksamkeit der Delegierten hielt der Selmdeputierte J. Grün bäum ein Referat über „Die politische Lage der hebräischen Schule". Er wies darauf hin,, daß die rechtliche Lage der Schulen mit hebräischer Unterichtssprache in Polen immer noch unger klärt sei. Grünbaum schilderte die einzelnen Phasen des Kampfes um das Recht der jüdischen Schulen in Pojen und teilte mit, daß das hebräische Lehrerseminar bereits das Oeffentlichkeitsrecht besitzt und daß auch die hebräischen Volksschulen das Oeffentlichkeitsrecht haben; es bleibt nur noch übrig, den Kampf um die staatliche Subyentlonierung dieser Schulen erfolgreich zu Ende, zu führen. Der Kampf um das Oeffentlichkeitsrecht der hebräischen Mittelschulen (Gymnasien und Realschulen) geht weiter. Nach Annahme der entsprechenden Beschlüsse Zllbozlolien In Apptbekän, Orogarion «te, Hauptdepot; Sfgl-Qunimi, T«l. W-2-12

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.