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Die neue Welt · 1928-01-06 · Heft 16 (6.1.1928) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 16 (6.1.1928)
Date
1928-01-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 15 AUS PALASTINA. Die Gemeittdeordfiung In Kraft. Die jüdische Gemeindeordnung ist anr 1. Jänner 1928 verkündet worden und somit in Kraft getrete?. Der Entwurf für die Organisierung der jüdischen Gemeinden in Palästina und ihre offizielle Anerkennung durch die Regierung wurde am 20. Juli 1926 in der „Official Oazette" veröffentlicht; Die Verordnung sieht die Wahl einer Delegiertenversammlung, eines Generalrates (Waad Leumi), eines Landesrabberrates und das Bestehen eines rabbinischen Amtes in jeder Gemeinde: vor, wobei Andersdenkenden ein gewisser Spielraum gewährt werden soll. Das Gesamtbudget des zionistischen Unterrichtswerkes. . , Der neue Waad Bachinuch wählte, nachdem alle Bemühungen MIß S z o 1 d s, Dr. L u r j e zur Zurücknahme seiner Demission zu bewegen, vergeblich, gewesen waren, zu seinem Vorsitzenden Miß Szold, die erklärte, daß sie als Mitglied der Zionistischen Palästinaexekutive für das Unterrichtswesen die Verantwortung trage. Sie beträchte sich' aber tticht als Leiterin des Erziehungsdepartements, welcher Posten vorläufig umbesetzt bleibe. Als Sachverständiger in jErziehungsfragen werde iri inoffizieller Weise Dr. Berkpw fungieren. Das Gesamtbüdget des Erziehüngswerkes wurde in Höhe von: pal. Pfund 103.515 vom Waad Hachinuch bestätigt. Es setzt sich aus folgenden Beiträgen «isammen: Zionistische Exekutive 53.000, Palästina- Regierung 19*300*, Beiträge-der Städte und Kolonien einschfießlich' der pal. Pfund 10.000. Tel-Awiws 23.095, Baron Rothschild 4000, Lehrervereinigun« 2120 und Misrachi 2000. Der Aufbaufonds. Im November sind beim Kereh-Hajessod-Hauptbureau in Jerusalem Beiträge in der Gesamthöhe von 24.800 Pfund eingegangen. Darunter figuriert Oesterreich mit'75 Pfund. Insgesamt betrugen die Eingänge des Fonds bisher Pfund 3,194.955.8.9. Gegenüber dem vorigen Monat haben sich die Gesamteingänge nur um Pfund 14.857.3.9 erhöht, da von dem Ergebnis des Oktobers Pfund 10.000 von den Eingängen Südafrikas wieder abzuschreiben waren, well es'sich bei dieser Ueberweisung aus Südafrika nicht um einen Beitrag, sondern, wie sich später herausstellte, nur um «in Da riehen gehandelt hat. Die Arbeitslosen. :: -Die Zionistische Exekutive teilt'Uns entgegen anderslautenden, Nachrichten mit, daß, auch nach dem 1. . Jänner 192$ die Unterstütznngsgelder für die Arbeitslosen in Palästina ausbezahlt werden. . :". * Der Oberkommissar FeldmairschaiH Lord PLuther hat .verfügt, daß bei den. Aufforstungsarbeiten in Palästina 500 jüdische Arbeitslose beschäftigt werden sollen. ' ".. i "> *' - ') ■ Gegenwärtig befinden sich im Lande 21.000 jüdische Arbeiter. 4200 Arbeiterinnen sind ini Haushalte beschäftigt, 9000 Arbeiter haben ständige Beschäftigung, 3100 Personen sind bei öffentlichen Arbeiten, 450 sind nur zeitweise .beschäftigt. 3750 sind arbeitslos.. Von diesen befinden sich 3200 in Tel-Awiw.. Seit Ende des. Jahres 1927 ist jedoch die Zahl der Arbeitslosen um weitere 1000 Personen gestiegen. Monat Jänner und Februar' wird die Zahl der Arbeitsloser! um weitere 1500 größer werden, da viele öffentliche .'Arbeiten' beendigt werden. Nach verläßlichen Informationen läßt sich voraussehen, daß in der nächsten Zelt neue Arbeiten mit einem Gesamtaufwand von 200.000 Pfund beginnen werden. Diese Arbeiten werden 60 Prozent der Arbeitslosen beschäftigen. Ein Fonds .zur Unterstützung der Arbeitslosen. Laut Funktelegramm des „Berliner Tageblatt" aus London vom 29, Dezember ist Sir Alfred Mond mit der Schaffung eines Fonds von 20.000 'Pfund zur Unterstützung der Arbeitslosen in Palästina beschäftigt. Mond selbst hat' 1000 Pfund Sterling beigesteuert, der Tabakkönig Bernhard Baron 5000 Pfand Sterling. Eine Anleihe Rutenbergs. Laut dem „Palestine Bulletin" ist es Ing. Ruthenberg gelungen, in London von der Versicherungsgesellschaft Prudential für die Palestine Electric Corporation gegen Garantie der britischen Regierung ejne Anleihe von Pfund 250.000 zu erhalten. Der Prudentialgesellschaft wurde die Kontrolle Über das Rutheniberg-Werk eingeräumt. Ruthenberg sei zu diesen schweren Bedingungen gezwungen worden, weil die Brandeis-Gruppe die für das Eiektrifizierungswerk früher gestimmten Pfund 150.000 nicht zu investieren bereit sei. Hilfe für die Kleinindustrie, Bekanntlich hat vor einigen Monaten ein anonymer Spender der Kreditbank in. Tel-Awiw pal. Pfund 4000 zur Verfügung geateijt, die zur Förderung der Industrien Darleben bis zu zwei Jahren bei einer Verzinsung von 5 Prozent verliehen werden sollen. Derselbe Spender soll laut dem ,,Dawar" jetzt weitere pal. Pfuiid 10.000 „zum selben Zweck zur Verfügung stellen. „Bezalel" an die Zionistische Exekutive. - Die Schüler der Bezalelschule wandten sich telegraf/hisch an die Zionistische Exekutive mit der Bitter-das Geid für die Eröffnung der Schule zur Verfügung zu stellen. Bjezatlel sei die einzige-Schule in Palästina, die für die künstlerische Ausbildung der Jugend sorgt. Die Exekutive antwortete darauf, sie Werde alles tun, um die Eröffnung der Schule zu ermöglichen. Gegenwärtig jedoch verfüge sie nicht über die Mittel, um die verlangte Subvention zu leisten. Die Nationalbibliothek. Aus Anlaß der Europareise des Kanzlers der hebräischen Universität, Dr.Magnes, trat im Haag das Kuratorium der David-AYolffsohn-Stiftutig zusammen. (David Wolffsohn, der verstorbene Präsident der Zionistischen Weltorganisation, hat testamentarisch diese Stiftung, aus deren Mitteln der Bau der Nationalbibliöthek finanziert Wird, errichtet.) Das Kuratorium, dem außer Doktor Magne's die Herren Dr. Eduard Leszynski, Berlin, der holländische Konsul in Palästina H. J. Kann und Dr. Schlössinger angehören, hat nunmehr beschlossen, den Bau innerhalb eines Jahres fertig zu stellen. Das Haus wird ans Bisenbeton hergestellt, weil das letzte Erdbeben in Palästina die Haltbarkeit dieses Materials .bewiesen hat. Der Beschluß hat besondere Bedeutung, da .an dem Bau eine'große Anzahl jüdischer Arbeiter Beschäftigung finden werden. Die Bevölkerungsbewegung. , , Defn soeben erschienenen Bericht des Gesundhcitsdepartements der Palästinaregierung für das Jähr 1926 ist zu entnehmen: Die Gesamtbevölkerung des Landes betrug 865.000 Seelen, davon waren 103.000 wandernde Beduinen und 762.000 seßhafte Einwohner der Städte und Dörfer. 633.000 waren Moslemiten, 14 7.398 Juden, 75.576 Christen, der Rest Anhänger anderer Religionen. 1926 zählte man in Palästina 40.741 Geburten und 18.620 Todesfälle. Aus Rußland verbannt, in Palästina nicht eingelassen. Vier russische Zionisten, die wegen ihrer zionistischen Betätigung von den Sowjetbehörden nach' Palästina verbann* wurden, wurden .nicht ins Land gelassen. Es wurde ihnen aufgetragen, nach Rußland zurückzukehren, wo ihnen Verbannung nach Sibirien droht. Als Grund der Zurückweisung-wurde angegeben, daß ihre Pässe nicht vorschriftsmäßig vidiert waren. ( Auf Intervention der Zionistischen Exekutive 'hat das britische Kolonialamt telegraphis c h dieZulassung - der vier Verbannten angeordnet. Die Zukunft des Technikums iri Haifa. Ueber die künftige' Ausgestaltung des Technikums,: insbesondere über die Frage, ob das Technikum zur Hoch-»' ^chule, ausgestaltet werden,, soll, ist in den beteiligten' Kreisen ein Sttreit ausgebfdeheri. "Zilm Zwecke der Schlich-' tüng veranstaltet das Organ der Vereinigung palästinensischer Architekten und Ingenieure „Constrwction and Indus try" eine Enquete, zu welcher folgende Herren und Körperschaften geladen wurden: Der Lehrkörper des Technikums, Artur Block (London), der frühere Direktor; des Technikums: Wilhelm H e c k e r (Haifa), Universitätsprofessor Dr. Ornstein (Utrecht), Ingenieur Senator Köerner (Warschau), Ing. Prof. P a s t e r n a k (Zürich)i :Hofrat Ingenieur Leopold Hertzka (Wien), American; Technical Society for Palastine (New York). Ein Araber In Machne Jlsroet ermordet. In der Agudahkolonie M a c h n e J i s r o e 1 wurde ein arabischer Wächter, ermordet aufgefunden. Der Mörder ist noch nicht ermittelt. , ., . Schwerer Zusammenstoß zwischen Arabern und Polizisten. In dein Dorf K ui ö n i e h an der Chaussee zwischen Jerusalem und Jaffa kam es infolge FeldgrenzstrelUgkeiten zu Schlägereien zwischen Arabern des Dorfes. Polizisten, die die offiziellen Landvermesser begleiteten, wurden ernstlich verwundet. Ein großer Trupp berittene Polizei mußte aus dem vier Meilen entfernten Jerusalem herangeholt : werden, um die Ruhe herzustellen. Eine Anzahl Araber wurde verhaftet. Ein Telegraplienkabe! zwischen London und Haifa. Laut dem „Falestin'' hat die englische Regierung beschlossen, ein direktes Telegraphenkabel zwischen, London und Haifa über Cypem zu : legen. Zwischen Haifa und Athlit soll zu diesem Zweck ein besonderer Bau errichtet werden. Ein Vergniigungsflug nach Palästina. . Im Monat Jähner wird ein Flugzeug der britischen Reichsfluglinie mit einer Anzahl Touristen von Kairo nach Palästina fliegen. Es wird dies der erste Vergnügungsflug nach Palästina sein. Es werden folgende Orte besucht werden: Die Mosesquelle, Jerusalem, Oelberg, Bethlehem, Jericho, der Jordan. Eine Fahrt wird inklusive Hptelkosten 75 Pfund kosten. Unsere gute Mutter und Qattin, Frau Deborah Lea Ewinger geb. Lipsker hat uns nach kurzern' schweren Leiden am Samstag den 3;> Doiember 1927 um 10 Utu nachts für immer verlassen. . Wer sie t-ftnutc, weiß, was wir verloren haben. Sie tieftraufirnden Hiolerbliebenen. Der Arierparagraph im Oesterreichischen Skiverband. Der antisemitische Betrug autgedeckt. „Die Neue Welte' hat vor kurzem darüber berichtet, wie sich die österreichischen Hakenkreuzler die Teilnahme an den internationalen Skiveranstaltungeu und all der Olympiade, von der sie eben als Antisemiten durch eine Entscheidung des Internationalen Wdtverbandes ausgeschlossen sind, erschwindeln wollen. Dies geschah in der Weise, daß der „liberale" österreichische „Skiverein", der als solcher zugelassen ist, nach der Zulassung rasch den „Arier Paragraphen" in sein Statut aufgenommen hat. Wir haben damals die Frage aufgeworfen, ob der Internationale Skiverhand diesen Schwindel, diese hinterlistige Umgehung seiner Satzungen dulden wird. Unsere Frage hat ein Echo gefunden und eine heilsame Wirkung ausgelöst. In der Berliner Zeitschrift des Relchsbundes jüdischer Frontsoldaten „Der Schild" äußert sich der reiohsdeutsche Delegierte des Internationalen Skivehbandes Dr. F r e y, Frankfurt, mit Beziehung auf die von uns dargestellten Vorgänge wie folgt: „Der Internationale Verband wird darauf bestehen, daß nur ein Verband ein Land vertreten kann, der keine Vereine enthält, die derartige Paragraphen in ihren Satzungen führen. Wenn aflso der Oesterreichische Skiverein die Meldung in die Welt posaunte, daß er nur deshalb den Arierparagraphen eingeführt habe, um die Teilnahme Oesterreichs zu ermöglichen, so ist das ein«'ungeheuerliche Irreführung der Oeff entlieh kei t. Gerade durch diesen Beschluß schaltet sich auch der sogenannte „liberale" Verband aus und im Augenibtlick kann daher überhaupt kein österreichischer Läufer als stattberechtigt bei der Winter- Olympiade in Sankt Moritz gelte«/' L/CnCCtTl ^ä^&TÄkäwJk5&?4 öia tö£CÜ£n Q^funö f im^mm^^^m ^^mmmmt* Dunkle Umtriebe in der Slowakei* Hetzplakate. — Eine merkwürdige Bezirksbehörde. Aus Nove Mesto nad Vahom (Waag^Neustadtl) wird uns geschrieben: In unserem Ort wurden von einem anonymen „Nationalausschuß" Plakate affichiert und auch in verschiedenen Geschäftslokalen ausgehängt, welche gegen die jüdischen Einwohner Stimmung machen und sie wegen des Gebrauches der deutschen oder magyarischen Sprache denunzieren. Dieser „Nationalausschuß" erklärt, er werde eine Fortdauer dieser „Provokation" mit allen erlaubten Mitteln unmöglich machen. Es versteht sich von selbst, daß , ein solches Vorgehen allen Grundsätzen der demokratischen Moral widerspricht. Trotzdem ist keine Behörde gegen die Verbreitungen dieser terroristischen Drohungen eingeschritten. 1 Ein hiesiger Cafetier W. erstrebt die Konzession zur Errichtung eines neuen Kaffeehauses. Seine Konkurrent erstattete gegen ihn die Anzeige, nach welcher, er im, Herbst 1918, unmitteibar vor dem Umsturz, an der Organisierung der Bürgerwehr teilgenommen und die Schießerei am hiesigen Hauptplatz kommandiert hat. Abgesehen ^davon, daß die Strafbarkeit der inkriminierten Tat längst verjährt ist, wurde eine langwierige Untersuchung eingeleitet, die mehrere Wochen dauerte, so daß er die Konzession erst jetzt, nach mehreren Monaten erhielt. Bei der Erledigung wurde in der Rubrik Verläßlichkeit — vermerkt: „So verläßlich wie alle Juden in Nove Mesto." Noch interessanter ist es, daß während der Untersuchung die jüdischen Entlastungszeugen überhau p t n i c h t akzeptiert wurden, und Slowaken anderer. Konfession, die die volle Unschuld W.'s bekräftigen, als unglaubwürdig hingestellt wurden. Es wurde Herrn W. direkt vorgeschrieben, welche patentierten Vaterlandsretter seine Unschuld m beweisen haben. Es ist tief bedauerlich, daß im zehnten Jahre unserer demokratischen Republik ein derartiges Vorgehen der Bezirksbehörde mög» lieh ist, was um so trauriger ist, als dadurch die Terroristen selbstverständlich ermuntert und zu neuen Gewalttaten veranlaßt werden. Im Teppichhaus Sommerfreund VUl Josefstääterstraße 36 / Telephon A M*l~87 kaufen Sie Perserteppiche infolge äußerst günstigem Einkauf zu besonders billigen Preisen, Zahlungserleichterungen werden gewährt l

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