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Die neue Welt · 1927-12-30 · Heft 15 (30.12.1927) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 15 (30.12.1927)
Date
1927-12-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. I« mit Beschleunigung durchzuführen, es sind aber keine sehr beträchtlichen Arbeiten zu vergeben. *, . Kolonel Symes fuhr fort: Das Experiment der Ablösung des Zehent durch eine moderne Steuer, das gegenwärtig in 63 Dörfern geübt wird, wird demnächst erweitert werden. Die neue Unterrichtsordnung, die versucht, den Bedurfnissen der verschiedenen Gemeinschaften gerecht zu werden, wird in kurzem mit den gewünschten Verbesserungen in Kraft treten. Im Jänner 1929 wird das von John D. Rockefeiler gestiftete archäologische Museum des Landes Palästina seine Tätigkeit beginnen. Die Gesundheitsverhältnisse. i- Einem Rechenschaftsbericht des Departements für Gesundheitswesen der Palästinaregierung entnehmen wir die folgenden Daten: In den Jahren 1924, 1925 und 1926 betrug der natürliche Bevölkerungszuwachs bei de» Christen irn Jahre 1924 23,6 Promille, 1925 18,4 Promille und 1926 22,1 Promille, bei den Mohammedanern 1924 25,6 Promille, 1925 23,5 Promille und 1926 31,6 Promille, und bei den J ud e n 1924 25,7 Promille, 1925 18,1 Promille und 1926 23,9 Promille. Diese Zahlen zeigen, daß der natürliche Zuwachs der Juden, der 1924 ebenso groß war wie der •der Araber, 1926 auf 23,9 Promille zurückgegangen ist, während es. bei den Arabern auf 31,6 Promille stieg. Geburten wurden auf je 1000 Einwohner im Jahre lp26 gezählt: bei den Christen 40 und Sterbefälle 17,9, während auf 1000 neugeborene Kinder 158 starben, bei den Mohammedanern Geburten 60,2, Sterbefälle 28,6, während von 1000 neugeborenen Kindern 172,5 starben, und bei Juden Geburten 36, Sterbefällc 12,1, während auf 1000 neugeborene Kinder 108,1 starben. Der Rechenschaftsbericht Weist darauf hin, daß trotz des Rückganges der Geburtenzahl bei den Juden ihr natürlicher Zuwachs dank der Verminderung der Sterblichkeit dem der anderen Bewohner Palästinas ungefähr gleicht. Bei den Juden steht es eben viel besser um die Gesundheitspflege als bei den anderen Bewohnern Palästinas. 1926 gab es in Palästina 10.407 Fälle von ansteckenden Krankheiten mit 1164 Todesfällen gegenüber 11.705 mit lj578 Todesfällen inl Jahre 1925. Dy sen t e r i ef ä 11 e wurden 1731 ^verzeichnet mit 37 Todesfällen. Diese Krankheit war besonders verbreitet in Tel-Awiw, Tiberias und den iijd'isohen Siedlungen im Jaffakreis. 91 Prozent der Fälle betrafen Juden. (Bei den Arabern dürften wohl die meisten Dysenteriefälle kaum zur Kenntnis der Behörden gelangt s^in, wodurch sich diese für die Juden so ungünstigen Zah- Ifjn wohl erklären lassen.) Fälle von Ba u c h t y p h u s zählte man 1926 1402 (110 Todesfälle). Der Bericht weist besonders auf die vons der Zionistischen Exekutive, der Har d^sah und der Krankenkasse gewährte Hilfe beim Kampf gj^jen; diese .Krankheiten hin. An F l e c k t y p h u s erk'r^nten 86 Personen (1 Todesfall). Der Charakter dieser Krankheit ist in Palästina ein besonders leichter, so daß während 5 Jahren bei insgesamt 241 Fällen mir 4 Todesfälle zu verzeichnen waren. An Keuchhusten waren 644: Fälle ' (12: Todesfälle) gegen 902 (32 Todesfälle) im . Jahre. 1925 zu verzeichnen. An Schwindsucht wurden 1$6 543 Fälle' registriert mit 236 Todesfällen gegen 570 mit 216 Todesfällen, im Jahre 1925. Die Zahlen über die Verbjeitonk ^e^riJtralikneit sind ungenau, denn bei der Annahme, daß ^auf je 10 Krankheitsfälle 1 Todesfall vorzukommen Pflegt, hätte die Zahl der Erkrankungen gegen 2360 •.befragen -'-'mifcsen.' (Die ' Zahl der Todesfälle an 'Tuber-' kuipse! hat ^überall' zugenommen. Die Sterblichkeit an Tu$)erjcjilose ^rugj 1920 in England 1:12, in Amerika: 9 Prozent und in Deutschland 12 Prozent der gesamten Zahl der; Toäös1äl.le, während in Palästina die Zahl der Töten . iniöjge ypa Tuberkulöse nur 3 Prozent der gesamten , Sterblichkeit ausmacht.) An Tollwut gab es •192J5" Leihen', .einzigen FaÜI zu verzeichnen gegen 13 Fälle im Jajire 1,923, 1924 und 3 1925. Infolge von Hundebissen wurden' 965Personen medizinisch behandelt. 16.532 Tiere wurden'.'.aus Vorbeugungsgründen gegen diese Krankheit getötet.' ^^i'wqtige Tiere wurden 61 festgestellt. 'Der, Bericht enthält weiter genaue Zahlen über den Kampf gegen,'. das M a 1 a r i a f i e b e r, die darlegen, daß das Gesundheitsdepartement der Regierung seinen Kampi gegen diesfe .Krankheit mit allen Mitteln, durchführt. Ein- und Auswanderung im Oktober. ,lin. Oktober 1^27 kamen ^10 Einwanderer nach Palä-r stirja, darunter; 189 Juden, 112 Christen und 9 Mohammedaner.'Die .Zahl der Auswanderer betrug 653, darunter 386 Juden. . Flugdienst Deutschland—Palästina. \'" 'taut 'dem %,D"oär Hajom" soll die deutsche Junckers- Getjej&chaft'^ de'r: PäläsMnaregierung vorgeschlagen haben, Im Teppichhaus Sommerfreund Vlll Jose/etädterstraJJe 35 / Teleplwn A kaufen Sie Perserteppiche infolge äußerst günstigem Einkauf zu besonders billigen Preisen. Zahtungserieichterangen werden gewährt! Ii Lilli Teichthal Max Krämer Verlobte Wien, im Dezember 1927 1 leb möchte mit hiesigen Personen g Ü die in PalStiina Boden beiUten oder dort Boden 1 | anzukaufen gedenken, behufs Gründung einer'nüte- §§ =§ ichen und einträglichen Farm 1 in Verbindung treten! | Zusrh iften unter „P. W." an die Adm. d. ßl. Ifilllllllllllllllllllllllllllllll llllllllllllflllllllltllilflllllllllllfllllllN Palästina in den Luftverkehr zwischen Deutschland und den anderen Orientländern einzubeziehen. Das Budget der Palästina-Regierung int Jahre 1927. Das Budget der Palästinaregierung von April bis Dezember 1927 sieht Ausgaben in der Höhe von pal. Pfund 1,923.933 vor. Darunter für außerordentliche öffentliche Arbeiten pal. Pfund 200.645, die transjordanische Grenzschutztruppe pal. Pfund 132.703, für Polizei und Gefängnisse pal. Pfund 274.086,und für Unterricht pal. Pfund 106.502. Diese Zahlen betreffen nur eine Zeitdauer von neun Monaten, da das Finanzjahr der Palästinaregierung, das bisher von April bis April ging, von 1928 ab mit 1. Jänner beginnen soll. In den zwölf Monaten von April 1926 bis April 1927 betrug das Ausgabenbudget der Palästinaregierung ägypt. Pfund 2,525.034. Die Siemens-Schuckert-Gesellschaft in Palästina. Der „Haaretz" beriätet, die Siemens-Schuckert-Gesellschaft beabsichtige, 'ihr Tätigkeitsgebiet in Palästina noch auszudehnen, zu welchem Zwe . vor kurzem einer der Leiter der Gesellschaft, Schmidt, in Palästina gc- ■. weilt hat. Der neue Lauf des Kischon-Flusses. Der erste Teil der Entwässerungsarbeiten im Gebiet des K i s c h o n f 1 u s s e s, die vom Jüdischen Nationalfonds zwecks Beseitigung der Malariagefahr durchgeführt werden, sind bereits vollendet. Das Bett des Kischonflusses ist in einer Länge von 15 Meilen abgeleitet worden. Das Wasserniveau ist jetzt wesentlich tiefer; Hunderte von Arbeitern sind bei dem »Werk beschäftigt. Sämtliche Schulen wieder eröffnet Seitens der Zionistischen Exekutive wird mitgeteilt, daß am 27. November die hebräischen Schulen in ganz Palästina, die unter Leitung der Exekutive stehen, geöffnet worden sind. Die Verhandlungen mit den einzelnen , Gemeinden über die Sicherstellung ihres Anteiles an der Erhaltung der Schulen erbrachten das Resultat, daß sämtliche Schulen wieder in Tätigkeit treten können, ohne daß die Exekutive genötigt ist, die vom XV. Kongreß für . Erziehungszwecke bewilligte Summe von 53.000 Pfund Sterling zu überschreiten. Dank des Beitrages Baron Ethnond de Rothschilds von 5000 Pfund Sterling für die diesjährige Erziehungsarbeit ergab sich keine Notwendigkeit zu starken Reduktionen des Schulwerkes. Von den 140 Lehrern, die entlassen worden waren, wird aller Wahrscheinlichkeit nach über die Hälfte wieder engagiert werden. Auch' in teJ-Awiw: wurden die Schulen nunmehr eröffnet, nachdem eine Einigung wegen der Beitragsleistung der Stadt-: genieinde erzielt worden ist. Präisraelitische Funde. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Die von der Pennsylvania-Universität unter Leitung des Archäologen Alan;Row in der Umgebung von Beth-Schan durchgeführten Grabungen fördern immer mehr historisch äußerst interessante und wertvolle Funde zutage. Vor kurzem erst wurde ein Altar aus Ziegeln und sehr viel Schmuck und Zierat aus Gold und Edelsteinen aufgedeckt Besonderes Interesse erwecken die gefundenen hejdnisQ^tti Embleme und Kunstgegenstände jener Völkerschaften, denen Palästina in der präisraelitischen Zeit bewohnt war. Eine ganze Anzahl von Astartestatuen und anderen Hausgöttern der heidnischen Völker jener Zeit wurde ausgegraben und dem Universitätsmuseum der Pennsylvania- Universität in Philadelphia übtersandt. Jubiläum des Verbandes der Lemberger hi '|Vy/ New York. " '' "r?; Aus New York wird uns geschrieben: Des' Land* mannschaftsverband der Lemberger in New Yojrk begjnf dieser Tage ein großes Fest aus Anlaß der dreißigste* Jahresversammlung des Verbandes. Ursprünglich, als „LenV; berger Krawkenunterstützungsyerein" vor 30 Jahren voj» einer, Anzahl der ersten jüdischen Emigranten aus Lemberg!' gegrü/ridet, entwickelte sich dieser Verein allmählich zur» Mittelpunkt der Lemberger Landsleute in New York, deren Zahl ini Laufe der Jahre zweifellos infolge der zunehmende« Aus Wanderungsbewegung aus Galizien be<teij;'teiid'';;:-'j|«*;- gewachsen ist. Präsident des Verbandes ist Herr N, Hu ge l» der bei der Eröffnung der Feier daran erinnerte, daß dhp. Lemberger in New York außer anderen Wohttfbrt|iuwj Kratikenunterstützungscinrichtungen auch eine eigene Sy* nagoge und Talmud-Thora besitzen, Herr Präsident. Hu#«4 ged%h$j& In seinem historischen Rückblick auch-^tjtfMt rigen Vorgänge anläßlich des Lemberger Pogroms^a^h #eji. Zusan^meubru^h und der jüdischen Opfer #er<. r\Wfi; Sßhreitungen. 'An dein Bankett im Konzerthaus, womit Ä Feier v-Äiren Abschluß fand, haben 600, Person«»' ' tcjk> swonim$c.: . ■ < - J V - . -.v; Die Stimme des Rabbi im Radio. In Amerika wird seit einiger Zeit von Reform«' rabbinef n der Versuch gemacht, an Freitagabenden i« Wege des Radio eine Art Exhorte auszusenden, um auf diese Weise auf die jüdischen Familien in religiösem Sinne einzuwirken. Ein amerikanisches Blatt bringt über die Wirkungslosigkeit eines solchen Eteginnens die folgende Satire: Ein junger Rabbi, kaum erst aus dem Seminar gekommen, sitzt vor dem Mikrophon mit schwellender Brust und dem Hochgefühl, daß er nunmehr Taüsende von Juden durch, seine Exhorte dem Judentum, dem sie allmähHch entfremdet werden, zurückbringen werde. „Meine andächtigen Freunde," beginnt er seine Predigt, „ich bin in diesem Augenblick von dem GefflM' beseelt, zu dem Judentum der ganzen Welt zu sprechen In einem vornehmen Hause in New York sitzt die Familie im Salon und horcht auf den Lautsprecher. „Mein Gott,'* ruft plötrfioh die junge Dame des Hauses, „was für ein Jude spricht denn da? ,...** _ „Mein Kind, ein Rabbi spricht", sagt der jüdische Vater in ehrfurchtsvollem Ton. „Ich möchte ihn 'gerne hören. Er wird wahrscWeinlich etwas sehr Interessantes sagen." „Aber, Papa," sagt der Herr Sohn, „sei doch nicht so rückschrittlich! Dreh' doch den Knopf weiter, wir sind gerade in der Stimmung, gute forsche Musik zu hören ,. „Jawohl, Papa," stimmt das Hausfräulein zu, „heute spielt eine neue Jazzkapelle im Radio, wir möchten so gierne einen Tango hören und tanzen . . „Aber, ich bitte euch doch schön: ein Rabbi spricht doch!" versucht der schwache Papa mit letzter Anstrengung, dem Rabbi Eingang in die Ohren und Herzen seiner Familie zu verschaffen, aber schon dreht die Hand den Kondensator um eiraen R-uck weiter und die Stimme des Rabbi erstickt im überlauten Saxophon der Jazzkapelle * „Was hat das Judentum Jahrtausende hindurch inmitten tausendfacher Verfolgung und Qualen bis an den heutigen Tag erhalten?" fragte die jugendliche' Pastoralstimme durch das Radio. In einer herrlichen modernen Villa sitzt Herr Teitelbaum mit seiner Gattin. Sie besitzen ungeheuer viel Geld. In Herrn Teitelbaum ist das jüdische Gefühl noch nicht ganz ausgestorben. Aber die Gnädige rümpft die Nase und bemerkt ärgerlich: „Schon wieder eW jüdische Sache!** „Ich möchte es gerne hören," wagt Mr. Teitelbaum die schüchterne Bemerkung, „das kann ja wirklich nicht schaden." „Aber, bedenke doch, Mann/' wirft Mrs. Teitejfcaum gelangweilt ein, „anstatt dessen ist gterade Jetzt, die Whit- ' mahn-Jazz zu höreri, die Menschen reißen sich' dairurii" Und - zahlen 10 Dollar Eintrittsgebühr, da werde^ioh doch das nicht gegen eine Predigt des' RabW^in^us^h'^'i-'' Teitelbaum muß schließlich nachgeben. Also auch hier, will, man von der jüdischen Predigt nichts hören. Laßt alsQ-die Tanzmusik spielen! v i *; ■>■ . v .■: :>:. In einem kleinen Marktflecken in Taxas. Der*jüdische Greisler wartet mit seiner ganzen Familie ungeduldig auf die Ausslendungen des Radio. ' „Sofort, Kinder,": beruhigt derGreisler' seine' Familie aufgeregt, „nur noch eine Minute Geduld'; >. . hört ihr, es beginnt schon! . , ." , Und im Radio ertönt die Stimme des Rabbi: „Geben wir acht, auf daß der Wohlstand und det Luxus unsere Aufmerksamkeit, nicht vo?i Gott ablertken, der uns aus Leid, und Elend aus Aegyptelv dem' Lande der Sklaverei, herausgeführt hat . . ' t , V 1 .J 'k „Hört ihr's, Kinder!" spricht der Vater: ,;p'ut spricht er und recht hat er." . —: " Dummheiten!" wirft die Tpchter .^eär^ert entgegen. „Wir wissen schon alles ganz-gut, wir brauchen keine neuen Belehrungen."!, T „Aber er spricht doch von der jüdischen ^Religion, von unserer Religion," meint der Vater erns't uwHmligniert. „Aber ja, meinetwegen soll er em andermal sprechen, dner Zeit, wo sonst nirgends was Eustiges zu hören Ist," erwidert die Tochter gaäiig. '■ ..... Eine Drehung des Kondensators urfd d,lfi Stimme des RaM)i verstummt, ' fV A « ■<„.;.v-4 '. Aber dennoch — m einem Hause wurde e* angehört. Mit viel Liebe und Andacht. Endlich l put^ ehrKche, treue juden. .„;. „Wie schön er spricht!'* »>, > < „Wie War und kräftig seine Stimme j^ntr* „Dieses Radio ist doch eine ausge^iclirtete Erfindung, Wie wenn er hier im Zimmer sprechen würde!'*. SIEGM. KORNMEHL QROSSnflSCHHAUfA^ Zeotfle IX., Berggaise 19, Telephon >7^9? l)S-9 3< Lieferant für Heilanstalten jssssssss^ unter AuJsicht de* Ehrwürdigen Kabbinats der J«r Kultusgemeinde Wien ' . IX. <Mrjg.1l ✓ XVtll» iMffifliifir^tr, •?

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