Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 15 (30.12.1927)
- Date
- 1927-12-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 15 m mm mir S^tcT Iioneir Lei für die Wiederherstellung der zerstörten Synagogen bewilligt. Sollte der Betrag nicht ausreichen, so werde er sich bemühen, weitere Zuschüsse durchzusetzen. Der Minister richtete an die jüdischen Vertreter das Ersuchen, von einem öffentlichen Begräbnis der zerrissenen, beschmutzen und verbrannten Thorarollen abzusehen, da eine solche Manifestation von der Bevölkerung als ein feindlicher Akt aufgefaßt werden müßte. Oberrabbiner Dr. Glasner erwiderte, das Begräbnis müsse nach jüdischem Ritual vorgenommen werden, dieses Ritual schreibe aber vor, daß eine geschändete Thorarolle wie ein verstorbener Mensch bestattet werde. Oberrabbiner Dr. Groß erklärte dem Minister, die Juden Transsylvaniens haben die Absicht, sich mit einer Kundgebung an den R e g e n t s c h a f t s r a t zu wenden. Minister Lapcdatu bat daraufhin, die Kundgebung an den Regentschaftsrat zu unterlassen und zur Regierung Vertrauen zu haben. Die Juden mögen nichts unternehmen, was die Gemüter wieder in Erregung bringen könnte. Der Verband rumänischer Handelskammern für ein Moratorium. ■ Der Verband der Handelskammern Rumäniens, der im Hause der Bukarester Handelskammer eine Tagung abhielt, nafim eine Protestresolution gegen die Greuel der Studentenschaft an und forderte, daß denKauflcuten, deren Geschäfte zerstört worden sind, ein Moratorium für die Dauer von sechs Monate gewährte werde. : Ein Beschluß des amerikanisch-jüdischen Kongresses. " \ Der Amerikanisch-jüdische Kongreß beriet über Maßnahmen im Zusammenhang mit den. antijüdischen Ausschreitungen in Rumänien und faßte den Beschluß, e i n e Abordnung n a c, Ii Was h i ngto n z.at c.n t s e n d e n, die den Staatssekretär der Vereinigten Staaten, Kellog, ersuchen solle, bei der rumänischen Regierung gegen die andauernden antijüdischen Unruhen formell zu protestieren. In der Resolution wird festgestellt, daß seit 1923 in Rumänien eine lange Kette von Angriffen, auf die jüdische Bevölkerung zu verzeichnen ist. Es wurde ferner beschlossen, angesichts der Scbutzlosigkeit der Juden in Rumänien gewisse Schritte zu unternehmen und, wenn dies notwendig werden sollte, eine Massenprotestaktion einzuleiten.. , Eine Resolution im amerikanischen Kongreß. ■In der letzten Sitzung des Kongresses der Vereinigten Staaten hat der Senator L a Gtiardia eine Resolution vorgeschlagen, in der der Staatssekretär Kellog vom Kongreß aufgefordert wird, bei der rumänischen Regierung energisch gegen die grausamen Verfolgungen, der die friedliche jüdische Bevölkerung in Rumänien ausgesetzt ist, z u protestieren. In der Resolution wird die rumänische Regierung auch ermahnt, die G1 e i c h b e r e c h t igung der Juden zur respektieren. Ueb'er die Resolution ist noch nicht abgestimmt worden. Französische Studenten brechen die Beziehungen zu den rumänischen Studenten ab. Die Bukarester Zeitung „Dreptatca" veröffentlicht eine Zuschrift rumänischer Studierender der' Universität R o u e n in Frankreich, in. welcher mitgeteilt wird* daß die französischen Studenten beschlossen haben, im Hinblick auf die Vorgänge in Siebenbürgen jede amtliche oder persönliche Beziehung zu den rumänischen Studenten abzubrechen. Diesem Beschluß trafen auch die in Ronen studierenden Polen, Litauer und Japaner bei, so daß die Studenten vollkommen isoliert seien. Zu beziehen' in Apotheken, Drogerien etc. Hauptdepot: Sigl-Gummf, Tel. 95-2-1 Lubarsch wird diszipliniert. Nach dem Tode Iwan K u t i s k e r s, der während seines Prozesses in Berlin im Untersuchungsgefängnis gestorben war, hatte der Berliner Anatom Professor LubarscÜ, ein getaufter Jude, die Obduktion der Leiche vor seinen Studenten mit den Worten eingeleitet: „Das ist die Leiche des . Ostjuden Kuttisker, der an Syphilis gestorben ist." Dies erregte öffentliches Äergernis und die Regierung mußte Erhebungen, einleiten. Der preußische Kultwsminiister B e c k e r teilt nun mit, daß Lubarsch tatsächlich die gebotene - Schweigepflicht verletzt und Mangel an Takt bewiesen 'habe. Es sei das Erforderliche, veran-, laßt worden. Für jeden Gewerblichen Betrieb! Patentierte elektrisch - automatische Kühlschränke und Anlagen garantieren für billigte, beste und gesündeste Aufbewahrung alierArtenvonLebensmitteln Die Losong des Wirtschaftsidaire "» ANLAGE 60% und mehr Betriebskosten- Ersparnis! Oer Betrieb erfordert nur eine elektrische Steckdose Vorteile der FRIGIDAIRE-Kühlung Frigidaire kühlt ohne Eis, arbeitet vollkommen automatisch und spart alle Bedienungskosten. Frigidaire erhielt eine* stets gleichbleibende trockene Kälte und vermeidet jede unwillkommene Feuchtigkeitsbildung. Fleisch und Würste sind daher, ohne schlitzig zu werden, dauernd konserviert. Milch und Butter ziehen durch andere Lebensmittel nicht än. Gemüse und Obst bleiben knusprig und Irisch. 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Die Polizei zerstreute die jüdischen Streikposten und nahm Verhaftungen vor. Mehrere jüdische Ar-; beiter wurden bei dem Zusammenstoß verletzt. Laut einer Meldung der ITA wurden 14 Arbeiter, darunter 3 Mädchen, verletzt. Da sich der streikenden jüdischen Arbeiter und der Arbeitslosen eine starke Erregung bemächtigte und sie das Rathaus von Petach Tikwahbesetzten, erschien der Gouverneur des Süddistrikts, Major Campbell, mit einem Trupp Gendarmen in der Kolonie, ließ das Rathaus räumen, setzte den Kolonierat ab und ernannte einen Kommissär zur Führung der Angelegenheiten der Kolonie. 17 jüdische Arbeiter wurden in Haft behalten. Die Organisation der. jüdischen Arbeiterschaft Palästinas (Histadruth) protestierte, in einem Telegramm an die Labour Party gegen das rücksichtslose Vorgehen der Polizeibehörden, Der Kolonierat von Petach TikVva^h uiiter'hand'eit jetzt' ruit deiti Besitzern der Orangenplantagen und hofft, daß es möglich sein wird, alle 600 jüdischen Arbeitslosen in den Plantagenzu beschäftigen. Bei diesen Differenzen handelt es sich ausschließlich um .innerjüdische Fragen und keineswegsirgendwelche Zwistigkeiten mit den Arabern, v Der Waad Leutni (Nationalrat der Juden Palästinas) beschäftigte .sich in seinerletzten Sitzung mit den-Vorgängen in" Petach Tikwah und nahm einen Beschluß an, in welchem gegen die von der Polizei in Petach Tikwah unternommene; Aktion gegen die arbeitslosen jüdischen Arbeiter -scharf protestiert wird. In der Resolution wird-diesofortige Freilassung der verhafteten jüdischen. Arbeitslosen gefordert. * - " Der Jerusalemer Korrespondent des „Berliner Tageblatt" drahtete seinem Blatte: Die Lage in der Orangenkolonie Petach Tikwah ist fortdauernd1 unruhtg und' ungeklärt. Die Polizeitruppen verschanzen sich im Gemeindehaus und in der Bibliothek hinter Barrikaden, Sandsücken- und 'Stacheldralil. Die Gewalt ist in. den Händen des Militärs. Der Vizegouverneur hebt ' die Kolonistensöhne aus, wodurch bei den jüdischen Arbeitslosen der Eindrück entsieht, daß er mit den Großgrund- < besitzern gegen die Arbeitslosen ist. Im ganzen Land werden erregte Arbeiterversammlungen abgehalten. Die (Bevölkerung, auch die Bauern,} sympathisieren mit den Arbeitslosen und senden ihnen Geldspenden.; ♦ - Die englische Regierung ohne jede Information. Im englischen Unterhaus richtete am 21. Dezember der Arbeiterparteiler Snel'i an den Unterstaatssekretär für die' Kolonien die Frage, was ihm über die Vorgänge in Petach-Tikwah bekannt sei. In Petach-Tikwah, führte der Interpellant aus, herrscht eine große Arbeitslosigkeit. Trotzdem wurden 100 unorganisierte arabische Arbeiter zur Hereinbringung der O-r a n g e n e r n t e herangezogen. Darauf haben sich die jüdischen Arbeitslosen von Petach-Ti'kwah friedlich in der Nähe'deryOrangenplantagen versammelt, und an die Plant'agenbesitzer die Bitte gerichtet, ,sie zur Arbeit einzustellen. Au} Befehl des anwesenden Gouverneurs von Jaffa aber wurden die Arbeitslosen brutal auseinandergetrieben, wobei durch die Polizisten 5 Frauen und 9 Männer' verletzt wurden. Der Sekretär der lokalen Gewerkschaft und 16 Arbeiter wurden verhaftet. Will die Regierung nicht weitere Nachforschungen über diese Vorkommnisse anstellen? Kolonel Wodgwood (Arbeiterpartei), fragte ebenfalls den Unterstaatssekretär, ob er Berichte über die Vorgänge in Petach-Tikwah habe, wie es kam, daß die Polizei die Streikenden angriff und 5 Frauen und 9 Männer schwer verletzte. W a r e n di e. P o 1 i z i s t e n Araber? Ist eine nähere Untersuchung der ganzen Angelegenheit eingeleitet worden? . Der Unterstaatssekretär für die Kolonien Ormsby- Gore erwiderte: Ich besitze keine Informationen über die Vorgänge in Petach-Tikwah; mir ist nur bekannt, was die Presse darüber berichtet hat. Ich werde mich an den Oberkommissär um einen telegraphischen ßeripht wenden und hierauf ialle über diese Angelegenheit an mich gerichteten Fragen beantworten. Das Arbeitsprogramm der Regierung. Der. Chefsekretär der Palästinaregjerimg, Kolonel $'y m e s, empfing .die Vertreter der Presse 'und gab in einer Ansprache einen Ueberblick über die in diesem Augenblick in Palästina aktuellen Probleme. Zu Beginn des Jahres 1928, sagte Kolonel Symes, wird mit dem Bau des H afens von Haifa begonnen werden. Die Regierung sehe in der herrschenden Arbeitslosigkeit ein schweres Problem, das gelöst werden muß'; sie wende dieser Frage besonders in den "Wintermonaten ihr Hauptaugenmerk zu. Die Regierung gehe daran, öffentliche Arbeiten