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Die neue Welt · 1927-12-30 · Heft 15 (30.12.1927) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 15 (30.12.1927)
Date
1927-12-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 m mm weet Nr. 15 Kandidatur. Und einer von ihnen hat ganz treffend gesagt! „Ihr braucht im Parlament Menschen, die für euer gleiches Recht kämpfen sollen. Thann sendet doch nicht einen hin, der selbst ein lebendiger Beweis dafür ist, daß man auch ohne -gleiches Recht sehr gut leben kann!" . Jetet gibt es .keine Wahlen, und von solchen KandN «Jaturen hört man nichts mehr. Und alle jungen Menschen, die niemand „etwas Böses tun", vertreten uns, nicht im Parlament, aber im Leben seihst. Um so größer ist die Wirkung dieser Massenvertretung, und wir, die wir im Keller sitzen, werden noch die Folgen davon spüren. Denn wir haben noch niemals mit solchem Leichtsinn der Welt so viele Beweise geliefert dafür, daß »wir uns bei gutem Wällen aaich ohne Gleichberechtigung abfinden können, wie Jetzt. In Deutschland zürn Beispiel weiß man schon lange, daß das Renegatentum eine vernichtende sittliche Wirkung hat und den Kampf des deutschen Judentums für seine politischen und bürgerlicheir Rechte, für sein wirkliches Dasein nemrnt. Diese Jugend will uns damit trösten, daß der „Austritt ans der ReKgion nicht den Austritt aus'dem nationalen Verband bedeute". Unsere Nation also wird von ihrer Zugehörigkeit geehrt werden! Ich bin wirklich geschmeichelt! Inn allgemeinen ist es citi ganz richtiges Prinzip, Nationalität und Religion zu trennen. In der Zeit unserer Freiheit haben wir von einer „Nationalversammlung" geträumt. Viele, sogar Zionistcn und Nationalisten, haben erklärt, daß /»Mitglied der jüdischen Natiönaiveräarnmlung jeder sein könne, der seine Zugehörigkeit zur jüdischen Nation erklärt habe, ohne Rücksicht auf den '-Glauben"'. Aber damals hatten wir ein ganz anderes Bild vor Augen als das, welches sich uns heute darstellt. Vor unserem geistigen Auge stand der große Festtag unserer Freiheit, an dem das jüdische Volk voll Freude seine Deserteure für ihre alten Verbrechen amnestiert hätte, und dann wäre Taufe nur noch aus Ueberzeugiung möglich gewesen. Das wäre etwas ganz anderes. Sich taufen lassen aus der inneren Ueberzeiigung, daß die neue Religion besser ist, gereicht einem Menschen nicht zur Schande.,. Wenn aber diese Jugend leichtfertig, nur wegen ihres Vorteiles, die Verantwortung für die Gesamtheit wegwirft, durch: welche allein ein Volk sich erhalten kann, und uns liebenswürdig vorschlägt, auch weiter in den Listen unserer Nation stehen zu bleiben, dann ist es von ihrer Seite eine uberflüssige und unnötige Liebenswürdigkeit. Nein, meine Heben Jungen! Geht nur ganz!' Und'uns wird Herzls Wort .rals- Trost bleiben: „Wir verlieren die, an denen wir nichts -Verlieren!'' .-"'' ..;. . 'i . •. . , * „Der- Austritt aus der jüdischen Religion bedeutet -nicht den Au-stritt-aus.dem nationalen'Verbände." Wenn die ^jung-en-Men^^^;dann sind sie sehr im Ii;rtom.. Bis,;heutc war es. so,-daß .alle, die von unserer /Religion weggegangen, sind,, auch .'unsere Nation verlassen haben. Nooh-mehr. In Europa gibt .es eine Formel: „Großf.vater'Assimilant, Vater getauft, .Söhn Antisemit!" Das ist ganz* natürlich.- Beim Vater ist noch eine Erinnerung von Kindheit her in der Seele geblieben, die mit dem Schäbbes zusammenhängt oder , mit den Tränen seiner Mutter an dem Tage, wo er sieh taufen ließ. Aber sein Sohn hat nichts mehr als einen verhaltenen Zorn für alle Jttden, weil man ihn manchmal yfjudenbufo" nennt. An das Judentum ver- Riubinstein ist im Verwaltungsrat der Kommerz- und Diskonto-Bank. Seine erste Tat ist die Gründung einer Filiale in Paris, die in seinem Pariser Palais, das er zu •diesem Zweck der Bank verkauft, untergebracht wird. Und nun-folgt sein Hauptcoup. Rubinstein kauft die — beinahe wertlosen Aktien der belgisch-österreichischen Eisen- >bahngesellschaft auf. Der Titel ist pompös. Die Gesellschaft ist denn auch Besitzerin eines Bureaus — Eingeweihte (behaupten, daß im Bureau nicht einmal eine Schreibmaschine vorhanden ist — und ... des Wiener-Neustädter Kanals. Da veröffentlichten plötzlich eine ganze Anzahl von Zeitungen die sensationelle Meldung, daß. die belgisch-österreichische .Eisenbahngesellschaft durch Vermittlung Sr. Exzellenz des Herrn Generalkonsuls Rubinstein bedeutende Wasserfälle in Schweden erworben habe, die für gigantische Industrieanlagen ausgenützt werden sollen. Die Aktien steigen. Rubinstein gibt sie bei einer Wiener Bank in Depot. Eine andere Wiener Bank, den Schwindel des ganzen Manövers durchschauend, borgt sich Rubinsteins Aktienpakete aus und konterminiert sie. Doch sie hat die Rechnung ohne Mitka gemacht. Er hat Wind von der Sache be-, kommen, kündigt plötzlich sein Depot, die Bank muß die Aktien beschaffen; die sprunghaft in die Höhe gehen, die Kontermine erlebt ein ziemlich arges Debakel, das wohlweislich verschleiert wird, da verschiedene große Banken in die Sache verwickelt sind. Rubinsteihs' Uebersledlung nach Berlin stand unter keinem glücklichen Stern. * Zum erstenmal stieß er auf haften Widerstand. Seine' 'bestrickende Liebenswürdigkeit, seine faszinierende Persönlichkeit machte auf die kühlen Berliner keinen Eindruck. Seine Herrschaft in der Beneckendorf-Affäre, in die er so siegessicher eingezogen, war wur von kurzer Dauer. Der Feinde, der Angreifer wurden immer mehr. Rubinstein hielt sich wacker. Und seine Frau, die so glänzend Hof im Hotel ,,Kaiser>hof" hielt, Zählte die Spitzen der russischen Emigration und die großen internationalen „Faiseure" zu ihren täglichen Gästen. Da setzt eine wütende Kampagne gegen Rmbinstein ein. Sie wird von dem a«s dem Wiener Bing-Bank-Skandal berüchtigten Dr. Bauer und einem gewissen Dr. Gerstel geführt, findet «War mit deren Verurteilung wegen Erpressung einen ' vorläufIgen Abschluß, verleidet aber dem Generalkonsul den .weiteren Aulenthalt in 13eriinr o m o I., BEUARIASTBASSI NR* 12 Telephon 36*3*3» Sprechapparate Unser 8pezial-Kofter-Apptrat ..........S 75.- „Maj«strota" L ....... 8 130— „Majestrota" Luxus.....8 19«.- Ratenzahlungen werden bewilligt Neueste < Schlagerplatten in größter Auswahl gessen läßt man ihn nicht. Das Judentum lieben kann er nicht. Bleibt nur eines: Haeseri.' Und das ist in allen Ländern so. Dem jüdischen Volk ist nichts neu an dieser Frage. Es ist schon gewohnt, dem nachzusehen, der von uns weggeht, und daran zu denken, daß nach einer Generation vielleicht ein neuer Stein in unser Fenster geschleudert werden wird. Vielleicht werden seine Kinder unsere Kinder aus dieser oder jener Stadt verjagen. Viele Sophismen kann man jetzt hören, die das Bacchanale des Desertierens entschuldigen .sollen, aber sie alle sind ohne Halt und unwahr. Der gangbarste Sophismus ist der, man habe sich nicht wegen des Nutzens taufen lassen, sondern wegen der „Wissenschaft". Dummheit! Recht, Philosophie" und Geschichte kann man in einer Bibliothek leihen, sogar ohne Geld. Medizin und Technik kann man im Auslande studieren, schlimmstenfalls hungern, so wie tausende unserer Jungens und Mädels in Bern und Genf hungern und es" vorziehen, zu leiden, ehe sie sich taufen lassen. Man läßt sich wegen des Diploms* d. h; um des Vorteiles willen, taufen, um dann das schöne Löben eines Juristen, eines Ingenieurs, eines Arztes' führen zu können und nicht etwa gezwungen zu seiii — o Schreck —, ein Angestellter zu werden. Ich verstehe, es Jst sehr schwer, einen schon einmal begangenen Lebensweg zu verlassen, seine Träume zu liquidieren, aber wenn Menschen nicht empfinden, daß Desertieren noch viel schrecklicher, viel schmerzhafter ist, wenn von allen schweren Wegen gerade der, der einem gesunden Menschen der schwerste scheinen muß, für sie zum leichtesten wird: Von seinem Volk1 weggehen — wie kannst du das dann anders nennen als „unmoralisch"? Man läßt sich doch in unserer Zeit nicht hur der Universität wegen taufen...Es tut .'weh,., öffentlich davon.zu sprechen, aus .welch kleinlichen Gründen, es auf jedem,,. Schritt und Tritt geschieht. Warum soll man..auch nur die jklcinste Unannehinlichkeit ertragen, w.enn &s> einen-,so deichten Aus^ weg gibt, verstehen Sie, einen .so leichten! Die außerordentlich und beispiellose Leichtigkeit, mit der dies geschehen kann und die noch nie in der jüdischen Geschichte gehört wurde, das ist die Ha'up'tursachc der jetzigen Epidemie, die letzten Endes den Charakter einer vollkommenen Paralyse des sittlichen Zentrums trägt. Irgendwo im Keller' leibt ein Miliionenvolk, hungernd, seufzend, die Haare raufend. Hunderttausende nehmen jährlich den Wanderstab in die Hand, laufen über die Grenze, oft ohne Paß, werden erschossen, fahren über den. Ozean, alles, um für ein Stückchen Brot zu kämpfen. 4Jnd das alles ist für diese Menschen viel leichter, als ihr Volk zu verraten. Dümrne Menschen! Sie halben noch nicht verstanden, daß der Verrat das Leichteste ist ... Bei alldem findet diese. Jugend noch, daß, sie das •fremde Feld nicht beschmutz*, in dem sie Wurzeln schlägt. Das ist Geschmackssache. Darüber sprechen können nur Menschen von jenem Glauben,, zu welchem sie übergegangen sind.- Aber noch nie hat man gehört, daß. die Neophyten aus dem Judentum irgend einet christlichen Gemeinschaft zur Zierde gereichten. Dem Judentum ist es doch ganz gleich, wo und wie die Monschen. sich akklimatisieren, die von uns weggehen. Aber ob, man uns, die wir im Keller sitzen, eine Prämie für den Verrat gibt, das darf uns nicht gleichgültig lassen. Denn in solch einem lähmenden .Bewußtsein wächst unsere Jugend auf. Schließlich i'st. es nicht zii verwundern, daß in der Seele der Jugend sich so. eine Neigung zum Verrat entwickelt, sobald es das Leiben nur erfordert. Von Jugend an weiß sie, und man läßt es *!e keinen Augenblick laug vergessen, daß alles Verbotene.» Ich wünsche „Prost" den lieben Lesern allen, Die so-geduldig meine Verse lesen. Und halfen .-sie auqh;manqhnial nicht gefallen, Sie sagen doch: der Huber.Schn'aos ist wirklich gut gewesen. Erlaubtem werden kann, weijn ,du dich: Hur mit einer Löge in der Seele vor dem fremden Altar beugst. Dieses Bewußtsein zerstört den Charakter, schwächt die Widerstände, die noch dagegen vorhanden sind, beseitigt Jeden sittlichen Ekel. Und was kann unsere Jugend dieser Verlockung entgegenstellen? Aus-der heutigen jüdischen Bf* aiehung ist alles entfernt, was in der Seele positövo BJn* düngen mit dem Judentum herstellen könnte. Damm istes kein Wunder, wenn schließlich, nur eine Leere 'bleibt, seine nackte, inhaltslose Seele. ...... Man mag es als etwas Böses ansehen, aber ■ Ich glaube,^* wäre besser, wir Judenbliebten überhaupt eingeschlossen, ohne Ausweg, als diesen einzigen Ausweg haben, der den Menschen verdirbt Und ihn zwingt, mit dem Niedrigsten in der Welt zu bezahlen.' Eine ZteiUang'-Hat man ganz laut davon gesprochen, daß diese Menschen ohnehin nicht an den Universitäten aufgenommen würden, Um die Wahrheit zu sage»; Es hätte mich nicht gestört Noch weniger würde es mich verdrießen, wenn es ein Gesetz würde, das auf alle Gebiete des Lebens Anwendung fände. Denn das persönliche Schicksal einzelner dieser „Sachsengänger" interessiert mich nicht. Aber wäre es nicht gesünder für unser Volk, für unsere heranwachsende Jugend, wenn solche Gleichberechtigung, die auf diesem Wege erkauft wird,, aufhören würde, in das Dunkel unseres Lettens zü schimmern? (1910.) Hocheneggs „MuR Der Wiener Chirurg Professor Dr. Julius Höcheneg« gibt in der „Neuen Freien Presse" einige Erlebnisse zum besten, die er ^heitere Intermezzi" nennt. In dem ersten ist er von einem um das Gebiß der Gattin Besorgten um das Honorar geprellt worden.. Das zweite befaßt sicli mit der Gräfin, die die angeblich verschluckte Nadel im Schlafzimmer'verloren hatte. Das dritte lassen wir hier folgen: - ' ' ' Ein offener Muridlirid verschlossene Taschen. Nun aber noch eine Geschichte von einer w i r k- 1 i c h K r a a k e n. - Es war. am Weihnachtsabend, ich aber war. parat, um meine Jugend auf den Christbaum ■ loszulassen, da läutet es Und ich werde von einem Manne in Kafta'n angefleht, zu seiner Frau zu kommen, die furchtbare Schmerzen habe und den Mund immer offen halten müss^e. Obwohl mir diese „Berufung" sehr - ungelegen kam, ließ ich mich erweichen und fuhr mit dem Marine. Der Wagen hielt vor einem schmutzigen, sehr verwahrlosten Hause auf dem Salzgries; auf einer finsteren, ebenfalls sehr unappetitlichen Stiege kamen wir endlich in d*e aiis einem Zimmer und einem Kabinett bestehende Wohnung. - ■ " ■ '■•■ Im Zimmer, waren mindestens zehn .Männer, in Kaftan, also orthodoxe . polnische Juden. Im Kabinett, in einem sehr unappetitlichen Bette, saß mit offenem Mtindcj dann und wann Klagelaute ausstoßend, eine Frau, von der ich erfuhr-,' daß sie am Nachmittag bei Hofrat Nothnagel in der Ordination gewesen sei Er-habe ihr eine Medizin verschrieben, auf. die sie schon, nach dem ersten Löffel heftig erbrechen mußte. Seither ,k an n sie ihr „Mul" ni'cht mehr zumachen und hat heftige Schmerzen. Der'erste Blick lehrte mich, daß eine typische Verrenkung des Unterkiefers vorliege; die sofort von mir versuchte Reposition gelang spielend, der Mund War zu,- die Schmerzeh weg, meine Mission erfüllt. Nun verlangte ich.an Honorar 15 Gulden. Diese Summe rief nun unter den im Zimmer Anwesenden eine furchtbare Aufregung hervor; mit d e n h e M i g s t e n .Sch w üren würde mir versichert, daß äMe z-us am men nu r f ün.f. Gu 1 den b esitzen und daher , nicht, mehr zu. zahlen im, stände sind. Natürlich' gab, ich "nicht nach und bezeichnete es als eine Frechheit, einen Professor in finsterer Nacht zu berufen und ihm für seine .erfolgreiche Hilfe nicht das verlangte Honorar auszube- '■ zahlen. v-- . - ,; ■ "'"'' , ■;- . Eini Wort gab .<kus, andere,. :die. Beschwörung vder * . absoluten Zahlungsunfähigkeit .wjUTde, gramer.. ' lauter", endlich beteiligte sich-' avch."däe" 'voii* "m1£;,,Ge- ' 'heille" an der lauten und1 lebhaften Diskussion'Und'wollte eben auch"' Wieder ' miteinem' Schwur die Zahtuftgs- , Unfähigkeit ihfles Kreises beteuern,... Hiebei .scheint sie den .Mund wieder..wie -beim Erbrechen zü weit geöffnet zu haben, die Luxation .trai wieder ein, .ihr <,Mulu stand wieder weit offen und konnte nicht .geschlossen " werden.. Jetzt war ich Vorsichtiger — ich . . reponierte erst, als mir das Honorar eingeh ändigt war. Jetzt hatten die Leute auf einmal*das Geld . . ." :> Wenn man diese 'Geschichte liest, , dann bekommt man eine Gänsehaut. Man denke: Der arische, Professor in dem schmutzigen Kabinett, umgeben. von zehn Kaftanjaiden . . . Professor Hochenegg ist aber - ein tapferer Mann und er erzählt diese Geschichte sehr oft seinen Schülern und immer in derselben odiosen Art, wie hier in dein Judenfhatt. Wenn ein .jüdischer. Arzt eine solche. Schilderung geben würde, so würden die Hocheneggs und .Genossen; die., undelikate Art des Semiten' anprangern und ihn einen Erpresser nennen ... Ugste Preist hab«n den Ruf unseres Hauses begründet! Elegante Mäntel, Kleider, Kostüme etc. nach Original Pariser .Modellen in unseren Ateliers hergestellt . 11 KHK NUB VII. Kaiserstr.115 IIVII mmmmm Kewepilialsi ■■■■«1 Führendes und größtes Spezialhaus Ocstcrrciclii.

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