Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 14 (23.12.1927)
- Date
- 1927-12-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ffr. 14 DIE NEUE WELT Seife 1 : Die Pogrome in Rumänien. Die Schäden in Klausenburg und Großwardein. Die rumänische Regierung hat im Verlauf der verschiedenen Kammerdebatten über die Studentenausschfeihingen vollständige Sühne zugesagt. Bisher ist aber weder eine ausreichende G u t m a c h u n g der Schäden vorgenommen worden noch sind ernste Maßnahmen zu erkennen, eine Wiederholung der Exzesse zu verhüten. Von den verhafteten Studenten ist der größte Teil wieder in Freiheit gesetzt worden; der Unterstaatssekretär T a t a r c s c u, der unter dem Druck der öffentlich gegen ihn erhobenen Beschuldigungen die Demission angeboten hatte, bleibt im A tn t. Gegen C uza und Codrcanu wird nicht eingeschritten. Dagegen sind in Großwardein einige sozialistische Arbeiter festgenommen worden, bei denen angeblich am Tage nach den Unruhen Steine gefunden worden sein sollen. Die von den Stürmen heimgesuchten Städte, die noch jetzt verödet sind, werden jetzt von Kommissionen bereist, die die Schäden aufnehmen. In Klause n b u r g wurden Schäden mit zusammen 50 Millionen Lei festgestellt. In Großwardein erklärte die Kommission, sie habe mi zu untersuchen, ob die Maßnahmen der Behörden dem Zweck entsprochen haben, könne jedoch keine Anzeigen gegen Privatpersonen entgegennehmen. Aus Klausen bürg wird gemeldet: Bei den Verwüstungen in der Synagoge in der Telekigassc ist auch eine 'bereits c 1 f h u n d c r t Jahre alte Thor a roll e dem Vandalismtis zum Opfer gefallen. Diese Thorarolle bildete einen wahren Kunstschatz der Synagoge und überlebte die Zeit der Tatareneinfällc, der Kreuzziigc und der Türkenkriege. Sic wurde von den Demonstranten zerfetzt. Für den 15. Dezember war in Bukarest eine Protestversammlung der Union rumänischer- Juden einberufen gewesen. Die Polizei hat die Abhaltung dieser Versammlung verböte n. Ein konfiszierter Artikel Cuzas. Der Pogromisteuhäuptling Professor Guza veröffentlichte in seinem Organ „Apararea Nationale" in einem äußerst scharf gehaltenen Leitartikel eine Verteidigung, in der er die . ganze Schuld an den antisemitischen Exzessen dem — Professor W e i z m a n n zuschiebt. Dieser wäre absichtlich zur Zeit des Stedenten'kongresses zu einer Propagandareisc nach Rumänien gekommen, um die Studenten' zu Ausschreitungen und anschließend daran ein Eingreifen der rumänischen Regierung, die Cuza "beschuldigt, sich allzu leicht dem Spiel Weizmanns gef ügt' zu haben, zw provozieren. Die rumänischen Studenten in Großwardein» Klausen'burg und Jassy hätten nur ihre und damit die nationale Ehre ganz Rumäniens verteidigt. Die studentische .Agitation werde solange nicht a u f Ii ö r e n, alsderen antisemitische Fo rd e r ung e ji nicht erfüllt werden. Die einzige Möglichkeit der Beendigung der antisemitischen Ausschreilungen wäre die Einführung des Numerus clausus. Die Regierung, die die Kolportage in sämtlichen Lokalen durch Studenten und Verkäufer antisemitischer Flugschriften verboten hat, verfügte die Beschlagnahme der „Apararea Naionale". Die Regierung hat die angesagten Kongresse der Frontkämpfervereinigung und des Invalidenverbandes verboten. ■ Die Entschädigung der Pogromopfer. Deputierter Dr. Fildermann ersuchte im Parlament den Finanzminister, durch ein' Spezialgesetz den geschädigten Kaufleuferi in Siebenbürgen ein Moratorium zw gewähren oder wenigstens die Banca Nationala zur Ausgabe einer Kreditaushilfe zu veranlassen. An den Innenminister richtete Dr. Fildermann die Frage, was zur Aufrechterhaltung der Ruhe an den Universitäten veranlaßt ■wurde.-Innenminister Duca ersuchte den Interpellanten, zu der Regierung Vertrauen zu haben, die ihre Versprechungen au halten wissen werde. Debatte im Senat. Der Senator Horia Carp, der im Auftrage der Union rumänischer Juden mehrere Tage in Großwardein und Klausemburg geweilt und dort Informationen gesammelt hatte, brachte am 16. Dezember in einer die ganze Sitzung des Senats ausfüllenden Interpellation das Wüten der Studentenschaft zur Sprache. Er wies durch Daten nach, daß die Ereignisse in Siebenbürgen notwendige Folgen der chauvinistischen S chiuilpoii ti k seien, die seit sechs Jahren befolgt werde und unter deren Wirkung die rumänische Jugend stehe. Carp betonte, daß die jüdische Bevölkerung von Großwardein der Studentenschaft ungefähr tausend Zimmer zur Verfügung gestellt, ia die Studenten kostenfrei bewirtet hatte. Mehrere Senatoren unterbrachen die Ausführungen Carps fortwährend mit Zwischenrufen. Innenminister Duca bemerkte zur Interpellation Carps: Ich bedaure diese schmerzlichen Ereignisse und die schändliche Entweihung der Synagogen. Ueber die Bestrafungen können noch keine Mitteilungen gemacht werden, da. die .Untersuchung noch im Zuge ist. Wir sind entschlossen, unser Land von dieser Psychose unserer Universitätslugend zu heilen. Minister Duca bemerkte noch, der Kultusminister Lapedatu verteile Unterstützungen zur Wiederherstellung der zerstörten Synagogen und besorge diesen Akt selbst, um auch auf diese Welse seinem tiefen Schmerz über die verübten Handlungen Ausdruck zu geben. Das schönste Geschenk tat ein «lektplsch-automattscher KMilsohrank da§ /deal W% sudtt!i Mr& uene Für 30 Groschen tägliche Stromkosten hält Frigidaire automatisch t die beliebig eingestellte Temperatur, die trockene Kälte konserviert alle Lebensmittel fünfmal länger als Eis. Seriöse Vertreter gesucht I WardiaMi, He Ho., lies. iLL Ständige Ausstellung und Vorführung im neuen Lokal: Kein Wasser, ein Steckkontakt genügt. Wien. L Am Hof 3 Telephon;6ö-l-ir 4 Seriöse Vertreter gesucht! Aus Klausen'burg wird gemeldet, daß Kultusminister Lapedatu die zerstörten Synagogen, und-Geschäftshäuser besichtigt, dabei fortwährend' die Hände gerungen und ausgerufen hatte: „M ei n Got t,- w c 1 c h ein Vandalismtis!" Die Vertreter aller Konfessionen, haben bei den Rabbinern, von Großwardein und Klausenburg vorgesprochen und( ihnen das Beileid über die Zerstörung" der Gotteshäuser ausgesprochen. Trauertag am 3. Jänner. Die nach rituellem Gesetz vorgeschriebene Beerdigung der aufgefundenen Ueberrcste der zerstörten jüdische n Gcs c t z e s r o 11 e n ist für den 3. Jänner anberaumt worden, an welchem Tage in ganz Rumänien ein Trauertag' der Juden abgehalten wird. Zehn Millionen Lei für jüdische Kultuszwecke.;-,p^s rumänische Parlament hat den Antrag des Abgeordneten Dr. Fildermann, einen Betrag von zehn Millionen Lei für Zwecke des j üd i s c h e n K u 11 u s in den Haushalt einzustellen, angenommen. Ministerpräsident Bratianu hatte den Antrag befürwortet.. Kein Pogrom in Janewe. '■■ DieJTA. schreibt uns: Die« Jüdische Telegraphenagehtuf'brachte vor einigen Tagen die Nachricht, daß in Janewe bei Kowno eine in dieser Stadt vorübergehend ge-;e M'i'iitärabteiloing eine Woche lang die jüdische Bevölkerung terrorisierte, und mehrere jüdische Bürger schwer.mißhandelte und verletzte. Diese Meldung wurde in Polen über Gebühr aufgebauscht; aus den Vorfällen wurde ein groöer P o g r o m mit Hunderten von Opfern gemacht. In dieser Form wurde die Meldung auch in-das Ausland telegraphiert und die JTA. fälschlich als Quelle I Ich möchte mit hiesigen Personen p die in PaWilin« Boden besitzen oder dort Boden anzukaufen gedenken, behufs Gründung einer nütz- leben und einträglichen Farm in Verbindung treten! Züsch-iften unter „P. W." an die Adm. d. B1. säiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ QUALiTÄTS-MÖBEL QröBte Auswahl! Billigste Preise! Zahlungsorlelchterungen! MlHiiats j. wühl tt&&£&ss*-% angegeben. Indem wir die aufgebauschten Meldungen auf ihren Ursprung zurückführen, teilen wir mit, daß nach neuerer Meldung: in Janewe die Ruhe wieder eingekehrt ist. (in Wden wurde die Nachricht von dem Oesterreichischen Pressedienst verbreitet.) Der Völkerbund weist eine Beschwerde palästinensischer Araber zurück. '.■■•}■ ♦ Das Generalsekretariat des Völkerbundes hat — wie die arabische Zeitung- ,;Jarmuk" mitteilt — einen von' der Moslem Association in Haifa am 2. November d. J. gesandten PTOtest g.e;gen die Baliour-Dekla,rat i on mit dem Bemerken zurückgewiesen, daß die Beschwerde nicht, wie; es der Völkerbundsrat in seiner Note vom1 Jänner 1923 vorgeschrieben hat, durch Vermittlung der Mandatsmacht überreicht worden war. .. Rabbinerkonferenz in Krakau. In Krakau fand dieser Tage eine Konferenz der Ra b bi n e r' G ä 1 i z i e n s - statt, die dem Dekret des Ministerpräsidenten Marschall Pi 1 su d s k 1 über die Bil- . dung jüdischer Gemeinden galt. Mehr als 180 Rabbiner hatten sich eingefunden. Zu Ehren der Gäste waren die Gassen in der Gegend des Konferenzhauses illuminiert. Rabbi Halpern, der über das Gemeindedekret referierte, führte aus, in dem Bestehen demokratisch organisierter Gemeinden sei eine Ge- ■fafor für das1 religiöse Judentum zu erblick en. Er sprach sich auch gegen die Schaffung eines religiösen Rates, wie er im Dekret vorgesehen ist, aus. Es' wurde eine Resolution angenommen, in der die Regierung aufgefordert wird, die W a h l e n von Freidenkern als Mandatare jüdischer Gemeinden nicht anzuerkennen. Ein änderer Beschluß forderte die Eliminierung der Bestimmungen über den religiösen Rat aus dem Gemeindedekret. Es wurde eine Kommission eingesetzt, der die Ausarbeitung von Vorschlägen über die neue Form der Gemeinde, wie sie. der Auffassung der Rabbiner entspricht, obliegen soll. ' Die Rabbinerkonferenz sprach ihre Entrüstung über die Pogrome in Rumänien und die Schändung jüdischer Heiligtümer aus. _ Konferenz jüdischer Bauern der Bukowina Aus Czeruowttz wird berichtet: Auf Initiative des Advokaten Dr. Max Diamant, wurde eine Konferenz der jüdi schen ßauern der Bukowina einberufen. Nach den letzten statistischen Zahlen leben in der Gegend zwischen Pruth und Dnjestr mehr als 800 jüdische ßauernfamilien, die sich ausschließlich dem Ackerbau und der Viehzucht widmen.