Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 14 (23.12.1927)
- Date
- 1927-12-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 14 Achtung" m iiiiiiiiiiimi III ausbesitzer! Uebernehme Hausverwaltungen in Wien und garantiere Erträgnis — Unter: | „Verläßlich" an die „Neue 1 Welt", W i e n, 9. Bezirk, | Universitätsstraße Nr. 8 | iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii wirklich das jüdische Volk der nationalen Paröje des Zionismus gegenüber kalt bleibt, an die Zukunft Palästinas nicht glaubt, während der — jüdische oder nichtjüdische — Geschäftsinann eine 5prozentige Anleiheder -Palästinaregierung freudig zeichnet. Lange genug ist bei uns der Kampf geführt worden, ob Palästina durch nationales oder durch privates Kapital eribaut werden soll. Auch dieses Problem scheint langsam gelöst. Nur ein Z u s a m m e n ,w i r k e n beider Faktoren wird zum Ziel führen. Die Zionistische Organisation hat vielleicht den Fehler begangen, in den ersten Jähren nach 'Kriegsschluß zuviel zu übernehmen. Neben Aufgaben, die nur das nationale jüdische Kapital lösen kann, hat sie sich. Aufgaben , gestellt, deren Lösung der Landesregierung obliegt, und hat zögernd sich auch an Dinge herangewagt, die der privaten Initiative überlassen bleiben mußten. Die Erfahrungen der letzten' Zeit zeigen den Weg, der in Zukunft gegangen werden muß. Die Zionistische Exekutive' muß die Mittel des Aufbaufonds (Keren Hajessod) auf die beiden Aufgaben konzentrieren, die niemand außer ihr zu »lösen vermag: auf die Einwanderung und die Ansiedlung in der Landwirtschaft. Sie muß sich vom Schul- und Saniitätswesen in denkbar größtem Umfang entlasten und von'der Regierung verlange^ daß sie den ersten Schritten, die sie auf diesen Gebieten zur Erleichterung unserer Lage getan hat, entscheidende neue Schritte folgen läßt. Die städtische Kolonisation aber, der Auflbau der Verkehrswege, der' industriellen und kommerziellen Möglichkeiten des Landes und damit die Beschäftigung des städtischen Arbeiters müssen durch privates K a-- pital gelöst werden. Diese Arbeitsteilung wird am besten dazu führen, daß alle Kräfte, jede an ihrer Stelle, das gemeinsame Werk fördern werden. Dem jüdischen Volk aber sollten wir in diesen Tagen, da in allen Ländern wiederum versucht wird, dem Aufbaufonds die erforderlichen Mittel zu beschaffen, den Spiegel vorhalten und ihm zeigen, daß die Londoner City an die Zukunft Palästinas glaubt und daß, wenn das jüdische Volk Palästina nicht aufbaut, andere Palästina erbauen werden. Ob aber dieses andere Palästina Erez Israel sein wird, ist eine andere Frage. Regierungsantisemitismus in eigener Regie. Von unserem Budapester Korrespondenten. Ministerpräsident Bethlen feiert einen politischen Sieg um den anderen. Es ist nicht der Sieg einer geraden, bewußten Politik, sondern der Sieg des politischen Glücksritters, dem der Zufall hold ist und in den kritischesten Augenblicken zu Hilfe kommt. Es war bekannt, daß zwischen Tiibor: Eckhard, dem bisherigen Präsidenten der Erwachenden Ungarn, und dem Föhrer der rumänischen rassenschützleraschen Antisemiten Professor C u z a anläßlich des vor einigen Monaten in Budapest stattgefundenen internationalen Antisemitentages ein Geheimabkommen getroffen wurde, laut welchem auf ein gegebenes Zeichen in Rumänien und Ungarn zugleich Judenpogrome veranstaltet und Judenschlägereien an den Universitäten organisiert werden sollen, Cuza und Eckhard hatten sich auch gegenseitig materielle Hilfe zur Durchführung dieser kostspieligen Aktion zugesichert. Bedingung sei bloß gewesen, daß die Guzisten bloß gegen Juden, aber nicht gegen Magyaren in Neurumänien losschlagen würden; Eckhard benützte nun den Umstand, daß die ungarische Regierung unter dem Drucke des Völkerbundes eine sogenannte Milderung des Numerus clausus- Gesetzes ankündigte, zu einer wilden Hetzjagd gegen die jüdischen Studenten an sämtlichen Hochschulen. Die Situation wurde bekanntlich für die Regierung fast unhaltbar und konte nur dadurch gerettet werden, daß einerseits Bethlen mit dem Hauptanführer der ungarischen Rassenschützler, Julius Gömbös, einerseits und der Unterrichtsminister Graf K1 e b e 1 s b e r <g mit dem Präsidenten der Budapester KuJtüsgemeinde Dr. Alexander Leder e r eine ATt Waffenstillstand schlössen, wodurch vorläufig Ruhe in die Hochschulen einzog. Dr. Lederer konnte bekanntlich mit seinem schwachen Herzen die schwere Last des erniedrigenden Kompromisses nicht ertragen und brach unter Ihr zusammen. Nun wollte aber Eckhard auch den zweiten TeJl seiner Verpflichtung gegenüber Guza einlösen und agitierte in dert Vereinen der Erwachenden Ungarn für eine erhöhte antisemitischn Propaganda der Tat. Da brach der Pogrom der Guzisten, in Neufumänien aus. Wahl zogen die cuzistisohen Studenten aus, Juden tax verprügeln, Synagogen zu plündern und zu schänden, jüdische Geschäfte auszurauben, aiber der raublustige Mob, der sich ihnen in Großwardein, Klausenburg und in anderen Städten angeschlossen (hatte, dehnte den Pogrom auch auf Magyaren aus, wohl unbewußt, weil er in jedem magyarischen Schild einen magyarischen Jtiden vermutete. Bethlen klammerte sich, an die zwei, drei nichtjüdischen Magyaren, die unter den Ausschreitungen gleichfalls zu 'leiden hatten, und sandte an Rumänien eine energische ©eschwerdenote, wie einer, ,iti dessen Hause die Roheit das unbekannteste Ding der Welt wäre. Daun aber spielte er im Verband der Erwachenden Ungarn die angebliche Magyarenverfolgung in Rumänien durch die Cuzisten gegen den Scharfmacher Eckhard, gegen den .übrigens auch sonst Vorwürfe "wegen Mißwirtschaft und Korruption erhoben wurden, aus und setzte die Demission Eckhards ' durch. Gleichzeitig aber bemächtigte sich Graf Bethlen dieses für ihn wichtigen Instrumentes des Verbandes der Erwachenden Ungarn, das er nunmehr in eigener Regie nach Willkür und Bedarf gebrauchen und mißbrauchen kaiin. Es ist kein Zweifel, daß die ungarische Regierung diese Wandlung im Lager der Rassenschützler nur dadurch herbeizuführen vermochte, daß sie Garantien bot, daß der Antisemitismus, wenn auch nicht der Pogromantisemitismus, nunmehr offen vor aller Welt zum R e g i e r u n g s s y s t e in erhoben und v e r f o c h t e n w i r'd. Die Regierung hat auch inzwischen bereits einige Beweise dafür gegeben, daß sie entschlossen ist, den Antisemitismus in eigener Regie und unter eigener Kontrolle zu führen. ' Trotzdem erregte es Aufsehen, daß diese Schamlosigkeit nunmehr so ganz unverhüllt zur Schau getragen wird, daß das offizielle Organ des Ministeriums für Volksgesundheit und Öffentliche Arbeiten, „Volksgesundheit", einen ganz niederträchtigen Hetzartikel des Universitätsprofessors Dr. Johann Gaspard veröffentlicht, in welchem unter dem Deckmantel der WissenschafMichkeit die Juden 'als Parasiten, ge mei ng ef-äh r 1 i ch e Lebewesen usw. dargestellt werden. Diese Regierungszeitschrift wird an alle Behörden, ganz besonders an die Provinzbehörden, die, Genossenschaften und Bauernverbände gratis versandt, und die Aeußcrungen dieser Zeitschrift gelten überall, als die Ansichten und Wünsche der Regierung. Für die Juden in . Ungarn .kommen wieder schwere, düstere Zeiten. Die Bethlen-Regierung wirdi mit einer pllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll^ sehnlichst erwartete Buch ist da! Die jüdischen Schwanke Herausgegeben von Max Präger und Siegfried Schmitz Diese Sammluqg von Anekdoten * Witzen Schwänken führt in das Reich echten Humors Jede Seite zwingt zur Heiterkeit! Wer bei diesem Buch nicht lacht, der hat das Lachen nie gekannt! Eleganter Ganzleinenband 8 Schilling Durch alle Buchhandlungen oder direkt von v R. Löwit Verlag, Wien,!• Fleischmarkt 1 * Rotenturmstraße 22 SIEGM. KORNMEHL QROSSFLEISCHHAUERSI Zentrale IX., Berggaase 19, Telephon 17-3-99 »i. 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für -^«Fleisch^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien IX., Borgg. 15 / XVIII., Währingerstr. 97 geradezu virtuos geübten Scheinheiligkcit die öffentliche Meinung des Auslandes einzulullen versuchen, indem sie darauf hinweisen wird, daß sie wie der Dompteur ihre Bestien in die Gewalt bekommen 'habe, und nunmehr dafür gutstehe, daß sie nicht ausbrechen würden. Andererseits müsse der Regierung jetzt von außen her Zeit und Ruhe gegönnt werden, .um die sogenannte soziale und wirtschaftliche Nivellierung der Gesellsohaftsschichten durchzuführen, was auf magyarisch so viel bedeutet, die Juden aus allen öffentlichen, geistigen und wirtschaftlichen Positionen zu verdrängen, den angeblichen Ucberschuß durch hinterhältige Gesetzauslegung aus dem Lande zu jagen, worauf dann der Numerus clausus und alle anderen Scbandverordnungen gegen die Juden von selbst überflüssig werden würden. Die reichen Juden werden auch von dieser neuen Methode nicht zu stark betroffen. Soweit sie nicht getauft sind, können sie sich durch die Taufe oder durch Bestechung von rassenschützlerisohen Führern und Machern irgendwie sicherstellen. Die wahren Opfer dieses „unblutigen Pogroms" werden wie stets und überall auch hier die jüdischen Handwerker und Gewerbetreibenden, Arbeiter, und Mittelständler sein. Der Numerus clausus als Geschäft. Aus Budapest whd (berichtet: Gegen den Abgeordneten Bartos, Mitglied der christlichsozialen Partei, wurden von mehreren jüdischen Familien polizeiliche Anzeigen erstattet. Der Abgeordnete hat von diesen Familien Geldbeträge entgegengenommen und ihnen versprochen, ihren Sühnen zu ermöglichen, daß sie trotz des Numerus clausus an der Universität inskribiert werden .könnten. Die Anzeiger, mußten je 300 Pengö eriegen, die der Abgeordnete als Kaution quittierte, wobei er sich verpflichtete, die Beträge zurückzuerstatten,'wenn es nicht gelingen sollte, die Studenten zu inskribieren. Die Polizei verhörte den Abgeordneten. Er bleibt so lange auf freiem Fuß, bis die Immunitätsfrage erledigt sein wird. Die Erwachenden als Erpresser. Im 0 b e r h a u s meldete das Oberhausmitglied Eleincr 'Simon si ts die Verletzung der Immunität an. Er erhielt, so teilte er mit, von der Partei der Nationalen Vereinigung ein Schreiben, in welchem er aufgefordert wird, gegen die Revision (des Numerus clausus Stellung zu nehmen. Das Schreiben schließt' mit folgenden Worten: „Sagen Sie den Schwankenden, daß wir bei der Abstimmung dabei sein werden, daß wir uns alles menken und nichts vergessen,, daß wir nach Gebühr zahlen werden." (Bewegung auf allen Seiten des Hauses.) In diesem Teil des Briefes, so führte der Redner aus, ist eine Drohung enthalten, die •nicht wortlos 'hingenommen werden kann. Deshalb müsse er die Verletzung seiner Immunität anmelden. Der Vorsitzende erklärte, daß er die Angelegenheit dem fmmunjtätsansschuß überweisen werde. Der bayrische Landtag und die Schächtung. In einer Versammlung des Münchener Tierschutzvereines teilte der Vorsitzende mit, daß die Versuche mit der Schächtung nach vorangegangener elektrischer Betäubung des Tieres abgeschlossen seien und"daß der Entwurf eines Betäubungsgesetzesdem Ministerrat im Sinne des Beschlusses des Landtages über Verbot des betäubungslosen Schächtens zugeleitet sei; Die bayrische Rabbinerkonferenz, berichtete der Vorsitzende weiter, habe Bedenken gegen das Verfahren geäußert und Vorbehalte gemacht, die aber n i c h t b e r ü c k s ä c h t ä g t werden können. So weit der Bericht des Vorsitzenden des Tier-, schutzvereines. In den jüdischen Kreisen besteht die Eht-i schlossenheit, mit aller Kraft dagegen anzukämpfen, daß! das Verfahren, gegen welches gewichtige religiöse Bedenj ken bestehen, irgendwie gesetzliche Vorschrift werde'und daß der Gewissenszwang legalisiert ward. Die Lage der Juden in der Türkei In Smyrna fanden in der letzten Zeit abermals: Verhandlungen «wischen einflußreichen türkischen Person-; lich'keiten und jüdischen Führern über eine Annäherung; zwischen den beiden Volksteilen statt. Inzwischen aber! geht die antilüdusche Hetze weiter. In den Straßen und Plätzen waren fn den letzten Tagen Plakate ange« schlagen, die die Unterschrift „stählerne Faust44 trugen, in denen die Juden unter Gewaltandrohung auk gefordert werden, in Schule und Haus ntir <M-e türv kische Sprache zu gebrauchen. Die drei begehrten Seidenstoffe. Crepe Satin. Crepe Georgette, Crepe de Chine, in den apartesten' Modefarben^ staunend blljig bei der Restenverkaufsgesellschaft, VI., Ma* riahiiferstraße 3.