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Die neue Welt · 1927-12-23 · Heft 14 (23.12.1927) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 14 (23.12.1927)
Date
1927-12-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seife '4 DflB NE€£ WELT Nr. n *tum zu vergeben hat. Als Euer Ruf an mich heran* trat, da mußte ichihmfo Ig.en/d e nn werselne (ganze Kraft, sein ganzes Leben den Idealen jseines Stammes zu opfern« bereit ist, hat (seinen Platz dort einzunehmen, wo die Entscheidungen fallen. Meinem Volke zu dienen, -bin ich zu Euch gekommen, ihm zu dienen mit meinem ganzen I Herzeh, mit meiner ganzen Seele, mit meinem ganzen Vermögen Doch sonst bin ich keines Menschen Diener. Mein Eigenstes, ein Höchstes, mein Tiefstes und! Persönlichstes, mein Gewissen, kennt keinen anderen Herrn als die göttliche Stimme, die ich in mir, vernehme. Nicht um ein Amt auzufüllen, stehe ich hier, sondern um eine Mission zu erfüllen. Wer mir meine geistige Freiheit, meine Unabhängigkeit nimmt, der macht mich zu einem unbrauchbaren Werkzeug. Wer aber meint, durch Drohungen oder, Lockungen, durch Schmähungen oder Versprechungen mich von dem Weg abziehen zu kvönneh, de.n ich gehen muß, .mich den Ueber zeu'gu ngen entf r e'rnd'eh zu können, die ich' \n jahrzehntelangem Ringen mir erkämpft, der wird auf Granit beißen. Was Ich in entscheidender Stunde den Vertrauensmännern der Gemeinde gesagt, das wiederhole ich an diesem für mich schicksalsschweren Tage, da ich Besitz ergreife von der Kanzel, die zu den rasendsten im Judentum gehört, ich wiederhole es vor Euch allen, als ernstes, feierliches Gelöbnis: ' Jeder Schlag meines Herzens, jeder Teil meiner Kraft, jede Frucht meines Geistes, jeder Tag meines Lebens soll uneingeschränkt gehören dem Judentum und seiner ge s c hi c h 11 i c h e n An f g.a b e, dem Befrei u'ngs wer k der Menschheit. Der Hort und Hüter Israels verleihe mir Kraft.und Segen! Die Beisetzüngsfeier. Am Freitag hat die Wiener Judenheit von dem Mir so plötzlich entrissenen Oberrabbiner Dr. Chajes ergreifenden . Abschied genommen. Die Zeremonien dauerten fünf Stunden lang. In dem Trauerbaus tu der .Lackierer.gasse hatten am Donnerstag Ehrenwachen der Studentenschaft Aufsteilsung genommen.. Freitag früh wurde der Sarg von dem Präsidium der Kulrusgemeinde .abgeholt und in einem Fourgonin. den Tempel in der*'Seitenstettengasse übergeführt. Die jüdischen Jugendverbäude hatten ein Ehren- '6palier gestellt, das sich über den Kai und den-Stuben- ' ring-bis zur Wollzeile erstreckte. Der .Straßejrbahnverkehr; war abgelenkt worden amd auf der ganzen-Strecke bräunten auf Anordnung des Bürgermeisters.die Laternen. Zahlreiche jüdische. Geschäfte hatten eine halbe . Stunde lang 'geschlossen. :: , ' •- ■ '■■?' <;; * *'/•'; ' In der'•schwäre *a^sgöscMfcerien'' Syriüigö&e war der Sarg vor der Bundeslade aufgestellt worden. In der ersten Reihe der Bänke nahmen der Bundespräsident Doktor Hainisch, der Polizeipräsident Dr. Schaber,' der Minister Schmitz, der Vtzebürgermeister von Wien Emmerli n»g, zahlreiche Vertreter der Behörden, Vertreter des Bundeskanzlers S e i p e 1, mehrerer Ministerien sowie der altkarholisohen Kirchengememde, Abordnungen ' Singen so! sehr ergriffen hat. War es das Singen, das einem ' Befreiungssang' ähnelte, selbst, War es meine damalige Stimmung beim Einmarsch in die alte, heilige Stadt, jedenfalls, ich konnte es nicht vergessen. Lange suchte ich Ihr Hirns, endlich fand ich es wieder. Seither stehe ich — ich muß es Ihnen eingestehen — oft und oft. mit dem stillen Wunsche hier, die Leute, die damals gesungen haben, kennen zu lernen, ich fand aber nicht den Mut dazu. Nun bin ich glücklich, Sie. kennen gelernt zu haben. Sagen Sie mir, was bedeutete damals der Gesang?" . ., , Arieh erklärte, gerührt, dem englischen Soldaten den Srnn und. Anlaß des Chanukafestes und lud ihn ein, zu uns zu kommen. Zögernd, aber doch freudig, nahm John Bell an und wurde yort da ab häufiger, gerne gesehener Gast bei. uns, besonders bei den Kleinen. Seine Hände und Knie waren ihnen eine willkommene Schaukel und seine langen Beine eine besonders bevorzugte Rutschbahn. Vaters Sympathie, gewann er sich besonders als eifriger Schüler im türkischen Dame-Spiel und. oft macht er hiervon in seinen Briefen Erwähnung. ' . . . i . ' Er fehlte nicht am Sederabende, dessen Weihe und Schönheit ihn begeisterte und *o lange er in Jerusalem war, kam er uns besuchen, erzählte uns von seiner Frau und seiner Familie, von seiner Heimat, wie ein alter, guter Freund des Hauses. Als er fort zog, wurde uns äHen der Abschied schwer und auch er selbst war sehr bewegt. Er versprach uns, zu schreiben und hat auch sein Wort gehalten. Im Anfang schrieb er häufiger, später seltener, aber mit Ausnahme des vorigen Jahres traf zum 9. Dezember, den er als Gedenktag des Einzuges in Jerusalem und als 1. Chamikatag feiert, jedes Jahr sein Brief pünktlich ein, wie heuer." Sarah endigte ihre Erzählung. Nochmals begann nun einer nach dem anderen Einzelheiten von ihm z« erzählen und aus allem sprachen die Züge eines selten feinen und empfindsamen Menschen. Ais wir den Abend des letzten Obarwkatages weihten, alle acht Lichter, entzündeten, da kam . mir John Bell wieder ins Gedächtnis, jener, einfache englische Soldat, der wje einer der unseren die Schönheit und Weibe des Mafckabäerfestes empfunden hat. OLSO Sprechapparate I., BeUARIASTRASSE NR.12 Unser Spezial-Kofter-Apparat auf 6 Monatsraten zu' SO Cr. Stets großes Lager in erstkl. Sprechappiraten, Ultraphonen und neuestenSchlagerpIttte» jüdischer Gemeinden aus Oesterreich, aus den Nachfolgestaaten und aus dem Deutschen Reich, Abordnungen zionistischer Organisationen aus zahlreichen Ländern, viele Universitätsprofessoren und mehrere Chass4dhn-Rabhis Platz. Der Rektor des Rabbinerseminars Prof. Schwarz hielt eine tiefempfundene Gedenkrede, in der er die große Persönlichkeit des Verblichenen würdigte und eine Uebersicht über sein gelehrtes Schaffen gab. Hierauf wurde der Sarg aus dem Tempel getragen und der Trauerzug setzte sich in Bewegung. Eine imposante Menschenmenge begleitete ihn bis zur WoHzelle. Auf dem Friedhöf, wo wieder ein Jugendspalier vor der ZeremonienhaAle Aufstellung genommen hatte, wurden 15 Trauerreden von Vertretern der Wiener und der. ausländischen Judenheit gehalten. Dr. Leo Motzkin sprach Im Namen, der Zionistischen .Exekutive nnd des Aktionskomitees. Oberrabbiner Chajes erhielt ein Ehrengrab hi der Nähe des jüdischen Freiheitskämpfers vom Jahre 1848, Fi s chhof. - Der Bundeskanzler Dr. Seipel sandte an die israelitische Kultusgetneinde Wien ein Beileidstelegramm, in welchem er seiner Tra-uer Ausdruck gibt und schreibt, er sei durch den Verlust eines so bedeutenden Maraies tief gebeugt, ' ' "■' . , '■• Auch Bürgermeister Seitz sandte der- Kailtusgemeirtde ein BeHeidsschreiben. . Trauerfeier des Zionistischen Lattdeskomltees. Im Saale der Hakoah fand Samstag abends die Trauerfeier des Zionistischen Landeskomitees statt. Präsident Dr. Goldlrarnmer führte, den, Vorsitz. Dr. David Rotihblum würdigte in hebräischer Sprache die* Persönlichkeit des Verstorbenen.. Hierauf., hielt. Dn iJw M o t Äkin. der Präsident des ZiGnt^tisc^en Aktionskomitees, eine . Ansprache,.,In., der er..untfl^^'n^er^m.••''.SMisJöfete.;\ Es jst ibanal,;das Ableben Professor^^ zu 'bezeichnen.. Es-ist ein. Söhlag, der das Judentum, Insbesondere aber die zionistische Bewegung getroffen hat. In allen Schwierigkeiten und Krisen hat sich Ghajes stets als ein unversleiobliolier Vermittler gezeigt, dessen Auto-; rität auf dem Vertrauen beruhte, das ihm alle entgegenbrachten. Die zionistische Idee war ihm höchster Lebensaüsdruck des jüdischen Volkes, und es war für Jeden im Zionismus eine hohe Freude und Erholung, der abgeklärten Weisheit dieses Mannes zu lauschen, der das historische Judentum wie kein zweiter verkörperte. Zionismus und Judentum waren ihm identische; Begriffe,.und er pflegte oft, wenn von der Assimilation die Rede war, zu sagen:; „Ich weiß nicht, wie ich : ihnen die, Selbstverständlichkeit des Zionismus noch besser darstellen soll. Bin ich'denn aus einem anderen Teig wie sie?'4 Er.umfajtc das ganze jüdische Leben mit einem Blick, keine Frage war ihm ■fremd. „Wir werden", sagte Motzkin, „den Schlag vielleicht überwinden, aber was wir verloren haben, wird uns'erst in einem späteren Zeitpunkte klar werden. Chajes wird uns fehlen. Wir wissen dies heute schön, wo sich die Feindschaften gegen den Zionismus, wo sich An tizionismüs und Antisemitismus wieder stärker entwickeln als je. Auf allen Seiten bilden sich neue Fronten. gegen uns, der Kampf wird schwieriger und damit steigert sich die Notwendigkeit für uns, die Reihen fester zu schließen. Da fehlt uns Chajes, seine' Autorität und sein Wesen, das ihn zur Ausgleichung der inneren Spannungen befähigte»" Nach dieser Rede, dde die Versammelten in tiefer Bewegung anhörten, schloß Dr. Goldhammer die Feier. Trauerktindgebuiig des Vorstandes der .Kultusgemeinde. Am Samstagabend fand im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde unter Vorsitz des Präsidenten Generaloberstabsarzt Professor Dr. Alois PI c 'k eine öffentliche T r a u e r k u n d g e b u n g de s K u i tu s.v. o r s t a ndes statt, an der nebst dem Gesamtvorstand zahlreiche Mitglieder des Bethausvorstandes, der Bezirkskomrrrissionen und Yaeje auswärtige zum fftgräbnis des Verstorbenen nach Wien gekommene Delegierten Jüdischer Gemeinden und wissenschaftlicher Korporationen sowip .auch die Familienangehörigen des Verblichenen teilnahmen. Die Gedenkredehielt der Vorsitzende, der in Überaus.herzlichen Worten das Leben und Wirken des. verstorbenen Oberrabbiners zeichnete und den Charakter und die Bedeutung dieses hervorragenden Mannes für das Judentum und die jüdische Wissenschaft würdigte. Im Anschluß daran verlas Amtsdirektor Regierungsrat Dr. Errrfl Adler die zahlreich eingelaufenen Kondolenzen. Von diesensind zu ttWgjmen: die I&il^kwi%$bM$*in 4n Gesandten der Vereinigten Staaten, des Deutschen Reiches, Polens, Uflgarns, der Türkei und Bulgariens, des Bürgermeisters Seitz, des Ministers Vaugoin, des Botschafters a. D. Dumba namens der österreichischen Völkerbundliga sowie zahlreicher Korporationen. Die zionistische Ortsgruppe Amstetten hielt Sonntag im Bethaus der Kultusgemeinde einen Trauergottesdienst anläßlich des Ablebens Prof; Dr. Chajes ab, bei welchem Herr Rudolf Wozasek die Trauerrede hielt. Die zionistische Ortsgruppe (Bezirksgruppe), die, wie alle kleinen Ortsgruppen des Landeskomitees, nur mehr auf dem Papier besteht, geht daran, sich zu reorganisieren und ist auch mit den Ortsgruppen St. Pölten und Krems in Fühlung getreten, um gemeinsame Wege zu suchen, die ein gedeihliches Arbelten ermöglichen. Der Verband jüdischer Kaufleute and Gewerbetreibender hielt am 15. d; M. unter dem Vorsitz des Herrn Kommerzialrates Theodor Je'llnek eine Trauersitzung ab, in welcher Herr A. M. Ehrlich die große nationale ( Bedeutung des verstorbenen Oberrabbiners darlegte. Die zahlreich besuchte Versammlung hörte den Nachruf stehend an. Im hebräischen Pädagogium (L, Drahtgasse 4) findet am Dienstag, den 27. d. M. um 11 Uhr vormittags vor Wiedereröffnung der Vorlesungen eine Trauerfeier für das Oberhaupt der Anstalt, den verewigten Oberrabbiner Prof. Dr.Z.P. Chajes, statt, zu der alle Hörer und Absolventen der Anstalt eingeladen werden. RUNDSCHAU. Der Putsch im Münchener Bürgerbräukeller kam dieser Tage im bayrischen Landtag zur Spracrie. Es wurde über, die traurige Affäre berichtet, die sich im November in München abspielte und bei der neun junge Leute ums Leben kamen. Der Organisator, der Tapezierer Hitler, war nach dem Fehlschlagen seines Putsches geflohen, Lu,d(endorff warf sich bei der Schießerei, platt auf den Bauch, wurde verhaftet und vom Volksgericht freigegeben. Die Verschwörung ging, wie sich inzwischen ergeben hat, sehr tief. Das neugebackene Direktorium Hitler, Ludendorff und Lossow wollte der deutschen Republik ein radikales Ende machen. Gegen den wider- . strebenden Marschall S e eckt wurde ein Dutzend Meuchelmörder losgelassen. Er blieb nur am Leben, weil diese Gesellen, ihre Zeit und Geld, in Nachtlokalen verbrachten. Pas Münchener^ Triumvirat .hi^tte sich für, die. Verbesserung und Hebung Deutschlands ein einfaches Konzept zurechtgemacht: Das Reich, die Länder, die Städte und Gemeinden werden aufgelöst, alle Parteien verboten, alle Arbeiterführer, in Haft genommen und. die Juden in Konzent r a\t i;o n s 1 a g e r gebracht. Vorerst sollte aj Je s j fi d isc h;e Ve r; m öi g e n b e s c;h ia g n a-h m t werden. Von] diesem Plan, der im rjay'riscnen Landtag verlesen wurde, gedieh nichts zur Ausführung. Nur ein geringer Teil wurde in Angriff genommen. Es wurden nämlich 5 4 jüdisehe Perso nen ' a 1 s „Geiseln" verhaftet und von Zeitfreiwilligen in verschiedene Kerker gesetzt. Dort hat man die Armen fürchterlich mißhandelt, mußte sie aber däim wieder freigeben. Interessanterweise fehlen gerade die Akten in dem Bericht, die dieses Martyrium betreffen, und die Münchener Staatsanwaltschaft hat dieses Material: nicht herausgegeben.- Es vergab sich bei dieser Gelegenheit, daß die hakenkreuzlerischen Des Morgens sieht man in jedem , Hause DIANA- FRANZBRANNTWEIN mit Menthol in Gebrauch. Warum gerade diesen! 1. Well die meisten Menschen gewohnt sind, ihren Körper mit Diana-Franzbranntwein einzureiben und ihn damit für die Mühen des Tages zu stählen und die Tätigkeit der Haut anzuregen die Blutzirkulation zu beleben und die Nerven zu kräftigen. 2. Wer leicht zum Schwitzen neigt, muß unbedingt des Morgens den Körper mittels eines in Diana-Franzbranntwein getauchten Lappens frottieren, damit der gescbilde/te Uebeistand behoben wird. 3. Wer DUmä-Franzbrfmntweiti des Morgens ins Waschwasser gibt, kann alle" änderen teueren Toiletlemiitel leicht entbehren. 4. Bei BiQcbigHe.it des Haares, Schuppen; etc. ist Diana- Franzbranntwein von ganz ausgezeichneter Wirkung. 5. Infolge des angenehmen Geruches und Geschmackes des Diana-Franzbranntweines sowie dessen Eigenschaften gibt derselbe ein ausgezeichnetes Zahn- und Ourgelwasser, 6. Wer in der Früh einige Tropfen Diana-Franzbranntweirr' in Wasser aufschnupft, beseitigt die häufig auftretende Verstopfung, der Nasenkanäle. DIANA-FRANZBRANNTWEIN wirkt also kräftigend, abhaltend und kühlend. — Sein Geruch ist sehr angenehm, und DIANA-FRANZBRANNTWEIN eignet sich infolgedessen auch vorzüglich zur Erfrischung der Zimmerluft . Nehmen Sie nur Dlana-Franzbranntweln! Wtrüow Ueberau erhältlich.

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