Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 14 (23.12.1927)
- Date
- 1927-12-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 14 DIE NEUE WELT Seite * Chajes* letzter Weg. Phot. Willinger. eifernder Völker, so ist diese im roten Blutmeer wie eine Wunderblume von nie geahnter Schönheit aufsprießende Hoffnung letzten Endes der Erziehung zum jüdischen Idealismus zu. danken, zu jenem Idealismus, der schon vor dreißig Jahrhunderten, als der Krieg das tägliche Brot dei Völker war, einen unserer größten Söhne von der Zeit weissagen ließ, in der die Marterinstrumente sich wandeln würden zu Werkzeugen fruchtbarer Arbeit, in der kein Volk mehr das Schwert erheben würde gegen das andere, in der Aufbauen und nicht Zerstören, Zusammenarbeiten und nicht Befehden, das Fühlen und Wollen der Menschheit beherrschen würde. (Jes. II.) Stolz sollt Ihr wieder darüber empfinden, daß'Ihr dem Stamm angehört, der der am höchsten schöpferische ist. Wir wollen Wahrhaftig das Große nicht verkennen, das die anderen Kulturvölker der Welt beschert. Doch was wir ihr gegeben, ist das Entscheidende, ist das Bestimmende. Wir haben sie gelehrt, den Weg zum Göttlichen zu gehen, in uns das Göttliche zu suchen und zu finden; vor uns und ohne uns hat kein Volk dies vermocht. Bedürfte es noch eines Beweises, so wäre er in der. Tatsache zu sehen, daß geistig so hoch stehende Völker, wie die im äußersten Osten der Erde lebenden, bis auf den heutigen Tag zu dieser Erkenntnis nicht gelangen konnten, weil sie in der entscheidenden Phase ihrer Entwicklung der Hilfe, der Führung des Judentums entraten mußten. Wieder sollt Ihr fühlen, wieder sollt Ihr wissen, daß Euer Volk das auserwählte ist, das alte Wort „Du hast uns auserkoren," das vielen von Euch zu einer liturgischen Phrase geworden, soll wieder Euren Lebensinhalt bilden. In dieser Stunde, in der die Menschheit mehr denn je nach Erlösung lechzt, soll im Dunkel der Gegenwart das ewige Licht Israels neu erstrahlen. Wenn noch heute, da seit fast zwei Jahrtausenden ein großer Teil der Welt sich äußerlich zu unserem Gott bekennt, das Heidentum einen so breiten fast könnte man sagen, beherrschenden Platz im Glauben der Völker einnimmt, so ist es dem Unistand zuzuschreiben, daß wir, seit unsere Seele im Exil lobt, seit wir in Tausende von Gruppen zerschlagen sind und eine jede den Verzweiflungskampf gegen eine haßerfüllte Mehrheit zu führen hat, nicht mehr die Möglichkeit haben, un- | Wir verkaufen Es in der Zeit vom 5. Bis 29. Dezember SS unser reichsortiertes Peiziager für ES Damen und Herren, und zwar: Feh * Persianer Breitschwanz _ Seal * Nutria sa sowie alle anderen modernen Fellsorten zu überraschend niederen Preisen! Das Renommee unserer seit 30 Jahren bestehenden Firma bürgt für Erstklassigkeit der Arbeit und des Materials I Pelzhaus Pipersberg Pratersirasse 9. G £ 5 0 H E M. K K A « GTT E M —— kd«r (ä£U&Un v>tötntechrt3a>^er-%bn'k ^K^'lTd F^IHA. GEGENÜBER WAl s\r\6, e-ine ^erde^c)^ Gabe.ntisschev5 gehindert und in voller Freiheit für die Verbrettung unserer Ideale zu kämpfen. Man pflegt zu sagen: „Ihr habt der Welt die Bibei gegeben, nun könnt ihr gehen. Nicht ihr, sondern die Christen haben die Heilige Schrift in alle Sprachen der Welt übersetzt uud sie allen Völkern zugänglich gemacht!" Ach, meine Freunde, es genügt nicht, die Bibel zu lesen und zu lehren, die Psalmen zu singen und zu sagen, man muß die Bibel erleben. Kein Volk lebt in der Bibel, in keinem Volk lebt die Bibel als nur in dem unseren. Djc Bibel ist gewissermaßen die Seele, die sich in uns ihren Körper gebaut. Sehnsüchtig, mit vor Freude zitternder Brust blicken wir nach unserem Osten, wo eine neue Morgenröte aufzugehen scheint. Wenn unser Herz wieder im' Lande der Bibel schlagen wird, wenn wir wieder, wie der Sohn der Erde in der, griechischen Sage, die Mutterbrust berühren werden, da werden neu uns die Kräfte wachsen und wieder werden wir zum auserwählten Werkzeug der Gottheit werden können., Den alten, heiligen Judenstolz, die wund er tragen de, wundertätige Juden kraft, kann ich Euch wieder lehren. Schwer ist. die Verantwortung, die auf mir ruht, groß aber auch die Macht, die in meine Hand gelegt ist. Ich werde sie nicht mißbrauchen. In meinem, öffentlichen Leben kenne ich keine selbstischen Zwecke, keinen persönlichen Ehrgeiz. Jeder Gedanke, der in mir lebt, jedes Gefühl, das in mir wirkt, gehört dem Judentum und seiner heiligen Sache. Ich habe keinen Finger gerührt, um die höchste Würde zu erlangen, die das österreichische Juden- John Bell. Chanukaskizze von Hans Ch. R. A m b o r (Jerusalem). Es war ein trüber Jerusalemer Herbsttag. Wohl schon nach \ dem ersten Regen, aber noch war das Land durstig, noch nicht gesättigt an Wasser, dessen es monatelang entbehrt hatte. Gegen Mittag war die Sonne zwischen den einfarbig grauen Wolken wie ein gelber Lampion sichtbar geworden, wenig, aber doch etwas Wärme ausstrahlend. Wir saßen alle in der Halle bei Tisch, als Schalem hereinkommt und Sara zuruft: „Ein Brief ist für dich gekommen, Sarah! Rate, von wem?" Einen, zwei Namen nennt sie, plötzlich erhellt sich ihr Gesicht und lachend ruft sie aus: „Von John Bell!" Der Brief ist tatsächlich von ihm. Alles drängt sich nun um Sarah, die den Brief nimmt und laut vorzulesen beginnt: * '•- „Liebe Sarah! Wieder ist'eine lange Zeit verstrichen, seit, Sie von mir nichts gehört: haben. . Glauben. Sie deshalb nicht, daß ich Ihrer und der. Ihren vergessen habe. Im Gegenteil; Alle Stunden, die, ich mit Ihnen verbracht habe, sind mir gegenwärtig. Ich erinnere mich noch heute an das erste Mal, da ich bei Ihnen war. Ein Fremder, wurde ich wie von Freunden, wie von meiner Familie empfangen. Ihre Schwester Zwiäh''bereitete gerade die Jause auf dem rückwärtigen Balkon, schenkte den Tee ein und sorgte mütterlich für Kinder und Große. Kiein-Channah war bald befreundet mit mdr, und wie oft schaukelte ich sie auf den Knien,. Doch, Jahre sind inzwischen vergangen und aus Klein-Channah wird eine kleine Dame geworden sein, aus Ihnen vielleicht schon eine junge Frau? Ich war voriges Jahr in Wembley im Palästina-Pavillon, hoffte dort von Ihnen zu erfahren, leider umsonst. Mir, meiner Frau und meinen lieben Kindern geht es Gottlob gut, und ich erzähle ihnen oft von Ihnen, von der heiligen und schönen Stadt Jerusalem und „meinein Chairukafest". Ja, dieses Fest werde ich nie vergessendes war die richtige Feier für unseren Einzug in Jerusalem. Es hat ihm das rein Militärische genommen, es ist mar dadurch zu einer inneren, persönlichen, ich möchte sagen heiligen Feier geworden und ich feiere diesen 9. Dezember jedes Jahr mit Frau und Kindern, denen ich dann die Geschichte unseres Einzuges in Jerusalem und des Gesanges Eures Makkabäerliedes erzähle. Wieder naht sich dieser Tag und darum habe ich Ihnen heute geschrieben. Ich weiß nicht, ob Sie der Brief erreichen wird; wenn aber ja, dann würde ich mich mit einer, wenn auch nur kurzen Antwort sehr freuen und dann würde ich Ihnen gerne einige englische Magazine senden, ich erinnere mich, Sie lesen Sie alle so gerne. Seien Sie, Sarah, wie auch all die Ihren, bestens und herzlichst gegrüßt und denken Sie an Ihrem Feste an einen, der es im Gedenken mit Ihnen mitfeiert, als Ihr aufrichtiger John Bell." Einen Augenblick war alles still. Dann begann ein Fragen und Erzählen, denn alle am Tische kannten ihn, bis auf mich. Ich hörte aufmerksam zu und obwohl ich mir manches erklären konnte, alles war mir doch nicht verständlich. Ich wartete, daher den ersten Sturm der Freude ab und nachdem er sich gelegt hatte, bat ich Sarah, mir näheres über die Sache zu erzählen. Gerne willigte sie ein und nach dem Essen zogen wir uns alle in ihr Zimmer zurück auf ein bequemes arabisches Sopha mit recht viel weichen Kissen, und unter dem eintönigen Gesumme eine teewärmenden Primusmaschine, begann sie zu erzählen. „Es war ein Tag wie heute; ja, welchen Tag haben wir heute? Den 7, Dezember. Es sind also fast genau neun Jahre. Es war der 9. Dezember 1917, der Einzugstag der englischen Truppen, der erste Chamikatag 5678, Ein rauher, kalter Wintertag. Wie Befreier hatten wir die englischen Truppen begrüßt und den ganzen Tag war alles in den Straßen gewesen und hatte die Truppen mit Liebesgaben bedacht, ihnen warmen Tee ausgeschenkt. Die Juden der Altstadt waren sich um den Hals gefallen und hatten sich fröhlich und unaufhörlich „Masal fow", „Masal Tow" zugerufen. Unsere ganze Familie, auch meine Brüder aus Jaffa und Haifa, waren am Abend versammelt, um den ersten Chanuka-Abend gemeinsam zu verbinden. Der Abend war milde geworden, ein Fenster war halb geöffnet. Und neben dem Fenster stand der Vater und um ihn herum all wir Kinder und sangen die alte Weise des „Maoth Zur". Nie haben wir — und ich glaube, es ist: an dem Tag allen Juden in Jerusalem ähnlich ergangen — das Lied der Makkabäer mit einer derartigen Freude und Begeisterung gesungen, wie damals. Auf der Gasse aber zogen' weiter die Truppen vorbei, die Truppen jenes Volkes, das uns einen Monat vorher mit der Balfour-ßeklaration beschenkt hatte ... ' : : Monate waren vergangen, es war kurz .vor Pessach. Mein Bruder Arieh ging eines Tages-gerade vom; Hause weg, als er einen englischen Soldaten am Hause gegenüber angelehnt und zu unseren Fenstern aufschauen sieht. Er beobachtete ihn unbemerkt, doch der Engländer steht weiter ruhig dort und rührt sich: nicht, sieht nur ..immer zu den Fenstern hinauf. Endlich entschließt sich Arieh und geht auf den Soldaten zu und fragt ihn, was sein scheinbares Warten zu bedeuten habe. Etwas errötend antwortet ihm der Soldat, es ist John Bell: „Können Sie mir sagen, wer dort oben wohnt?" „Ja, mein Vater mit unserer. Familie", autwortet mein Bruder „Warum fragen Sie?" „Das will ich Ihnen gleich sagen," antwortete John Reil. „Es war am 9, Dezember, als wir.hier einzogen. Wir marschierten gerade in Jerusalem ein, durch diese Straße. Als wir vor Ihr Haus kamen, sah ich dort neben dein Fenster ein einziges kleines Kerzchen brennen und aus dem Zimmer tönte mir ein wundervoller, eigenartiger Gesang entgegen. Ich weiß nicht, warum mich dieses ft*e mooernften Mett», äHtmmut« tmö 9to0lanftoffe m umwaWftHA bilUflcn Vrrifttt (ei TUSinfeSBiett$eHe 40 (im $ofe)