Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 13 (16.12.1927)
- Date
- 1927-12-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite B m NEUE WELT Nr. 13 Das Fest des Lichtes«, —y. Mit fröhlichem Segen hat sonst dae Mutter lies jüdischen Hauses dieses Fest stolzer und großer Geschichte geweiht, wenn sie die acht Lichter rüstete, die der Herr des Hauses anzündete, durch acht Abende jedesmal ein neues?a\ den Nachbarn ge-v seilend. Durchwärmt von der Erinnerung steht dieses Fest vor jedem,, der als Kind, von dem mystischen Zauber des Lichtes befangen,' auf 'den Leuohtef Sah und der uralten, verträumten, sich ins Herz legenden Melodie des Liedes lauschte, das der Vater, sang und das von der „Chanukath hajnisbeach" von der Feier des Altares handelt, den Juda Makkabi seinem Volk wieder aufgerichtet hatte. Syrer und Griechen, hatte er aus dem Land gejagt, die letzten Reste einer jämmerlichen Assimilation fortgefegt und dann das Heiligtum der Nation, den Tempel aufs neue geweiht, indem er das ewige Licht 'wieder entzündete, Es ist ein einfaches-Fest, der Prunk'der offiziellen Kirche weiß nichts von ihm. Aber es ist doch ein treuer Begleiter des Volkes gewesen. Wohin immer der Leidensweg Ahasvers ging, überallhin folgte ihm die Menorah, dde raunend und flackernd von einstiger Größeerzählte, tausend starke Fäden zwischen den Volksliedern zog und aus den dunklen Fenstern des Exils ihren zitternden Schein warf auf die Straße, die von Ewigkeit zu Ewigkeit führt, so endlos, wie es die Historie des uralten, alle Völker,-Herrscher und Feinde überdauernden Volkes der Berte Israel, ist. . Rauh und feindlich ist diese Historie, rauh und feindlich sind die Tage, die wir durchleben. Von wahnwitzigem Haß und Zorn bedroht, steht das jüdische Volk einsam und verlassen und in jedem Jahr sind, die Lichter, die es zu Ehren Mäkkabis anzündet, der. wie ein Hammer die Feinde schlug, doch nur Seelenlichter für Opfer in dem grausigen, niemals ruhenden Krieg, den das auserwählte Volk der Qual gegen eine Welt von Feinden führen muß, die ihm, fremd im Wesensfremd in der Seele, nur Tod und Untergang wünschen, weil sie seine Kraft, seine fast unbegrenzte Fähigkeit des Leidens und Duldens fürchten. Wenn nach Jahrhunderten blutigster Verfolgung und Unterdrückung dieses Volk aufstünde und die ganze Welt in 'Trümmer schlüge, wen könne das wundern, der die Last des Jammers 'und Elends ermißt und an das furchtbare Schicksal •. des; jüdischen Volkes denkt, das durch fremde Schuld die Heimat verloren hat und ' seither verflucht, ist, friedlos und freudlos duroh eine harte Welt zu wandern. ' '. Unsere Kraft ist -nicht gebrochen. Durch die Hölle der mittelalterlichen Ghetti sind wir geschritten, ohne dav Bewußtsein' einer. Höheren-' Sittlichkeit'zu verlieren, frr den ^Folterkellern der Inquisition,' auf den Scheiterhaufen, die „zur größeren Ehre Gottes?' flammten, haben die.Söhne desjüdischen Volkes, mit ihrem Leben ihr Bekenntnis zu dem Gott besiegelt, der so einzig ist wie ihr. Leid.: -Hie hat sich die Seele des Volkes gebeugt, nie hat es den Weg aus den Augen verloren, der nach der zertrümmerten Heimat führte nie hat es Zion vergessen, dessen heiliger Name auf den Lippen tausender Verröchelnder stand, die fremder Fanatismus in den. Tod sandte'. Die * Ueberiebenden dachten daran;, daß ihre rechte Hand verworrenmüsse, wenn sie an das Vaterland vergäßen, und Heßen das Schwerste über .sich ergehen.; Sie zogen sich hi ihr Heim zurück und sahen in das Licht der-Menorah. Und dachten:.an: ihre-Vorfahren, die einstmals „an den Wassern Babels saßen, .und weinten", deren Harfen an den Weiden hingen und * die vor den Feinden nicht die Lieder ihres Stammes [ singen wollten. Und nahmen dann trotzig den Kampf ■ wieder auf.- ' '.' - Was hat 'doch1 dieses jüdische Volkalles gesehen! Seine Geschichte führt in Zeiten, von denen die Archäologie träumt. Die Qheta-Fürsten, die Pharaonen, die römischen Senatoren, die gallischen Häuptlinge und deutschen Kaiser hat e,s überdauert, die Entwicklung der. ganzen Welt hat es mitangesehen und miterlebt, Krieg, und Hunger und" Pestilenz in jedem Land "mitgemacht und steht doch aufrecht und ungebeugt, frei utid unabhängig, voll unzerstörbarer Lebenskraft und voll Hoffnung, diese ganze Geschichte einmal; wie einen schlimmen Traum hinter sich werfen zu können. ' Die Hoffnung keimt der Erfüllung* Das Heim will uns wiener erstehen.- Wir gehen einem neuen Abschnitt unseres Volkslebens entgegen Und sehen, voll gläubigen Vertrauens in' die. Sonne, die an unserem Himmel aufsteigt und; uns den Weg in die Heimat zeigt. ' Nach'dem Osten hin lenkt unsere: Straße, nach, dem Land, nach dem unser Herz schlägt. Unsere, beste Kraft- und unsery.freudigstes Wollen setzen .wir an die große Aufgabe, die vor. uns ersteht: uns nicht unwürdig zu zeigen unserer. Väter, die treu geblieben sind, und für das ganze Volk 'ein Haus zu bauen, in-dem sich jedes Kind einer jüdischen Mutter wohjfiihi^n kann, Allen Nationen, mit denen wir in Berührung gekommen sind» Jjaben wir den Begriff der Freiheit gegeben; wenn es um die .Freiheit gegangen ist; haben .unsere jüdischen Brüder; — und es ist das eine Ehre und ein; Schmuck -für uns -- als die ersten Iris Eisen gegriffen. Nun aber schaffen wir die Freiheit für uns selbst, OLSO Sprechapparate I., BlLLAßlASTRASSB NR.19 Unser Spezial-Kofter-Apparat auf 6 Monatsraten zu täglich 30 Or. Stets, großes taget in erstkl. Sprechappnraten, Ultraphonen . und neuestenSchlaoerplatten im Andenken an Judä Makkabi, an alledie nicht abgefallen sind und den Tod der Schande vorgezogen haben. "Und wir denken an das Makkabäerlied, das seit vielen Hunderten von jähren in jedem jüdischen Haus gesungen wird und seine QueMfrisöhej bewahrt hat: „Moaus zur ..." Die Makkabäer — auf der Flucht. Von Otto Abeles. Es wird zu wenig bedacht und zu häufig verschwiegen, daß die ersten Makkabäer zunächst — Fersengeld zahlten. Sie flohen aas. tModeim und verbargen sich in Gebirgshöhlen. . ' Der Politiker berichtigt. diese Feststellung: „Die Rebellen hatten auf dem Marktplatz zu Modeim da» Zeichen zum Aufstand gegeben und mußten sich vor der übermächtigen Reaktion in die unzugänglichen Schluchten des Ephraiimgebirges zurückziehen, um dort die Befreiung vom gräcp-syrischen Joch vorzubereiten." , ' Der Historiker fügt ihinzu: „Als der Landpriester Mathatias jenen Juden erschlug, der die symbolische Handlung des Abfalles vor dem versammelten Volke zu vollziehen sich anschickte,, als sodann ein, Fähnchen Erweckter unter den Schergen der Unterlocher ein Blutbad anrichtete, gab es noch gar keine "„Makkabäer". Weißt du denn-nicht, daß nach diesem-'Auftakt, der bloß ein Anlaß war;aber noch lange kein Anbeginn, die Rebellen in den Bergen sich widerstandslos hinschlachten ließen? Erst bis es Mathatias und seinen Söhnen geglückt war, den unheilvollen Einfluß der Assiääer zu brechen, begann die Aera der Makkabäer." „Völlige Verkehnung der Situation!" meldet sich schließlich der Taktiker. ,,Sie ergrifien die Flucht? — Nein. Sie' zögen Iii die Freiheit! Nach Jenem historischen Augenblick auf dem Marktplatz zü 'Modeim,' rief bekanntlich Mathatias, der iMakkabiervater: Wer den Bund hält,'zii mir!• Dan« erfolgtein* 'anschwellendem Zuge die. Behörden von Modein waren durch'den Putsch wie gelähmt — *e Sezession der neuen Stoßtruppe, die sich unter der Parole in (tyrahnos". gesammelt hatte. Was'du Flucht nennst,' •warmer Marsch zum Sammelplatz." , * " ' Ich aber bleibe dabei und sehe in den Tagen unseres Chanukafestes bewundernd dieses Bild: Die ersten Makkabäer auf der Flucht. . ■ Ja,, sie flohen, die Ersten, die Unverderbten, di,e Primitiven — sie flohen angsterfüllt aus diesem gefährlichen Bezirk der hellenistischen Dialektiker, de 'ihnen; mit . dein ' Mahlwerk weit überlegen 'waren. ' " Sie rannten, ohne Rücksicht darauf, daß dies nach der Tat auf dem. Marktplatz bestimmt keinen heroischen Eindruck' «nachte — sie rannten aus der Statjtmit keuchenden Lungen bis in die verborgensten^" Bergschluchten. Fort, fort, fort!—'~Die.hier kriegen uns wieder .unter, denen hier sind wir nicht gewachsen! Die erzählen in wohlgesetzten und unwiderleglichen- Reden, man müsse doch nicht in geistiger Beschränktheit verkümmern,1 man brauche doch nicht ^Barbar" zu bleiben, man. solle doch „mit dem Fortschritt" gehen und sich zur rhqllenischen Kultur durchringen. Es 'sei' doch, ausgeschlossen, daß sich ein differenzierterer Hebräer von diesen ungehobelten, ungebildeten Provinzlern, von diesen groben Bauernfäusten einschüchtern lassen könnte,' von diesen verbohrten Fanatikern,, die mit Ihren Querköpfen durch die Wänd rennen wollen. ( . . Auf die' Schrift, auf den „Bund" berufen sie sich? -r Wir kennen die Schrift auch. Haben etwa Abraham, Isaak und Jakob, die man doch Stammväter nennt, in allen Stücken den „Bund" gehalten und sich nicht gegen Idas Gesetz vergangen? Ja, die Hellenisten, die, sich in den Gymnasien den Leih salbten und darüber spotteten, daß zum. Tempel keine Unser innigstge! ebter'uod teuerer Sohn und Brud r, resp. Onkel 0*. LAZAR BAIDAFF iit am lt. d. M. in Koloraea nach längerem Leiden sauft entschlafen. Jeder, dor diesen edlen und guten Menschen kannte, weiß, wen was wir verloren haben, laak und Berts Böidaff * als Eltern . Josef Frledinann Anns u. Mich. Friedman* ä s Nv.fe as Oeschwls er Stufen ftihren dürften, auf daß keine Blöße des Körpers sichtbar werde — die hatten griechische Logik gelernt und waren in der Dialektik zu Hause, gegen die war nicht aufzukommen. Und die anderen,' «föe mit Augenverdrehen und tränender. Stimme psalmodierten (das erste Buch der Makkabäer hat ihre Rede verewigt): „Lasset uns einen Bund machen mit den Heiden «umher und ihren Gottesdienst annehmen, denn wir haben viel leiden müssen, seit der Zeit, da wir uns vofi den Heiden abgesondert haben" . . wie konnten die ersten Makkabäer neben diesen gewitzigten, gefinkelten „Volksfreunden" bestehen, neben diesen Jovialen Klerikern, welche den früher streng gehaltenen Hebräerinnen den Anblick des nackten Griechensport« gönnten? Was hätte es gefruchtet, auf Diebstahl und Verschleppung der Tempelgeräte, auf Verunglimpfung der teuersten Heiligtümer hinzuweisen, wenn andere Männer mit Emphase auf Ihr ,31« topf er" hinwiesen, aus Hirer Schande einen Ehrentitel machten und ausposaunten, sie hätten eine gewisse Operation an ihrem Leibe vollziehen lassen, um unter Schmerzen zu erweisen, auch Hebräer seien der HeHen'enkultur würdig geworden ... Wie konnten diese Vierschrötigen mit dein lauteren Herzen, diese Empörten mit der. schweren Zunge neben den gesohickten Phraseuren, den geölten 'Diplomaten mit den guten Verbindungen bestehen, welche den Unterdrückern nahelegten, man müsse mit Stumpf und Stiel die lächerliche Minderheit der Landesverräter vernichten, die verhindern wollen, daß die Juden durch griechische Einbürgerung endlich zur Sittlichkeit und Menschenwürde erhoben werden 1 Nein, da war nur die Flucht aus der verpesteten Atmosphäre am Platz, nach der ersten Erschütterung das Hinausrennen in die reine Luit der judäischen Berge. ,• Dort - konnten ihnen die hundertmal überlegenen Assimilänten nicht nahe kommen. Dort erhob sich aus ihrer Mitte Jehuda Makkabi, der „Hämmerer". Dort vollendete sich das Geschlecht der Herren, das dann mit eisernem Besen den Unflat aus dem Lande fegte. Und siehe, dort erhöhten sich die Seelen über das gleißende Geschwätz der Hellenisten.- Es entstand das Buch Daniel. Die Chanukalampe als jüdisches KuttstdenkmaL Es ist zu wenig .bekannt, .wie vielfach und/eigenartig der jüdische Ritus das jüdische Kunsthandwerk zu Schöpfungen angeregt hat. Insbesondere die achtarmige ChanUkalampe, 'die; Menorah, wurde von, jüdischen; Handwerkern in den verschiedenen Gegenden. jüdischer Siedlungen künstlerisch ausgestaltet und wir besitzen zahlreiche Denkmäler der schöpferischen Volksphantasie, die sich sehen lassen können. Einige besonders kostbare Exemplare von Chanuka- "lampen finden sich in der Sammlung der1 Gesellschaft zur Erforschung jüdischer. Kunstdenkmäler in Frankfurt am Main. Da ist eine Menorah* aus Ge-rbkupfer mit reich .durchbrochener Rückwand aufbewahrt, die in, Spanien zur Zeit des Maimonides entstanden sein dürfte. Durch die Bogen-; Stellung über den schön geformten Lampen* und das merkwürdige Muster der'Durchbrechungen gibt sich diese Lampe als das Werk eines tüchtigen Künstlers kund. Andere ähnliche Stücke weisen an Stelle der Durchbrechungen Tiergestalten auf; (Greif, Seepferde u. dgl.). Auch eine eigenartige hochaufragende Chanukalampe gotischen Stils findet sich in der Sammlung, die aus Südfrankreich .stammt. Viel bewundert und nachgebildet, War in der Komposition und sauber.in der Ausführung ist eine Arbeit der italienischen. Renaissance mit anmutigen Körpern von Delphinen. Die Frankfurter Sammlung enthält ferner eine ganze Reihe von Chanukaleuchtern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die sowohl in Deutschland wie in Italien entstanden sind und an denen die Verzierungen stärker hervortreten, vielfach' sogar in krauser Form den ganzen Leuchter förmlich überwuchern. Neben diesen Chanukaleuchtern für den Haus- ' gebrauch gibt es zahlreiche' künstlerisch sehr wertvolle v Exemplare, die in, den Synagogen die rechte"Seite des Aron Hakodesch schmücken. Sie sind freistehend und aus dem meist vierseitig mit Löwen geschmückten Untersatz wächst ein Stamm, mit acht Zweigen heraus. Auch diese Lampen sind mit plastischem Schmuck von Tieren, wie Pfau, Eichhörnchen, Sperling'usw;, geschmückt. Die künstlerisch, wertvollste Menorah ist wohl jene, die in der Synagoge des polnischen Städtchens Pogrobyszcze steht' und aus' Gelbguß * hergestellt ist. Dieser Leuchter ist von buntestem und «ärtestem Zierat umrankt und von einer ganzen Schar fröhlicher Kreaturen bewohnt. Der Leuchter wird von \ vier aufrechten Löwengestalten getragen, auf den'vier Ecken des Untersatzes sitzen Vogelgestalten, in den Leuchterarmen dehnen sich Junge Löwen, jeder Kerzenkelcb wird von einem Sperling getragen und auf den .iDiener" springt mit kühnem S#z ein Widder hinauf. Auf der luftig gearbeiteten, Krone aber, die dem Stamm1 aufgesetzt ist, steht ein köstlich modellierter majestätischer Gockelhahn, der in die Chanukanacht hinausruft. Sp* mag, man sich in der. Chanukawocbe an der künstlerischen Schaffensfreude unserer Ahnen freuen, die in der, furchtharsten Zeit der Bedrängnis doch niemals erlahmte, und mit frohen Hoffnungen de ikt man an die Zukunft, da die jüdische Kunst; dem uralten Heimatboden wieder vermählt, aus eigener Kraft wird schaffen kötmeot