Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 13 (16.12.1927)
- Date
- 1927-12-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 DIE NEUE WEIT Seite 5 Jahre 1922 gefaßten Numerus-cIausus^Beschlusses feiern sollte. Der Kongreß wurde verboten. Ueber Großwardein und Klausenburg wurde der Belagerungszustand verhängt. * Bei den Ausschreitungen In Großwardein waren auch ein amerikanischer Offizier namens Keller und der ungarische Schriftsteller Hajhal schwer mißhandelt worden. Die amerikanische und .die ungarische Regierung ha-ben deshalb Proteste an Rutnänien gerichtet. Wie in Bukarest verlautet,. hat der Außenminister Titilescu mit seinem Rücktritt gedroht, falls die Regierung nicht sofort Mäßregeln trifft, um einer Wiederholung solcher Exzesse, die eine außenpolitische Gefahr bedeuten, vorzubeugen.- Die .Schäden in Großwardein und Klausenburg. Bukarest, 11. Dezember. (J. T. A.) Die zur Feststellung der Schäden eingesetzte Kommission hat allein inKlausenburg eine;i Schaden von 60 Millionen Lei festgestellt. Der Schaden in Großwardein soll diese Summe noch übersteigen. In Klause nb u r g hat die im Zentrum der Stadt gelegene Königin-Maria-Straße besonders gelitten. Das Cafe" Metropol wurde vollkommen zerstört. Demoliert wurde auch die Filiale der Banca Marmorosch, Blank & Co. Von den größeren Geschäften erlitten die Seidenwarenihandlungen Eugen Szabo, die Firma Öavid Sah war z und die Sporthandlung Deutsch die größten Schäden. In der König-Ferdinand-Straße blieb kein einziges jüdisches Geschäft unversehrt. Der große Tempel bietet, ein Bild der. Zerstörung. In der Mühlgasse würden die beiden jüdischen Gotteshäuser sowie mehrere jüdische Privatv/oJiiH!!)£en zerstört. Im gesamten von Juden bewohnten '---------n, die Studenten wie Vandalen. Zum ' ' ■ ich die Synagoge in der Kelemen-Miikcs- In allen Synagogen wurden die Tempelgeräte auidie Straße geschleudert und angezündet. Einer der jungen Studenten zündete . eine T h o r a r o 11 c auf langer J3 tätige an und trug sie als eine Art Fackel bis zum Gebäude des jüdischen Lyzeums, das das letzte Ziel der Zerstörungswut war. Erst gegen 9 Uhr abends trat allmählich Ruhe ein. Ueber Großwardein liegen detaillierte Meldungen über die Schäden noch nicht Vor.. Die Zeitung „Dreptatea" beziffert den Schaden mit 500 Millionen Lei. Die Zeitungen erscheinen unter Zensur. Die Bukarester Presse darf nichts über die Studentertimrulieii schreiben. Nur die Regierungsblätter und die parteilosen Zeitungen begleiten die . Nachrichten über die Exzesse mit bedauernden Bemerkungen, daß die Universitätsjugend unter den Einfluß von Elementen geriet, die die Ordnung stören. Schilderung , eines Augenzeugen, Budapest, 11. Dezember. (J. T. A.) „Pester Lloyd" veröffentlicht die Schilderung eines Augenzeugen der Zerstörungen ün'Großwardein. Er berichtet unter anderem: Das traurigste und empörendste Bild der rohen Vernichtungswut stellen die drei Synagogen dar: der sogenannte Ziontempel, der Tempel der orthodoxen Gemeinde und die neue Synagoge auf der Teleki-Straße, diese drei Gotteshäuser weisen nur noch die nackten Mauern auf. Man' warf die Bänke auf die Straße, zer- .riß die Thorarollen, warf sie. auf die Straße und beschmutzte in der gemeinsten Art die Gotteshäuser. Den Gipfel des Vandalismus' erreichten einige hundert Studenten, die sich mit einer Anzahl geradezu wildgewordener Studentinnen auf dem Bem-Platze versammelten, dort die Thorarollen aufhäuften und anzündeten, worauf dann die Studenten und die Studentinnen einen Tanz umdas F e u e r begannen. Einzelne hüllten sich in geraubte Gebettücher und die jungen Mädchen setzten sich d i e Kronen der Thorarpllen auf ihre Köpfe. Wer diesem entmenschten Treiben zugesehen hat, wird es Zeit seines Lebens nicht vergessen und immer als eine der grauenhaftesten Entartungen der menschlichen Leidenschaften .in der Erinnerung bewahren. - .; Ausschreitungen in Jassy. Bukarest, 11. Dezember. (J.T. A.) Aus Jassy liegen Berichte, über schwere Ausschreitungen vor. Hier hatte"'sich eine Anzahl von Studenten, vor dem Studentenheim angesammelt, um von dort durch die Hauptstraße zu ziehen.Jüdische Passanten wurden mißhandelt und die Läden jüdischer Kaufleute geplündert. Sodahn stürmten die Studenten die Synagoge, beschädigten die Einrichtung und mißhandelten die zum Gottesdienst versammelten Gläubigen. Die Ruhe konnte erst durch die' Gendarmerie wieder hergestellt werden. Später rotteten sich die Studenten wieder zusammen Jllllll!l!l!lll!l!lllll!ll!l!l!lll!llllll!ll!lill!l!lllllli!!ll!!l| iiisle Preise haben den Riff unseres/ Hauses begründet! 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Tatarescu habe den Schauplatz der Unruhen erst verlassen, als bereits alles vorbei war. Prof: Giulca erklärt, daß Studenten, die am Kongreß in Großwardein teilgenommen haben, ihm versichert hätten, .daß sie selbst gehört haben; wie die Polizisten an die Studenten die Frage richteten, wann die. Sache eigentlich 1 o s g e h e. Er, Giulca, selbst sei Augenzeuge gewesen, wie die Klausenburger Behörden den Ausschreitungen in aller Gemütsruhe,zusahen. Giulca habe einen jungen Marin, :der das Schaufenster eines Geschäftes mit einer eisernen Stange einschlug, zur Polizei'gebracht; der Täter wurde sofo.rt f r ei g el a s s en/Dies sei ein Beweis'dafür, daß die Unruhen und Verwüstungen' von höhcrer Stelle organisiert wurden. ' . Im rumänischen SenaJ erklärte der Klausenburger Universitätsprofessor Beila, er habe mit eigenen Augen gesehen, wie sechs Synagogen demoliert wurden. Jüdische Wohnungen seien ausgeplündert '.und-die Möbel in den Fluß geworfen worden. Beila erbot, sich, Bilder des Vandalismus 'vorzulegen. Unter den Exzedenten hätten sich-bezahlte Agitatoren befunden. Er, Rcrdner, sei überzeugt, daß der Unterstaatssekretär im . Innenministerium Tatarescu der" Angelegenheit nicht ferne stehe. , Die Regierung "habe .bisher keine Maßnahmögegen-dic<Sch u> 1 d igen getroffen. Entweder sei sie inrtschuldig oder sie sei ohnmächtig; in beiden Fällen müsse sie zurücktreten. * * Pogromopfer werden verhaftet. „Vossische Zeitung" meldet aus Budapest, 10. Dezember: In Großwardein und Klausenburg wurden ^einige hundert Ungarn und Juden unter der Beschuldigung v e rh a f t e t, die Studenten „provoziert" zu haben und an den Ereignissen Schuld zu tragen. Vor allem wurden.alle Verletzte «'verhaftet mit dem Hinweis darauf, daß eben ihre Verletzungen ein Beweis für. ihre Schuld seien. Die Verhafteten sollen vor ein Kriegsgericht gestellt werden.' Dr. Fildernianns Rede im Parlament. In seiner heutigen Rede im Parlament führte der' Präsident der,Union rumänischer Juden, Abg. Dr.' Filderm a ml, ungefähr, aus: Schon im November begannen die Ausschreitungen der Studenten an den verschiedenen Universitäten und. dauerten de« ganzen Monat hindurch an, ohne daß eine Untersuchung eingeleitet worden ist. Keiner, der Angreifer wurde bestraft, keine wirksame Maßnahme getroffen. Die Angreifer wurden nicht gestört. Bevor es zum Kongreß kam, unterbreitete ich dem Innenminister ein Memorandum mit der Bitte, die notwendigen Vorbeugungsmaßnahmen zu treffen.'Nichts wurde getan.' Als es auf dem Wege nach Großwardein zu schweren Ruhestörungen kam, verständigte ich davon den Innenminister, der .eine Untersuchung einzuleiten1 versprach. Es blieb, bei derii Versprechen; die Ruhestörer konnten ungehindert den Weg nach Großwardein fortsetzen und zu größeren Taten rüsten. Der Mut der Ruhestörer wuchs und so kam es zu'Taten, die alles, was sich au den Universitäten in den letzten Jahren ereignet hat, in den Schatten stellen. Die Studenten befaßten sich auf dem Kojigreß mit den Fragen des Numerus clausus, der jüdischen Leichen- und der Studentenheime. Aber auch über Angriffe auf Juden wurde beraten, das. heißt, es wurde zur Störung der öffentlichen Ordnung aufgerufen, da doch dte Juden zur sozialen Ordnung gehören. Die R e gl er u n g gestattet also den.Studenten, ana r cfc Is..t i s c h e Ziele z u v e r f o 1 g e n. Dr. Fildermann schloß seine Rede mit der Frage, welche Maßnahmen gegen die Ruhestörer sowie gegen die Beamten, die* diese Ruhe-. Störungen duldeten, ergriffen worden sind. Er fragte weiter, ob die Regierung die Schäden gutmachen werde. Dr. Fildermann fragte schließlich, welche Maßnahmen die Regierung gegen den Bezirkspräfekten'Logontiu des Bezirkes Bfhor zu ergreifen gedenke, der erklärte, daß der Studentenkongreß sowohl den ^Fremden" im Auslande, wie denen im Inlande eine Lehre geben werde. Innenminister Duca antwortete Dr> Fildermann, er wundere sich über die Behauptung, daß die Regierung die antisemitische Bewegung unterstütze. Dr. Fildermann kenne ja dje Gefühle der Regierung gegenüber den Minoritäten Und besonders gegenüber den Juden. Die Regierung begreife, daß die Studentenschaft von nationalen Gefühlen erfüllt sei, aber sie gestatte nicht, daß diese in. barbarischer Weise zum Ausdruck gebracht werden. Dr. Fildermann verlas daraufhin Telegramme aus verschiedenen Orten, in denen Ruhestörungen vorgekommen sind. Er glaube, sagte er, an die Aufrichtigkeit des Ministers, aber seine Befehle werden nicht respektiert. Exzesse In einem litauischen Städtchen. Aus K o w n o, 11. Dezember, meldet J. T. A.: In dem Städtchen Nanewe in der Nähe von Kowno fanden im Verlauf der. vergangenen. Woche täglich schwere Ausschreitungen gegen die Judenschaft des Ortes statt, an denen sichTOffiziere und Soldaten einer hier für kurze Zeit gelegten Militärabteilung beteiligt haben. Mehrere jüdische Bürger wurden blutig mißhandelt und müssen, nun für längere Zeit das Bett hüten.'Eine Abordnung der Judenschaft des Ortes bat den Militärkommandanten um Schutz, dieser wurde versprochen, das Ver-. sprechen aber nicht erfüllt. Der Zustand eines der verletzten Juden ist lebensgefährlich. Wie heute mitgeteilt wird, hat der Kriegs minister einem bei ihm vorsprechenden jüdischen Journalisten das Versprechen gegeben, eine strenge Untersuchung durchzuführen. <n . Mehrere Wiener Blätter berichten, daß in Na newe seit Sonntag ein furchtbarer Pogrom im Gange ist, bei dem über 100 Todesopfer zu verzeichnen sind. Das Judenviertel des Städtchens soll in Flammen stehen. Eine Bestätigung dieser Meldung liegt bis zum Schluß des Blattes, n i o h t vor., SPEZIALIST Ifflr Kinder- und Mädchenzimmer-, . KUchen- und Vor* BJ zlmmer-MÖBEL. Schlaffauteulis, Diwans und Ottomanen eige- ■ ner Erzeugung. Geschäftsbes'and seit 60 Jahren. Motto: Qrotter ■ Umsatz — kielner NuLen. Orößtc Auswahl 1 Billigste Preise! ■ Josef KobiStz « Sohn. VII., Siebensterng. 12 I Welzmann in Rumänien. . Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Dr. Chaim Weiz'marin ist am 6. Dezember von dem rumänischen Regentsc ha,ftsrat, der bis zur Voll-, jährigkeit des Königs Michael die Herrschaft ausübt, empfangen worden. Von den drei Mitgliedern des'Regentschafts-. rates waren der Patriarcch der rumänischen Kirche Miron und der Präsident des obersten rumänischen Gerichtes Buzdugan anwesend. Sie erklärten im' Namen t des* ru-. mänischen Reiches ihre Sympathie für das zionistische Ideal und die praktische Arbeit des Zionismus. . * Am 6. Dezember begann in Anwesenheit von Doktor Wcizmann die Tagung des ersten Kongresses . -der Zionisten ganz Rumäniens. Der Gesandte Großbritanniens, Grceg, hielt eine Begrüßungsansprache. Der Innenmini-, ster Duca wiederholte feierlich die Erklärungen der rumänischen Regierung, daß y sie bereit sei, den Zionismus zu unterstützen. Er schloß mit der weiteren Erklärung, daß die rumänische R egie rung die Mi tarb eit de r Juden aufrichtig wünscht und eine ftiedliche Zusammenarbeit zwischen den Jude.n und den übrigen Teilen der Bevölkerung er-? strebt. ' Auf dem Kongreß wurde eine neue Exekutive ge- ' wählt, deren Präsident Adolf Bernhardt äst. Der Exekutive gehören vier Vertreter des zionistischen Zentrums und zwei radikale Zionisten an. Die Zionistenreyasiönisten blieben mit 20 Stimmen in der Minderheit. |Blll««Hln»ll!Il!lg| Grundstück m Angelegenheiten §§ Ä Kauf * Verkauf Verwaltung Belehnung betreffend Häuser*Villen Güter weqdej owi sichve^auertsvoti die i T" Realftlicn«ui»4Verw*lhii**w Dr. jur. Marem Somer Jm Wicn,IX. Währingerströfjc 3 BI lg Telephone: A20-4*47 * 15*50« Ü| IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIll^