Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 12 (9.12.1927)
- Date
- 1927-12-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. ii DIE NEUE WELT Seite | Dr. Weizmann in Rumänien Aus Jiuka r es t wird berichtet: Am Donnerstag den 1, pezember besuchte der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Prof. Dr. Ghairri;\V e i zm a n n den eng' lischen Gesandten in Bukarest, Nachher hatte er eine Audienz beim Minister des Innern Du ca. Minister Duca ließ,sich eingehend über die Lage \n Palästina und im Zionismus informieren. Er gab seiner Sympathie für die zionistischen Bestrebungen Ausdruck und sagte, die rumänische Regierung stehe unabänderlich auf dem Standpunkt ihrer Deklaration, die sie gegenüber Nahum Sokolow bei seinem vorjährigen Besuch, in Bukarest abgegeben und in der sie ihren Willen kundgetan habe, die zionistische Bewegung zu unterstützen. Die Regierung sei bemüht, überall im Lande die Ruhe aufrecht zu erhalten, sie erstrebe aufrichtig eine ständige Mitarbeit mit den Vertretern der jüdischen Bevölkerung. Am 2. Dezember wurde Dr. Weizmann vom Ministerpräsidenten V i n 111a B r a t i a n u und von dem Außenminister T11 u 1 e s c u empfangen. Beide Staatsmänner, wiederholten die vom Minister Duca abgegebene Erklärung. Die rumänischen Tageszeitungen veröffentlichen Erklärungen des Patriarchen Miron, Mitglieds des Regentschäftsrates, des Innenministers Duca, des Außenministers Titulescu, des bekannten Führers der unabhängigen Bauernschaft Dr. Lupu, des gewesenen Ministerpräsidenten General C o a n d a und anderer einflußreicher Politiker Rumäniens, die. alle ihrer Sympathie für den Zionismus und das jüdisohe Nationalheim in Palästina Ausdruck geben. Das deutsche Palästina-Komitee. Kundgebungen deutscher Politiker über das zionistische Werk. In Köln hat Ende November eine Versammlung des deutseben Bailästinakomitees stattgefunden, der die Spitzen der politischen und intellektuellen Kreise beiwohnten. Regierungspräsident Ha.ussma.nn (Stralsund) führte den Vorsitz. Er verlas ein sehr ausführliches und in herzlichen Worten abgefaßtes Schreiben des Präsidenten des .Preußischen Staatsrates und Oberbürgermeisters Dr. Adenauer, in welchem dieser mitteilt, daß er zu seinem lebhaften Bedauern durch die Einberufung des Staatsrates an der Teilnahme verhindert sei. In dem Schreiben heißt es: „Die Entstehung YOn- Propalästinakomitees in Deutschland, Frankreich und England, denen die Vertreter der Regierungen und neben führenden Angehörigen aller Parteien Künstler, Wissenschaftler und Wirtschaft ler von Rang angehören, ist ein Beweis für die Sympathie, die der Gedanke jüdUcher Erneurer ung überall dort findet, wo die Förderung menschlicher Wohlfahrt und Gesittung, die Beseitigung der Zwietracht unter den Völkern und -des Hasses zwischen Religionen und Rassen als eine hohe Aufgabe betrachtet werden ... Ich hoffe, daß die Sympathie der Welt und die Opferbereitschaft der Judeniheit die Wiederau fersten ung des alten Landes sichern werden, der die Wdederauferstehung der alten hebräischen Sprache bereits vorangegangen ist , . . Das Palästinamandat ist der politische Erfolg einer Bewegung, mit deren ersten Anfängen unsere Stadt verbunden ist. Auf dem jüdischen Friedhof in Deutz ist Moses Hess begraben, der' geistige Urheber des modernen Zionismus. Seinem im Jahre 1862 erschienenen Werke sab er den Titel „R o m mn d J e r u § a l e m". Wir verstehen, daß mit Jerusalem und Palästina jüdische Bestrebungen verbunden sind, deren Ziele schöpferische Leistungen sind, die nicht nur für die jüdische Welt Bedeutung haben werden. Die mit der Scholle verbundenen jüdischen Bauern und Arbeiter sollen nach unserem Wunsch ihr Leben so gestalten, daß sie im Orient als ein Bests QiaDtaten i Histt Preise haben den Rur unseres Hauses begründet! 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Die Begrüßungsansprache hielt der Präsident Oberrabbiner Prof. Dr. C h a j e s, der die Zwecke der Liga skizzierte, einen kurzen Rückblick auf die verflossene Arbeitsperiode 1924 bis 1927 warf und mit Befr!edigung_feststeHen konnte, daß die für diesen Zeitraum wichtigste Aufgäbe, die der' Repräsentation auf den verschiedenen internationalen Kongressen trotz mannigfaltiger Schwierigkeiten volkommen gelöst werden konnte. Dpktor Chaies bezeichnete die Arbeitsverhältnisse innerhalb der Internationalen Union derVölkerbund Ilgen als befriedigend und konstatierte, daß insbesondere das Zusamenwirken mit der Oesterreichischen Völkerbundliga ein durchaus freundschaftliches ist- Namens des Vorstandes erstattete hierauf Dr, Qskar K a r h a c h den Tätigkeitsbericht, der nicht weniger als neun internationale Kongresse, die von der Liga mit Delegierten beschickt wqrden waren, aufzählen konnte. PleiiarversammJungen der Union der Völkerbuudligen in Lyon, Warschau, Aberystwith (Wales), Berlin; Generalsitztingen in Lausanne und Salzburg; 0. Minqritätskougreß in Genf, Welthilfskonferenz \r\ Karlsbad, R e c h t s s ch u t z k o n f e r e n z in Zürich.. Das Eingreifen in verschiedene wichtige Fragen, wie Numerus clausus, Bedrohung der Sabbatruhe in Saloniki, Aufnahme, der weiteren jüdischen VölkerbiuvdUseu, Protest gegen die rumänischen Unruhen usw. wurde ausführlich behandelt. Von den in der Berichtsperiode von der Lisa durchgeführten Veranstaltungen sind besonders. Vorträge des Prä-' sidenten des Comite' des döl£gations, juives Herrn Mot?- kin, des. Präsidenten der Oesterreichlscheu Völkerbund? üga Pr. Pumba und des Genfer Vertreters der Welthilfsn konferenz Herrn AbqrsQhn zu erwähnen. Schießlich befaßte sich der Bericht mit der wichtigen Tatsache, daß die im August d. J, in Zürich stattgefundene Jüdische Rechtsschutzkonferciiz in dem von ihr eingesetzten Council on the rights of Jewish Minorities di& Jüdische Völkerbundliga für Oesterreich in Ermangelung einer anderen legitimierten Vertretung der österreichischen Juden zum offiziellen Repräsentanten dieses Landes bestimmt hat und streifte di? politischen Folgen dieses Ereignisse?.' Der Berichterstatter richtete einen warmen Appell an alle jüdischen Organisationen und. Vereine, korporativ der Liga beizutreten (was ührigens, schon vor mehreren Jahren der Parteitag z,um Beschlüsse erhoben hatte), da die Einzelwerbung für die Liga umständlich und schwierig sei und alle übrigen nationalen Minoritäten in ihrer VölKerbuudHga ihr wichtgstes Werkzeug im Kampfe für ihre Interessen erblicken. Nachdem d.ern scheidenden Vorstande einstimmig Dank und Anerkennung für sein Wirken ausgesprochen und das Absolutorium nach einem Berichte des Generalsekretärs Dr. Isidor Mapgulies erteilt worden war, wurden die Neuwahlen vorgenommen, dje folgendes irgebnis hatten: Präsident,1 Qher-rabbiner Pfofv Chaje,s; Vizepräsidenten: Hofrat Prof- Pr. $. Frankfurter und Pr. Leo Goldhammer; Vorstandsmitglieder: Direktor S. Epler, Vizepräsident der KulUisjremehide Di, j0&ef Lö weiiherz, Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Dr. David Rothblum, Dr. N. M. Gelber, Rabbtaef Prof, Dr. M. R o s e n f e l d, Dr. Israel Waldmann, Chef* redakteur Julius Löwy, Dr. Leopold Plaschke«, Dr. Oskar Karbach. Eine Vertreterin der Frauenorganisatiouen und «tfl Delegierter der akademischen Verbände sollen demnächst in den Vorstand kooptiert werden. Die Halberstädter Schöffen, Ritualmord und Talmud. Die bekannten Ritualmordbilder des Hitlerschen „Völkischen Beobachter", die im Vorjahr, auch in Wien, verbreitet und konfisziert wurden, beschäftigten kürzlich das Schöffengericht zu H a 1 b e r s t a d t in Deutschland. Ein Gerichtsreferendar war angeklagt, bei einem Hakenkreuzlerumzug in Quedlinburg am Hara; die Bilder, In denen der Ritualmord dargestellt und der . Talmud beschimpft wird, öffentlich angeschlagen zu haben. Die jüdK •sehe Gemeinde erhob die Klage. Der Referendar trat mit einem großen Hakenkreuz vor die Richter. Der Staatsan« walt beantragte 200 Mark Geldstrafe oder zwei Wochen Arrest. Das Urteil war sehr milde und lautete auf 50 Mark Geldstrafe. In der Begründung heißt es: „Betreffs der Ta l m ud s t e 1 le Ist das Gericht nicht zu einer Verurteilung gekommen. Der Talmud sei eine Quellenschrift, deren sittliche Vorschriften t a tsächlich mit unseren sittlichen Gebräuchen nicht vereinbar seien..Das sei also keine Beleidigung. Anders sei es bei den Rltualmord e n. Mit diesem Bild sollte ein Zusammenhang der Ritualmorde mit der jüdischen Religionsgemeinschaft gezeigt werden. Der Angeklagte sei sich dessen auoh be- . wüßt gewesen. Weitgehende Milde sei ihm gewährt, weil er sich offenbar durch fortgesetzte Lektüre seiner Partei habe beeinflussen lassen. Außerdem habe er offenbar nicht die jüdische Religionsgemeinschaft, sondern die ganze Jüdische Rasse treffen wollen." Diese Halberstädter Schöffen hätten doch erst den Talmud im Original lesen müssen, ehe sie sich ein Urteil über seinen sittlichen Wert erlaubten. Bezeichnend für ihr sittliches Empfinden ist aber die Begründung, daß die fortgesetzte Lektüre strafmildernd ist. Das ist eine Prämie auf die Vertrottel.uug der Gehirne. Noch hübscher aber wirkt die Erklärung, daß der Referendar die ganze jüdische Rasse habe treffen wollen, was in den Augen deutscher Richter offenbar wieder ein Milderungsgrund ist. Wenn nun einmal ein jüdischer Referendar „koche" sagen würde, wie würden ihn die Hal'berstädter Schöffen beihandelni? Die palästinensische Bodensteuerreform vor dem Unterhaus. Aus London, 29. November, meldet J. T. A.: Im Unterhaus fragte Kolonel Wedgwood, ob die jüngst von dem Lord President of the Council (Lord Balfour) gemachte Mitteilung über die Einführung einer modernen Bodensteuer in Palästina, die den neuen jüdischen Siedlern Erleichterungen schaffen soll, sich wirklich nur auf 30 Dörfer beziehe, wie viele dieser Dörfer jüdisch .sind, und. warm die Reform die jetzt geltende Zehentsteuer ganz ablösen würde. Uwterstaatssekretär 0 r m s b y - -G o r e erwidierte: Einem Bericht des Oberkommissärs zufolge beträgt die Zahl der Dörfer, in denen das Experiment der Zehentablösurig angewandt wird, bereits 63; 22 dieser Dörfer sind jüdisch. Was den letzten Teil der Frage betrifft, so habe ich der am?1. November erteilten Antwort nichts hinzuzufügen, Auf eine Frage des Oberstleutnants Kenworthy stellte Unterstaatsaekretär OrmsbynGore mit Bezug auf das «eoie. Mabkommen «wischen Palästina und Syrien folgendes fest; Der Entwurf sah die freie Einfuhr von in Palästina ganz oder «um Teil aus Rohstoffen des Landes hergestellten. Waren vor*, erst wenn über 75 Prozent des Materials außer©a.lästiniensische.n Ursprungs ist, hätte eine Einfuhrsteuer eingehobeu werden sollen. ||H«li»ii»Ininiimii!| Grundstück S Angelegenheiten j 1 Kauf * Verkauf! g Verwaltung IBelehnung betreffend ' j IH&user*Vfflenj 1 Güter f wendet man sich vertrauensvoll an die SS ■ T | Realitäten-und Verwaltwngikanzlei =5 Dr. jur, Maren* Somcr IM Wic»,lX,WahTlii80i'»*r^e 3 51 =| Telephone: A * 15-506 I Illlllllllllllllllllllllllllllllillliil