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Die neue Welt · 1927-12-09 · Heft 12 (9.12.1927) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 12 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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■Nr. 12 DU NEUE WELT LLOYD TRIESTINO SeNel RASCH £ ST E VChBINDUNG Zw ISCHE:* EUROPA UND PALÄSTINA UBBR ÄOYPTCN Nif DBN LUXUSDAMPFfiRN „VIENNA und „HELOUAN" Fabrtrekotd; Triest (Venedig)—Alexandrien 3 Tag« Für Freunde längerer Seeiahrt billige Rundfahrkarten Ferners Ell« und Pottdampferverkehr nach der LEVANTE, INDIEN, CHINA UND JAPAN Auskünfte: Passaqebureau. Wien. I. Bezirk KSrntnerring 6 Der „Tax-payer" ist ein furchtbar genauer Rechner und hat uns Zionisten schon viele schwere Stunden bereitet. Einige Jahre hindurch haben alle antizionistischen Bestrebungen in England in der Denk- und Rechnungsart dieses gefährlichen Steuerzahlers ihre beste Stütze gefunden. Der Engländer soll sein schwer erworbenes Geld für die Juden in Palästina riskieren? Der Antizionismus gewann von dieser Seite her Popularität und die Regierung hatte bei der Verteidigung hrer zionistischen Politik einen schweren Stand. Das Gespenst des rechnenden „Tax-payer" brütete über allen zionistischen Beratungen und dämpfte die zionistische . Begeisterung. Aber die Entwicklung des Ausbaues in Palästina ließ das Gespenst verblassen und verschwinden. Die teure große englische Garnison wurde immer kleiner , und billiger, der palästinensische „Tax-payer" tat das seine, die Verwaltung wurde aktiv und schließlich begann Palästina sogar Kriegsschulden zu bezahlen. Ein Kuriosum in dieser Welt. Heute ist der englische Steuerzahler nicht mehr der Zionistenschreck, und die. Erkenntnis, daß ein jüdisches Palästina kein krankes Verlustgeschäft ist, hat Platz gegriffen. Jetzt (können wir seelenr uhig eine. Diskussion ,mit dem gestrengen „Tax-payer" riskieren und seiner Rechnung eine erhebliche Gegenrechnung präsentieren. Unsere zionistische Arbeit bat Palästina ruhig gehalten und dem englischen Volke Geld und Blut erspart. Ein Blick auf Syrien und die anderen Kampfländer im Orient genügt. Zionistische . Arbeit hat es England . erspart, viele. Regimenter und Kriegsschiffe aufzubieten, die Rollendes blutigen Unterdrückers zu spielen; dem Steuer zahl eiblieb viel Geld und Sorge und gar vielen englischen M ü t t.er.n Tränen und Trauer erspart. England hat uns gegenüber großzügig und großmütig gehandelt; es hat den. Anspruch auf unsere ewige Dankbarkeit errungen, und jede zionistische Politik muß auf dieser Erkenntnis beruhen. Herz und Verstand drängen uns dahin, England treueste Freundschaft zu bewahren. | Und es kann «Meser Freundschaft keinen Abbruch tun, | wenn War festgestellt wird, daß diese Freundschaft beiden Teilen Seesen bringt. Im Gegenteil. Sie kann dadurch nur befestigt werden. Wenn wir verlangen, daß England — dem Sinne des Mandats entsprechend — über Duldung und Schutz zur aiktiven Förderung des palästinensischen Aufbauwerkes übergehe, so verlangen wir viel für uns, aberebensoviel für das Wohl Englands und das Wohl aller! Die Leitung der Zionistischen Organisation arbeitete Wsher ausschließlich daran, jüdische Kräfte und jüdisches Kapital für das Aufbauwerk zu gewinnen. Sie muß nunmehr darangehen, auch nach der hier gekennzeichneten Richtung zu wirken. Leicht ist die Arbeit gewiß nicht, aber aussichtsreich. Die politische'Situation in Palästina schafft die besten Voraussetzungen für diese Neuorientierung der zionistischen Politik." * Das habe ioh vor zwei Jahren geschrieben. Ich habe kein Wort zu ändern. Was damals galt, gilt heute. Mein Mahnruf blieb ohne Echo. Die offiziellen zionistischen Stellen gingen über die Auslassungen des Oppositionsmannes stillschweigend oder mit einem Relativsatz im letzten Winkel einer Wochenschaai hinweg. So etwa: „Er gibt Ratschläge und wdr brauchen Geld!" Aber, der Gerechtigkeit die Ehre. Auch viele Menschen, welche mir zionistisch nahestehen, engere Gesinnungsfreunde, gleich mir im Kampfe gegen die heute herrschende Richtung stellend, blieben kalt. Auch sie scheuten den Ausblick in die Weite. Der Satz: „Der Zionismus ist keine rein jüdische Angelegenliet" und seine-Konsequenzen schienen ihnen fremd, unsympathisch-phantastisch. Jetzt klage ich nicht um versagte Anerkennung und Gefolgschaft. Ich klage um zwei lange, schwere Jahre, die nutzlos verstrichen sind. Und ich spreche wieder und nehme mir das Recht, zu warnen und zu fordern. Ich warne davor, die große Idee von der Völkerbundanieihe zu verzetteln, kleinweis auszuschroten und den Bedürfnissen der nächsten Tage unterzuordnen. Der Plan, wie sie verwendet werden soll, muß da sein. Dann wird man auch über ihre Höhe sprechen können. Eine Million Pfund ist eine willkürlich gesetzte Zahl. Erst der Gedanke, erst der Plan, dann die Zahl! Sonst haben wir für lange, lange Zeit den Kredit der Völker verscherzt und Großes für Kleines vergeudet. Die Sache muß großzügig angegangen werden. Die Forderung nach der Völkerbundanleihe muß vom jüdischen Volke, von den Zionisten, der ganzen Welt erhoben werden. Diplomatische Verhandlungen1 und Vorarbeiten sind notwendig und unentbehrlich, aber zu fordern hat das jüdische Volk von den anderen Wölkern. Dann und Bes.e Quanten Hohe 7\ Hüttenkoks - Anthrazit jade Menge, franko .aus, promptast R. BÄSCH, .V., ArgentlnlerstraBe 22. ✓ Tel. 51-2-87 «. SW03 ■ Bureaustunden: Wochentagen 8-6 Uhr, Sonntag 10 b.s 1 Uhr Mitglied der Nnfoittsektion des «eraw fa|amath_ nur dann wird Großes erreicht werden, dann wird nicht eine gesprochene Zahl, dann wird das Bedürfnis des um seine Wiederaufrichtung ringenden Jwien* Volkes maßgebend sein. Das jüdische Volk kann seine Mittler und Vertreter in dieser Sache nicht aMein lassen. Es muß selbst und. laut sprechen. Im Teppichhaus Sommerfreund Vlll Josefstädterstraße 35 / Tetiphon kaufen Sie Perserteppiche infolge äußerst günstigem Einkauf zu besonders billigen Preisen. Zahlungserleichterungen werden gewährt! Die Palästina-Anleihe in London voll gezeichnet.. Die von der Regierung Palästinas begebene und von der Regierung Großbritanniens mit Billigung der Parlamente garantierte fünfprozentige Anleihe in Höhe von 4,500.000 Pfund (Nettoeingang; 4,473.000'• Pfund, Uebernahmekurs 100,5 Prozent) ist am 30. November aut dem Londoner Markt aufgelegt und sofort voll gezeichnet worden, so daß die Listen gleich nach Beginn geschlossen werden konnten. Die Amortisationsdauer der Anleihe ist 1942 bis 1967. Im Jahre 1967 muß die Bank von England das vom britischen Schatzamt garantierte Anleihekapital zum Parikurs (100 Prozent) rüclczahlen, doch bleibt der Palästina-Regierung das-Recht vorbehalten, die Anleihe schon vom Jahre 1942 an jederzeit nach vorangegangener dreimonatiger Kündigung zum Parikurs zu tilgen. Die Zinsen sind im Mai und im Nogember jedes Jahres zu' zahlen. Da die Anleihe dem Zeichner für eine Dauer von mindestens 15 Jahren eine fünfprozentige Verzinsung garantiert, waren die Aussichten der Anleihe in der City von vornherein als sehr günstig beurteilt worden. ,.( Von dem Ertrag der Anleihe sollen, wie ' bekannt, 1,640.000 Pfund für den Bau von Eisenbahnen, 1,115.000 Pfund für Hafenarbeiten, 745.000 Pfund für andere konstruktive Arbeiten, in Palästina verwendet werden. -Für die Erwerbung von Eisenbahnen und anderen Aktiven, derbritischen Regierung in Palästina sind 1,000.000 Pfund reserviert.' . ' ■ ■ ,„^..v .; eis ist dt«. Sc^tif^ma.vfe«' ' der yCoinischroancr-'fbi'rib. ## ## ,,5xirraa Gegjmww r\ , C . .dem JüLicbs-Plat) '?ii'i^aniii«^ Schalom Jakob Abramowitsch (Mendele Mocher S'forim). Zum zehnten Todestag des großen jüdischen Schriftstellers.' Von Dr. H. Rudy. Der literarische Name von Schalom Jakob Abramowitsch — Mendele Mocher Seforim, den man auch als den ,,Großvater der jüdischen Literatur" zu bezeichnen pflegt — bedeutet mehr als ein einfaches Pseudonym; er ist eine Gestalt einer Uebergangsperiode. Seih Werk ist die lebende Erinnerung an qine. abgestorbene Epoche des Judentums in Osteuropa und wird als ein Standardwerk für die kommenden Generationen stehen bleiben. Seine Schriften enthalten -.viel Autobiographisches: der größte, beste Teil seines Schaffens zeigt mehr künstlerische Erinnerung als künstlerische Phantasie. Eines seiner letzten Werke „Schelomo Reb Chaims", ein Bild aus dem jüdischen Leben in Litauen, ist ein Memoirenlexikon voll der persönlichen Erfahrungen des Dichters. Dieser Schelomo Reb Chaims ist mit Schalom Jakob Abramowitsch identisch. Kapulie im Gouvernement Minsk, wo er im Jahre 1835 geboren war, ist ein typisches litauisches. Städtchen. Das ganze Städtchen mit seinen Juden ist das Eigentum eines „Poritz" (Gutsbesitzers), von dessen Gnaden und Stimmungen alles abhängt. Kapulie ist mit dem Notwendigsten versehen: die Gemeinde hat ihre „Magnaten", die täglich Fleisch essen können, und Schnorrer, einige Heiratsvermittler, Melamdim, Schriffcgelehrte und auch Kabbalisten und diese heilige, arme, geliebte und. gehaßte Gemeinde ist mit sämt'lchen Institutionen und Einrichtungen, die eine anständige Gemeinde braucht, ausgestattet: ein Synagogenhof mit Schlafräumen und einer Talmud-Thora, ein Altersheim und eine Chewra Kadischa, eine „Taxe"" (Zollamt für koscheres Fleisch) und eine Badeanstalt, ein Rabbinat mit" Dajanim, einige Kantoren, Schächter und sonstige Vertreter „heiliger Berufe", einige Aerzte, ein Physikus, Wundertäter, Sabbat-Goim und Verrückte, sogar einen „Denunzianten" von Beruf besitzt Kapulie. Alles ist sagenhaft und romantisch umhüllt; hinter Kapulie vereinigt sich der rote Himmel mit der Erde, wofür man noch keinen Ausdruck hier kennt, ein dichter Zaun ist aufgerichtet und nebelhafte phantastische Gestalten tauchen auf: die finsteren Gebirge, die Wüste mit ihren Eidechsen, der Fluß Sambation und die roten Juden. Dort soll eine andere, neue Welt beginnen. Aus diesem Ghetto kam Mendele. Ohne die Attitüde eines Märtyrers oder eines Heros anzunehmen, begann er den Kampf ums Licht und Aufklärung. In seiner Jugend ein „Maskil", suchte er die Gesellschaft intelligenter Freunde, mit denen er plaudern und diskutieren, mit denen zusammen er Europa bewundern konnte. Im Alter wurde er misanthropisch, nicht aus Bitterkeit oder Gehässigkeit; er war ein verschlossener Mensch, ein Ueberlegener, der es liebte zu raisonnieren. Trotzdem aber legte er dar, daß der Autor nicht isoliert ist, daß er immer in einer Gesellschaft steht und daß diese Gesellschaft wiederum in feinster und intimster Korrelation mit einem größeren Ganzen verbunden ist. Es ist auch kein einheitlicher Kreis, der ihn umschließt, denn sein ganzes Schaffen ist eine lange Reihe von Antinomien, vor allem die Antinomie eines ausgeprägten Utilitarismus und eine L'art-pour-l'art-Teridenz, Seine ersten Versuche galten der literarischen Kritik und Publizistik. In. den Werken „Mischpat Schalom" und „Ein Mischpat" versuchte er, den „Sumpf" in der jüdischen Gesellschaft in Bewegung zu bringen und der hebräischen Literatur neue Bahnen anzuzeichnen. Die hebräischen Schriftsteller Kowner, Paperno und Smolenskin werden von ihm dermaßen angeregt, daß sie in ihm sofort den klassischen Schöpfer der hebräischen Literatur erkannten. Ebenso war seine Behandlung der' realen Lebensfragen für das russische Judentum in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts von hervorragender Bedeutung. Damals begann die soziale Umschichtung innerhalb der jüdischen Bevölkerung. Aber in seinen ersten literarischen Schriften sah er das Endziel weder in der ästhetischen Errungenschaft noch in "der Architektonik, sondern in dem Nutzen, in ihrem praktischen Wert für die Erleichterung der jüdischen Not. Dieselbe Tendenz zeigten seine naturwissenschaftlichen Arbeiten, die noch auch heute manches Interessante bieten. Erst mit seinem „Heawot wehabonim" (Väter und Söhne), Homunkulus und anderem in jüdischer Sprache geschieht die Bewältigung des Utilitarismus durch die reine Kunst, als er die Differenz zwischen den Resten des kaum überwundenen Konservativismus der Väter und der schon anrückenden, bis zur Zerbrechlichkeit überfeinerten Jugend zu schildlern beginnt. Eine feurige, impulsive Schriftstellernatur, "der die Worte ganz unabhängig von einem ideellen Publikum zu« strömen, war Abramowitsch nicht; er meinte, der rechte Schriftsteller schreibe immer so, als habe er verständige; Leser vor sich. Deshalb spricht auch die Hauptfigur iii seiner „Taxe" als Repräsentant einer bestimmten' Kultur^ Phase, als sozialer Typus' einer bestimmten Geistesver-, fassung einer Generation, die noch kein Ideal hat, wedet ein nationales noch ein soziales; ihre Forderungen sind deswegen mehr negativ als positiv; denn zunächst muß das Alte zerstört werden, damit die gesellschaftliche Diffe-« Französische Schnürlsamte nur S 3,48. — englische, Kleidersamte nur $ 5.90 — Kleider« kammgarnc, reine >ch«fwolie nur S 4.90 — Crepe de Chine und alle modernen Seiden« stoffe, ebenfall» Jetzt zu unerklärlich billigen Preisen £5 im Hof e sä III

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