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Die neue Welt · 1927-12-09 · Heft 12 (9.12.1927) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 12 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Stffe is DIE NEUE WELT Mr. & I Wir verkaufen i in J» Ztit om S. hit 20 Detrmbtr uns» Mchaortttnts Ptititgtr fir Damtn and Htrrtn, md 2wart Feh * Persianer Breitschwänz Seal * Nutria sowie *lle Anderen modernen FeÜsorien zu überraschend niederen Preisen! Das Renommee unserer seit 30 Jahren bestehenden Firma Bärgt für ErstkUssigkeii der Arbeit ond des Materials! Pelzhaus Pipersberg Praterstrasse 9. dem Gebiete dieser Probleme betrieben wird, verhindert die einzige Lösung, die eine konsequente Demokratie fordern muß: Die Voraussetzimg der bedimgtung-S'Iosen Gleichheit und Gleichberechtitg'Uiig aller Menschen. Blutige Exzesse der Cusä-Studeüten. Antisemitische Ausschreitungen in Großwardein. — Eta jüdischer Student erstochen. — Militär wird aufgeboten. — Celea Codreanu als Pogromführer. Aus Budapest wird gemeldet: Am letzten Sonn» tag hat in G r o B w a f d fe I h ein Kohgreß der rumänischen Hakenkreuzstudenten stattgefunden, der am folgenden Tag fin einen schweren an t i s e m i t i s c h ö n Exzeß auslief. * Viele Personen worden durch Messerstiche schwer verletzt, ein jüdischer Student namens Sonnenleid wurde erstochen. Die Wohnung des Oberrabbiners Kec «kernet! Würde erbrochen» demoliert and ausgeplündert. /Die Unruhen dauerten mehrere Stunden lang. Es »Hißte WÜHtär und Gendarmerie aufgeboten werden. Der Generai Möscfü übernahm selbst den Oberbefehl und «teilte erst am Abend die Ruhe wieder her. . Öle Krawalle waren planmäßig angelegt und standen unter der Leitung des Cuza-Agitators Celea Co d r e n n ü, der Vor siWei Jahren die; Exzesse in Jassy leitete Und den Pölizeipräfekten niederschoß. Codreanu würde von den Geschworenen freigesprochert und widmete sich scitiieraussöhließlith der ahtiltidlschen Agitation. AehtiHcbe Ausschreitungen haben auch in Ar ad stattgefunden. Die aus der Moldau zu dem Kongreß reisenden Studenten veranstalteten auf den Bahnhöfen antisemitische Kundgebungen. In allen Stationen, von MarosfVasar hely bi% Kfl au s c nb.a t g Wurden jüdische Reisende mißhandelt. * Ein RegierUrtgskommunique, das am Montag abend, also noch während der Exzesse, In Bukarest ausgegeben wurde, erklärt, daß sieh m Großwardein „unbedeiitende Zwischenfälle" ereignet haben, die durch magyarische Kommunisten hervorgerufen zu sein scheinen. Diese Mitteilung steht in einem grellen Gegensatz zu den Meldungen, die aus Budapest kommen, wo man allerdings aus politischen Gründen zur Uebertreibung geneigt ist. Die Regierung Bratiatiü, die eben erst den Präsidenten Welzmantt (wie an änderer Stelle mitgeteilt) ihres guteH Willens Versichert hat, wird jetzf zeigen müssen*'ob sie die Anstifter und Verüber der Ausschied tungeh, den Cüita, den Cödreahü Und die sonstigen Spießgesellen zur Verantwortung ziehen will, Jüdische* LchrJing§hcim „Zukunft* IX,, tirttac Torfrme 16................._ Chanukah-Akademie Sonntag, den 11. Dezember 1927, halb 8 Uhr abends in den ftKunitspielen'i I., Riemergasse 11. Ein reichhaltiges Programm mit einer dramatischen Szene von Perez einem lustigen Einakter, einer hebräischen Arbeiter-Szene und verschiedenen gesanglichen und musikalischen Darbietungen wird Von den Zöglingen zur Aufführung gebracht. Fortlaufendes Piogtamm mit Konzert«BinIagen. ftnhrittltatl-fea vo» S t»~ hU S 4,- (ttir Jutfend- ,. IMhe $ -.«0) Im Uferitogthetn» / Tel. i*-*«** Hotel „NATIONAL" m Restaurants WUit, II., Tiborstraße 18 S?!%3o3 Zentrale Lage, 900 2lmffltr, fließendes kaltes und warme* Wasser und Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Unter der bewährten Leitung des bestbekannten Restaurateurs S. 0 r ü n e r VePXUalltHa Wlantl-, ungarisch« und Olli IN T ALISCHI [ (rumänische) KtUfii« 'Wienerbräu und Pilsner Urquell Endlich auf dem richtigen Wege! Von Robert Stricker. Aul keiner Relsfc durch Gällfcten hat dör PfäVi* dent der Zionistischen Weltorganisation Dr. W c i zrrian.n seinem Begleiter, dem Lemberger Abgeordneten Dr\ Reich, eine wichtige Mitteilung gemacht* Wie die Lejnberger „Chwilah" meldet, hat Dr. Weizrnann erklärt, er müsse Mitte Dezember wieder in London sein, utri dort ansammelt mit führenden 'englischen Politikern an der Enlang>ung einer Anleihe für Palästina z>u arbeiten, welche in England emittiert altld vom V ö 1 k e -r b u n, d e g ar a n t i e r t werden wird. Die Höhe der Anleihe dürfte 1 Million Pfund betragen. Die Beschaffung der Garantien und Pfänder ist eine Frage zweiter Ordnung. Ausschlaggebend Sind die günstige Stimmung und die sympathische Einstellung der entscheidenden Personen. Wenn diese Mitteilungen In der geschilderten Form richtig sind, dann ist endlich der richtige Weg beschritten,, der Weg, auf den ich,.leider vergeblich, bereits v o r 2 W e i J a h'r e h hingewiesen habe. Im; Winter 1925, nach dem Wiener Kongresse, habe ich in der „Wiener Morgenzeitung" unter dem Titel „Das nächste Ziel der zionistischen Po 1 i ti kM nachstehenden Artikel veröffentlicht: „Palästina hat seinen Ruf, das ruhigste Land des vorderen Orients zu sein, wiederum bewährt, Es ist auch jetzt nicht die leiseste Spur von Unruhe bemerkbar, so sicher auch Sympathien' der palästinensischen Araber für die kämpfenden Drusen, Wahabitcn und Rifkabylch vor» handen sind." Sö schreibt der Jerusalefner Korrespondent der ,,Neüen. Züricher Zeitung", eines führenden Schweizer Blattes; Die Aeußerüng ist .um so bemerkenswerter, als der Schreiber dem zionistischen Aufbauwerk kritisch gegen* übersteht und: im zionistisch-arabischen Konflikt durchaus arabisch orientiert: ist. Ja, Palästina ist ruhig, es. ist das ruhigste Land im aufgewühlten Orient Die augenfällige Tatsache 'ringt dem ^Korrespondenten die Feststellungab. Allerdings, die Beantwortunig der Frage* weShälb Palästina inmitten der Stühne hihig blefibt, «äH"ef zurück.-Die Artt- Wört. müssen;; WlCZiörUsten etteiieri;'laÜt Utld^ nachdrücklich, aller Welt 'vemehrnbäri;■ "'Pa-1 ä-.st|$a ist; ruhig, weil es jüdisch^i st. :'' Was eirtefzehhfäche militärische Besatzung, was eine Legion von Polizisten, Spitzeln und Geheimagenten nicht hätte bewirken können, das hat' jüdische, da* Land fried* lieh durchdringende - Arbeit .fertiggebracht. Kaum ein Fünftel der Bevölkerung bildet diie- Jüdcnschäft, aber sie-ist-bereits im Leben des Landes der bestimmende Faktor, gegen den nichts unternommen werden kann. Die Juden, der aufstrebendste, fleißigsto, intelligenteste und dem Lande anhänglichste Bevölkerüngsteil, Wollen Frieden und Arbeit, Wollen das teure Land der jüdischen Hoffnung Vor jedem störende« Eingriff bewahren. Das genügt, um die Ruhe zü verbürgen. Ah diesem elserneh Wollen muß die Kunst ä'ler frelWi'Higeh utid, bezahlten Emissionäre, Aufwiegler und Provokateure scheitern. In Palästina kann es keine verborgenen Verschwörernestor geben. Das Land steht unter jüdischer Kontrolle, ist ruhig, ein fester Damm zwischen den asiatischen Und afrikanischen Brandherden, eine gesicherte Qperatio^sfoäsis für die Wiederherstellung und Währung des Friedens im Osten Und Süden. Die, Ruhe in Palästina, die schönste Errungenschaft des Zionismus, ist für die ganze Welt von höchster Bedeutung. Sie trägt aiir Pazifizisruiig, zur Vermeidung von Blutopfern und vernichtenden ökonomischen Krisen mehr bei als Dutzende diplomatischer Konferenzen. Sie erweist die Richtigkeit der Herzischen Idee vom Zionismus als Weltüroblem. Wenn Wir 2ionisten davoh sprechen, daß die Errichtung des jfoltechnationalen Heinis nicht nur die Lösung der Judenfrage bedeutet, sondern auch allen Völkern zu Nutz Und Frommen gereicht, Würde das äl$ agitatorische Größmä-ttliigfceit und Üeberheblichjkelt erachtet, bestenfalls als GefühlsaUsibrUCh gutgläubiger Phantasten gowertet. In zionistischen Kreisen selbst geriet dieser Gedanke in den Hintergrund, nur hie und da gebraucht mau ihn in der. Form eines rhetorischen Prunkstückes. In der zionistischen Politik kam er, von der Herzl6chen ^Periode und der Zeit des Ringens ums Mandat abgesehen, nicht zum Ausdruck. Die zionistische Politik von heute kennt nur ein jüdisches Volk, das für die Er- QU T NA N N 4 C O. KOHLE im» KOKS I. FICHTEGASSE 1A Tel.72-4-19 riehhiHg seines Katloiialheim« zu anheften und Opfer zu bringen hat. Der Gedanke an eine n i c h t j ü d 1 s c h e Umwelt, welche an der zionistischen Lösung der Judenfrage, an der Ertichtutig des jüdischen Zentrums im Brennpunkt; des Orients so stark interosalert ist, daß daraus für sie die Pflicht erwächst, den Aufbau nicht hur zu dulden, sondern sich aktiv an ihm zii beteiligen, ihn tätig zu fördern ■idieser Gödarlike ist der zio.niBtischen Politik fremd geworden. Sic wagt sich an seine Umsetzung Ins Reale nicht heran. Nun aber, da die Situation in Palästina erwiesen hat, daß dem Zionismus ffiedensstiftende Kraft innewohnt,,da es eklatant geworden ist, daß ein jüdisches Palästina der Menschheit unschätzbare Dienste zu leisten vermag, ist es an der Zeit, die praktische Umwertung des Gedankens vom Zionismus als Weltproblcm als nächstes Ziel der zionistischen Politik zusetzen. Das heißt: Die Zionistische Organisation hat die aktive Hilfe des Völkerbundes und der Mandatarmacht beim Aufbau des jüdischnatiönälcn Helms anzustreben, vor allem die Gewährung einer Anleihe für das Land Palästina, durch welche der Aufbau im richtigen Tempo erhalten und Vor sonst Unvermeidlichen Störungen boWä'hrt werden könnte. Die Lage in Palästina erfordert die hier dargelegte Neuorientierung der zionistischen Politik. Im politisch ruhigen und konsolidierten Palästina machen sich Stockungen im Wirtschaftsleben fühlbar, werden Anzeichen immer deutlicherbemerkbar, welche* kommende Störungen im Fortschritt des Aufbaues und ökonomische Krisen ankün* digen. Die Gründe liegen außerhalb des Machtbereiches der Zionistischen Organisation. Zehntäuselide junger Menschen stehen zur Abwanderung nach Palästina bereit und Zehntausende von Handwerkern, Kaufleuten, Fabrikanten und Intelligenzlern sind da* die, heute lieber als morgen, nach Palästina Wollen. Vierzigtäusehd dieser Menschen Sind auch im letzten Jahre in Bewegung gesetzt worden; Da brachen die Wirtschaftskrisen in Polen, Deutschland, Oesterreich, Rumänien und überall dort herein, wo das jüdische Lehen und der Wille zum Zionismus am stärksten sind. Der Zufluß der Mittel 2ur Zionistischen Organisation ist gedrosselt, die- Einnähmen der Fonds sinken und die Abwanderung jüdischen Prlvatkapitäls nach Palästina1 ist .minimal geworden^ Gewiß, die Zeiten werden sich ändern. Aber verhängnisvolle Schwank-ungen wird 6s immer geben, immer und Immer' Wieder wird die Aufbauarbeit ia Pälästina die tra-urigen Auswirkungen der europäischen Krisen voll 'und ganz zu verspüren halben, wenn nicht zwischen die jüdische Arbeit in Palästina und das wÜdböwcgte jüdisch-europäische Wirtschaftsleben ei« ausgleichendes Element, ein Puffer eingeschaltet wird, der die ärgsten Stöße auffängt und mildert, zumindest' in den nächsten, den-entscheidenden Jahren des Anfanges, die verstreichen müssen, bevor Palästina ökonomisch widerstandsfähiger geworden ist. Dieses ausgleichende Zwischenelement ist Kapital, Welches, von den Schwankungen des jüdisch-europäischen Wirtschaftsbärometers unbeirrt, alle großen Arbeiten zur Erschließung des Landes, Häfen-, Straßen-, Eisenbahn- und Brückenbauten, Bodenveribesserungen und Wasseranbeiten durchführt und in geregeltem Tempo erhält, unverwüstliche Werte im Lande schafft und damit die ärgsten, dem jüdischen EinwanderUngsstrom zeitweilig entgegenstehenden Hindernisse beseitigt. Dieses Kapital kann das jüdische Volk im gegebenen Augenblick allein aus sich heraus nicht aufbringen. Aber der Beauftragte des Völkerbundes, die Mandatarmacht, kann es beistellen, im Verein anit den anderen Mächten oder allein. Warum nicht die Juden seihst? Ist das keine fein jüdische Angelegenheit? Heute können wir diesen Fragen ruhig begegnen. Wir Zlonisten haben getan und werden tun, Was unsere Kraft Und unser begeisterter Wille vermögen. Daß das nicht wenig ist, beweist unser Werk. Aber wir können es nicht ändern, daß das Geschick den besten und opferbereitesten Teil des jüdischen Volkes,, das russische Judentum, lahmgelegt hat, daß die wertvollsten Teile des Volkes In Mittel- -und Osteuropa Verarmt sind, daß das halbßSsiinlllertc jüdische Großkapital in satter Stumpfheit und feindseliger Untätigkeit der Wiederatifrichtung der jüdisch«! Nation zusieht. Wir tun, was wir können. Wer an dem Werke interessiert ist, ist zur Mithilfe moralisch verpflichtet. Also sind die im Völkerbund vereinigten frieden»willigen Nationen zur Mithilfe verpflichtet, Denn das ruhige jüdische Palästina hat 1-htlen heute schöti unschätzbare Dienste geleistet. Die tatkräftige Anerkennung djdSeV Dienste durChzüsetzen,>ist die Aufgabe der zionistischen Politik. ' *, '_;.-.■ Eine Anleihe für das jüdische Palästina, Was wird der Londoner Steuerzahler, der „Tax-pav&r", dazu sagen?

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