Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 11 (2.12.1927)
- Date
- 1927-12-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 ~ DIE NEUE WELT Nr. 11 dieses Solklaritltsbewußtsein zu viel an negativen Elementen aufgespeichert hat. Das moderne liberale Judentum versucht' es, diese Schicksalsgemeinschaft zu deuten, ihr einen Sinn einzupflanzen, aber diese Methodik ist seelenlos, sie hat aus den Erlebnissen Begriffe gemacht. Wir, das Judentum der Renaissance, lehnen dies ab und gehen einen anderen Weg, den des Zionismus. Indem wir die soziologische Struktur des Volkes ändern, ändern wir auch das Erlebnis seiner Solidarität. Der Zionismus will an die Schicksalsgemeinschaft eine adäquate Gegenwart anschließen, er will die Elemente des Freiwilligen und des Aktiven steigern. Er baut das jüdische Palästina und schafft eine Gemeinschaft, die nicht mehr davon lebt, daß sio aus Enkeln besteht. Wir schaffen eine Gemeinschaft, die realen Inhalt hat, die den Boden verteidigt, Häuser baut; Diese neue Gemeinschaft steht heute schon im Bereich jüdischen Interesses und sie wird eine neue Realität sein. Dr. Nahum Goldmann über die jüdische Jugendbewegung. Ueber Einladung des Jüdischen 'Hochscmilausschusses sprach am Sonntag den 27. November Dr. Nahum Goldmann dn einer Jugendversamimlung im großen Saal des ^Bayrischen Hof". Er sagte unter anderem: Die .Bedeutung der Jugendbewegung fürden Zionismus muß erkannt werden. Die'Problematik und schwierige Situation der Jugend steht im Zusammenhang mit den . heutigen Fragen des Zionismus. Seit der' BaJfour-Deklaration mit ihrer Auswirkung auf die zionistische Idee hätte die Idee radikalisiert werden müssen; umgekehrt ist die zionistische Idee minimalisaert worden. Goldmann hält dies fair die eigentliche Ursache der Krise der Bewegung. Die Jugend geht dorthin, wo die radikalste Formulierung vorhanden ist. Daher ihat sich so viel Jugend von uns abgewendet. Die zionistische Jugendbewegung muß wieder die Struktur., jeder fruchtbaren Jugendbewegung gewinnen, und zwar die durch die Zeit bedingte; die Bewegung muß wieder zurückkehren iznr Spannung zwischen Idee und Wirklichkeit, von der sie ausgegangen ist, mehr an Utopie und Wollen muß der Gesamtbewegimg wieder immanent werden. Nur ein solcher Zionismus wird die Kraft haben, sich muH den Problemen der Zeit auseinanderzusetzen. Wir sind Mächt mehr offensiv gegen diese Ideen, wie im Anfang un- «nserer Bewegung. Nur ein Zionismus, der diese ganzen Zielsetzungen in seinen Gesichtskreis zieht, wird sich mit den anderen Ideen auseinandersetzen können. Wenn Zionismus eine Frage von Generationen ist, dann dürfen wir die Spannung zwischen Utopie und Wirklichkeit nicht kurzer Hand! abtun, sondern müssen sie im Gegenteil vertiefen. Redner weist auf die Forderung Arlosorofs in der Hitachduth hin, der anläßlich der Neuordnung der europäischen Hitachduthzentraie intensive G a 1 u t h a rbelt fordert Bei uns herrschte in der letzten Zeit Hochmut gegen die EinzeJarheit im Galuth. Aber, man muß immer mehr erkennen, daß der Jiscbuw in Palästina sich a«f ein in Galutharbeit erstarktes Volk stützen und sich aus demselben aufbauen muß. Die jüdische. Jugend .sollte sich dieser Arbeit voll und ganz widmen. Letzten Endes kann dies natürlich die Jugend nicht allein tun, sondern es ist dies Aufgabe der Gesamtbewegung. Dann wird der Zionismus in der Radikalisierung der Idee mit Bezug auf Palästina und in der Galutharbeit wieder eine jugendliche Bewegung werden und wieder eine- Jugendbewegung im engeren Sinne haben. SPEZIALIST Ifür Kinder, und Mädchenzimmer-, KUehen- und Vor« ■ almmer-MÖBEL, Schlaffauteuiis, Diwans und Ottomanen eigc ■ ner Erzeugung. Geschflflsbes and seit 60 Jahren. Motto: üroüei ■ Ura^tz K'elnep Nuhen. Orpßte Auswählt Billigste Preist 1 ■ Josef KpMIty 8 Sohn. V»<i Slebemterna. I ■» Der Z. A. V. BaivKtchba ' : gratuliert herzlichst seinem '{ Bb. Mcir Hammer anläßlieb seiner Donnerstag den 1. Dezember stattfindenden Promotion mm Doktor dor Medizin F. d. A.; F. d. A. H : J. Sommontoln Dr. D« Rothb'um AUS PALÄSTINA. „Wir wollen lernen, öffnet die Schulen I" Eine Kundgebung ganz eigener Art hat am 23. November in Tel-Awiw stattgefunden. Hunderte von Kindern zogen in geordnetem Marsch durch die Straßen und riefen: . „W i r wollen lernen, öffnet die Schulen!" * Bekanntlich sind die hebräischen Schulen in Palästina nach den letzten Ferien nicht wieder eröffnet worden. Anlaß hiezu; ist der Beschluß des 15. Zionistenkongresses, das Unterrichtsbudget auf 53.000 Pfund jährlich herabzusetzen. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, eine Anzahl Schulen zu schließen und mehrere Lehrkräfte zu entlassen. Damit will sich die Gesamtlehrerschaft nicht abfinden und weigert sich, unter diesen Umständen weiter Dienst zu tun. In Tel-Awiw ist die Untcrrichtslage besonders schwierig. Das Mitglied der neuen Palästina-Exekutive Harry S ach er hat einer Abordnung des Gemeinderates mitgeteilt, die Zionistische Exekutive bestehe darauf, daß der Magistrat in diesem Jahre 10.000 Pfund zum Unterrichtsbudget beitrage, außerdem die Ausgaben für 26 Klassen und 4 Kindergärten mit einer Gesamtschülerzahl von 1250 bestreite; sonst müßten diese Klassen und Kindergärten geschlossert* werden. Der Magistrat erklärte sich bereit, 12.000 Pfund beizusteuern unter der Bedingung, daßsämtliche Schulen und Kindergärten wieder eröffnet werden. Zur Aufbringung der Summe soll eine besondere Unterrichtssteuer eingeführt werden. Die Angelegenheit soll dieser Tage endgültig geregelt werden. Die Zionistische Exekutive in Palästina, die Agudas Jisroel und die Jeschiwa-Leitungen überreichten der Regierung ein gemeinschaftlich abgefaßtes M einora n d u m, in welchem die Forderung gestellt wird, daß die von der Regierung vorbereitete Verordnung, das Schulwesen betreffend, in der Weise abgeändert werde, daß die Autonomie der jüdischen Schulen im Lande nicht angetastet werde. Jüdische Frontsoldaten fordern Siedlungsland. Nach Beendigung der vor kurzem in Jerusalem abgehaltenen Waffenstillstandsparade sandten die früheren jüdischen Soldaten, die auf den Schlachtfeldern von P a- 1 ä s t i n a und G a 11 i p o 1 i unter der britischen Fahne fochten, ein Telegramm an den britischen Premier und an den Unterstaatssekretär für die Kolonien Ormsby- Gpre, in welchem sie die Erfüllung, des während des Krieges gegebenen Versprechens, den Soldaten Siedlungsboden in Palästina zu geben, fordern. Sie-wollen dieses Siedlungsland, um als Bauern den Boden ihrer ■ Heimat mit eigenen Händen bearbeiten zu können. Abschriften des Telegramms wurden an Lord Balfour, Lloyd George, Sir Heribert Samuel, Sir Alfred Mond, Colonel We dgwood, Ramsay Macdonald, Dr. Welzmann, James de Rothschild und an das parlamentarische Palästina- Komitee gesandt. Ersparungsmaßnahmen der Zionistischen Exekutive in Jerusalem. - Wie die J. T. A. berichtet, .wurde auf Grund des Ersparungsprogramms der Zionistischen Palästina-Exekutive das. Einwanderuugsamt der Exekutive in Jerusalem geschlossen. . \ Außer den zehn gekündigten Beamten der Immigrationsäbteilung hat die Zionistische Palästina-Exekutive laut des „Dawar" weiteren zwölf Beamten - gekündigt, darunter Instruktoren der Kolonisationsabteilung, einem Buchhalter, einigen Dienern usw. Manche von ihnen sind seit zehn und mehr Jahren bei der Zionistischen Organisation tätig. t)Ie Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen r Arbeiten. Der-Oberkommissär Lord Plumer hat einelKöm* missuon ernannt, die binnen kurzer Zeit Vorschläge über die Beschäftigung von jüdischen und arabischen Arbeitern an den von der Regierung ausgeführten öffentlichen Arbeiten zu unterbreiten hat. Leiter dieser Kommission ist der Gouverneur des Süddistrikts J. E. F. Campbell, Beisitzer sind ein Jude und ein Araber.; * Y , . . ' [Die jüdische Arbeiterschaft hat wiederholt darüber Klage; geführt, daß die Regierung bei öffentlichen Arbeiten das jüdische Arbeitsangebot sehr wenig berücksichtigt. In * einer der letzten- Sitzungen' des-Stadtrates von Jerusalem hat der jüdische Vizebürgermeister Haym Salomon Beschwerde darüber geführt, daß von dem Budget für öffentliche Arbeiten in Höhe von Pfund Sterling 12.000 nichts für die Beschäftigung Kidischer Arbeiter verwendet worden sei. Das Angebot eines jüdischen Unternehmers, der arbeitslose ' Juden beschäftigen wollte, wurde abgelehnt, obwohl es nur um ein Geringes höher als das niedrigste Angebot war. Da die Juden die höchsten Steuern zahlen, hätten sie ehr. Recht, daß ein Teil des Budgets für öffentliche Arbeiten', auch zur Linderung der Arbeitslosigkeit unter den. Juden . Verwendung findet. Es kam zu s t ü r m i s c h e n § % e n e n und schließlich wurde der Antra«' Salomon a b %. e>l e h n U < ,so daß keine Vorkehrungen getroffen wurden, jüdische .Ar-! heiter noch in diesem Jahr bei städtischen Arbeiten zu beschäftigen,; . , ■ ■ : .. ( ■ .; ^. , , AehnJich liegen die- Dinge „auchbei .yerge^ö^yY^.-l öffentlichen Arbeiten der Regierung» da auch hier geltend gemacht wirft da£ der Lohnstandard der luden etwas höher als der der Araber ist. Nunmehr soll die neu ernannte ArbcitsvertcilungskommisS'ion hierin Wandel schaffen. Haifa oder Alexandretta als Ausfuhrhafen für das Irak-Oel? Das jüngst getroffene Arrangement zwischen den führenden Oclproduzenten und Oclhändlern der Welt hat die Frage des Ausfuhrhafens für das Oel aus dem Irak wieder akut werden lassen. Während die syrischen Teilnehmer der Oelkonzcrne den Plan einer unterirdischen Röhrcnleitung aus dein Irak nach Alexandretta in Syrien befürworten, bevorzugt eine andere Gruppe, in der sich die britischen Interessenten befinden, den Bau einer Röhrcnleitung aus dem Irak nach dem Hafen von Haifa in Palästina. Wie die J. T. A. erfährt, ist König Feisal, der gegenwärtig in England weilt, außerordentlich dafür interessiert, daß die Eisenbahn und eine unterirdische Röhrenleitung von dem Irak nach Haifa gebaut werden. Er hat der Anglo- Persian, Oil Company und der Turkish Petroleum Company diese setne Ansicht zur Kenntnis gebracht. Die Palästinaregicrung und dicpalästinensisch-jüdischen Kreise sind ihrerseits sehr daran interessiert, daß die Röhrenleitung nach Haifa gelegt wird, wo demnächst mit dem Bau des großen Hafens begonnen werden wird, dessen Bestimmung es ist, ein Hauptumschlagsplatz •zwischen (dem Osten und dem Westen zu werden. Man glaubt, daß die Haltung der amerikanischen Gruppe der Oelinteressenten für die Wahl des Ausfuhrhafens entscheidend sein wird. . Ein Presseamt der Palästina-Regierung. Anfangs 1928 soll bei der Palästina-Regierung ein Presseamt, eingerichtet werden, zur Erledigung der Presseangelegenheiten aller Regierungsdepartements. Leiter der Pressestelle soll, wie es heißt, Edwin Samuel werden. Die neue Währung. Von der neuen Währung, die seit dem 1. November in Palästina dm Umlauf ist, wurden an Banknöten 1.5 Millionen Pfund ins Land gebracht. Zur Verteilung gelangten in Jerusalem und Umgebung 900.000, in Jaffa und Umgebung 250.000 und in Haifa und Umgebung .350.000 Pfund. An Münzen wurden 700.000 Pfund eingeführt, von denen bisher 200.000 zur Verteilung gelangten. Rückkehr Golonel Kischs. Colonel K d s c h ist in Begleitung seiner Gattin am 14. November nach Jerusalem zurückgekehrt, und hat seine, Tätigkeifin der Zionistischen Palästina-Exekutive ..wiedert, aufgenommen. Uebernahme der Zündholzfabrik Nur in Akko durch den schwedischen Streichholztrust. Wie verlautet, soll der schwedische S t r e i c hholztrus't die Zündholzfabrik Nur dn Akko erworben haben und beabsichtigen, sie durch Ausbau den Exportbedürfnissen anzupassen. Die Eisenbahn Beirut—Haifa. Die Zeitungen Beiruts berichten, daß die Eisenbahnverwaltung im Libanon im Frühjahr mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Beirut—Ras Nakare beginnen wird. Einige reiche ägyptische Finanziers sollen ihre Bereitwilligkeit erklärt haben, Geld in dieses^Unternehmen zu investieren. Filiale einer polnischen Regierungsbank. Der polnische Handelsattache Dr. Bernhard Hausner teilt mit, daß demnächst in Palästina eine Filiale der Bank Gospodarstwa Krajowego zwecks Kräftigung der Handelsbeziehungen ^zwischen Palästdna und Polen eröftfhet werden wird. Eine Glashütte in Palästina, - Laut dem „Merät el Scherk" soll eine jüdische Gesellschaft eine Glashütte in Palästina. zu gründen beabsichtigen, die die größte im nahen Osten sein wird. Wie verlautet, soll diese Fabrik gegen 2000 Arbeitern Ber schäftigungsmöglichkeit bieten. Das Archiv des italienischen „Pro Israel©" in der Nationalbibliothek in Jerusalem. Aus Rom wird uns geschrieben: Unmittelbar nach dem Kriege wurde in Italien die Gesellschaft „Pro Israele" gegründet, deren Führer und Mitglieder aus nichtjüdischen Politikern und angesehenen Persönlichkeiten der italienischen Gesellschaft zusammengesetzt waren und der jüdischen Sache, besonders aber dem Gedanken des Wiederaufbaues der jüdischen Heimstätte in Palästina außer«* ordentliche Dienste erwiesen. Die italienische Aktion war auch das Vorbild für spätere ähnliche gesellschaftliche Aktionen in anderen' Ländern. Die innerpolitische Entwicklung in Italien, die Abwanderung ehemals föhrender politischer Persönlichkeiten ins Ausland hat die Bedeutung Die KKL VersiciiGruiiysaütGiluna UMMf In Wien, I., Kärntnerstr. 28 Telephon 77-4^85,86 (Leben, Feuer, Einbruch-,Ühfall, Haftpflicht, Auto,Transpört etc. Auch die anderen PhönlxflH^eu sind beiechUgt, sich auf den KKL-Begünstlgunggvertrag?u beru en