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Die neue Welt · 1927-12-02 · Heft 11 (2.12.1927) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 11 (2.12.1927)
Date
1927-12-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seife* DIE NEUE WELT Nr. tl ttFÖUte, die Juden , keine Freude daran haben würden. Gärnbös verstand und hat abgeblasen. Vorläufig werden die Juden an den Hochschulen in Ungarn nicht verprügelt, weil die Juden dem Landfrieden nicht trauen und die Hochschule noch irrimer meiden, und zweitens weil auch Juden nur dann verprügelt werden können, wenn sie da sind. . Diese kurze, aber glorreiche Epoche in der Geschichte des unabhängigen ungarischen Staates soll nicht abgeschlossen werden, ohne für die Weltgeschichte einige charakteristische Episoden festzuhalten. An der Budapes"ter technischen Hochschule war Termin zur. Ablieferung der Zeichnungen. Zwölf jüdische Techniker waren in der Vorlesung des .Professors Geza Pattant y u s erschienen. Sie nahmen in der vierten Bankreihe Platz; der Saal faßt etwa 500 Hörer. Der Professor erschien und begann die Vorlesung mit der Aufforderung an die jüdischen Hörer, sich so zu placieren, daß auch die christlichen Hörer der Vorlesung mit Aufmerksamkeit folgen können. Diese Einleitung gab den etwa 80. christlichen Hörern in Burschenschaftsuniform das Signal, unisono zu fordern, daß die Juden sich in die letzte Bank, in die Eselsbank, setzen mögen.. Von den zwölf jiingen Juden | waren es nur fünf, die, als auch der Professor die Forderung der Hakenkreuzler unterstützte, mit Entrüstung den Lchrsaal verließen. Sieben traurige Assi? milantengestalten schlichen demütig in .die letzte Bank, in die Judenbank, die Eselsbank. .Und dort ereilte sie dann ihr Schicksal. „Juden hinaus!" „Wissen denn diese zudringlichen Judenbuben nicht, daß sie hier nichts zu suchen haben?" Und schon stürzten sich 80 christliche, rassenschützlerische Helden auf die sieben Juden, die nur dadurch vor Prügeln geschützt wurden, daß der Professor und sein Assistent sie einzeln aus dem Saal und auf die Straße brachten. Dort wurden sie von. der Polizei in Empfang genommen. Än der F ü n f ki r c h n e r Uni v e r si t ä t haben die christlichen Mediziner sich mit einem eigenen Numerusclausiis-Gesetz selbständig gemacht. Bekanntlich, beträgt die jüdische Prozentnorm nach dem gegenwärtigen Gesetz 6 Prozent der gesamten inskribierten Hörerzahl. Den Versuch, dieses Gesetz zugunsten der Juden zu mildern, beantworteten die Fünfkirchner Studenten damit, daß sie einfach dekretierten: Von nun all.werden bei den einzelnen Vorlesungen nur mehr 6 Prozent der zur Vorlesung erschienenenchristlichen Hörer geduldet. Das heißt auf Fürifkirchnerisch: Wehn' die Hörer eines Professors zu- ■fäilig übernächtig "waren und nur etwa zehn christliche Hörer erschienen, so darf in dieser Vorlesung nur ein Sechszehnteljude anwesend sein. In der Tat wurden auch sofort die auf-solchc:'?Weise'%«be'rzähIigen" Juden aus dem Saale geprügelt. Zu unserer- Schande sei es auch.hier vermerkt,, daß die im Saale geduldeten dreijüdischen Hörer "ihresieben verjagten Brüder;äüs dem Hörsaale prügeln ließen und selbst bei der Vorlesung ' hl leben. Eine recht groteske Episode spielte sich in Szeg e d i n ab; Im Anatomischen Institut wurde trotz der Tumulte im Zentralgebäude der Universität eifrig gearbeitet. Dies reizte die christlichen Burschenschafter zu unerhörter Wut auf. Ein Trupp von einigen hundert Studenten, zumeist Juristen, zog zum Anatomischen Institut, um es von Jüden * zu" säubern. Der Empfang war kein freundlicher, war zweifellos eine vörnehrrie' Persönlichkeit. Und doch dieses Herabsetzende Wort über ihren Mann. Hier' bereits,r un' unvergleichlichen Salon Arnstein, keimen die traurigen Zustände, wie sie später die reichen israelitischen Häuser verwüsteten: Der Mann Arbeitstier, ' Geldverdiener, die' Gattin Luxusgeschöpf, Sklavin jeder Mode, jeder neuen Salondummheit.: In allen Situationen des -sie ausfüllenden Gesellschaftsbetriebes' darauf bedacht, den ungepflegten Sorgenbinkel von Ehegatten vor dem Kreis der Schmarotzer, Kurschneider, Literaten zu verstecken. (Stefan Zweig hat jüngst diese Entartung jüdischer Frauen und Töchter in seiner Novelle „Untergang eines Herzens" erschütternd aufgezeigt.) Und wie bei den späteren, jeglicher Aeußerlichkefo überantworteten Jourjüdinnen, so sie nicht geschminkte, parfümierte, fühllose Puppen sind, die Hysterie die Zügel des Lebens ergreift, blieb auch der edlen, so wertvollen, so hochgemuten „La Fanny" die hysterische Exaltation nicht erspart. Sie entzündete, sich an der Gestalt des großen Kossen, den die überdeutschen Berliner Jüdinnen — Hein* rieh. Heine, der Napoleonvereljrrer, nannte sie einmal summarisch die „Berliner Waschweiber" — mit chauvinistischem Haß verfolgten. Man hielte es kaum für möglich, daß die gütige, menschenfreundliche Fanny von Arnstein, geborene Vögele Itzig, als Napoleons Rückkehr von St. Helena bekannt wurde, empört ausrief: „Warum hat man ihn nicht, gehangen?" Sie vergaß jegliche gesellschaftliche Konvention. Als einer ihrer Tischgäste, ein Franzose, der Haltung behielt und ihr b)o0 ins Gesicht sagte, er sei jetzt stolzer als je auf sein Franzosentum — es \yar der Sekretär Beauharnais und „La Fanny" hatte ihn recht unverfroren gefragt, ob er sich jetzt nicht schäme, Franzose zu sein — da geriet die große, berühmte Beherrscherin des Salons völlig aus der Fassung und sie kriegte, was auch den kultiviertesten Hysterikerinnen gelegentlich passieren soll, einen fürchterlichen Weinkrampf. Mir aber ist die niedergebrochene, heulende „La Fanny" Sinnbild für den Niederbruch, den später die ganze degenerierte assimilierte Gesellschaft der großstädtischen NebelisxaeJiten erlitt Eisern, Stark, Mächtig wird Jeder Säugling» nnd Jades Kind, du mit echtem DIANA Franzbranntwein mit Menthol massiert wird. Bestes hSusttches Schutzmittel des Kindes. Stindlg als Mundwasser *u benutzen; Nehmen Sie nur Diana! Wertlos« Nachahmunaari weiten Sie surUckf Ueberau erh«I««eh I denn die Mediziner der höheren Jahrgänge,, die vor den Prüfungen stehen, hatten; keine .Lust, sich stören zu lassen. Schon hatten die Radaustudenten den Seziersaal zu stürmen begonnen, als einem älteren Mediziner 6ine rettende Jdee, karn. Er schob, einen beweglichen .Seziertisch, auf welcheni eine weibliche Leiche lag, vör die Türe. In diesem Augenblick stürzte die Vorhut der Sturmtruppen in den Säal. Doch, O: Schreck, am Eingang empfing sje die starre ' Leiche, und selbst dem:. größten Schreier erstarb das Wort in der Kehle. Erschreckt stieben die Helden auseinander, und einige, die in Ohnmacht fielen, mußten gelabt werden. An diesem Tage konnten die jüdischen Mediziner unbehelligt ihrem Studium obliegen. * Während die öffentliche Meinung Ungarns und des Auslandes durch die Numerus-clausus-Hetzc. vollauf beschäftigt ist, lassen die ungarischen Behörden die Zeit auch •auf anderen judenfeindlichen Qebieten nicht unnütz verstreichen. Sie fischen im Trüben und führen die Judenausweisungen in Massen wohlgemut durch. Und auch hiebe! geht alles schön gesetzlich vor sich. Die jüngste .Praxis, von welcher in der letzten Zeit mehrere hundert jüdische Familien ~r. so in K1 ei n wa r d e i n aliein etwa hundert — betroffen werden, besteht darin» daß die aufs Korn genommenen Juden aufgefordert werden, ihre ungarischc Staatsangehörigkeit d u r c h D ö k'u m 6 n t.en a c h zu w'e i s e n. Neben einer Anzahl Von Zeugnissen; über -die patriotische Verläßlichkeit, Steuerleisfung usw. wird ajüch so nebenbei-die Beilage des Geburts-,- Trainings- (und Heimatscheines des Urgroßvater j.' des Familienhaüptes, "sowie der Nachweis,1 daß dieser Großväter väterlicherseits in den Jahre 1874 bis 1879 im ehemaligen Großungarn .staatliche Steuern entrichtet oaer ein steuerpflichtiges Gewerbe betrieben habe. Sollte dieses wichtigste Dokument der Verfolgung der Juden in Ungarn bis in die vi er t e Goner a ti on nicht beigebracht werden können, so erscheint der Betreffende mit seiner Familie ausgewiesen und muß das Landesgebiet verlasseh. Bedarf diese Grausamkeit noch weiterer Erörterungen? Und was sagt der Völkerbund dazu? Das Joint Foreign Committee und die Lage in Ungarn und Rumänien. Aus London meidet JTA.: In der Sitzung des Jewish Board of Deputies (Verlband der englisch-jüdischen Genieinden) teilte -Präsident 0. E. d'Avigdor Go.ldsmid auf eine Anfrage des Herrn Leonard S«tein mit, daß seitens des Board die gegenwärtige Lage in Ungarn in Zusammenhang mit der von der Regierung, angekündigten Revision des Numerus-clausus-Gesetzes, aufmerksam beobachtet wird, Sollte ein$ Aktion sich als notwendig herausstellen, so werde sie ohne Zögern in Angriff genommen wenden. t Der Vorsitzende verlas' einen 'Bericht des Ausschusses für auswärtige'* jüdische Angelegenheiten. Es .wird auf die; ' ■■ "V. » * •' - *,' •' - . : reaktionär« Propaganda In Ungarn gegen die Revision des Numerus clausus und auf dde infolge dieser Propaganda an den Universitäten Ungarns ausgebrochenep. Unruhen 'hingewiesen., Diese Vorgänge, heißt' es In dem Bericht, haben anscheinend entmutigend auf die Regierung gewirkt, die, nun, statt den. §'3 ganz zu eliminieren, ihn durch eine Bestimmung ersetz*,, nach der die Kinder von Beamten, Kriegsbeschädigten, Landwirten usw. vor den freien Berufen bevorzugt werden. Die SIEGM. kornhehl QROSSFUtKHHAUCRfll '[',. Zentrale IX,, Berggasse 19, Telephon 17^99,0. 16-9 34 Li eferaqt für Hei lau» ts I t « n immim^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinata der Isr. Kul* tiwferaeinfle Wien IX. 0«r9fl, 19 / XVIII., Wflbrlnstfitr. 97 städtische Bevölkerung, zu der Juden hauptsächlich gehören, erscheint schwer benachteiligt. So wird ein Rest der antisemitfischen Tendenz des bisherigen Gesetzes beibehalten. (Wie bekannt, hat sich Graf Bethlen entschlossen, selbst diese geringfügige Aenderung äu vertagen;) Der Bericht beiaßt sich auch mit der Lage in Rumänien. In diesem Lande haben in der letzten Zeit antijödiscbe Unruhen ernster Art nicht stattgefunden, anderseits geht das Werk der Milderung gesetzlicher Einschränkungen gegen die Juden nur langsam vorwärts. Auf dem Gebiete des Unterrichtswesens hat die Regierung in den Verhandlungen mit den Jüdischen Deputierten gewiss« Zugeständnisse gemacht. Auch hat sie einem Gesetzentwurf fiber dfie Bildung eines Verbandes jüdischer Gemeinden des ganzen Königreiches und die BMdttng eines Reiohsrabbinates zugestimmt. In den annektierten Provinzen kommt <fie Regierung der Jüdischen Bevölkerung triefet in dem gleichen Maße entgegen. Auch hat sie bisher nichts getan, um den Numerus nnllns, der ohne Gesetz faktisch an den Universitäten existiert, abzuschaffen. In der Türkei, heißt es in dem Bericht weiter, ist die Lage der Joden; noch -immer unsicher. Namentlich die russisch* j üdischen Fi fleh Hinge in der Törfeei seien einer unbarmherzigen Behandlung ausgesetzt Der jüdischen Hilfstätigkeit dn Amerika und in Westenroi» harrt hier eine dringende Aufgabe. Das gleiche güt voi dem Handwerkerglldcngesetz in Polen, welches das jüdische Handwerk bedroht In diesen bdden Fällen wird das Korrütee eingreifen, um noch schwereren Krisen entgegenzuwirken. Zum Schluß teilte 0. E. d'Avigdor GoldstmSd nrft, daß die Hilfsaktion der AngJp-Jewish Association und des Board of Deputies zugunsten der Erdbebengeschädigten in Palästina insgesamt Pfd. Sterl. 2531 ergeben hat Die Aktion ist nunmehr abgeschlossen. „Was um geniert, wird dementiert." Barlassina und der Zionismus. Das 'Berliner Zentfumsorgan Germania14 verr öffentlicht eine anscheinend" aois -Vatdkankrei'sen iiispiriertc Feststellung über die Stellung des katholischen Patriarchen von Jerusalem Ms**. Ludwig"Bar'lassina zum Zionismus. Iii dieser "Feststellung wird die Autorschaft Barlassinas mit Bezug auf den-in der Londoner ,,'Ga:th6iic-vPfess" erschienenen s c,h a rf an t i z i onis t is c h en Art ik e 1 in Abrede gestellt und auch'das In jüdischen Zeitungen erschienene Interview des Patriarchen,' in dem Msgr. Ba*> lasslna seiner fr'eundschaf11 ieihen Gesi Innung für den Zionismus Ausdruck gegeben haben sollte, als aus d e r L u f t ge g r i f f e n bezeichnet Zum Schlüsse hedßi es: „/Alles, was an diesen Berichten und Gerüchten als tatsächlich festgestellt wurde, ist, daß der Patriarch in einem Gespräch -mit einem Zioraisten, in dem er keineswegs einen „Interviewer" vermutete, einige Bemerkungen fallen ließ, die dem Gerücht, es sei der Katholizdsmus dem dem Zionismus feindselig gesinnt, widersprachen. „Es ist nichts falscher, als z-u behaupten, es bekämpfe die katholische Kirche den Judaismus. Im Gegenteil, in der Ueberzeugung von der Wahrheit ihres katholischen Glaubens sehen die Katholiken an den Abkömmlingen Abrahams ihre geistigen Ahnen. Niemals hat die katholische Kirche die guten Lehren des Judaismus zurückgewiesen. In Ahr er Liturgie Wie in ihren" Gebeten geht sie auf das Alte Testament zurück.'Es sind im Gegenteil die Juden selbst, die, indem sie das Christentum ableugnen, ihren alten Judaismus .zerstören und die alten messianischen Prophezeiungen entwerten." Was den Vorwurf anbetrifft, es ständen viele Katholiken dein Zionismus felhselig gegenüber, so äußerte , der Patriarch, daß man unmöglich von den Katholiken Gleichgültigkeit verJansen könne, wenn das zionistische System seine 'Absicht kund tut in Palästina aiies zu zerstören, was nicht jüdisch^ei." Das Dementi ist herzlich ungeschickt In seinem •letzten Satz bestätigt es alles, was abgeleugnet werden sollte und zeigt den Monslgnore geradezu in der Funktion, die ihm zum Vorwurf gemacht, wird. ,Er zeigt sich nicht als Kritiker, sondern als Verleumder. Der Zionismus bat nicht die Absicht, in Palästina alles zu zerstören, was nicht Jüdisch ist (wobei uns eine Aufzählung des zw zerstörenden „Nichtjfldischen" w#koanmen wäre), und er bat eine derartige Absicht niemals, fcundgetan.. Es ist also von katholischer Seite festgelegt, worin die Tätigkeit des Monstgnbre Barlassina gegenüber dem Zionismus besteht. Zionliiiich*» L^ndeakomUee für Oesterreich Wien, I., Kflrntnerstr fi« 88 Dl«twt«8f denao.Ots«mto«r 1927, V,« Uhr «taend« Im Oiympla««*l b, Rotfl««»« 8 Chanulcah^ Jugendfeier Llcti* afliflodtti: Oberkantor Qerson Marguli*! — Festrede; Direktor Dr. Viktor Ke iier — JJebr. Chor: Leitung Professor ArtUr Wolf Die 2000i«>ri£e Wanderung eines Volkes j 'ranshünftler. Oedlpht von Oeitiud Kraus! .Das kranke Jldcelcvon Parai >tTiisMon; M. bsjab-fischtr Oruppensaeneo: Makkabi IX .Bonze Scfcwdg* vo-i Par«js SprcchcnQre: L^ltnos Kircbner usw. Kartao von « g Ws 9 S imyorvaikw»: Zion, Bweau, 1, KUnto**' strsSe 28 j Bwhhsndlung Rath, H. Taboi(tr«6ei 20 a; W«r.t, U Rotenturmstrofle 2'i; Makkabi, >X., Liechtensteins raH '20

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