Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 10 (25.11.1927)
- Date
- 1927-11-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 10 DIE NEUE WELT Seto>7 Aktion des Keren Kajemeth (Jüdischer Nationalfonds) für die Heimprämienversicherung. Nach langen Jahren des Wirrsals kommen im Wirtschaftsleben die erprobten Methoden der Vorkriegszeit wieder zu Ehren. So hat auch das Sparen Sinn und Wert zurückgewonnen. Und noch besser ist es, wenn das Sparen mit der Versicherung — gegen vorzeitiges Ableben des Familienerhalters —- verbunden wird. Diesem neu erwachten Bedürfnis, für die Zukunft vorzusorgen', sucht der „Phönix" durch die Heimprämien-Versicherung zu entsprechen, welche es auch dem kleinen Mann ermöglicht, mitzuhalten. Der moralische Zwang, täglich einen geringfügigen, leicht entbehrlichen Betrag in die Phönix-Büchse zu werfen, wird jeder Einsichtige als ein Mittel der Selbsterziehung begrüßen. Und ebenso die Oefahr, daß man das Recht auf den Oenuß von Versicherungsgeldern einbüßt, wenn man nicht zumindest zwei Jahre seinem Vorsatz treu bleibt, die Prämien einzuzahlen. Jedem der durch Besserung seiner Verhältnisse später in die Lage kommt, eine normale Versicherung (auf . Er- und Ableben mit ärztlicher Untersuchung) einzugehen, werden die für die Heimprämien-Versicherung eingezahlten Prämien zur Gänze gutgebracht. Die Phönix-Sparbüchse bietet der KKL.-Büchse keine Konkurrenz! Niemand, der durch eine Versicherung für seine Familie gesorgt hat, wird dies die alteingeführte Büchse des Keren Kajemeth (Jüdischer Nationalfonds) entgelten lassen. Sie darf — und dies Gebot gilt für die ganze! Welt — in keinem jüdischen Hause fehlen. Das Nebeneinander dieser beiden Büchsen wird in schöner Symbolik das zum Ausdruck bringen, was das jüdische Volk sich stets als sittliches Ziel gesetzt hat: Das persönliche Interesse mit dem der Allgemeinheit harmonisch zu verbinden. ♦ in Wien, i., Kärntnerstr. 28 Telephon 77-4-85/86 Irl alle Arten von Herongen (Leben, Feuer.Einbruch-, Unfall, Antth Haftpflicht, Äuto.Transportetc. UlllUI Auch die anderm Phönixfilialen sind berechtigt, sich auf den KKL-Begünstigungsvertrag zu beru en Jabotinsky über den zionistischen Beamten. Im „Haint" vom 28, X. 1927 nimmt Jabotinsky zur zionistischen Beamtenfrage Stellung. Jabotinsky meint, die „Stammzionisten haben recht, wenn sie ihre Unzufriedenheit gegenüber der Anteilnahme der zionistischen Beamten in parteipolitischen — gleich ob für oder gegen die Leitung — Kämpfen bezeigen, da sie, als Beamte privilegiert sind und die Möglichkeit haben, auf Kosten der allgemein-zionistischen Kasse verschiedene Gelegenheiten für parteipolitische Zwecke auszunutzen/ Dagegen wäre es Unrecht, den Beamten das Stimmrecht und die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern, zu entziehen. Die Beamten müssen, im Bewußtsein ihrer wichtigen Rolle in der Organisation und ihrer sozusagen „aristokratischen" Sonderstellung in den zionistischen Reihen, selbst auf dieses Recht verzichten. Zur praktischen Durchführung dieser Neuordnung schlägt Jabotinsky die Gründung eines Weltverb am des der zionistischen Beamten vor, dessen Statuten die Nichtbeteiligung seiner Mitglieder an allen Wahlaktionen vorsehen, dafür aber das Recht auf besondere Abordnungen zu den Kongressen und den Landestagungen einräumen. Die Mitglieder solcher Abordnungen können auf den Tagungen frei ihre' Stimme äußern In allen zur Behandlung stehenden Fragen, dürfen sich aber nicht an'den Etatsabstimmungen und an den Wahlen zur Exekutive beteiligen. Solche Ordnung wird vielfach zur Erhöhung des Prestiges der zionistischen Beamten betragen; außerdem wird durch die Schaffung eines solchen Verbandes die materielle Lage der Funktionäre bedeutend verbessert werden. Der Straßenumzug In Warschau am Tage der Balfour-Feier. Aus Warschau wird uns geschrieben: Die Balfour-Feier der Warschauer Juden dürfte, was ihre Organisation und ihre Durchführung betrifft, kaum ihresgleichen haben. Etwa 10.000 Menschen ' nahmen an dem Umzug teil, der sich durch die Straßen Warschaus stundenlang hinzog, Sämtliche zionistischen und allgemein jüdischen Organisationen waren unter Führung ihrer Präsidien mit ihren Fahnen erschienen, und auch die Schuljugend ließ es sich nicht'nehmen,'festlich gekleidet an der Feier teilzunehmen. Der Zug, an deren Spitze die Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees aus Polen Lewite, die Deputierten Grün bäum, Färbst ein, Podiische wsky und Lew. in «•'Epstein marschierten, setzte sich unter den Klängen der vom Orchester vorgetragenen „Hatikwah" vom Makkabi-Platz aus in Bewegung. Sehr stark waren auch die Frauenv.ereirie und die Arbeiter im Festzug vertreten, Viele Vereine trugen . Transparente mit der Aufschrift: „Es lebe Balfour!", „Es' lebe Erez Israel]", aber man sah auch Transparente mit Protesten gegen England, weil es die Tore Palästinas vor den Chaluzim versperrt. Auf dem ganzen Weg, den der Zug passierte, standen ungeheure Menschenmengen und be-» grüßten die Manifestation mit freundlichen Zurufen. Bei der Nalewky 2 a wurde der Zug aufgelöst. Im großen Hof dieses Gebäudes wurden dann von den Führern der verschiedenen Gruppen Reden gehalten, in denen die Bedeutung der Balfour-Deklaration und die Entwicklung des Zionismus in den letzten zehn Ja]jren gewürdigt wurde. liiiiililiiilillliiiiiüiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiii haben den Ruf unseres Hauses begründet! Elegante Mäntel, Kleider, Kostüme etc. nach Original Pariser Modellen in unseren Ateliers hergestellt HnpalillKIPl Ml IP VII. Kaiserstr.115 Illfl^ejJBB KEINE FlL ALE! HMHUmM Führendes und größtes Spezialhaus Oesterreichs. Die jüdischen Adelsfamilien in Italien. Im „Neuen Wiener Journal" schreibt Dr. Joachim Friedenthal: ■., Der Antisemitismus ist in Italien seit je ein völlig unbekannter Begriff. Niemand, der sich dafür interessiert, kann seine Existenz hier finden. Und auch unter dem fascistischen Regime ist es nicht anders geworden. Niemand kann den Fascismus irgendwelcher, sei es auch verhüllter, antisemitischer Tendenzen anklagen. Nicht einmal sein bekannter Kampf gegen die Freimaurer, in denen schlecht Unterrichtete wie Ludendorff nichts als Juden sehen, hat" an dieser prinzipiellen und faktischen Einstellung etwas geändert. Uebrigens darf man sich nicht verhehlen, daß unter den ersten materiellen Stützen, beim Kampf der Schwarzhemden gegen die bolschewistischen Aufstände, jüdische Industrielle waren; wie jetzt unter den syndikalistischfascistischen Wortführern eines korporativen Aufbaues des neuen Staates, genau so wie unter den letzten Gefolgsleuten jüdische Proletarier sind. Der Mann, in dessen fürstlicher Villa Mussolini fast dauernd zu Gast wohnt, ist kein anderer als jener Principe T o r 1 o n i a, der von einem der reichsten jüdischen Bankiers abstammt. Und heute wie gestern fand und findet man unter dem Offiziersstand bis z-ur höchsten Generalität hinauf genau so wie unter dem hohen Beamten- und Richterstand Juden, ungetaufte, genug. Als jüngst der Grbßrabbiner von Rom, Professor S a c e rdoti, eine Rücksprache mit dem Regierungschef hatte, weil Rückwirkungen aus dem Kampfe gegen die Freimaurer auf die Juden unnötigerweise befürchtet wurden, versicherte ihm Mussolini das, was alle wissen, daß auch für die Fascisten weder ein Antisemitismus noch überhaupt eine jüdische Frage in Italien existiere. Und S o k o 1 o w, der Chef der Zionistischen Exekutive, bestätigte bei seinem kürzlichen römischen Aufenthalt den gleichen Eindruck. Es gj'bt hier keinen Rassenkanipf und keinen Rassenunterschied, nicht einmal Diskussionen darüber. Das zeigt sich im kleinen wie im großen. Die hohen jüdischen Feste werden in den Zeitungen genau so feierlich-zeremoniös geschildert, wie die Festtage der Christenheit. Und ich weiß j| ^ifmiiuiiiiiuiHiiiiiiiiiii In miiiiiiiinimminiiinii^g Grundstück | Angelegenheiten ■ H' ' I H Kauf * Verkauf || jj Verwaltung j| M Belehnung j| Hl betreffend sj£j ■ Häuser «Villen 1 I Güter 1 Hl' wendet sich jeder Interessent an die SS Realitäten-und Verwaltungskaiulei Dr. jui\ Maren» Somer Wien,lX. Währingerstrafo 3 §| | Telephone: A26-4-47 » 15-506 §|§[ _£ II m noch, welchen Eindruck es mir machte, als ich zum ersten* mal in allen Blättern eine ganze Spalte den Zeremonien des Jomkippur mit respektvollster Sympathie gewidmet sah. Oder: ein befreundeter Graf erzählte mir jüngst von seinem Jugendfreund, in einem besonderen Zusammenhang fügte er hinzu, er wisse wirklich nicht, ob dieser Freund Bruno auch Katholik oder nicht vielmehr Jude sei. In dreißig Jahren hatte er nie Anlaß gefunden, überhaupt nur danach zu fragen. Hinzu kommt, daß ein äußerlicher Unterschied zwischen diesen Juden, deren Geschlechter meist seit zweitausend Jahren in Italien leben, und den Italienern selbst nur höchst selten und nur einem sehr kundigen Blick auffällt. Aber auch überall dort, wo man es genau weiß (vor allem aus den auch hier nach Städtenamen geformten Eigennamen der Juden), ändert dies nicht das geringste an Haltung und Gesinnung. Unter 41 Millionen Italienern gibt es 8000 Adelsfamilien. Unter den 60.000 Juden, die italienischer Nationalität sind (man sieht, die Zahl ist klein), weist der neue Adelsalmanach nicht weniger als dreißig Familien hohen Adels auf, Grafen, Barone und Marchescs (Marquis). Wohlgemerkt, dreißig Adelsfamilien, die noch heute jüdisch sind, zu denen also Geschlechter wie die der Fürsten Tor-lonia und manche ähnlichen keineswegs mitzählen. Das ist kein kleiner Prozentsatz. Nicht gerechnet die vielen alten PatrizierfamMien, die noch, ohne formeilen königlichen Adel zugesprochen zu haben, bis heutigen Tages das Recht haben, ein Wappen mit ihrem Familienzeichen' zu tragen. Diese ersten jüdischen Partizierhäuser Italiens haben schon seit dem 14. Jahrhundert vom Vater auf den Sohn jeweils solch ein Familienwappen vererbt. Es ist vielfach biblischen Ursprungs und datiert in die Zeit der Ueberführung der Juden durch Titus nach Rom. Professor E. Morpurgo weist das in seiner Schrift über „Die jüdischen Universitäten im 18. Jahrhundert" im einzelnen nach. Und der Gelehrte Schwab führt für Frankreich in seinem „Rapport der hebräischen Inschriften" ebenfalls eine große Anzahl von Beispielen auf, nach denen sich eine ganze jüdische Patrizier- Heraldik konstatieren läßt: Wappen mit Helmen und Kürassen vom 13. Jahrhundert an, der flammende Löwe der Makkaibäer als Siegel- und Wappenhauszeichen des Jakob"* von London, die zwei Tempelsäulen des Zewi von 1400. Die C o e n s und L e v i haben noch heute in ihren Hauswappen die segnend gespreizten Priesterhände (bei einem bekannten italienischen Geschäft Coen ist das die Waren- und Hausmarke heute geworden). Die T o d r o s, die aus der Schweiz eingewandert sind, tragen den feuerspeienden Ulli, ..lllllllllllllllllllljlllllllllllllllll Jugendverein «Erez Israel** Wien IL, Zirkusgasse 33 Samstag, den 26. November, 8 Uhr abends Hebräisches Konzert (Komposiiiomabend Prof. Ariur Wolf) im Fesisaal des Hotel Continental Eintritt SO Gro*ohen Eintritt 50 Groichcn Drachen im Wappenschild. Womit klar erwiesen ist, daß solche Patrizier-' und Adelsheraldfk keineswegs einen exklusiven Vorzug christlicher Patrizierfamilien darstellte- Was den heute noch jüdisch sich bekennenden Adel Italiens angeht, so stammt er fast durchwegs aus verhältnismäßig naher Zeit, den Fünfziger- bis Siebziger jähren des vorigen Jahrhunderts. Der Adel des Barons S o ritt i n o, dessen Sohn der bekannte italienische Außenminister bei Ausbruch des Krieges war^ wurde dem Vater Isaak Sonnino sogar erst im Jahre 1882 vom König verliehen. Der italienische Gelehrte Samuele Schaerf hat in seinem neuen Buche über „Die Beinamen der Juden in Italien" die Begründung für die vielerlei Adelsverleihungen an Juden gegeben. Sie führen sich auf, die Kämpfe um die Einigung Italiens und die darin besonders schwierige Lage Piemonts, dem Ausgangspunkt der Herrschaft des Hauses Savoyen, in den Kriegen von 1859 bis 1866 zurück, denen 1870 die Einnahme Roms und Proklamierung des Vereinigten Königreiches folgte. (Eine übrigens der deutschen sehr parallele Geschichte!) Die enormen Spesen, die ein kleiner Staat wie Piemont für diese Einigungskriege zu tragen hatte, verlangten von allen Bürgern die größten Opfer. Die Juden Piernonts stellten schon damals, längst dem Ghetto entronnen, in Turin, Asti, Allesandria, Cuneo und anderen Städten blühende und angesehene Gemeinden dar. Sie waren die eifrigsten Bannerträger im Kampf um die Italienische Einheit. Sie brachten auch gern und willig die größten Opfer, stellten SoldatertfOrrnationen auf, kämpften mit, gaben an Geldern her, was sie mir auftreiben konnten. König Viktor Emanuel IJ. belohnte diese Hilfe reich, und damals war* es, daß er auch einer ganzen Anzahl besonders verdienter Familien den Adelstitel gab. Von dorther stammten die Grafen C a h e n, die Grafen Camondo, die Baronate* der Castelnuovo, die Grafen Cor ina 1 di, HierscheJ de Miter bi, die Barone Franchetti, Leonino, Levi (andere Levis wurden noch 1892 und 1899 zu Baronen gemacht). Im letzten Jahrzehnt, respektive von 1900 an finden sich noch die Sacerdoti, Morpurgo, Padoa, Treves, Well-Weiß, Rocca und andere zu erblichen Grafe^ und Baronen gemacht.