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Die neue Welt · 1927-11-25 · Heft 10 (25.11.1927) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 10 (25.11.1927)
Date
1927-11-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Pfo 10 Eine Rede Weizmanns in Berlin. Am 17. November abends fand in den Marmorsälen zu Berlin ein von der Berliner Zionistischen Vereinigung zu Ehren des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Prof. Dr. Chaim Weizmann und der Frau Dr. Weizmann veranstaltetes Bankett statt, dem etwa 1000 Personen der zionistischen und jüdischen Gesellschaft Berlins beiwohnten. Präsident Dr. Weizmann, dem eine stürmische, minutenlange Ovation dargebracht wurde, führte u. a. aus: Die Arbeitslosigkeit in Palästina ist noch heute — wenn auch in kleinerem Maße als früher — akut. Die jetzt in Angriff genommenen Arbeiten werden einen großen Teil der Arbeitslosen temporär absorbieren. In vielen Gebieten kann man in diesem Augenblick von einer Arbeitslosigkeit nicht mehr sprechen, aber in Tel-Awiw müßten auch jetzt noch tausende Pfund wöchentlich an Unterstützung ausgegeben werden, wollte man die Not radikal lindern. Die Exekutive kann aber nur 1000 Pfund wöchentlich für diesen Zweck ausgeben. In der Presse war zu, lesen, daß ich zu den früher beschlossenen 700 Pfund 300 Pfund zugelegt habe, ohne die Exekutive zu befragen. Es könnte ja geschehen, daß ich in dringenden Fällen so vorgehe, aber diesmal bin ich unschuldig. Die Erhöhung von 700 Pfund auf 1000 Pfund geschah im Einvernehmen mit der Exekutive. Ich betone* aber: Das ist das minimalste Minimum. Was nottut, ist ein langsamer und" ruhiger- Absorptionsprozeß. Eine große Zahl der Arbeitslosen kann in den Kolonien untergebracht werden, aber ein Rest wird noch bleibe«. Nach fünf oder sechs Monaten wird man sich mit dem ernsten Problem befassen müssen, die notwendige Absorption restlos sich vollziehen zu lassen. Die Mittel zu dieser Lösung müssen außerhalb Palästinas gefunden werden. Die jetzigen Menschen In Palästina sind diejenige Generation, auf die der' Zionismus 50 Jähre gewartet hat. * Wenn wir dieses hohe Menschengut verschwenden, es zurückgehen lassen, — es würde den Nerv unserer Bewegung treffen. Wenn wir von den viertausend Arbeitslosen vorläufig — dies aber schon heute — auch nur 50Q bis 600 auf dem Lande seßhaft machen, so wird sich dies psychologisch scharf auswirken und den übrigen den Mut zu weiterem Durchhalten geben. Dies ist jetzt die zentralste Aufgabe unserer Bewegung. Die zweite Frage — die uns am tiefsten und am wehesten berührt — ist die Frage der Erziehung. Der Kongreß. bewilligte ein. Erziehungsbudget von 53.000 Pfund. Wir' dürfen diese Ziffer nicht'als sakrosankt betrachten., Man kann ein ,, Schulsystem nicht ^willkürlich- -beschneiden, ohne es zu verstümmeln. Eine Grenze muß da sein, und die Grenze: jedem Kinde muß ein Platz gesichert werden,, ujid wenn statt der 53.000 Pfund z. B. 58.000 Pfund ausgegeben, werden müßten. Ueberschreiten wir diese Grenze, so kommen wir auf Wege, die'nicht jüdisch sind. ' Die Missionsschulen warten auf den Augenblick, da " unser Schulsystem versagt, um: die - Kinder unter ihren; Einfluß zu bekommen. Es ist' unsere, verdammte' Pflicht und Schuldigkeit, der Exekutive die Möglichkeit zu geben, jedem Kinde einen Platz zu sichern. Ich habe, sagte Dr. Weizmänn, von meinem letzten Besuch in Palästina die Ue'berzeugüng mitgenommen, daß trotz der Krise b e deutende Fortschritte gemacht worden sind. Ich bin fern von jedem offiziellen Optimismus, aber es nützt nichts, in sadistischer Weise fimmer auf Wunden den: Finger zu legen. Die Anzahl der Menschen, die sich auf dem Lande einwurzeln, wächst; aber auch die industrielle Entwicklung schreitet allmählich vorwärts. In zwei Jahren wird das ökonomische Gesicht des Landes sich geändert haben. Der Hafenbau in Haifa, die Elektrifizierung und manches andere deuten die Neugestaltung an. Man baut nicht ein Land mit Jeremiaden. Wenn diese Entwicklung zwei Jahre andauert, dann werden sich die Tore Palästinas aufs neue öffnen. Heute stehen die Dinge so, daß eine aktivere Beteiligung, der Mandatarmacht an der Behebung unserer Schwierigkelten festzustellen ist. Die Regierung fühlt die Verpflichtung, die Last des Aufbaues uns tragen zu helfen. Ein Beispiel: Der Zollvertrag mit Syrien, gegen den sich die palästinensischen Industriellen beschwerten, tritt vor« 1 ä u f I g nicht in Kraft. Mindestens zwei bis drei Jahre droht von dieser Seite der Industrie keinerlei Erschütterung. Ein weiteres Beispiel: Die Regierung hat sich venpflichtet, bei den öffentlichen Arbeiten jüdische Arbeiter zu beschäftigen. Sie will aber nicht unseren, sondern ihren Lohnstandard gelten lassen. Wir werden tepplche SIEGN. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale IX,, Bergga»Be 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten JSS^i^^^^^S^SäiäSS^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Jsr Kultusgemeinde Wien IX. Bergg, 1* ' XVIII., Währlnoeratr. 97 in großer Auswähl enorm billig bei Sommerfreund Vlll Josefstädterstraße 35 - Telephon 22-1-87 Im Sommer Bad Gast ein, Kaiserpromemde wohl unseren Standard etwas herunterdrücken müssen. Aufzuklären ist noch die Frage der Ueberschüsse. Man sprach von l,50Ö.Ö00Pfund Ueberschüssen der Palästina-Verwaltung. Wir wissen, wie diese Ueberschüsse zusammengeschrumpft sind. Vielleicht verfügt die Regierung über etwa 300.000 Pfund, die sie in öffentlichen Arbeiten investieren könne. t, , Das Schmerzliche, das wir jetzt in Palästina zu ertragen haben, ist das Gefühl, daß der Aufibau stagniert und wir uns auf die Konsolidierung des Bestehenden beschränken müssen., Das kann man nicht länger ertragen, als notwendig ist. Die nächsten Aufgaben sind: 1. Das Budget aufzubringen, um nicht die Exekutive in Bankrottgefahr zu bringen; 2. dieses Budget ist nur ein Minimum, es, kennzeichnet ein vorbereitendes Stadium zu größerer Arbeit, zu neuen Landkäufen. Wir bringen heute unser Haus in Ordnung, um dann einen neuen Vorstoß zu wagen.. Stagnieren wir, so hört die zionistische Bewegung auf,,zu sein. Es muß eine Zeit neuen Beginnes kommen. Eine Zeitgrenze ist notwendig. Die jetzt in Palästina Unsäglich Leidenden werden nur dann durchhalten, wenn sie wissen: Bis da, dann wieder aufwärts, Einige wenige Jahre werden wir diesen Zustand noch ertragen, dann aber vorwärts! (Stürmischer langanhaltender Beifall.) Stadt- und Landbevölkerung haben sich anläßlich der „Jubiläumswoche" und dann auch während der Propagandawoche für österreichische Waren von der Konkwrenzlosigkeit des bestrenommierten Leopoldstädter Warenhauses Brüder Schiffman.n, II., Taborstraße 48, überzeugt. Durch eine originelle' und besonders wirksame Schaufensterpropaganda, Auslagenplakate, Lichtreklame sowie durch fach- und sachgemäße Aufklärung seitens, der Verkäufer wurde dem Kaufpublikuim überdies in überzeugender Weise klargemacht^ daß die Erzeugnisse der heimischen Industrie am Qualität, geschmackvoller Arbeit und Preiswürdigkeit der Auslandsware in nichts nachstehen und so die Aktion „Oesterreichische Woche" großartig gefördert. In der kommenden Verkaufswoche beginnt der sensationelle Weihnachtsverkauff mit aufsehenerregenden Schlagerangeboten. Nachstehend einige Beispiele aus der Preisliste: Seidenripse und Satin de Chine, in allen Farben, per Meter nur S 2.50, Li b er t y-S ei de und Seide ntorokate, alle Farben, enorme Ausmusterung, per Meter nur S 3.90. Gewebte Schotten per Meter S —.98, Mode-Schotten, gerauht, S. 1.50, K1 e id e rstoffe, doppeltbreit S 1.98, Rcinwollripse, Faconß, floppelfcbreit S 3.90, Velours und Double, für. Mäntel; S'9.80, Hutsamte per Meter S 2.90, Waschsamte S 3.90, Samt-Schlangen haut S 4.90, Plüsche für Mäntel in Riesenauswahl, Ia Riesen webe S —.75, Jacquard-Handtuch S —.98, Atlasse a dl S 1.25, Ia. B e 11 u ch, kompl. breit S 1.75, Damenhemd oder Hose, Ajour und gestickt, S 1.98. Bunte Kombination, alle Farben, S 3.90, Herrenhemden mit zwei Kragen, S 3.90, Herreukniehose S 1.98, Herrenkragen, steif, alle Weiten, S —.75; Seidenbinder, modernste Dessins, S —75, Madrasstoff für Vorhänge S —.98, Madras-Künstlervorhang, dreiteilig, S 6.90, Salonstores S 3.90, W a ch s t u c h, 50 : 100 cm, S' 1.50t- Fußbodenbelag, 100 cm breit, S 3.80. Alle hier nicht verzeichneten Waren In reichster Auswahl zu fabelhaft billigen Preisen. Praktische, verschiedenartige Geschenke an alle Kunden, Besichtigen Sie die sehenswerten 26 Auslagen! Prüfen Sie Preis und-Qualität der Angebote! .1 'lllllllllllllllllllllllllllll Dr. Nahum Goldmann in Wien, Aus diesem Anlaß findet Sonntag den 27. November um halb 9 Ühr abends im Cafe Bürger, IL, Praterstraße' 11, ein Klubabend der radikalen Zionisten statt, bei welchem Dr. Nahum Gold mann referieren wird. Nur K1 u b ml t g 1 i e d e r haben Zutritt. Zionist. Landeskomitee für Oesterreich Montag, den 28. November 1937, 8 Uhr sbehds, Olympiasaal, I., Rothgasse 5 Zionistisches Meeting Redner: Dr. Nahum üöldmann (Berlin) „Das indische Schicksal* Zum Delegiertentag der österreichischen Zionisten. In der Wiedergabe des Referates A. Böhm soll es richtig heißen: „Im Jahre 1898 (nicht 1908) waren in sämtlichen Kolonien bloß 4500 Menschen." — Zu dem Berichte ist noch nachzutragen, daß außer Herrn Dr. Friedmann die Herrren Dr. Morgenstern und M. Rath zu Vorsitzenden gewählt wurden. In der Generaldebatte sprach außer den im Berichte angeführten Rednern noch Herr Dr. Finkelstein (Gruppe „Aufbau"), welcher sich insbesondere gegen die Ausführungen Strickers wandte. Man kann ein Volk nicht durch ein Wort in Bewegung setzen, auch nicht durch das Wort „JudenstaS". Er macht dem Landeskomitee zum Vorwurf, daß es zugelassen habe, daß gegen Kongreßbeschliisse öffentlich gesprochen worden sei. Die Propaganda der Radikalen und Revisionisten gegen die vom Kongreß beschlossene Erweiterung der Jewish Agency sei Disziplinbruch. Die Fortsetzung des De legier t entages findet am Samstag; den 3. Dezember utn 7 ühr abends im Lokale, VliL, Bennoplatz 1 a, statt. Die Wiener radikalen Zionisten an Abg. Grünbaum. Der Klub der radikalen Zionisten in Wien riftt an den Deputierten Grünbaum eine Depesche gerichtet, in welcher er ihm anläßlich des Attentatsversuches die Sympathie ausspricht und die Ueberzeugung ausdrückt, daß Herr Grünba-um seine Tätigkeit für das jüdische Volk mit gewohnter Energie fortsetzen wird. Ueber Palästina. (Aus dem am 29. Oktober a. c. im Hotel Continental gehaltenen Vortrag von Dr. Martha Hof mann.) Von dem zahlreichen und sie voll Sympathie erwartenden Publikum herzlichst, begrüßt, schildert die Vor>- , tragende, wie das Land dem Touristen, der nicht zuerst das geschlossene jüdische Gebiet, zum Beispiel den Emek, kennen lernt, anfangs so sehr arabisch erscheine, bis man1 erkenne, daß das überwältigend Fremde nichts als das . unverfälscht Orientalische ist, dessen Tradition einst auch die unsere war. Sie zeichnet die Konturen dieses eigenartigen Landstriches zwischen gelber Wüste und tiefblauem Meer sehr anschaulich und — bei strenger Wahrheits* treue — macht sie fühlbar, wie es, mit den Augen der Liebe und des Verständnisses aufgefaßt; wirken muß. Gerade die Landschaftsschilderungen machen einen tiefen Ein-' druck auf die Zuhörerschaft. Die Referentin schildert die ■• wirtschaftliche Krise des Landes, die sich in den Städten schwerer fühlbar macht als in den ländlichen Siedlungen. Sie schildert jene halb auf Lohnarbeit; Halb auf Eigenproduktion basierenden Siedlungen im Umkreis der judäischen Kolonien, die die Eroberung der Arbeit (Konkurrenzkampf mit den Arabern) erleichtern und — wenn auch in bescheidenem Ausmaß — die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen bestimmt sind. Sie schildert ferner lebhaft und objektiv das Leben der verschiedenen Schichten in Stadt und Land und betont, daß nicht so sehr im Klassenunterschied der eigentliche Gegensatz innerhalb der Bevölkerung liege, sondern in der entschiedenen'Einstellung auf Palästina — oder in der Halbheit. Unentschiedenheit. Viele Einwohner, besonders Frauen, leben im Lande und leben .nicfyt dort — -; da sie nicht Hebräisch, geschweige Arabisch verstehen" und verstehen wollen. Ein großes Problem entstehe eben auch darauö — ja, es sei die Wurzel der ganzenP nobletrrati'k daraus — ja, es sei die Wurzel der ganzen Problematik Momente des Zionismus": das Anziehende und das Abstoßende, Palästina als Zuflucht und Palästina als Neuland noch nicht in eins verschmolzen sei, wie es künftige Generationen hoffentlich verschmelzen werden. So sei sie Menschen begegnet, die vor Pogromen aus der Ukraina dahin geflüchtet seien und dort nicht leben und nicht sterben könnten, alte Leute zumal, wenn nicht irgend ein junger, starker Mensch in der Familie ist, Sohn oder Enkel, der verdient. Dies aber sei Jammer der Galuth nach Erez Israel hinübergetragen. Daran kranken gerade die Städte vielfach. Daneben verwies sie auf das Kinde rd o r f K f a r J e 1 a d i m bei Afule, auch Pogromopfer, die aber selbsttätig und lebensfähig, vollwertige Palästinenser, heranwüchsen. Die Referentin sprach sodann ausführe licher über das Schulwesen in Stadt und Land, das im allgemeinen" einen guten Eindruck mache, soweit nicht durch die finanziellen Maßnahmen der letzten Zeit Schulen gesperrt werden mußten. Sie kritisierte auch den Zustand, daß zum Beispiel in Haifa wohl Technikum und Realschule, aber kein eigenes Volksschülgebäude vorhanden sei. Im ganzen befriedigte der Eindruck der heranwachsenden Generation jedoch in überraschender Weise. Sie legte zum. Schluß die Frage vor, wie man heute im Zeichen der Krise dei gesperrten Einwanderung, Jugend der Galuth für Palästina erziehen solle; sie verlangte, daß die Hebräisierung sowie die Erziehung zu innerer jüdischer Verantwortlichkeit und Lebenstüchtigkeit so vor sich gehe, daß derjenige Teil der Jugend, der sich einst für Palästina entscheidet, diese Entscheidung nicht halb, sondern restlos zu Ende führe. Denn nur volle Bejahung findet ihre Heimat in Palästina. Aber diese endgültig. Der Vortrag hinterließ auf die Zuhörer ungeteilten und nachhaltigen Eindruck und sie dankten der Vortragenden durch reichen Beifall / Jlllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll^ Klub radikaler Zionisten Mittwoch, den 30. November 1927 um halb 9 Uhr abends findet Im Klublokale Cafe Atlashof, Wien, I., Aspernplatz, eine •., Klubversammlunö statt Gegenstand: Iii" Referent: Hans Kandl Im österreichischen Landesverbände organisierte Zionisten als Gäste willkommen. Zu dieser Versammlung ergehen keine besonderen Einladungen

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