Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 10 (25.11.1927)
- Date
- 1927-11-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 10 DIE NEUE WELT Seite 5 Vtatt Karten! Dt, Josef Löw enherz und Frau laden hiemü ihre Freunde, Gesinnungsgenossen und Bekannten zur mjtfD -Feier ihres Sohnes SIEGMUND welche Samstag den 26. November um 9 ühr vormittags im Seiienstetten-Tempel stattfindet, höfi. ein. Staatskommission zur Vornahme der Maturitätsprüfung in hebräischer Sprache. Der Minister stellte eine positive Erledigung der zwei letzten Postulatc in Aussicht. * . Am 29. November findet im Kultus- und Unterrichtsministerium unter Leitung des Ministers Dr. Doforucki eine Konferenz betreffend das Programm des'jüd.is c h e n Religionsunterrichtes in den allgemeinen Schulen statt. Zu dieser Beratung sind jüdische Rabbiner und Rcligionslehrer eingeladen worden. Auszeichnungen an Juden in Polen. Aus Warschau wird uns berichtet: Anläßlich des polnischen Staatsfeiertages am 11. November verlieh der Staatspräsident an eine große Anzahl von polnischen Bürgern Auszeichnungen -in Anerkennung der Verdienste um den polnischen Staat. Unter den Ausgezeichneten befinden sich 11 Juden. Als besonders interessant sind hierbei hervorzuheben: Der Präsident der Krakauer Handelskammer erhielt den Orden „Polonia Restituta", der Bruder des jüdischen Sejmdeputierten Wischlitzky, Felix Wischlitzky erhielt in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Gründung und Organisation der großen Kunstseidenfabrik in Tomaschow das Offizierskreuz. Interessant ist auch der Anlaß, der zur Auszeichnung des Juweliers Mendel Rutstein geführt hat. Rutstein fungierte als Sachverständiger bei der Durchführung des Rigaer Friedensver- - träges, indem er die Polen auf Grund des Vertrages zugesprochenen Brillanten und Edelsteine abschätzte. Dies wird auch im Auszeichnungsdekret ausdrücklich hervorgehoben Schalom Schwarzhört. - In der Pariser Presse sowie . in vielen jüdischen Orgauen finden sich zahlreiche bemerkenswerte Mitteilungen über dein Sohwarzbart-Prozeß, aus denen die folgenden liier wiedergegeben' seien: Schwärzt) ar t ist unmittelbar nach dem Prozeß erkrankt •und hat das Bett aufsuchen müssen. Er -hat sich' im Gefängnjs eine L u rag cn k r a n k h e i t zugezogen. Vielen seiner Besucher hat er erklärt, daß er mit seiner Frau n a c h Palästina übersiedeln wolle, sowie sich sein Gesundheitszustand nur bessern werde. Er wolle dazu beitragen, däß die jüdische Jugend so erzogen werde,, daß sie sich nicht mehr wehrlos hinschlachten lasse. Die G es cli wor e n e n b a n k setzte sich aus sieben Hauflentetny drei Beamten, einem Schlosser und einem Zeitungskolporteur zusammen, der zugleich Schauspieler ist. Die. erste Frage, die an die Geschworenen gerichtet wurde, lautete: „K a n n die T a t. Schwarzbarts a]s Mord betrachtet werden?" Da die Geschworehen einstimmig mit „N e i n" antworteten, entfielen all'p weiteren-Fragen. Als der Obrnann der Geschworenen das Verdikt „Unschuldig" verkündete, brach in dem dichtgedrängten Auditorium ein Sturm der Freude aus. Der Kommandant der "Wache drängte sich zu Frau Schwarzbart vor und begann sie unter Tränen zu küssen, wobei er fortwährend rief: „C/e§t justice!" („Gerecht, gerecht!") Daun erzählte '• e>, er sei ei n Jude aus Alg i e r und habe während des ganzen Prozesses für Schwarzbart gebetet. Die natjonaie Zusammensetzung der Sowjetunion. In Rußland wohnen — nach der letzten Volkszählung- '-U-. 165- Nationen, darunter . 70,000.000 Russen, 25,000.000 , Ukrainer, 4,000.000 Weißfussen, 3,764.366 Usbeken, 2,205,QQO Wolgatatarcn, 1,897.796 Juden, 1,044.371 Dentscljp, 369.078 Polen, 177.616 Letten, 171.061 Griechen, 75.000 Litauer, 60.000 anatolische Türken, 54.31S Araber, 5?,758 Bulgaren, 43.054 Tschechoslowakenr Edpuard Oungre — Ritter der Ehrenlegion. Paris, 16. November. (JTA.) Herr Edouard Oungre, einer der^ Direktoren der Jewish Colonisation Association und Direktoriumsmitglied von Hias-Ica-Emigdirekt, wurde zum Ritter, 4er Ehrenlegion ernannt. Oungre diente hu Kriege aJ^'Offtzi.'er In der französischen Armee. Emir Abdullah soll doch nicht König von Transjordanien werden. Der■ QbjrHpinmissär von Palästina, Lord Plume-r," übergab1 bei 'Seinern Besuche der Hauptstadt Transjordaiiieys Atfiiu^n Emir Abdullah den ihm vom englischen, Kön'g verlieljenQii hohen Orden. Wie verlautet, soll diese Ord^nsvtfhiliung"den Emir dafür fciilsthädigen, daß. Engeld ihip. die Gewährung des Königsti'els verweigert hat. AUS PALÄSTINA. Wichtig für Industrielle und Kaufleute. Nachfragen und Angebote aus Palästina. - Sensen und Sicheln. Eine erstklassige, angesehene Firma in Jaffa wünscht Anbote auf Sensen und Sicheln und sucht zu diesem Zwecke entsprechende Offerte. Dengelzeug. Eine in Palästina best eingeführte Firma mit guten Verbindungen wünscht Anbote in Dengelzeug und sucht zu diesem Zwecke Offerte. Orangen. Eine angesehene Firma in J a f f a wünscht den Export von Jaffa-Orangen nach Oesterreich. .. , .. Tabak. Erstklassige Firma in Palästina wünscht-den Export von Tabak nach Oesterreich. Mandeln. Seriöse Firma in Jaffa wünscht den Export v.ort Mandeln nach Oesterreich.; . Interessenten erhalten im Sekretariate der „Oesterreichisch-orientalischen Handelskammer", Wien, I. Bezirk, Strauchgasse 1, nähere Auskünfte. Baron Edmund Rothschild für das hebräische Schul- * werk. ' ' Bedingung: Wahrung des religiösen Charakters. 1 '. . Wie die I. T. A. meldet, ist Baron Edmund Rothschild in Paris dem notleidenden Schulwerk in Palästina zu Hilfe gekommen. Der Baron hat eine Summe von 18.000 Pfund gespendet unter der Bedingung, daß 'der religiöse Charakter der Schulen gewahrt werde. Baron Rothschild hat jederzeit die Bedeutung des religiösen Momentes in Palästina hervorgehoben. Bei seinem letzten Besuch in Erez Israel im Jahre 1925 erklärte er auf einem Empfang; „Die jüdische Religion und die jüdische Tradition müssen den ersten PI a t z im jüdischen Nationalheim erhalten." Die Aufnahme der neuen Währung. Ueber die Aufnahme, welche die Ausgabe der neuen Palästinanoten und Münzen in der jüdischen Bevölkerung des Landes gefunden hat, wird uns aus Jerusalem geschrieben: Die Ausgabe fand am 1. November statt. Als die Schalter der Banken frühmorgens geöffnet wurden, waren sie bereits vom Publikum so belagert, daß ein größeres Polizeiaufgebot notwendig war, um Ordnung in die Abwicklung der Geschäfte zu bringen.' Jeder beeilte sich, das bisherige ägyptische Geld in „jüdisches Geld" einzuwechseln. Die Benennung .Jüdisches Geld" stammt nicht nur von den Juden, sondern inehr noch von den Arabern, die bekanntlich gegen die neue Währung im allgemeinen, besonders aber gegen die Prägung der Nickelmünzeh, auf welchen die hebräische Inschrift obenan steht und das Symbol der alten jüdischen Münzen aus der Hasmonea- Eppche, das PaJmenblatt, aufgebracht sind. Die Freude derer, die als erste in den Besitz der neuen Geldsorten gelangt waren, läßt sich kaum beschreiben. Man sah unter ihnen Männer und Frauen, die das Geld abküßten und eine, Gruppe sprach laut den Segensspruch „Sehe heche janu", den man'zu sagen pflegt, wenn einem das Glück besebieden wurde, ein besonders erfreuliches glückliches Ereignis zu erleben. '■> , Per Waad Halaschon hat für die neue Währung Palästina? folgende hebräische Namen festgesetzt; für 1 Mil „Perutah", für 5 Müs „Maah", für 10 Müs „Meatajhn";1 für 50 Mills „Chazi Schekel", für 100 Müs „Schekel" und für, 1000 Mils „Litrah". Die Spiritussteuer. Die Palästina-Regierung hat eine Steuer für den in den palästineitsischcn Brennereien hergestellten Spiritus festgesetzt. In jeder einzelnen Brennerei soll ein besonderer Beamter der Regierung die richtige Erhebung der Steuer beaufsichtigen. Eine Münzsammlung in Jerusalem. In Verbindung mit der Bezalel-Kunstschule ist eine Münzsammlung in Jerusalem eröffnet würden. Der Saal,, in. dem cjje Sammlung aufgestellt wurde, ist nach dem ersten jüdischen Numismatiker Raff aeli benannt worden. Es handelt sich um eine Sammlung von zunächst etwa 1000 Stücken, unter denen sich sehr viel seltene und besonders schöne Exemplare befinden. Es wird davon gesprochen, daß es wünschenswert wäre, auch eine über Palästina hinausgehende Organisation von Münzsammlern zu schaffen, die als Freunde dieser palästinensischen Sammlung dafür sorgen, daß die Sammlung tunlichst Vermehrung erfährt.,Gewünscht werden:. 1. Jüdische Münzen. 2. Münzen, und Medaillen jüdischer Künstler. 3. Solche Medaillen, die zwar von nichtjüdischen Künstlern stammen, aber anläßlich jüdischer, besonderer Ereignisse geprägt worden sind. Es gibt keine Epoche der Weltgeschichte, in welcher nicht Juden in der Kunst der Münzen- und Medaillen- Prägung subjektiv oder objektiv als leidender Teil vertreten gewesen Wären. Von den jüdischen Medailleuren der Mäkkabäcr-Zeit bis in das modernste Zeitalter hinein finden wir Zeugnisse jüdischer Kunstarbeit. Sie bilden nicht nur für die allgemeine Kulturgeschichte, sondern auch für die Kunstgeschichte aller Völker wertvolles Belegmaterial. Es . handelt sich hiebei nicht immer um sogenannte hebräische Geldmünzen, sondern auch um jüdische Medailleure, deren hohe Kunst auch später in der Diaspora Anerkennung gefunden hat. Juden haben byzantinische und arabische Münzen entworfen und geprägt; im zwölften und dreizehnten Jahrhundert «finden wir auf diesem Gebiet jüdische Künstler in Polen, Deutschland, Ungarn, Oesterreich und in Frankreich. Damals pflegten die Gold- und Silberpräger ihre Namenssisna in hebräischen Lettern auf den Münzen zu verewigen oder, wie es auf einer polnischen Münze aus dem zwölften Jahrhundert der Fall ist, ihrem Namen die Worte Sohn Abrahams, Isaks und Jakobs hinzuzufügen. Eine Gruppe für sich bilden Medaillen und Münzen, die von jüdischen Künstlern aus Anlaß jüdischer historischer Ereignisse, sei es zugunsten der Juden oder aus Haßgegen die Juden erzeugt wurden. Die meisten dieser Medaillen und Münzen dienten a ls Propaganda m i 11e I d es Antisemitismus zur Verhetzung gegen die Juden. In dieser Gruppe sind auch Medäillen mit den Bildern berühmter jüdischer 'Persönlichkeiten zu sehen, so' die Agrippamedaillen, Bilder jüdischer Könige ' aus dem zweiten Jahrhundert und Bildmedaillen aus der Zeit der itafienischen Renaissance, so zl B. die Medaille des rötnischen Arztes Benjamin Ben E1 i a h u h a - R o f e aus dem Jahre 1503. Groß ist die Zahl der Gedenkmedaillen jüdischer Organisationen und Vereine anläßlich der Berufung eines Rabbiners, wie z. B. die Medaille zur' 'Erinnerung' an die Berufung des Rabbiners " El i e^ eir Rolle ach aus Brödy nach Amsterdam usw. Interessant-:' ist auch eine Sammlung von Amuletten und Kameen''im Stile der K; ab a Ja, die wohl nicht immer von Juden hergestellt sind, aber stets hebräische Inschriften aufweisen.; Die erste „Rettungsgesellscfiaft". Aus' Tel-Awiw wird uns geschrieben: Seit ejm'g'eri Wochen ist hier ein Rettungsdienst zur Leistung der. ersten Hilfe bei Unfällen tätig, der vom Klub „Hapopl" organisiert wurde. Mitglieder sind Männer und Frauen, die. nach einem unter Führung bekannter Aerzte und Chirurgen, ajb^lyierten achtmonatigen Kurs in Dienst gestellt wurden. Der Rettungsdienst ist ein freiwilliger tmd äuefj die Aerzte Halten die Kurse -unentgeltlich ab. Der ganze Dienst ist nach modernstem Muster organisiert und hat sich,besonders'* bei großen Kundgebungen, Massenmeetings und Vorstellungen, zu welchen der Rettungsdienst stäiidjg Anibulanzen aussendet, vorzüglich bewährt. So. -.mußten'.anläßlich\.-.ies' großen Meetings zu Ehren Dr. Weiz,rrjanns und der' großen Balfour-Feier am 2. November die' Ambulanzen in mehreren Fällen erste Hilfe leisten. Das Abzeichen der Mitglieder der ersten jüdischen RettungsgeseHschüft besteht aus einem roten Mögen Dowid in. weißem Kreis, Der neue Gouverneur des Norddistrjkts. Mr. Emest Frederic Co well, früher Prövinzkommissär im Nyassaland, wurde zum Gouverneur des, Norddistrikts Palästinas an Stelle des zur Leitung der Landvermessungskommission berufenen Gouverneurs Abrams'on ernannt. ■'• 275.000 Dollar für die jüdischen Darlehensgenossenschaften in Polen, Litauen und Rumänien. Sanierung des litauischen Kassenwesens, , Am 13. November fand in Berlin eine Council- Sitzung der American Joint Reconstruction unter dem Vors}tz von Herrn Justizrat Blau statt. Es wurde beschlossen, d{e Gesamtsumme von 275.000 Dollar für die kooperative Arbeit in Polen, Litauen; Rumänien und anderen Länden» nach Verständigung mit den betreffenden Kassen oder ihren Vertretungen zur Verfügung zu stellen. Die kreditierenden Organisationen Joint und Ica stellten hiebei efnen neuen Betrag von 15Q.0Q0 Dollar für Kreditzwecke zur Verfügung. Hervorzuheben wäre, daß für Litauen außer dein, bereits bewilligten Kredit weitere 35.000 Dollar bewilligt \yurden. Ein relativ hoher Betrag soll zur Sanierung d$s Cfesamtnetzes der litauischen Kassen dienen, deren Lage heute sehr prekär ist.