Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 9 (18.11.1927)
- Date
- 1927-11-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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öie mm wELf «y^MhtV SENSATIONELLER ERFOLG MAXBlOD DIE FPAU NACH DEB MAN SICH SEHNT ROMAN 16.-25. TAUSEND Dieses ungemein bedeutende Buch ist die reife Frucht eines verantwortungsbewußten Dichters. Ein Dichter bekennt seine Wandlungen und Stufen; ein Mensch spricht über die Möglichkeiten'der Liebe in unserer Zeit. In dieser Dichtung gehen verzehrend-melancholische Romantik und leidenschaftlich ergriffene Diesseitigkeit einen Bund ein, der eine Synthese von beträchtlicher Höhe bedeutet. (Hamburger Fremdenblatt) Halbleinen S 9.-, Ganzleinen S 10.40 PAUL ZSOLNAY VERLAG / WIEN Der Delegiertentag der österreichischen Zionisten. Am 12., 13. und "15. November war der diesjährige Delegiertentag der österreichischen Zionisten versammelt- Das umfangreiche Programm, das er sich gesetzt hatte, wickelte er ab, ohne jedoch in der Hauptsache, in der Erfassung der zionistischen Probleme, zu einer Einheitlichkeit gelangen zu können. Dies fand seinen Ausdruck in der Unmöglichkeit, eine neue Leitung zu bilden, und die Tagung mußte resultatlos auseinandergehen. Sie wird anfangs Dezember wieder zusammentreten, um'das Provisorium zu beendigen. An den Beratungen, die Herr Dr. Desider Friedmann als Vorsitzender leitete, nahmen 70 Delegierte teil. Die Stehplätze und die Galerie des Saales im Ingenieur- und Architektenverein waren von der zionistischen Jugend dicht gefüllt, die den Referaten und Diskussion mit intensivster Aufmerksamkeit folgte. Der Präsident des abtretenden Landeskomites, Herr Dr. Goldhammer, resümierte in seiner Eröffnungsansprache die Ergebnisse der zionistischsn Arbeit in den verflossenen 30 Jahren in Palästina und in der Galuth. Die gewaltigen Erfolge dürften nicht davon abhalten, die gegenwärtige Situation eindeutig darzustellen. Trotz der zweifellos starken Grundlagen für eine erfolgreiche Entwicklung des zionistischen Werkes seien allenthalben krisenuafte Zustände, und man müsse leider feststellen, daß der politische Zionismus, welcher im Sinne Herzls die große Arbeitsgelegenheit für das jüdische Volk bilden soll, zum reinen.Lippenbekenntnis geworden sei. Der fundamentale Grundsatz, daß nur ein wirtschaftlich , u n d soz i a 1 gesundes D i a s p o r a - J u d e ntum Er ez Israel auf bau en könne, sei der Notwendigkeit rascher. Geldbeschaffung, geopfert worden. Während der Inflationswirtschaft sei" es leicht gewesen, auch von nicht national gesinnten Juden Geld zu bekommen. Mit der Stabilisierung der einzelnen Valuten und den nachfolgenden Krisen aber traten die Folgen der begangenen .Unterlassungen ein. Dazu kommf, daß der gegenwärtige Zustand der. menschlichen Gesellschaft, der immer stärker auf dem .Entscheidungskampf um die künftige Gesellschaftsordnung hindrängt, einen Zwang zu starker Parteinahme ausübe, insbesondere "auf die Jugend. Das Gegengewicht starker ideologischer Triebkräfte habe der Zionistischen -Organisation in einer Zeit, die einzig auf das Geldsammeln-eingestellt gewesen sei, gefehlt und die Folge v war ein arger Rückgang der Organisation. Die österreichische zionistische Leitung "habe daher ihr Hauptaugenmerk auf die Wiederherstellung der Organisation gerichtet'und naturgemäß vor allem sich um die Heranziehung der Jugend-bemüht.. Dr. Goldhammer kam dann auf die jüngsten österreichischen Wahlen zu sprechen und führte diesbezüglich aus: „Gerade im Hinblick auf die Notwendigkeit der Raliiierung aller positiven jüdischen Tendenzen legten wir , uns auf ein Programm fest, das alle die jüdische. Existenz bejahenden Elemente erfassen konnte unter Berücksichtigung des wichtigen Umstandes, .daß auf der sogenannten bürgerlichen Seite mit vollem'Bewußtsein der "Antisemitismus in den Vordergrund geschoben wurde, wie dd© Aufnahme Riehls in die „Einheitsliste" bewies. Die liberalen Tendenzen wareir wirtschaftlich und sozial auf der Jiichtbürgerlichen Seite vertreten. Es mußte daher ein Weg gefunden werden, um mit dieser großen Partei irgendwie ^konform zu gehen, ohne'auch nur im geringsten den eigenen jüdischen Existenzanspruch aufzugeben." Sodann erstattete Herr Dr. David Rothblum das Kulturreferat und führte im wesentlichen folgendes aus: Der Zionismus ist' primär historische Volkserkenntnis, sekundär 'eine soziale Natiönalbe wegung, als letztere der Einwirkung vieler Faktoren unterworfen, als erstere aber unabhängig wie die Wahrheit, von der es keine Flucht und Rettung gibt, nicht für uns. nicht für die anderen Völker. Beweis dafür ist die ruhmlose, aber lehrreiche Episode der Zeit nach Mendelsohn, jn welcher man den' bis dahin unbekannten Begriff der israelitischen Religionsgesellschaft geschaffen habe, um die Angleichung zu. erleichtern. Dieser von ei«er Lüge gezeugte Assimilationsversuch hätte keinen Bestand, und daraus ist zu lernen, daß der Zionismus als uatlonalhistorische Erkenntnis ebenso gepflegt und propagiert1 werden muß wie die, politische Bewegung, welche die Errichtung der Heimstätte bezweckt. Die ganze Arbeit, welche sich auf diese Erkenntnis bezieht, ist die Kulturfrage, die somit eine vitale Frage des Zionismus ist. Die jüdische Krankheit des Jahrhunderts heißt „Kulturnot". Es gibt viele Mittel zur Abhilfe. Aber nach den Erfahrungen aus der Geschichte muß man sich auf ein Sanierungsmittel konzentrieren, auf eine Parole, von der der Referent wünscht, daß sie von Wien ebenso den Ausgang nehme, wie Herzls politischer Zionismus: Di e h e b r ä i s c h e S p r a ch e, die in Palästina schon lebendig ist,, muß im ganzen Judentum der Verstreuung wieder lebendig gemacht werden. Mit Rücksicht auf den dreißigjährigen Bestand des politischen Zionismus war ein Referat „D reißigjahre Palästina arbeit" angesetzt, erstattet von Adolf Böhm. Im Jahre 1908 waren in sämtlichen Kolonien bloß 4500 Menschen, die gesamte städtische Bevölkerung Palästinas bestand aus Chalukkahjuden und die Schulen betrieben „Exportassimilation". Im Jahre 1908 begann die praktische Palästinaarbeit und bei Ausbruch des Krieges hatten wir bereits 25.000 produktive Elemente im Lande. Tel-Awiw zählte bei Kriegsausbruch 2000 Einwohner. Im Jahre 1919 zählte die jüdische Bevölkerung Palästinas 55.000 Seelen und hat sich seit damals verdreifacht. Unter den schwersten Bedingungen hat man in fünf Jahren 100.000 Juden kolonisiert. Festgehalten sei, daß wir heute schon die Majorität in den Städten sind, unter den Schülern die Majorität haben, in der Industrie und im Sanitätswesen sogar die Suprematie. Wenn „Staat" heißt, die Richtung eines Landes zu bestimmen, so können wir jetzt schon sagen: Palästina wird das werden, was die Juden aus dem Lande machen. Wichtig ist auch, daß wir die wirtschaftlichen Sc h 1 ü s s e 1 p unkte, nämlich die Hafenstädte, die Wasserkräfte des Jordans, die Schätze des Toten Meeres zur Verfügung haben, hingegen sind wir in der Landwirtschaft noch sehr weit zurück. Entscheidend aber ist, daß. wir das Land besetzen müssen. Hiezu ist die Gründung einer Agrarbank erforderlich, ferner die Zurverfügungstellung der tauglichen Staatsländereien, die Durchführung des Bewässerungsprogrammes, welches die Aufnahmskapazität erhöht. Die Möglichkeit der Erlangung einer Anleihe beurteilt Böhm skeptisch. Der Keren Hajessod bleibe der unbedingt nötige finanzielle Chaluz, er werde sozusagen den Index bestimmen. Böhm bekennt sich als Anhänger der erweiterten Jewish Agency. Die Tatsache, daß man große, Geldmittel benötige, zwinge uns, nichts unversucht zu lasseh, die Nichtzionisten zur Mitarbeit unter nationalen Bedingungen zu bewegen. Die Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten in der Jewish Agency sei auch erziehlich, weil wir von Block zu Block werden arbeiten und verhandeln müssen. Dreißig Jahre näch dem Auftreten Herzls sei es geboten, den politischen Zionismus wiederaufzurichten, statt sich in inneren Kämpfen zu zersplittern. Herr Direktor Dr. Viktor .Kellner sprach über das Thema „Die zionistische Ideologie und die Jugend". Wir befinden uns in einer Krise der Idee, welche nicht die erste ist. Die frühere nach Herzls Tode wurde durch die Synthese zwischen politischem Zionismus und Kulturzionismus gelöst. Auch jetzt ist eine schöpferische Synthese nötig. Die zionisti.sehe Idee hat den Vergleich mit keinem Sozialismtis der Welt zu scheuen und wir werden die Krise überwinden, wenn die Jugend wieder die' Erkenntnis gewinnt, daß eine Arbeit für die Ideale der Menschheit nur im Judentum und durch das Judentum möglich ist. Was die Landespolitik anlangt, so gibt es zunächst eine negative Gemeinsamkeit. Es ist schärfster Kampf gegen die Assimilation erforderlich. Die nationale Politik ist unbedingt nötig, aber sie muß fortschrittlich, sein. Im Kampf gegen die organisierte Assimilation, die heute in ihrer Gefühllosigkeit und in ihrem Mangel an Verständnis für jüdische Aufgaben nicht minder gefährlich ist, als je zuvor, müssen sich die Zionisten vereinigen. Die jüdische Jugendbewegung kann sich nicht auf das „Sichausleben des Jugendlichen" beschränken. Der junge Jude muß die Völkspersönlichkeit als den Träger seiner Idee erleben und das Leben unserer Jugend muß palästinazentrisch gerichtet sein. Der Referent behandelte sodann die konkreten Aufgaben... Die Jugend müsse lernen, nicht um zu wissen, sondern um die jüdischen Inhalte zu erleben. Zu den Werten der Vergangenheit führe nur die hebräische Sprache. Dpr geistige Kampf mit den Außenstehenden dürfe nie erlahmen. Die zionistische Bewegung darf und kann keine rein kolonisatorische Bewewegung sein. Sie ist einc-.na t ional e Bewegung und als solche'eine kämpferische. In der Generaldebatte sprachen Frau Dr. Martha Hof mann, Delegierter Mfinzer, der die Stellung der Jugend zu der Landespolitik erörterte, Rabbiner Doktor Feuchtwang, der die Schaffungder 'jüdischen Schule forderte; Dr. Tartakower verlangt die Herstellung eines . lebendigen Zusammenhanges zwischen Zionismus und Judentum; Delegierter U n g e r tritt für die Einheitlichkeit der Jugendorganisation ein; Delegierter Schwarz berichtete über die zionistischen Erfolge in der Grazer Kultusgemeinde; Dr. Israel Taubes konstatiert die Unzufriedenheit, die in allen zionistischen Kreisen besteht; Dr. Norbert Hoffmann ' tritt für die intensivere Beschäftigung mit den politischen Fragen, insbesondere den Minoritäten-Bestimmungen ein. Oberbaurat-'S tri c ke r führt aus: Die bedauernswert schlechten Zustände in der Zionistischen Partei seien keine Wiener Lokalangelegenheit. Man kann die Jugend und das Volk nur gewinnen, wenn man sie „vor eine Entscheidungstellt und diese, Entscheidung" heißt: Der Juden Staat., Redner stellt fest, daß niemand mehr gegenj den Judenstaat positiv spricht, seitdem .er am vorjährigen österreichischen Zionistentag das Postulat des zionistischen Endziels eindeutig gekennzeichnet habe. Als im Jahre 1920 Jean Fischer und Max Nordau die Zurückweisung des Mandates beantragten, weil in dessen Text das Wort „Judenstaat" nicht enthalten ist, sei Redner egren diesen Antrag aufgetreten, weil es genüge, den Judc/nstaat zu wollen. Die Betonung des Wortes sei erst wieder nötig geworden, als man in bestimmten zionistischen Kreisen die Erlangung des Judenstaates programmatisch aufzugeben bereit war. Was die Geldbeschaffung anbelangt, so sei zu erzielen, daß unter dem moralischen Drucke der Parole vom jüdischen Vaterlande Geld gegeben werden muß. Böhm habe in seinem Referate zugegeben, die Erweiterung der Jewish Agency sei nicht die einzige Rettung, aber Weizmann hat sie als die einzige Rettung bezeichnet, und sie wurde nur deshalb vom Kongreß seinerzeit akzeptiert. haben den Ruf unseres Hauses begründet I Elegante Mäntel, Kleider, Kostüme etc. nach Original Pariser Modellen in unseren Ateliers hergestellt M II D VII.Ka8serstr.115 Hl %dj «TO MHHHBH KEINE FILIALE! BSBBJBi Führendes und größtes Spezialhaus Oesterreichs Professor R a t behandelt die Kulturfrage. Dr. K i w e bespricht den Antrag des sozialdemokratischen Abgeordnet ten Leuth er, die Studentenkammern betreffend. Dieses Projekt z w i n g t d i e Juden, sich alsDeutsche zu bekennen, wenn sie in der Studentenschaft vertreten sein wollen. Man müsse gegen diese Knebelung protestieren und dürfe nichts unversucht lassen, um die Gesetzwerdung des Antrages hiintanzuhalten. Als letzter Redner in der Generaldebatte spricht Dr. Plaschkes ausführlich über die gegenwärtige Situation im Zionismus. Gegenwärtig seien alle Kräfte gegen die Assimilation zu vereinigen, die unser Werk weit ernster bedrohe, als man es sich eingestehen wolle. Dem abtretenden Landeskomite* wurde ei n s t i m-. mi g das Absolutorium erteilt und der Dank ausgesprochen. Der Delegiertentag nahm sodann über Antrag der Statutenkommission (Referent Dr. Rosenheck, Mödling) eine Reihe von Statutenänderungen vor und beschloß ferner, den nächsten Delegiertentag erst im Frühjahr 1929 einzuberufen. Das Minoritätsvotum Dr. Plaschkes, aus ganz Wien einen Wahlkreis für den Delegj-ertentag zu bilden, wurde abgelehnt. ' Dr. Georg Wei n e r begründete eingehend eine gegen die Au strdttsbe wegung gerichtete Re-; Solution. , Eine Einigung über die neue zionistisch« Leitung in Oesterreich konnte ndcht erzielt werden. Der Dele* giertentag mußte Dienstag den 15. November in vorgerückter Stunde vertagt werden und tritt anfangs Dezember zwecks Wahl der Leitung neuerdings zusammen. Soskins agrarpolitische Reformforderungen. Es ist ein besonderes Verdienst der Verlagsanstatf Dr. Zahn und Dr. Diamant, das von dem bekannten palästinensischen Fachmann Agronom Dr. S. E. Soskiin bei der Pariser Weltkonferenz der Revisionisten gehaltene Referat in Druck herausgegeben zu haben Das Büchlein bietet mehr als ein Konferehzbericht. Setzt sich doch' Soskin, der unentwegte. Vorkämpfer des Intensiyismus, an der Hand eines gut fundierten wissenschaftlichen Rüstzeuges mit der herrschenden palästinensischen Kolonisationspraxis auseinander. Die wirtschaftliche, Revision der Agrarpolitik Palästinas, die Soskin schon seit mehr als acht Jahren fordert,, hat zum Ziele, die wirtschaftliche Aufnahmsfähigkeit des ] palästinensischen Bodens für eine gesunde Massenkolonisation zu erweitern; Diese kann aber nur dann erlangt wer* den, wenn 4ie Kolonisafionsregierung durch eine einschneidende Boden- und Steuerreform das Land der Besiedlung Öffnet. Mit Recht weist auch der Ver« fasser in seiner Broschüre auf die erfolgreich durchgeführte Bodenpolitik Deutschlands in Kiautschou hin. Nach besonderer Berücksichtigung der geologischen und klimatischen Beschaffenheit des Landes, das in gleichem Maße wie Japan und China zu intensiver BodertbewirU Schaffung geradezu prädestiniert erscheint, kommt Soskin nach Ablehnung des autarkischen unrentablen extensiven Getreidebaues zu seinen vielfach bekämpften Doktrinen der intensiven Landwirtschaft, die darin gipfeln, bei einem Minimum von bewässerter Bodenfläche (10 bis 20 statt 100 Dunam) dieser ein Maximum an Ertrag abzugewinnen. Aus diesem Grunde spricht er sich gegen die Erzeugung von Massenprodukten aus, die man rentabler importieren könne, und fordert die Kultur hochwertiger Produkte bei sehr kurzer Wartezeit bis zum Eintritt der Produktion. Durch den Export rentabler Saisonprodukte werden die Menschen selbst stufenweise zum Intensivismus-geführt werden, der' jede Landflucht unterbindet und bei entsprechendem Aus* bau des Absatzgebietes dem Lande neue wirtschaftlich? belebende Kräfte erschließen wird. Dr. Max Klwe.