Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 9 (18.11.1927)
- Date
- 1927-11-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Se!te6 DIE NEUE WELT AUS PALÄSTINA. Der palästinensisch-syrische Handelsvertrag. Ueber die Verhandlungen Dr. Wedzmanns mit dem Oberkommissär Lord PI um er berichtet der Jerusalemer Korrespondent des Warschauer „Moment", Herr Wöhlmann: An den Besprechungen nahmen seitens der Päi«5Ünaregieruug Lord Plumer und Col. Symes und seitens der Zionistischen Exekutive Präsident Weizmann und der politische Sekretär der Exekutiv« Naamani teil. Weizmann berührte zuerst die Frage der neuen Einwanderungsbeschränkungen. Lord Plumer versicherte, in dieser Beziehung alles mögliche tun zu wollen. Mit stärkerem Nachdruck behandelte Dr. Weizmann sodann die Frage der Einführung eines Grenzzolles zwischen Palästina und Syrien. Lord Plumer äußerte die Ansicht, man solle vielleicht zur Besprechung dieser Frage den eigentlichen Schöpfer und eigensinnigen . Verteidiger dieses . , Zqllprojektes, Mr. S i e a df. hinzuziehen, kam' aber nach . kurzer Üeberlegung von dieser Absicht wieder ab. Dr. Weizmann unterzog das Zollabkommen Punkt für Punkt einer scharfehKrJtik. Eines 'seiner-'.stärksten' Argumente . war .Sie- Tatsache, daß heute in Tel-Awiw in Industrieunternehmungeii über 2000 Arbeiter beschäftigt sind und daß nach Inkrafttreten- der, .neuen -Zollb^stimmungen diese. junge Industrie "sich" nicht nur nicht weiterentwickeln werde, sondern daß im Gegenteil mehr als die Hälfte' dieser Fabriken werde, schließen müssen, so daß zu den bisherigen Arbeitslosen, noch weitere tausend hinzukommen würden. Lord Piumer erklärte, daß seine höheren' Beamten ihm . versichert hätten, daß alle, jüdischen Fabriken in Tel-Awiw ohnehin vor der. Schließung stehen und daß die Fabrikanten den Zollvertrag nur als Ausrede benützen wollen, um8 die Regierung für das Mißlingen ihrer Unternehmungen verantwortlich' machen zu können. (!) Dr. Weizmann widerlegte diese unrichtige Meinung und versicherte, daß, falls der Zollvertrag nicht abgeschlossenwerde, alle diese Fabriken gut prosperieren and imstande sein werden, 4ie Zahl ihrer Arbeiter noch zu erhöhen. Lord Plumer stellte hierauf an Dr. Weizmann die Frage, ob er die Garantie dafür übernehmen könne, daß im Falle der Nichteinf ührung der neuen ZoHbestirnmungen die 2000 jüdischen Arbeiter ihre Beschäftigung nicht verlieren werden. Dr. Weizmann erklärte/ er sei bereit, die gewünschte Garantie zu geben. , . Er sei sogar sicher, daß die Zahl der in den Fabriken beschäftigten Arbeiter sich noch erhöhen werde. Lord. Plumer erklärte hierauf, daß er in diesem Falle sich bemühen werde, d e n § 4 des Handels v ertr age?, der die Zollbestimmungen für den Export .und Import zwischen Palästina und Syrien enthält, z u a n fi u 11 i e r e n. * Der Verband der Industriellen hat bereits Lord Plumer die Garantie übermittelt, daß im Laufe der nächsten zwei Jahre alle 2000 Arbeiter in den Fabriken ständig beschäftigt werden würden, welche Garantie auch durch die Unterschrift Dr. Weizmanns bekräftigt wurde. Lord Plumer soll sich bereits nach London mit dem Verlangen gewandt haben, daß von den fünfzig Paragraphen des in Paris zur Ratifizierung vorgelegten Händelsvertrages mit Syrien der § 4 unbedingt wieder gestrichen* werden solle. Baron Edmond de Rothschild und das jüdische Nationalheim. Der Leiter des Jüdischen Nationalfonds M. Ussischkin gratulierte Baron Edmond de Rothschild zur Feier seiner goldenen Hochzeit. Baron de Rothschild sandte das folgende Antworttelegramm: Ich hoffe, daß wir mit vereinten Kräften die erfolgreiche Aufrichtung des Jüdischen Nationalfonds zuwege bringen werden. Die Expertenkommission. Die vier Mitglieder der neutralen Expertenkommission für Palästina, Prof. Elwood Mead, Dr. Jakob G. Lip.man, Mr. K. Rowerson und Prof. Frank Adams, kehrten nach einem sechswöchigen Studienaufenthalt in Palästlina, dieser Tage nach New-York •zurück. Das fünfte Migiied, A. T. Strahorn. wird erst in sechs Wochen Palästina verlassen. Prof. E. Mead . erklärte, daß kein Kommissionsmitglied über die gewonnenen Ergebnisse sich vor Veröffentlichung des offiziellen Expertenberichtes äußern könne, um kein Präjudiz zu schaffen. Doch hofft er, in etwa zwei Wochen den Expertenbericht Louis Marshall und der Zionistischen Organisation unterbreiten zu. können. SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale IX., Bergganse 19,.Telephon 17-3-99 u. 16-9 31 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für ^>Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der isr. Kultusgemeinde Wien IX. Bergg. 15 y XVII!., Währingersir. 97 Oskar Wassermann über die Krise. In einer Zusammenkunft mit dem Waad Leumi äußerte sich Herr Oskar Was s. er ma nn über die gegenwärtige Krise folgendermaßen: Die Ursachejder Krise ist nicht der Mangel au Geld, »sondern umgekehrt, der Ueberfluß'an Geld. In das Land sind große Kapitalien gebracht worden, wodurch der Lebensbedarf -stark gestiegen Jst. Während die Preise in den anderen Ländern um 100 Prozent höher sind als in den Vorkriegsjahren, seien die Preise in Palästina um 200 Prozent gestiegen. . ' Der Selbstmord des Polizisten Malkendorff.; Das .Jerusalemer Gericht verurteilte den arabischen Polizeioffizier Mohammed M u s t a p h a, der ,-im vorigen Jahr den'jüdischen Polizisten Malkendorff betäubte und an ihm einen Akt der S o d o m i e beging, zu sieben Jahren Jahren Gefängnis. Bekanntlich hat Malkendorff näoh^ dem ihm angetanen Schimpf Selbstmord begangen. (Wie erinnerlich, hat Wladimir Jabotinsky während des letzten Zionistenkongreß auf diesen Fall im Zusammenhang mit der Frage der allgemeinen Sicherheit in Palästina hingewiesen. Die Erziehungsfrage in Palästina. Die vom „Waad Leumi" und der Zionistischen Exekutive eingesetzte Kommission zur Regelung der Schulfrage' beantragte in ihrer Resolution die Schließung der meisten Kindergärten, die Aufhebung der fünften Volksschulklasse,'sowie die Sperrung aller Unterstützungen,für die Mittelschulen. Vom Technikum in Haifa. Das Studienjahr hat am 1. November begonnen. Die Zahl der Schüler beträgt über 100. gjkFfnfacfig gtfriRhur. lÜi^^^^^SHS.. ln..fffi-n_ flD0^e^en,-B Wettreiten zwischen Juden und Arabern. Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Vor kurzem fand in der jüdischen Kolonie Raananijah ein großes Sportfest statt, an welchem die Jugend der Kolonien der Umgebung teilnahm. Auch aus Tel-Awiw und Jaffa waren zahlreiche Teilnehmer gekommen. Neben einem Fußballmatch, in welchem der Tel-Awiwer Makkabi mit 7:0 Sieger blieb, und anderen schönen turnerischen Vorführungen, bildete das Wettreiten zwischen Juden und Arabern, auf einer Strecke von 500 Meter, den Clou der Veranstaltung. In diesem interessanten Wettkampf — die erste ähnliche Veranstaltung in Palästina — erhielt den ersten Preis der Kolonist Elimelech Natans o h n aus Ejn-Chaj, den zweiten Herr D i n e w i t s c h aus Petach-Tikwah und den dritten Preis der junge arabische Scheik Muhamed Abu-Kischak. Interessant ist, daß der Vater Mohammeds anläßlich des seinerzeitigen Ueberfalls der Araber auf Petach-Tikwah im Verdachte stand, den Ueberfall angezettelt zu haben. Später änderte er seine Haltung, sagte sich von den arabischen Nationalisten los, verkaufte den jüdischen Kolonisten Boden und war jetzt nicht wenig stolz, daß sein Sohn, im Wettkampf• mit den Juden im Schnellreiten den dritten Preis: gewann-, Gehaltsreduzierungen der zionistischen Beamten. Laut „Häaretz" setzte die zionistische Palästinaexekutive die Gehälter ihrer Beamten um 5 bis 12 Prozent herab. Die Gehälter werden von nun ab ün der neuen Währung •ausgezahlt, wodurch automatisch eine Ermäßigung am 2,5 Prozent eintritt. Die Arbeitszeit der Beamten soll von 7 auf 8 Stunden täglich erhöht werden. - Jabotinsky Rechtsanwalt in Palästina? Der „Haint" meldet, daß der-Führer der Revisionisten, Jabotinsky, sich dauernd in Palästina als Rechtsanwalt niederlassen will. Während der nötigen VorbercitxmgS'jahre will er im. Bureau von Harry Sacher arbeiten.' Die Balfour-Deklaration in Petrograd. In einem jüdischen Blatt gibt J. T'ron einige interessante Reminiszenzen .über den Eindruck, den vor , zehn Jahren die Balfour-Deklaration in Petrograd geübt . hat. Die Regierung Kerenskis war gestürzt. Die Herrschaft 'war in die Hände,der Bolschewiken .ü.bcrgcgangeh,l^r^ßei.:- Niedergeschlagenheit . bemächtigte;sich aller Gesellschaftsschichten. Die zionistische Arbeit, die, nach dem. einige ■ Monate vorher in Petrograd abgehaltenen allrussischen' Zionistenkongreß wieder lebendig geworden war,' mußte, eingestellt werden, und in dieser Stimmung kam die Nachrieht von der Erklärung Balfours. Niemand dachte daran, sich an der Formalität zu stoßen, weshalb Lord Balfour seinen historisch gewordenen Brief an Lord Rothschild und nicht an die 'Zionistische Organisation gerichtet habe, und an anderen, erst später. bekannt gewordenen Begleitumständen ' zu mäkeln. Zu 'stark waren' die Erschütterungen,, die die Juden Rußlands, durch den Krieg und die Revolutionen durchgemacht hatten, um die Balfour-Deklaration anders als mit heller Begeisterung und mit der großen Hoffnung auf baldige Erlösung aufzunehmen. Die Bolschewiken, die sich damals, noch nicht' •ganz festgesetzt hatten, legten den aus diesem freudigen Anlaß veranstalteten Versammlungen, Konzerten! und Festvorstellungen kein Hindernis in den Weg. Zehntausende Menschen - strömten zu diesen Veranstaltungen und ganz besonders imposant war die Feier in dem bis auf den letzten Platz gefüllten j.Narodni-Dom",.bei .welcher der schon. damals berühmte Sänger Schaljapin russische, hebräische und jiddische Gesänge vortrug. Auch ein Meeting in dem berühmten großen Börsensaal . verlief durchaus würdig und unter großer Begeisterung. - . ■ Man begnügte sich jedoch nicht .nur mit Festen und Reden, sondern schritt "sofort auch zur Sammlung vort_ Geldmitteln,-um die Praktische Aufbauarbeit in Palästina zu fördern. Das Geld floß aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung. Die Sammlungen in Moskau und Petrograd allein betrugen damals etwa 50 Millionen Rubel. Ueberdies wurden in ganz kurzer Zeit eine ganze Reihe von Gesellschaften gebildet, so die große Gesellschaft jüdischer Cehmiker und Techniker. Leider wurde damals der Rat eines bekannten praktischen Kaufmannes, die gesammelten Geldmittel nach Amerika zu übermitteln und so; in Sicherheit zu bringen, nicht befolgt, wodurch nach der Entwertung des, russischen Rubels die ganzen gesammelten Beträge und Effekten im Werte von weit mehr als hundert Millionen Rubel ganz entwertet völlig verloren gingen. Was aus diesem blühenden aktiven Zionismus in den letzten zehn Jahren bolschewikischer Herrschaft geworden ist, ist zur Genüge bekannt. Nicht identisch. Herr Otto Skall. Wfien, II, Tauor- Straße 66, ersucht uns, zu konstatieren, daß er mit dem in der Austrittsliste vom 4. November genannten Herrn Otto Skall weder verwandt noch identisch ist. " DruckfehlerberlchtJgung. In der Mitteilung über Professor Förster in. Nr, 7 der j.Neuen Welt" ist der Titel des BerJcelhammerschea Aufsatzes aus dem *Nowy Dzlenaßf^ In «S c h ä d 1 i n g o 4 e r H e 1 d" richtigizustellen, Rhythmus, Takt und Ekstase zugleich. Die kennen das Geheimnis .des Tanzes! Nun spricht jemand. Wer ist der Redner? Ein Druse, Schafhirte. „Ihr Juden seid einst ein großes, starkes Volk (gewesen. Dies war euer Land. Böse, sündhafte Menschen haben euch von eurem 'Boden verjagt. Nun kehret ihr zurück. Wir freuen uns, euch zu empfangen und wünschen euch, daß ihr zurückkehren möget auf euren Grund und Boden und daß ihr wieder werdet zu einem großen starken Volk wie einst." Und einer von uns erwidert «ach der bekannten Formel: '.„Gemeinsames Land, gemeinsames Vaterland," Fürwahr, jetzt ist das Herz ruhig. Nach der Balfour-Oetklaration und nach der Bestätigung durch den Völkerbund und nach noch, anderen Deklarationen und Bestätigungen hörten wir hier klar und deutlich die Deklaration des drusischen Hirten aus Pkiin.. Jetzt ist das Herz ruhig. Und in der Nacht, als alle; «lüde und matt auf den Bänken und Strohmatten eingeschlummert waren, die Oeliarapen ausgingen und nur ein einsamer Docht in irgend einer Ecke noch flimmerte — da kam der kleine Gabriel, den wir am Dorfeingang trafen <— und setzte, sich, zu mir. Wir begannen ein Gespräch. Ich fragte ihn: „Was hast du diese Woche gelernt?" Und er antwortete: „Sage den Priestern , , ." Ferner: „Chaim, der, Freund Gabriels, sei aus einer Priesterfamilie. Wenn der, Tempel wieder errichtet werde, dann werde er, sein. Freund Chaim, Hohepriester. Der Tempel werde in Jerusalem sein. Er, Gabriel sei noch nie in Jerusalem gewesen. Jerusalem t sei sehr weit. Sein Vater und sein Onkel seien schon dort gewesen. Wenn er groß sei, werde auch er nach Jerusalem gehen. Da werde bereits der Tempel erbaut sein, Da werde es gnt sein. Es werdtn viele Juden kommen, Aus der ganzen Welt. Auch die zehn Stämme werden kommen. So habe ihm sein Onkel Abraham gesagt. Auch sein Freund Chaim sage -aesgleichen. E r weiß es ja. Er wird dort Hohepriester sein ..." Und das Kind neigte den Kopf auf die Schulter. Es herrschte Schweigen. Das Pkiin eigentümliche Schweigen. Uns gegenüber flackerte noch der einzelne Oeldocht, und sein Schatten stieg afM und nieder auf der Wand, auf wnd nieder, (Aus dem »Hebräischen übersetzt von Dr. S. Auerbach.)