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Die neue Welt · 1927-11-11 · Heft 8 (11.11.1927) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 8 (11.11.1927)
Date
1927-11-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT fe* n SPEZIALIST Ifflr Klndor. und Mfideh«nalmm«fS KUtthfttt- und Vor* ■ slmmer-MOBEL. SehUffauttulit, Diwan« und Ottomanen ei«. ■ ner Erzeugung. Oeschaftsbesland seit 60 Jahren. Motto: Oroier ■ Umsatz — kleiner Nutzen. Qrößte Auswahl 1 Billigste Preise! ■ loicf Kobllli » lohn, V»»» *lib«rtitornq. 12 | Regime hat eine Reihe Italiener jüdischen Glaubens an sehr verantwortungsvolle Stellen berufen. Auch nur dem leisesten Versuch antisemitischer Betätigung ist die Regierung energisch entgegengetreten. Zwischen Mussolini und einem Herrn Hitler besteht doch ein gewisser Unterschied, mag dieser sich auch einbilden, jenem ähnlich zu sein. Nach der Karikatur des Fasoismus, die sich verschiedentlich in Deutschland, Ungar« und Rumänien geltend zu machen versuchte, darf man das italienische Regime weiß Gott nicht beurteilen. Uebrigens habe ich einmal beim Ministerpräsidenten vorgesprochen, um das Verhältnis zwischen ihm und den Juden klarzulegen. Ich habe die gewisse Besorgüis mancher jüdischer Kreise deutlich ausgesprochen und habe von Mussolini eine ebenso deutliche Antwort bekommen. Ich habe mir diese Antwort beinahe wörtlich gemerkt und kann sie Ihnen wiedergeben. Der Duce sagte: > „Der Fascismuis hat sich «mit. so vielen ernsten Problemen zu -beschäftigen, daß wir nicht daran denken, aus purem Uebermut ein neues unerristes zu schaffen. Für uns Fascisten gibt es keine Gegnerschaft gegen die Juden und f ür Italien überhaupt keine Judenfrage." \ Unsere Antwort an die Regierung ist -ebenso deutlich: Man anerkennt uns als gleichberechtigte gute Italiener und wir wollen beweisen, daß wir diese Anerkennung wirklich' verdienen. Die Juden von Rom sind ja in ihrer Vaterstadt nicht immer so zu Hause gewesen wie heute. In der Zeit des Kirchenstaates hattet unsere Vorfahren mitunter sehr ernste Zeiten durchzumachen. Es ist freilich schon lange her, daß die Päpste ihre lieben Juden jeden Faschingdiens« tag in Sack und Asche , zur Erheiterung des Volkes durch die Vda Nazionale laufen ließen. Aber heute noch, Generationen später, haben wir diese Erniedrigungen nicht vergessen. Freilich sind es nur noch Erinnerungen. Heute haben die Juden von Rom mit dem Vatikan die allerbesten Beziehungen — nämlich gar keine. Wir wollen ja keine Prosely tenmachen und stören so die Kreise der katholischen Kirche viel weniger, als etwa die christlichen Sekten, Methodisten und Presbyterianer, die neuerdings in Italien zu arbeiten beginnen. Ob der Papst uns wohl will oder nicht — und er hat Übrigens gar keinen Grund, uns übelzuwollen —, wir sind in Rom zu Hause, so sehr, wie wir es unseren Glaubensgenossen in allen anderen Städten nur irgend wünschen können." * Es ist erfreulich, daß Herr Professor Sacerdoti die Assimilation so scharf ablehnt und daß er auch über die Beziehungen des Judentums zum Vatikan männliche Worte findet. Dagegen ist die unbedingte Gefolgschaft für den Fascismus bedenklich und dies um so niehr, als ja der Fascismus gegenwärtig bestrebt Ist, die Kirchenstaatstendenzen zu verwirklichen, also . an die Zeiten anzuknüpfen, in denen „die lieben Juden" zur Erheiterung der Kardinäle und des römischen Pöbels-durch die Vfa Nazionale laufen mußten. König Viktor Emanuel Uber das italienische Judentum. Wie schon mitgeteilt, hat König Viktor Emanuel von Italien den Präsidenten der Zionistischen Weltexekutive, Nahum S o k o 1 o w, am 28. Oktober in einstündiger Audienz empfangen. Wie jetzt mitgeteilt wird, hat sich der König mit Herrn Sokolow sehr eingehend über das italienische Judentum und allgemeine Jüdische Fragen unterhalten. Der König erinnerte an den seinerzeitigen Besuch Dr. Herzls bei ihm und nahm Gelegenheit, Herrn Sokolow gegenüber seiner Sympathie für den Zionismus und das jüdische Aufbauwerk in Palästina Ausdruck zu geben. Im Verlauf der Audienz kam der König auch auf das jüdische Leben in Italien zu sprechen und sagte: „Nur sehr ungern unterzeichne ich die Orders tlber die Auflösung der kleinen jüdischen Gemeinden in meinem Lande." Der Hinweis des Königs beleuchtet die Tatsache, daß als Ergebnis der Abwanderung des -jüdischen Elements in die großen Städte mehrere kleinere jüdische Gemeinden in Italien wegen Mangels an Mitgliedern der Auflösung verfielen. Der König wies auch auf den Patriotismus der italienischen Juden hin und sprach auch von der Rolle, die die Juden Italiens im italienischen Leben einnehmen. Die 40.00Q Juden, sagte der König, stellten der italienischen Armee elf Generäle. Der König sprach auch mit großer Sympathie von den Juden in den 'italienischen Kolonien. 18 jüdische Studenten und Arbeiter in Kowno verhaltet. Aus Kowno meldet die JTA.; Eine offizielle Mitteilung besagt, daß die politische Polizei dem Bestehen eii.er kommunistischen Organisation auf die Spur gekommen ist und daß im Zusammenhang damit 18 jüdische Arbeiter verhaftet worden sind; Diese Mitteilung hat in jüdischen Kreisen Litauens um so mehr Besorgnis hervorgerufen, als es schon oft vorgekommen ist, daß die litauischen Behörden jüdische Kulturorganisationen mit politischen verwechselt und sieb zu ungerechtfertigten Maesenverhaftungen veranlaßt gesehen haben. Die palästinensische Aerzteorganisation gegen den Tel-Awiwer Bebauungsplan von Geddes. Die palästinensische Aerzteorganisation hat der Stadtgemeinde von Tet-Awiw ein Memorandum überreicht, worin sie im Hinblick darauf, daß der von dem berühmten Städtebauer Oed des für Tel-Awiw entworfene Bebauungsplan vor seiner Bestätigung durch die Regierung, stehen soll, sich dagegen wendet, daß dieser Plan viel zu wenig auf die Bedeutung des Meeresstrandes für die allgemeine Oesundheit Rücksicht nehme. Die Meeresküste müsse unbebaut bleiben, da dort die einzige Erholungsstätte für die Stadtbewohner geschaffen werden könne. Es müsse verlangt werden, daß ein Oürtel von 1 km Breite am Meere fre/ von Bauten und Straßen bleibe und für die Herstellung von Anlagen reserviert werde. Zehn Jahre Balfour-Deklaration. Eine Sammelschrift, herausgegeben vom Zionistischen Landeskomitee für Oesterreich. Inhalt: Otto Abeles: Dank an Balfour. Dr. N. M. Gelber: Zur Vorgeschichte der Balfour-Deklaration. Oberrabbiner Dr. Chajes: Bemerkungen zur Balfour-Deklaration. Adolf Böhm: Das Dezennitim zionistischer Arbeit nach der Balfour-Deklaration. Dr. Leo Goldhammer: Pro Palästina. Minister Benesch: Das zionistische Werk. Colonel Wedgwood: Was sah ich in Palästina? Senator Godart: Welche Aufgabe, welche Verantwortung! Dr. David Rothblum: Blick nach innen. Diese Sammelschrift bringt zum ersten Male eine gründliche, quellenmäßig bearbeitete Darstellung der Vorgeschichte der Balfour-Deklaration. S 2 pro Exemplar. 80 Seiten Text. Bestellungen sind an das Zionistische Landeskomitee in Wien,X, Kärntnerstraße 28, zu richten. Der Antisemitismus in Amerika. Im Leipziger ,,Isr. Familienblatt" schildert ein Jude die Erfahrungep, die er während seines Aufenthaltes in New York gemacht hat, und kommt zu Schlüssen, die wir für sehr beachtenswert halten. Fast alle Geschäfte im Umkreise von einiger Größe, außer zwei oder dreien, die hauptsächlich von Juden unterstützt werden und deren Inserate, die um jüdische Kundschaft werben, regelmäßig in den jiddischen und englischjüdischen Zeitschriften erscheinen;, verfolgen eine' strenge Poßtik, keine Juden zu beschäftigen. Größe Vereinigungen öffentlicher Anstalten, deren Dienst von fast jeder jüdischen Familie in .diesem Staate benützt und bezahlt wird*' oder, deren Produkte zu Mausenden von den Juden dieser und anderer Städte konsumiert werden, haben kaum eine Handvoll Juden in ihrem Dienst. Und man kann sehr daran zweifeln, ob die Nationalität dieser Juden ihren Vorgesetzten bekannt ist. Was bedeutet das? Einfach, daß alle Vereinigungen öffentlicher Anstalten, die Produkte zum Gebrauch aller Bürger dieses Landes hervorbringen, einer Beamtenschaft anvertraut sind, die einer gewissen Nationalität feindlich gesinnt sind, während dieselben Industrien unter Staatskontrolle eine vorurteilsfreie Beamtenschaft hätten. Das Postamt; ist auch eine öffentliche Dienstorganisation. Es versieht einen Dienst, der der Allgemeinheit zugute kommt. Die Post stellt die Menschen für ihre verschiedenen Stellungen nach der Größe ihrer Verdienste und Eigenschaften an. Die Prüfung für die Einstellung in den bürgerlichen Dienst setzt keinem Menschen wegen seiner Farbe, seines Glaubens oder sedner Rasse Schranken. In den Augen der Körperschaft für den bürgerlichen Dienst sind alle gleich und so sehen wir als Folge in allen Regierungsinstitutionen ein richtiges Verhältnis von Juden, Negern usw. Der Jude ist nicht gänzlich ein freier Bürger der Vereinigten Staaten, wenn er aus den weitverbreitetsten Industrien unseres Landes ausgeschlossen ist. Der Jude kann kein glückliches Mitglied der amerikanischen Nation sein, wenn er sich der Tatsache bewußt ist, daß er in gewissen Kreisen des Lebens nicht dieselben Rechte und Freiheiten genießt, wie seine andersgläubigen Brüder. Als ein Bürger dieses Landes ist er nicht nur zu den politischen Rechten, sondern zu allen, die jedem frei geborenen Amerikaner gewährt werden, berechtigt, Wenn er in der Politik gut genug ist, so sollte er für das Gewerbe ebenso gut sein. Zeitweilig kocht jetzt das Blut in meinen Adern, wenn ich die schmachvolle Erscheinung antijüdischen Streites in so großen Teilen der amerikanischen Industrie bedenke, in einem Lande, das auf den Prinzipien der Gleichheit, der religiösen und politischen Toleranz aufgebaut ist, Was ist Freiheit ohne das Recht, seinen Lebensunterhalt fleißig und ehrlich zu verdienen? Die Hauptinhaber der obenerwähnten Industrien werden vielleicht antworten: Unsere Industrien sind privatwirtschaftlich eingerichtet, und wir haben ein vollkommenes Recht, jede ElnstellungspoHtik zu betreiben, die uns geeignet erscheint. Solch ein Gedanke mag in einer Industrie, die der Befriedigung von Luxusbedürfnissen gewidmet ist, die eine begrenzte Kundschaft versorgt, vernünftig klingen; aber er ist absolut despotisch, wenn er bei Industrien von nationaler Ausdehnung, die den Bedürfnissen jedes in diesem Lande lebenden Bürgers Sorge tragen, anverkaufen wir um jeden anneHbaren Preis MOdCkarOOlSUtül Uhr schicke Fasson . . . . s 35—, 19. Flaostlniiaiiiel^»neF»,ben........sU.- GepreOfe Pifisc&mantel t.„, „» S.M, **».«. .. 39.- Bt&erplQschmanfel??: «wes ft- VolffflfItianfOlIa Qualität In schönen Herbsifarben, Kragen, jQ - ■ BlUlIllliailllSl . / Manschetten und unten reich ve.brSrat S 43. PflpeliileWSCMckeP.Mo„...............s 13.^ iMCr schön gestickt...............S IS. mit Cr8pe-de-Chtae«Aufputz.....• . S 9i.—, M» mwisftalra.................s™. 2/° InHUtt.»«...........s V Velourharchentschlafröcke .......s V IS U KHK MIIDVII. Kalswstr. 115 gewandt wird. Solche Industrien dienen der Oeffentlichkeit und müssen die Oeffentlichkeit zur Teilnahme an ihren Erzeugnisprozessen auffordern. Wir wollen nun unseren Blick auf Geschäfte und Industrien von kleinerem Umfange wenden. Ich fand, daß sogar solch eine Einrichtung wie die größten 5- und 10-Cent-Läden, die ihre Mädchen zwingt, 10 bis 12 Stunden täglich unter den ungünstigsten körperlichen Bedingungen zu arbeiten (die Mädchen müssen den ganzen Tag auf ihren Füßen stehen, da für Stühle zu ihrer Bequemlichkeit nicht gesorgt ist), die ihnen Löhne von 10 und 12 Dollar wöchentlich zunv „Leben" zahlt — daß solch eine Organisation kürzlich beschloß, keine jüdischen Verkäuferinnen zu beschäftigen. Die meisten Geschäftsführer dieser Läden konnten, als man zu ihnen kam, um sie über die Gründe für ein solches Vorgehen zu befragen, keine erklärende Antwort geben. Sie waren ausweichend und konnten mich nicht befriedigen. Ihre einmütige Antwort war: Wir gehorchen einfach B e f e h 1 e ni So beschloß ich, die Dame, die das Amt in der Personalabteilung für aHe Geschäfte innehat, zu befragen, um endlich die Ursachen für diese Politik, Juden nicht zu beschäftigen, herauszubekommen. Sie war so freundlich, mir zu erklären, daß „einer" der Gründe der war, daß die jüdischen Mädchen zu viele Feiertage be-" obachten und daß die Verkaufskraft bei solchen Gelegenheiten sehr leidet. Natürlich ließ sie die „anderen" Gründe weg .... Würde ein vernünftiges menschliches Wesen glauben, daß die Beobachtung von drei oder vier Feiertagen im Jahre eine berechtigte Ursache ist, Angehörigen einer großen Rasse keine Beschäftigung zu geben? Fast war ich versucht, der Dame folgende Frage zu stellen: Bleibt ein andersgläubiges Mädchen in Ihrem Dienst nicht durchschnittlich drei bis sechs Tage im Jahre wegen unvorhergesehener Umstände, wie Krankheit, Tod in der Familie usw., fort? Und doch ziehen Sie die Möglichkeit solcher Vorkommnisse beim Engagieren Ihrer christlichen Hilfskräfte nicht in Betracht? Aber das würde keinen Zweck haben. Die Personalchefin befolgte augenscheinlich Instruktionen und konnte in keiner Welse diese Politik der Zurücksetzung rechtfertigen. Die Antwort war mir klar: Die Organisation hatte einfach beschlösse«, keine Juden anzustellen, das ist alles. Und noch peinlicher wird die Tatsache durch den Gedanken, daß die Geschäfte von einem Juden begründet wurden. Bei meinen Feststellungen fand ich, daß alle Wichtigen Banken, Versicherungsgesellschaften, Zeltungen, Verlage und fast alle großen Firmen, die Christen gehören, keine Juden beschädigen. Solch eine Lage ist nicht beunruhigend, ist aber gewiß außerordentlich unangenehm. Der bloße Gedanke, daß ich als Jude zurückgesetzt und von so vielen Industrien ausgeschlossen bin, würde mich In jeder Gemeinschaft außerordentlich unglücklich machen. Manche Juden werden vielleicht antworten: Warum soll man über diesen Zustand klagen? Haben wir nicht unsere eigenen Banken, Läden, Fabriken, Geschäfte usw., die fast alle Arbeiter jüdischer Abkunft in sich aufnehmen? Teilweise mag dies richtig sein. Dies mag das Uebel etwas mildem, aber gewiß kann dies es, nicht gänzlich heilen oder beseitigen. Die Tatsache bleibt bestehen, daß der' Jude gekenn-) zeichnet und in großen Zweigen der amerikanischen Industrie nicht erwünscht ist, was schon an sich ein ernstes Uebel, ein Problem von nicht geringer Bedeutung bildet.

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