Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 8 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711614-2711622--0098-2713216- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ffr. 8 DIE NEUE WELT Seite 5 AUS PALÄSTINA. ja den Arab e r,n. n i c h t bioß die angeführten bürgerlichen und religiösen, sondern auch nationale und kulturelle Rechte einräumen. Der Passus, der festlegt, durch das jüdische Gemeinwesen in Palästina sollten die politischen Rechte der Juden in irgend einem anderen Lande nicht beeinträchtigt werden, beinhalte eine Selbstverständlichkeit und sei in die Deklaration nur deshalb aufgenommen worden, um die ängstlichen Gemüter zu beruhigen. Balfour wisse, daß alle Werke seines arbeitsreichen Lebens hinter der Schöpfung dieser Deklaration zurücktreten. Der 2. November 1917 habe ihn unsterblich gemacht. Chajes schloß seine mit stürmischem Beifall aufgenommene Rede mit den Worten: „In der Geburtsstundc deiner Unsterblichkeit grüßen wir dich, Artur James Balfour." Es folgte ein musikalisch deklamatorischer Teil, aus-;. geführt von Herrn Konzertmeister Z i m b le r und Oskar B e r e g d. Zimbler erfreute durch die meisterhafte Wiedergäbe jüdischer Volksweisen in der Bearbeitung von Achron und Bercgi riß das Publikum'druch Bibelrezitationen hin. Mit der „Tikwah", vom Kapellmeister Lampel auf der Orgei gespielt und vom Publikum stehend angehört, schloß die würdige Feier. Max Nordaus Tochter. Ein Vortrag Maxa Nordaus über ihren Vater. Ein kalter Bericht, eine trockene, sachlich informierende Reportage will uns nicht , aus der Feder. Dort oben am Podium stand die Tochter des Mannes, der an der ' Seite Herzls den politischen Zionismus begründet und durch;. seine milbige Bekämpfung der Assimilation — darüber hin-' aus: durch seine Befehdung der „Auch- und Bauch-Juden", . jener dünnen Schicht, welche untergekrochen war und das.' ■ ganze Judentum preisgab, um unerkannt zu bleiben —, ' die jüdische Jugend für den revolutionären Zionismus ge-„; wann. Und mit Ergriffenheit erkannte mau nach der ersten- : Viertelstünde dieses klar durchgearbeiteten und sehr eindeutigen Vortrages» daß das schlanke, anmutige, aber:;; ernste und" kluge Mädchen Geist von seinem Geiste ist,\ tatsächlich die Tochter unseres Max Nordau. •;; .. Mehr als ein Tropfen Wehmut mengte sich in das; Gefühl/freudiger Rührung~— weil man doch daran denken!;., mußte,, daß sich nicht immer, ehrlicher gesagt: nur ganzselten.der .kämpferische, zionistische Geist und die Zions- ' liebe von.den'Vätern auf die Kinder vererbt... Maxa Nordau verfolgte den Lebenslauf ihres Vaters1.', von den * Kindheitstagen. Wie er als löjähriger ' Knabe,t durch die bittere Not gezwungen, Reporter wurde, dann v seinen Doktor machte, als Reiscschriitsteller seinen ersten ' literarischen Ruhm .. erntete, wie seine kritischen Büchert entständen und wie, er Ziouist wurde. Durch die lebendige % Schilderung humorvoller und ergreifender Einzelheiten* würzte sie dön Vortrag und durch die große Liebe, mit der | sie von ihres Vaters Menschentum und seinem Schaffen >| sprach,/wurde ihre gesprochene Nordau-Biographie zu ij einem heroischen Licde von den Kämpfen eines großen") Menschen und Künstlers, von seiner opfe^vollen Hingabe an eine Idee und von den Enttäuschungen seines Greisenalters.\ Die letzten Jahre, die Nordau in London verlebte, über-j> ging sie-init Stillschweigen, weil sie — wie sie bemerkte —4 nicht bitter werden und nicht anklagen wolle. •>; Fräulein Maxa Nordau brachte Zitate aus den \ äioaistischen Schriften ihres Vaters, die sehr sorgfältig ge-; wählt und ihren Ausführungen so eingefügt waren, däß^ sie 'tatsächlich. ein Bild seiner zionistischen Auffassungen und .Bestrebungen in bezug auf den Weg und das Endziel .' •gaben. ■ , ' •'• Dem epstündigeji überausfesselnden Vortrage? folgte stürmischer Beifall. Der Präsident des Zionistischen;; Landeskomitees, Herr Dr. Goldhammer, welcher vor Beginn! des. Vortrages Nordaus Witwe und Tochter begrüßt hatte, ■ gab dem Dank des, Publikums in kurzen Worten Ausdruck.: Die neue Währung. Am 1. November ist die neue palästinensische Währung in Kraft getreten. Fast alle arabischen Zeitungen veröffentlichen Artikel, weiche sich mit dtsn Text der Währung beschäftigen. Die Zeitungen fragten, ob es Zufall oder Absicht sei, daß die neue „hebräische" Währung am 1. November, einenTagvordematehntenJahr es« tag der Balfour-Deklaration in Kraft tritt? Besondere Unzufriedenheit herrscht in den nationalistischen Kreisen wegen der Einführung der Palästina-Währung in TransJordanien. Sacher und die zionistische Beamtenschaft. Herr Sa eher wandte sich an die zionistische Ber amtenschaft Palästinas mit dem Ersuchen, einen Arbeitstag von 8 Stunden (anstatt 7Vs) einzuführen. Eine Technikerkonferenz in Tel-Awiw. In «> Tel-Awiw fand vor einigen Tagen eine Tagung der Ingenieure Palästinas statt, an der über 40 Techniker teilnahmen. Die Organisation zählt über 150 Angehörige und gibt eine Zweiwochenschrift in englischer und hebräischer Sprache heraus. Die jüdischen Fonds. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Im Jahre 5687 (Oktober 1926 bis September 1927) betrug die Einnahme des Jüdischen Nationalf onds in Palästina 7286 Pfund, gegenüber einer Einnahme von 2203 Pfund im vorhergegangenen Jahre. Die Einnahmen des Keren H.ajessod für das Jahr 1926 haben 520.318 Pfd. Sterl. betragen, während sie in dem eben abgeschlossenen Jahr 5687 auf 583.616 Pfd. < Sterl. gestiegen sind, daher einen Mehrertrag von über 12 Prozent gebracht haben. Oskar Wassermann in Palästina. Herr Oskar Wassermann, Direktor der deutschen Bank, ist in Palästina eingetroffen, um als Mitglied der Expertenkommission die Lage zu studieren. Die Kolonie Tel-Josef über die Reise Eikinds. Die Gruppe Tel-Josef ersucht uns um Veröffentlichung der folgenden Erklärung: „Im Zusammenhange mit der Reise des Herrn Elkind nach Moskau brachte die gesamte zionistische Presse Nachrichten, daß alle Ansiedler der Kolonie Tcl- Josef die Absicht haben, n a c h R u ß 1 an d a u s z Ur wandern. Demgegenüber stellt das Präsidium von Tel- Josef fest: Die Gruppe Elkind zählt 64 Mitglieder von 240 Mitgliedern der Kolonie. Der Streit innerhalb der Kolonie dauert schon ungefähr drei Jahre. Die Gruppe Elkind verlangte von der Zionistischen Exekutive die Zuteilung anderen Landes, um eine selbständige Kolonie zu bilden. Da die Zionistische Exekutive genau wußte, daß es sich um eine ausgesprochen kom-, m *yi i s t i s c h e G ru. p p e handelt, der der Aufbau Palästinas nicht am Herzen liegt, sondern der es lediglich um kommunistische Propaganda zu . tun ist, wurde ihrem Wunsche; n i c h t entsprochen. Daraufhin faßte die Gruppe den Beschluß, nach Rußland zurückzukehren. Die übrigen Mitglieder der Kwuzah haben mit dieser Gruppe nichts gemein und setzen ihre Arbeit'zum eigenen Wohle und für das jüdische Palästina mit der bisherigen Energie und Aufopferung fort." Ein- und Auswanderung im September. Nach einer offiziellen Mitteilung aus J e r u s a 1 q ni sind im Verlauf des Monats. September 362 Personen in Palästina eingewandert und 793 aus Palästina ausgewandert. Die: Zahl der Einwanderer im August, betrug.'' 283 die der Auswanderer in dem gleichen Monat 748. Im Verlauf des Monats September haben 3473 Personen Syrien verlassen, unter ihnen 752 aus dem Libanon.______ Judentum, Freimaurerei, Vatikan und Fascismus. Aeußerungen des Oberrabbiners von Rom, Professors Sacerdoti. Ein Mitarbeiter des „Neuen Wiener . Journals" berichtet über eine Unterredung mit dem! Oberrabbiner von Rom, Professor $ a c e rdoti, in welcher dieser Mitteilungen machte, die, bei der gegenwärtigen Situation : von; aktuellem Werte sind: „Italien ist das Land ohne Antisemitismus.: Manchmal kommt es ja vor, daß irgend ein kleiner Schreihajs, der die Stellung oder das Geschäft irgend eines Juden haben möchte, das Wort Antisemitismus aus der Rumpelkammer hervorholt. Aber das Land hört ihn nicht. Man weiß hier nicht, was Abneigung gegen die Juden bedeutet. Umso wichtiger ist es freilich, daß wir erst recht zusammenhalten. Wir sind dankbar für die Sympathie, die die wunderbare italienische Nation uns entgegenbringt. A b e r w i r w p 11 e n doch nicht r e s 11 o s i n i h r a u fgehen, Unser. eigenes Volkstum soll gewahrt bleiben. Das ist kein ganz einfaches Problem. Man kann schließlich auch in weitgeöffneten Armen versinken — und darin besteht für uns die große Gefahr. Die! italienischen Freimaurer, soweit sie - jüdischer Die Sterblichkeit in Tel-Awiw. Im abgelaufenen Jahre 5686 (d. i. bis September 1927) starben in Tel-Awiw .693 Personen, und zwar im Alter von einem Jahr 276, bis 3 Jahre 79, bis 10 Jahre 26. bis 26 Jahre 15, bis 4Ü Jahre 79, bis 60 Jahre 78, bis 80 jähre 110 und über 80 Jahre 34. Im selben Jahre wurden in Tel-Awiw an 2000 Kinder geboren. Das neue akademische Jahr der Jerusalemer Universität. Dieser Tage wurde das neue akademische Jahr der hebräischen Universität feierlich eröffnet. An Stelle des abwesenden Kanzlers Dr. Magnes hielt Norman B e n tv i t c h, der stellvertretende Kanzler, die Eröffnungsrede. Inatgurationsvorlesungen hielten der Mathematiker Professor* Landau (früher Göttingen) und der Historiker P/ofessor Man. Eine Misrachi-Abordnung für Amerika. Der Misrachi in Palästina beschloß, eine Abordnung nach Amerika zu. entsenden, die aus Rabbi Asiel, Rabbi Meyer Berlin und Rabbi Eis hinan bestehen und Geldmittel für die jüdisch-orthodoxen Institutionen in Palästina sammeln soll. Eine orthodoxe Bank. Neun jüdisch-orthodoxe. Institutionen in Jerusalem haben gemeinsam eine Bank gegründet, die den Namen „Bank Jerushalaim Ltd." führt. Das Aktienkapital beträgt .10.000 Pfund. Arabische Klagen über den Mangel einer elektrischen Beleuchtung in Jerusalem. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Der arabische Merat al Sherk wendet sich in einem Artikel gegen die andauernde Verzögerung in»der Elektrizitätsversorgung Jerusalems. Er fragt, ob Jerusalem als einzige gre ßere Stadt Palästinas auf die elektrische Beleuchtung verzichten solle, weil ein Grieche noch während der, Kriegszeit von der türkischen Regierung die Konzession zur Elektrizitätsversorgung der Stadt erhalten habe und nicht imstande ist, die Mittel für die Ausbeutung der Konzession aufzubringen. Er erschöpfe sich statt dessen in Klagen, gegen die englische Regierung. Die Jerusalemer Einwonnerr sollten eher ihn vor Gericht ziehen, weil sie durch seine Schuld auf die elektrische Stadtbeleuchtung, verzichten müssen, deren sich bereits Jaffa und Haifa erfi euen. Es fragt sich, was nun, nachdem die Mawrommatis gestellte Frist für Inangriffnahme der Arbeiten demnächst abläuft, die Palästina-Regierung oder die Stadtverwaltung Jerusalems zu tun gedenken. Werde etwa die Konzession auf letztere übertragen werden? Die Zeitung verlangt, daß . die Stadtverwaltung sich ehestens mit dieser Frage befasse, da sie mehr als andere berufen sei, das Werk zur Ausführung zu' bringen. ' Eine interessante Naturerscheinung über Jerusalem. Die hebräische Tageszeitung „Dawar" berichtet über ein meteorologisches Phänomen, das vor einigen Tagen in Jerusalem beobachtet werden konnte. Nach zwei Tage anhaltendem starken, trockenen, heißen Wind senkte sich über Jerusalem eine Art Nebel nieder, der einen intensiven Schwefelgeruch verbreitete, und das Atmen erschwerte. Der Nebel zog sich dann gegen Norden weiter und verbreitete von dort her . einen eigenartigen Lichtschein. Die Erscheinung hielt den ganzen Tag über, bis gegen Mitternacht an. SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale IX., Berggasse 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 Lieferant für Heil a n s t a 1 t e n JiS^]SSS^JSL^S!£iS!SäL unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien IX., Bergg. 15 ✓ XVIII., Währingerstr. 97 Abstammung sind, haben diese Gefahr nicht erkannt. Unsere Freimaurer sind ja vielleicht nicht ganz dieselben wie in anderen Staaten. Sie sind, oder vielmehrsie waren, leidenschaftliche Feinde des Glaubens, des jüdischen genau so wie des katholischen. Deswegen gä'b es zwischen ihnen keinerlei Gemeinschaft. Sie waren, ob sie wollten oder nicht, Wegbereiter der Assimilation. Denken Sie nur an den Fall Nathan, Dieser letzte Oberbürgermeister von Rom war jüdischer .Eltern Kind,, aber er hat uns genau so wenig gekannt, wie wir ihn. Die Freimaurer haben ihn zum Bürgermeister gemacht und nur in ihren Intentionen führte er die Geschäfte der Stadt. Ich will kein persönliches Werturteil über ihn fällen. Aber vom jüdischen Standpunkt aus muß ich sagen: er war ein Schädling. Der energische Kampf gegen die italienische Spielart der Freimaurerei ist nicht die einzige Handlung der Regierung, deretwegen wir ihr und vor allem ihrem Chef dankbar sind. Ich will Ihnen offen gestehen: Als der Fascismus zur Macht kam, bestand in jüdischen Kreisen eine gewisse Besorgnis. Man fürchtete vielfach, er würde sich, ähnlich manchen anderen rechtsradikalen Bewegungen, gegen das Judentum kehren. Die ganze Politik der Regierung und der fascistischen Partei haben jedoch bewiesen, daß diese Besorgnis — die ich persönlich übrigens niemals geteilt habe — vollständig unbegründet war. Das