Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 8 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Ttt. 9 DIE NEUE WELT Seite 3 fähig wäre." Wieder ein Irrtum und eine verhängnisvolle Ueberhebung. Weder eine Klasse noch eine Gruppe im Zionismus kann der Träger der Volksbewegung sein. Alle ehrlichen, demokratischen Nationaljuden müssen zusammenstehen. Die zionistische organisierte Arbeiterschaft kann nicht allein gehen. Sie muß allen jenen die Hand reichen, die Demokraten, national zuverlässig und ehrliche Freunde der Sache der Arbeit sind. Mit ihnen zusammen werden sie zur Gesundung der nationalen Freiheitsbewegung gelangen, allein nicht. Robert Stricker. Mitteilungen des Zionistischen Landeskomitees. Der zionistische Delegiertentag. Die nachfolgend angeführten .Sitzungen finden im Saale des Oesterreichischen Gewerbevereines in Wien, I., Eschenibachgasse 11, statt. T a g e s o rd n u n g: 1. Samstag, den 12. November 1927, 7 Uhr abends: a) Eröffnung des Delegiertentages; b) Wahl des Bureaus und der Kommissionen; c) Bericht des Parteigerichtes über die Wahlen; d) „Die gegenwärtige Lage im Zionismus" ('Referent Dr. Leo Goldhammer); c) Kulturreferat, erstattet von Dr. David Rothblüm. 2. Sonntag, den 13. November 1927, 9 Uhr vormittags: a) Organisationsreferat, erstattet von Dr. Desider Fried mann; >b) Generaldebatte. 3. Sonntag, den 13. November 1927, 3 Uhr nachmittags: a) „30 Jahre Paiästiuaarbeit", Vortrag1 von Adolf Böhm; b) „Die zionistische Ideologie und Jugend", Vortrag von Direkotr Dr. Viktor K ei In e r; c) Fortsetzung der Generaldebatte. 4. Dienstag, den 15. November 1927, 3 Uhr naohimUtags: a) Berichte der Kommissionen; b) Neuwahlen. Die Sitzungen der Koramissio n e n finden Montag, den 14. November 1927, und Dienstag,.den 15. November 1927, vormittags, in den Räumen des Vereins-, heimes der Zionistischen Bezirkssektion in Wien, VIII.,. Bennoplatz 1 a, statt. Die näheren Angaben bezüglich der Stunden und Zimmer werden am Delegiertentag selbst rechtzeitig bekanntgegeben werden. G äs t e k a r t e n sind, im Zionistischen Bureau in Wien, I., Kärntnerstraße 26" (Telephon-Nr. 77-4-85 und 77-4-86) zu bestellen. Die Ein-' trdttskarten für die Delegierten können vor der Eröffnungssitzung behoben werden. . . , Der Pr ovinz-D el egii er t en t ag der öster-'. r'eichische,n .Zion.is t$,n findet am 14..., N o v e m-, b e r 1927, 9 Ü Ji r y.o r m i t i a.g s, im Saale, der Bezirks-, Sektion VI-VIII in Wien, VIII., Bennoplatz 1 a, statt. Die- .Tagesordnung des Provinz-Dele!giertentages ist den einzelnen Ortsgruppen bereits mitgeteilt worden.; |pMH«iInt«iimi^| Grundstück g Angelegenheiten j| Kauf * Verkauf H Verwaltung j§ Belehnung « betreffend |Häuser «Villen ■ Güter wendet sich jeder Interessent an die T sä Realitäten-und Verwaliungskanzlei Dr. jur. Marem Somer Im Wien,IX. Währingerstrafje3 §|| Telephone: A 26-4-47 * 15-506 S| ■Uli! Montag, den 13. November 1927, 8 Uhr a,b ends, findet im Saale der Zionistischen Bezirkssektion VI-VM'I in Wien, VIU., Bennoplatz 1 a, die Tagung der K e r e n - H ä j e s s o d - M i t a r b e i t e r statt, zu welcher die Einladungen im schriftlichen Wege bereits ergangen sind. . Stephen Wise in der Opposition. Kritik an der Palästinaregierung. — Die Tote-Meer-Konzession. — Miß Henriette Szold über die Arbeitslosenunterstützung. In C1 e v e I a n d hat vom 31. Oktober bis zum 2. November eine stark besuchte Konferenz der. amerikanischen vereinigten Palästinaaktion stattgefunden. Stephen Wise, dessen Auftretenauf dem Baseler Zionistenkongreß noch in Erinnerung ist, griff mehrfach in die Debatten ein und übte sehr scharfe Kritik an der Mandatsverwaltung durch die Palästinaregierung und an der Zionistischen Exekutive, der er schwächliches Verhalten zum Vorwurf macht, Ueber die Konferenz liegt uns der folgende Bericht der J. T. A. vor: . Am 31. Oktober begann in-Gleveland die Konferenz des United Paiestine Appeal, die über die im Jahre 1928 für die zionistischen Institutionen aufzubringende Summe zu bestimmen hatte. Es wurde für das Jahr 1928 eine Quote von 7,500.000 Dollar angenommen; diese Summe soll im os isf die §s$)%itftncLvh«s 1 jm^ der Jfötnis&maiierJ-Ta&rifi ## - &QJcmaG^wttbzc s~\ , , Dr „ T^dem JüUcbs-Vlätv Jj2Sb£1Sb£1£S1m 99 Verlauf des kommenden Jahres durch die Komitees des .United Paiestine Appeal aufgebracht und dem Palästinaaufbau zugeführt werden. Die Delegierten selbst brachten unter sich eine Summe von 300.000 Dollar auf, die der Zionistischen Exekutive in Jerusalem noch vor dem 1. Jänner 192S übermittelt werden wird. Dr. Stephen S. Wise wurde zum Ehrenpräsidenten des United Paiestine Appeal, Richter Lewis zum National Chairman wiedergewählt. Die Tagung verlief sehr bewegt. Mehr als 1000 Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten waren anwesend. Der Ehrenpräsident Rabbiner Dr. Stephen S. Wise führte unter anderem aus: D i e britische Regierung hat die von ihr übernommenen Aufgaben, die Arbeit der jüdischen Pioniere bei der Schaffung des Jüdischen Nationalheims zu erleichtern und zu unterstützen, nur sehr mangelhaft erfüllt. Aber' die Verantwortung ruht nicht allein auf ihr, denn auch die zionistische Führerschaft hat es unterlassen, mit dem nötigen Nachdruck die gerechten jüdischen Forderungen zu vertreten. Der Zionistischen Exekutive, in Jerusalem kann der Vorwurf der f ethl e r haf t e n Verwaltung und des parteiischen Regimes nicht erspart werden. Große Erregung bemächtigte sich der Zuhörer, als Dr. Wise auf die Gründe zu sprechen kam, die ihn veranlaßten, den Zionistenkongrcß in Basel zu verlassen und vorzeitig in die Vereinigten Staaten zurückzukehren. Ich drohe nicht, die Zionistische Organisation zu verlassen, sagte Dr. Wise; ich drohe, in ihr zu verharren, um innerhalb der Organisation zu kämpfen. Ich bin weder für Weizmann noch gegen Weizmann, weder probritisch noch antibritisch. Auch bin ich nicht für oder gegen Brandeis: Ich bin für Palästina. Dr. Wise sprach eingehend über die Gründe, die ihn bewogen haben, vor Schluß des Kongresses, diesen zu verlassen und skizziert den Vorschlag, den er in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der politischen Kommission des Kongresses gemächt hat und der darauf hinausging, eine Kommission unter dem Vorsitz Dr. Weizmanns einzusetzen, die mit der britischen Regierung über eine Neuordnung ihres Verhältnisses zum Zionismus und zum jüdischen Nationalheim verhandeln soll. Die politische Arbeit,, sagt Dr. Wise, darf nicht einem Mann überlassen werden, der britischer Untertan ist; sie muß einem Komitee anvertraut werden, das sich' aus Zionismen d:e^ g a n z e n We<l t zusammensetzt. Dr. Wise schilderte, wie dieser Vorschlag zum Ausgangspunkt einer Meinungsverschiedenheit; zwischen ihm und Dr. Weizmann geworden ist und'wie er von der- Mehrheit der politischen Kommission desavouiert worden ist. Ich habe, 'schloß Dr. Wise, ein Recht, an der britischen Regierurfg hinsichtlich deren Arbeit ^Palästina Kritik zu üben, weil ich ein Freund und Uritersfützer der britischen Regierung gewesen bin. In einer zweiten Rede wies Dr. Wlise zur Illustrierung der Laige auf die jüngsten Mitteilungen über die Vergebung der Konzession zur Ausbeutung der Salze des Toten Meeres hin, die so unklar und widersprechend lauten. Wie immer die Bedingungen der Konzession aber sein (mögen, wir Zionisten werden darauf beharren, daß die Bestimmungen des Mandats, betreffend die Kontrolle über die natürlichen Schlitze Palästinas und Zwei Wiener Ghetto-Episoden. Ein sehnsüchtiger Dilettarjt, habe ich mir aus näherer und weiterer Vergangenheit manches jüdische Fräuenantlitz geholt. Wenn ich will, ist eine Phalanx herrlicher jüdischer Frauengestalten in dichtem Kreis um mich versammelt und verstellt mir die Aussicht r—. verzeiht —• auf manche jüdische Zeitgenossin. Ich kann nicht leugnen, daß ich gegenwärtig mein probates Mittel mit Leidenschaft anwende. Da ich nicht' Lüst habe, seine Wirkung zu vermindern, will ich die Ursachen verhachlässgen, die mich veranlassen, zu meinen Idolen zu flüchten. Hier zwei Episoden aus Wiens Ghettozeit, in denengroße Jüdinnen verewigt sind. „Das Weib des reichen Israel ans Eons/' Die Chronisten und späteren Geschichtsschreiber bezeichnen säe mit diesem Namen und berichten mit dürren Worten ihre Tat: „Sie erwürgte sich in der Diebsschergenstube mit ihrem Schleier." Zu Wien im Sommer des Jahres 1420. Wie das kam? Warum sie es tat? Man weiß, daß am 23. Mai 1420, vor Sonnenaufgang, mit einer Promptheit, die sich heutzutage mit Anwendung des Funkspruchs nicht zuverlässiger bewirken ließe, in sämtlichen Städten Oesterreichs die Juden gefangen gesetzt wurden. Vorwand gab „die. hanndlung, die sich iaider an dem helligen Sacrament vor ettlaichen jarn daez Enns „vergangen hat", Ursache des gut vorbereiteten Fischzugs: Der Hof halt des Herzogs Albrecht verschlang Unsummen, die Staatskassen standen leer, man brauchte Geld zum Kriegführen.; Die „Canaille", das waren die besitzlosen Juden, wurden bei der ersten Perlustrierung ausgeschieden, auf ruderlosen Kähnen verstaut und den Donauwellen überlassen. Die anderen eskortierte man durch die pfingstHch" blühende Wachau nach Wien. Man weiß auch, daß dann nach acht Monaten unsäglicher Qualen am 12. März 1421 die Ueberlebenden „durch den Prant gerichtet" wurden. Aber, daß die mit Daumschraube, Rad und Feuer Gefolterten, daß die an Ketten Hochgezogenen, tagelang in Fässer Gepreßten, grausam Gepeitschten alle Martern bis zum Verbrennungstode durchhielten ohne zum rettenden Kreuz zu schwören — das hat „das Weib des reichen Israel aus Enns" durch -heroisches Beispiel erwirkt. Ich sehe sie, von den Schergen verfolgt, mit den anderen Juden durch das Donautal nach Wien wandern, hoch aufgerichtet, die Züge ihres Angesichts durch einen furchtbaren Entschluß gehärtet, das Herz des Gatten, neben dem sie dahinschritt, durch stumme Blicke stärkend, mit den Fingern der gefesselten Hände heimlich den Schleier streichelnd, den sie auf ihren königlichen Schultern belassen hatte. Dann, in Wien, im Verließ des Schergenhauses an der Himmelpforten, als die Mönche kamen und nach den ersten Folterungen mit freundlicher Rede und lockenden Versprechungen einige Mattherzige zum AbfaJ bewogen, ,in ihre gebreiteten Arme die „Geretteten" aufgenommen ühd'ins Klöster. gebracht. hatten,, rief .„das Weib.des Reichen Tsrael" mit kurzem scharfem Schrei ihre Kerkergenossen an, wandte ihnen ihr Antlitz zu, schlang den Schleier um den entblößten Hals, wickelte seine Enden um die Handgelenke und preßte also die Kehle zu, unausgesetzt und mit heroischer Kraftanstrengung, bis sie entseelt niedersank. Die anderen sahen ihr Sterben, ihre Flucht, in den Tod vor der Schmach des Verrates, und der katholische Chronist Ebendorf er konnte überliefern, daß viele Frauen ihren Kindern die Adern öffneten, und sich selbst ' erdrosselten, um ihre Männer zur Standhaftigkeit zu bewegen. Wann wird säe erklingen, die jüdische Ballade, welche „die Trau des reichen Israel afts Enns" besingt?. II. . „Das Tagebuchblatt eines Schmarotzers." Wien, anno 1670, Eine gewaltige Judenhatz hatte bereits zahlreiche Ghettobewohner aus der Stadt gejagt. Der Rest der Judengemeinde überreichte eine Bittschrift, die schilderte, „wie Eltern von allen Kindern abgerissen, Greise Arm und Bein gebrochen, gemordet worden", und wie die „Vertriebenen" das Leben gleichsam für ein „Straff un' den Todt für ein Erquickung halten müssen..." Vergebens. Am 28. Juli 1670 jagten sie die letzten Juden aus der Stadt. Es gab Beziehungen der Juden zur Christenstadt. Einer von den häufigen Gästen im Ghetto, der für die Genüsse der koscheren Küche viel übrig hatte, hieß Matthias Abe 1 e und war ein angesehener, einflußreicher Herr, der Bruder des geheimen Hofsekretärs, Christoph Abele, des unrühmlichen Dichters der „Künstlichen Unordi fär «ige, MeQofett, Ueöer-unb »intet- *9<fe, -fett infolge twgwWtet Salto« »JLJlviLJl^v»*!^^ VI»/ fitote SBfewife 40 (tat $ofe)