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Die neue Welt · 1927-11-11 · Heft 8 (11.11.1927) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 8 (11.11.1927)
Date
1927-11-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 8 Hotel „NATIONAL"M Restaurant m Wien, II., Taborstraße 18 Zentrale Lage, 200 Zimmer, fließendes ,111 Unter der bewahrten Lefturig des bestbekafltiteti Restatfrateufs S. 0 f ü ri e r kaltes und warmes Wasser und Zentral- Vorzügliche Wiener, ungarlscne und ORIENTALISCHI heteung. In allen Zimmern Telephon III (rumänische) Küche.; Wletferbräu' Und Pilsner:Urquell KosSuthlsten. Der ungarische Revolutionär war ein Mann der Demokratie, der F/eiheit und des sozialen Reefites, Er hat als Flüchtling in seiner Rede Vor dem amerikanischen Senat den' Gedanken des Völkerfriedens entwickelt, dessen erste Voraussetzung die Unabhängigkeit und Entwicklungsfreiheit der Nationen sein muß. Wer hat nun am letzten Sonntag diesem Unbedingten gehuldigt?; Apponyi hielt die Festrede, in der er Krieg und Mord ankündigte; Horthy und ein Erzherzog — ein Habsburger am Kossuth-Denkmal! — legten Kränze, nieder, die Erwachenden und Kuruzen bildeten in VVäffen Spalier. Zur besseren . Feier der Freiheit. - wurden jüdische Studenten verprügelt . . . Der Streit um das Mittelmeer ist um eine pikante Nuance bereichert worden. Die italienische' Flotte erschien vor Tanger und ihr Besuch sollte, wie die Regierung erklärte, den Anspruch Italiens demonstrieren, daß im Mittelmeer keine Entscheidung ohne seine Zustimmung getroffen werden darf. Diese. Nuance war schon zweimal da> als Kaiser .Wilhelm ä la Lohengrin in Tanger, erschien und-den Scheiks| eine schöne Rede hielt, und dann später, als er den „Panther" nach Agadir schickte. Damals hieß es, daß in der Welt keine , Entscheidung'ohne Deutschlands Zustimmung fallen darf.. Das waren Handlungen, ms denen dann der Krieg kam. In der italenischen Extratour ist aber der Umstand, neu, daßj sie von England gebilligt wurde. Chamberlain hat ausgesprochen, daß er zwar die Methode verurteile,' aber doch das Recht Italiens anerkenne. Er hätte dasi nicht gesagt, .wenn sich[ die faszistische Demonstration nicht gegen Frankreich utid;^ Spanien, die Marokko-Staaten, richten würde. Der Konservativismus^ will eben mit allen Kräften zu. dem so berühmten: Gleichgewicht der Kräfte zurück und übersieht nur. das eine,, daß die Dinge nicht mehr so liegen wie Anno" Sturm. Heute spielen die Mächte ihre Partie des Todes vor der orientalischen Weit, vor 'einem, Publikum, das auch auf die Bühne strebtV-heüte a5bW nicht mehr das Sklaveribewußtseiriwie' ehedem be-:; ■ sitzt . Dieses-Auditorium lerrit aus . den •Demonstra-i tioneri, aus den Reden und Noten nur das eine,;daß die Herrenvölker uneins sind- und daßsie ^ihre Waffen im gegebenen Falle -gegeneinanderkehren würden. Das sind wichtige Bekenntnisse'für den Orient, und,: soweit er ßie nicht selbst faßt, erhält er die Aufklärung aus Moskau. Präsident Weizmann in Wien Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich; hat die Mitteilung erhalten;' daß-"Präsident Doktor W e i z m'a n seine Einlädüng, 'nach Wien zu kommen, um' bei der Konstituierung -des Prö-Palästina- Komitees zugegen zu sein, ängeriöftimen hat. Präsident Weizmann wird Ende dieses Monats hier ein-! treffen. Weizmann im „Bet Am" zu Tel-Awiw. Präsident Weizmann sprach vor seiner Abreise;' aus Palästina in einer von vielen Tausenden besuchten Versarnmlumng in Tel-Awiw über die zehn Jahre zionistn scher Arbeit. Er führte in seiner Rede ungefähr aus: „Alle Zeitungen und Redner. sprechen fast ausschließlichüberj die Krise. Unserer Ansicht nach besteht die Krise äusjj zweierlei Gründen. Dieerste Ursache'ist die schlechte ökonomische- Lage, die zweite ist; unsere psycho4j logische Verfassung. Wir wollen mehr, als wii?! können. Ich glaube, wenn wir ein Budget von 2 Millionen' Pfund gehabt hätten, wären wir noch-;?mehr verschuldet; als heute, denn dann wären unsere Wünsche doppelt so' stark als jetzt. Die Periode seit der Balfour-DekUiration bis heute war eine große und wichtige. Wir sind, ganz plötzlich vor die Aufgabe gestellt worden, unsec; Werk zu vollbringen. Notwendigerweise begännen wir zu experimentleren. Jetzt muß damit Schluß gemacht werden;; Und da liegt unsere psychologische Krise. WSr wandern' aus einer Weit voll Romantik in eine Welt der Wirklich-*; keit. Die Wirklichkeit kann man mit bloßen Reden nicht überzwingeri.' Was unseren Fortschritt in der Landwirtschaft anbetrifft, so lernten wir, daßunsere zukünftige Arbeit auf den Grundlagen der jüdischen Arbeit und aut Cbaluzinth beruhen muß. Wenn wir jedoch die. Gründl lagen kennen, auf denen wir zu arbeiten haben, so er? kennen wir noch nicht ganz klar den Weg, den wir z^ beschreiten haben. Wir werden jedoch den richtigen Weg finden; und werden Palästina, in ejnyLaml verwandehf, welcJres .imstande sein . sol/,V e in |i|i m für 4 e d;eVn> ju^en zu s ein und eiii-;feibiia)heim für da& sapse». jüdische Volk." / . ' "■■ ' ' *' frotzkis Jubiläum. —y Wien, 11. November. '. Das zehnjährige Regierungsjubiläum des Bolschewismus ist am 7. November, dem1 Jahrestag der Besetzung Petersburgs. durch die Leninschen Truppenf>festlich begangen-Worden. Es ist ein bedeutungsvolles Zeichen für die, inneren Wandlungen in Ruß-, lano^ Nriäß. der Sieger vpH .damals, Trotz;Jci, die Erinnerung nicht mitfeiern kann. Er ist in Acht und Bann 'getan Wörden Üiid Wird'sogar des Konspirierens mit der auswärtiger^Bourgeoisie verdächtigt.. ■.' Der Bolschewismus feiert den' Ge'burtstag in trotzigem Triu4nß(ir und er wllftwohl atis der Tatsache,' daß er zehn Jahre besteht; auf . eine noch lange Zukunft schließen. Aber : w^ e^ zehn Jahren wiederholt tötgesagt Görden läf — daseine steht fest, daß er nicht mehr den alten revolutionären Elan besitzt, daß er kaum in Rußland selbst unangefochten dasteht Und daß alle frohgemuten Hoffnungen auf Weltrevolution und Zertrümmerung des Kapitalismus den Weg so vieler anderer Hoffnungen gehen mußten. Aus dem Zarismus ist dieses' neue System emporgestiegen und es hat seinen Ursprung nie verleugnet. Es gab sich als die Herrschaft der Arbeiter, Soldaten und Jauern. Von dieser Trias ist nur der Militarismus wahr geblieben und er, ist in Rußland nicht anders geworden; Das ParadieSfdef Arbeiter ist Rußland nicht und hur die Bauern loben den Ümschwüng. Aber sie sind nichts weniger denn sozialistisch. Die Agrarrevolution, die am 9. November 1917, zwei Tage nach dem Sieg in Petersburg, einsetzte, hat einen großen und mächtigen Bauernstand geschaffen; der auf der privatkapitalistischen. Grundlage, steht und vor; dem die Sowjets schon längst kapituliert haben. Die industrielle Produktion, konnte erst durch die Hilfe des Auslandes aus der Desorganisation gerettet werden und die „Nep", die"wirtschaftlichen Reformen Lenins waren in Prinzip und Methodik eine volle Abkehr vom Sozialismus... ' » .: , JDer; Bolschewismus.;,; ihat einvom> Kriege zer- .störtea. Rußland -übernommen* Gewiß -war: die zaristische ^Autokratie .nicht .besser, gewiß war sie eine Bestie,- die im Machtwahnsinn ihr eigenes Volk zerfleischte. Sie hat gemeinsam st den Militaristen und Diplomaten des * VorkriegSwEuropa, das noch immer unübersehbare Unglück herbeigeführt, an dem noch1 die nächsten Generationen;' zu tragen haben -werden: Eine Seite dieses Ungiück's " ist' der 'Bolschewismus; die' märxistisch-drapierte Knute, angewendet-„von einigen.wenigen, die; atigebpjh, für das Kollektivum, für die W Masse Mensch $a,sTGlück zu bringen: Das Gottesgnadentum ist in anderer Form wieder auferstanden,? angriffslustig, , gewalttätig, unduldsam: und bekehrungseifrig .wie am ersten Tag. Die Gegenwehr gegen diese neue Religion des Feuers-und des Schwertes* die in aller Welt aufstehen mußte, hat allsobald antisemitische Züge angenommen. Das war zunächst eine Folge des schlechten Gewissens. Der Antibolschewismus tat so, als wäre diese. in Rußland entstandene und erwachsene Bewegung aus sich selbst geworden, als wäre' sie nicht die verwirrte und verirrte Antwort des Volkszorns auf den blutigen Zarismus. Was im Bolschewismus Gutes war — und es ist :nicht wenig — das kam aus dem Drang der Massen, nach: oben, die sich in ihrer aufgewühlten Leidenschaft die Kraft zutrauen wollten, niemals mehr ein. ähnliches Verbrechen an der Menschheit zu dulden; Die ' Gegner übersahen geflissentlich diesen Urgrund der Empörung,, die ja auch an die Basis ihrer Existenz greifen mußte. Und so erfanden sie rasch das Märchen von dem jüdischen Bolschewismus und machten es sogar verständlich: Der Bolschewismus ist die Rache der . russischen Juden am Zarismus. Zuviel Ehre für uns und unwahr. Wer die Wahrheit wissen will, der sehe das Schicksal der Juden Rußlands unter dem Bolschewismus und der messe an diesem Schicksal, die Tragik ihres Leides. Europa verfolgt sie als Bolschewiken, Rußland als Kapitalisten und Gegenrevolutionäre. Und es gibt doch' nichts Stärkeres gegen >die .. Legende als das Los 'tröizkis, der den Sieg des Bolschewismus vorbereitet hat und den jetzt der Galgen bedroht... : QUALITÄTS-MÖBEL OrtfOfe Auswahl I Billigst« Pfeife l |; , Z«hlung*er IfcJcbter ungen 1 ''. -V tBmni j. wuHy^si^^i j Erkenntnis, die spät kommt Der Mammoitlsiiitts im Zionismus. — Geld alles, Menschen nichts. — Die „fremde Leitung". — Der Sieg der Bureaukratle. — Die Stimmung in der Arbeiterschaft. Im Organ der palästinensischen Arbeiterschaft „Dawar" ist eine Serie von Artikeln den Ergebnissen des Basfer Kongresses und ihrer Rückwirkung auf die zionistische Bewegung und Palästina gewidmet. Die Schilderungen sind Schwarz in Schwarz. Vorerst wird festgestellt, daß die neue Leitung eine „fremd e" Leitung ist. Alles, was lebendige Bewegung im Zionismus ist, blieb ohne Vertretung. Die Wahl der Leitung ist durch eine winzige Mehrheit züstandegekommen. Und diese winzige Mehrheit enthält "Stimmen amerikanischer Delegiert«, die nicht einmal ordnungsgemäß gewählt worden sind. Der Zionismus ist weder eine Kolonisationsgesellschaft noch eine philanthropische Sache,\ er ist die revolutionäre, jüdischnationale Freiheitsbewegung. An seiner Spitze müssen Führer des Volkes stehen. Der englische Colonel und der englische Rechtsanwalt Sind nicht die Vertreter des jüdischen Volkes von Arbeitern, Handwerkern und kleinen Kaufleuten. In der Fremdheit der neuen Leitung gegenüber der Bewegung und dem jüdischen Volke Hegt eine politische Gefahr. Sie mag den „Times" und der Mandatsregierung genehm sein, dem jüdischen Volke ist sie nicht genehm. In ihr liegt eine' Fälschung, die sich in der Politik rächen muß. Die neue Leitung entbehrt auch der fachlichen Eignung. Weder Herr. Sacher noch Herr Kisch noch Frau Szold besitzen die Eignung für die Leitung der Kolonisation und der Arbeit. Die Resultate des Kongresses bedeuten eine schwere Niederlage für die gesamte zionistische Bewegung, für die Arbeiterschaft, für den M i s r a c h i, für die 0 p Position und nicht zuletzt für das „Linke Zentrum", dessen Programm, über das soviel Tinte floß, zum Spott wurde. Gesiegt hat die Maschine, die Administration, die Bureaukratie. Rücksichtslos gekürzt wurden die Auslagen für Arbeit, Kolonisation und Unterricht. Die Ausgaben für die Administration blieben zur Gänze. Gesiegt hat die geistige Verarmung der zionistischen Bewegung. Gesiegt hat die Anschauung, daß Geld alles ist, daß die Kraft des Geldes alles überwiegt und daß diejenigen, die der Bewegung „nur" sich selbst bringen,*wenig bedeuten. „S 01 c h e" wird der Zionismus immer finden. Der Kongreß hat die Krankheit; die geistig und organisatorisch verzweifelte Lage der Bewegung in der Galuth, aufgedeckt. * So schreibt das Blatt der zionistischen Arbeiterparteien. Seine Klagen sind vielfach berechtigt. Aber gegen wen sind sie eigentlich gerichtet? Wer sitzt auf der Anklagebank? Wenn es Mm Zionismus so* weit" gekommen/ ist, :ajs das Blatt schildert, d a n n sind die 0"r g a n i s i e r t e n Arbeiter und ihre Vertreter mindestens so schuld daran als irgend einUnderer. Gegen die von den organisierten Arbeitern jetzt so bekämpfte „fremde" Leitung haben die Radikalen und Revisionisten auf dem Kongreß gesprochen und gestimmt. Die Arbeiter- Vertreter haben, sie . hiebet im Stiche gelassen. An den Arbeitervertretern war es, die Wahl unmöglich, zu machen. Sie sind sitzen geblieben und haben die Wahl gerettet, die „winzige" Mehrheit 'ruhig entstehen lassen. Was. sollen jetzt die Klagen? Der A u s d ru.cjc des Mammonismus, der Geldanbetung im Zionismus ist: der Plan der Er weit er u n g; d e r Jewish Agericy, der Plan, die demokratische, nationale Leitung der-zionistischen Freiheitsbewegung zu vernichten und beliebig ausgesuchten reichen Nichtzionisten, dem jüdischen Nationalismus fremden oder feindlichen Großkapitalisten das Geschick des jüdischen Volkes, des Zionismus anzuvertrauen. Daß Präsident Weizmanii diesen verderblichen Plan, an dessen Ende ein fragliches Trinkgeld für Palästina uud der sichere Ruin der nationalenFreiheitsbewegung liegen, so weit führen konnte, .ist Wieder den Arbeiterführern zu danken. Die Arbeiterpartei „Hitachduth" hat Weizmann von Anfang an willige Gefolgschaft geleistet. Die „Poale Zion", welche noch auf dem vorletzten Kongreß gegen den Plan Weizmanhs stimmte, ist.in Basel umgefallen. Die Radikalen und Revisionisten haben bis zum letzten Augenblick gegen den -Mammonismus und für die Demokratie im Zionismus gekämpft. Die Arbeitervertreter haben sie nicht nur allein gelassen, sie haben, sie verhöhnt! Heute aber, nach zwei Monaten, ringen sie die Hände über das Wachstum des Geistes der zionistischen Vernichtung, des Mammonismus. Radikale und Revisionisten haben auf dem Kongreß gegen die UeberWucherung der Maschine, der Bureaukratie im. Zionismus gearbeitet. Ein Führer der „Poale Zion" war Hauptrufer im Streite gegen jeden Versuch, die Macht der Maschine einzudämmen und mit ihm, gegen Radikale, und Revisionisten, haben schließlich seine Genossen gestimmt. . Die Klagen im „Dawar" sind fruchtlos und werden fruchtlos Weihen, wenn die zionistische Arbeiterschaft nicht den We« zur nationalen Demokratie und ihrer restlosen Betätigung wieder finden wird. Der Umsfand, organisierter Arbeiter und elngeschworencr Klassenkämpfer zu sein, gibt nicht das Vorrecht, auf ehrliches Festbalten an der Demokratie zu verzichten. Im „Dawar" wird schließlich die Frage aufgeworfen; „Wer wird die Aufgabe auf sich nehmen,, die zionistische. Bewegung gesund zu machen?" und die ^nt'wort erteilt:, i,Dle Arbeiterbewegung, denn es gfptt anscheinend keine andere-Kräft, die dazu

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