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Die neue Welt · 1927-11-04 · Heft 7 (4.11.1927) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 7 (4.11.1927)
Date
1927-11-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT Seite 7 Qualität u.Preis . unerreicht Jrx &ach und Ttlodefaphen mit festen und fpanzMbsaizen Nr. 7 2ü forschen. Mit einer Verspätung von zwei Stunden kamen wir nach Krakau. Diese Verspätung hatte der Zug bis Wien beibehalten. Vor Ankunft in Wien sagte der Generalgouverneur zu mir: „Sehen Sie mein Herr! da haben Sie wieder einen Beweis, daß die Juden an allem Unglück schuld sind. Hätten die Franzosen in ihrem Restaurant keine Juden als Gäste geduldet, wäre ihnen das nicht passiert. Drum schlagetdie Juden tot, wo immer sie sind!" Die Weiterreise nach der französischen Rivicra setzte der Generalgouverneur ohne Schlafwagen fort. Ein Schreiben Maxim Gorkls. Mehrere Pariser Zeitungen veröffentlichen ein Schreiben des großen russischen Schriftstellers Maxim Gorki, in welchem dieser feststellt, daß die russische Bevölkerung niemals antisemitisch gesinnt gewesen sei und daß die Progrome gegen die Juden durch die zarische Administration arrangiert worden waren. Das gleiche gilt für die Ukraine. Wie früher der Antisemitismus durch die Zarenregtenung künstlich genährt worden war, so war auch das Regime Petljuras darauf bedacht, die Unzufriedenheit der Bevölkerung auf die Juden abzulenken. Schwarz bart, der Petljura erschoß, hat damit nicht allein Vergeltung für Vergangenes geübt, sondern auch einer Zukunftsgefahr vorgebeugt, da noch die Möglichkeit bestand, daß Petljura noch einmal in der Ukraine Judenmassakers organisieren würde. Schwarzfoarts Tat hat aber auch noch ein Drittes erreicht: Sie hat das Gewissen der Welt geweckt und die allgemeine Aufmerksamkeit auf die furchtbaren Pogrome In der Ukraine hingelenkt; die Welt muß etwas tun, daß solohe Bestialitäten sich nicht mehr wiederholen. In französischen und jüdischen Kreisen wird der Plan erwogen, den Völkerbund aufzufordern, ein internationales Gericht zur Aburteilung der Organisatoren der Pogrome, die' jetzt , als Emigranten in verschiedenen Ländern leben, einzusetzen. Auch Großfürst Nikolai N i k o 1 a j e w i t s c h soll vor. ein, solches Tribunal gestellt werden. Der Kaiser des Ku-Klux-Klan. Die Erpressungen und Betrügereien, des Antisemiten- ' Häuptlings in Amerika. . •. . . . :••; tfj Aus New-York wird der „Neuen Welt" geschrieben: In der letzten Zeit geht'es -Üen patriotischen' Mprdbuben von Amerika, den Führern des berüchtigten Ku-Klux-Klan, recht schlecht. Ein Familienzwist ist ausgebrochen und die furchtbarsten Anklagen gegen die Führer dieser Mordorganisation, die angeblich aus amerikanischnationalen Gründen die Verfolgung der Katholiken, Juden, und Neger auf ihre Fahne gschrieben hat, werden jetzt laut. Die Abteilung des Klan im Staate Pennsylvania; hat sich öffentlich losgesagt und gleichzeitig gegen den Führer, dem „Kaiser des Klan", Hir'am W. Iwans, bei Gericht die Klage wegen unzähliger Mordtaten, Betrügereien und Erpressungen erhoben. Die Klage wurde durch ' einige Dutzend unter Eid geleisteter Aussagen erhärtet. Es stellte sich nun heraus, daß der gefürchtete Beherrscher der Hunderttausende von vermummten Mördern und Pogromhelden die, ganze Organisation , ausschließlich zur eigenen Bere i c h e r ung mißbraucht hat. Dieser Mr. Iwans, der als ganz kleiner Mann in die' Klan-Organisation eingetreten war, besitzt heute eine eigene Jacht,. die aus den Mitteln der Organisation eigens für ihn. gebaut wurde und an Pracht die Jacht des Präsidenten der Vereinigten Staaten, weit übertrifft. Seiher Frau ließ. er von dem Zentralrat der Organisation ein Kronendiadem schenken, das jeder europäischen Königin zur Zierde gereichen könnte. Laut'der Anklage hat Mr. Iwan durch den Klan nicht weniger als 500 Millionen Dollar „gemacht", Jwans.^ der einst fast unbemittelte Mann, ist heute der Chef einer der größten Unternehmungen in Amerika, der „Brown Investment .Company", mit einem Vermögen von 20 Millionen Dollar, und Hauptteilhaber verschiedener, anderer großer. Unternehmungen. Aus der Klageschrift geht .weiters hervor, daß Mr. Iwan in den verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten künstlich Unruhen und. Aufstände hervorgerufen hat, um auf diese, Weise die Zahl der Mitglieder zu vermehren. So oft in einer Stadt, besonders im Westen, die Ku-Klux-IClan einen Pogrom auf Kathollken und Neger veranstalteten, strömten die verängstigten Menschen dem Klan zu, unter dessen Schutz sie sich stellten. Vor .jedem Aufruhr wurden an die Mäöner Waffen und an die Frauen. Holzknüttel und andere Waffen verteilt und den Teilnehmern, an den Unruhen Beteiligung an der Beute zugesichert, Vor dem Richter des Staates Fennsylvanlen liegen gegenwärtig auch viele dieser Klan-Waffen als corpora delicti. Mr. Iwans hat sich als Zar des Klau das. Recht gesichert, Ortsgruppen nach Belieben aufzulösen, in welchem Falle . das Vermögen der Ortsgruppe der Zentrale, das heißt Mr. Jwans selbst, zufiel. Unter den einvernommenen,Zeugen in diesem riesigen Skandalprpzeß befinden sich auch mehrere, die selbst gezwungen wurden, Lynoherelen gegen Neger zu organisieren und durchzuführen. Endlos ist die Zahl der durch die Klan-Leute in den letzten Jahren verübten Erpressungen an Negern, führenden Katholik e n u n d j ü d i s c h e n F a m i 1 i e n. Die ernüchterten ehemaligen Klan-Leute, die jetzt aus der Schule plaudern, deponieren auch Geheimschriften, aus denen ersichtlich ist, daß Iwans seine Anhänger systematisch für e i n e n , pf f e n e n Religio n s k r i e g in Amerika geschult hat. Sein Ziel sei es gewesen, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Der-Detektiv, der in Klan-Kreisen Dienst machte, gab zu Protokoll, daß durch den Klan Hunderte von Familien entzweit wurden; Väter wurden veranlaßt, ihre eigenen Kinder auszuspionieren und sie anzuzeigen, Frauen wurden gezwungen,' ihre;' Männer als klanfeindlich der schwarzen Liste preiszugeben. Eine eigene Gruppe hatte die Aufgabe, Persönlichkeiten, auf die man es besonders abgesehen hatte, „War nu n ge n" zugehen zu lassen. Diese Warnungen bestanden darin, daß auf dem Dach des betreffenden Wohnhauses ein Kreuz verbrannt oder vor seinem.Fenster eine Bombe zum Platzen gebracht, wurde. Das bedeutete die Kriegserklärung. Mani erfährt überdies jetzt, daß Mr. Iwans zu seiner hohen, reichlich lohnenden Würde gleichfalls durch - einen erpresserischen Akt gelangt ist.;Mr, Iwans versuchte, zuerst seinem Vorgänger, dem Obersten William Symmons. die Präsidentenwürde mit Geld abzukaufen. Da sich Symmons an seine Führerschaft klammerte, wurde er .eines Nachts von maskierten Banditen im Schlafzimmer überfallen;;unter der Drohung, wenn er die Präsidentschaft nicht ah Iwans abtrete, würde er in eine schmutzige Frauengeschichte verwickelt werden, wurde er gezwungen, seinen Platz an Iwans zu räumen. Im letzten- Jahre ist die Mitgliederzahl des Klan infolge der sich häufenden öffentlichen Skandalaffären stark zurückgegangen. Bis zum vorigen Jahre zählte der Klan in den Vereinigten- Staaten noch einige Millionen Mitglieder. Derzeit hat er nur noch 280,000 Augehörige. Eine wirtschaftliche Folge des Numerus clausus. Bei dieser Gelegenheit sei auf eine wirtschaftliche Folge des Numefus-clausus-Gesetzes hingewiesen. Aus den Tätigkeitsberichten des Zentralyer'bandes zur Unterstützung der jüdischen Studenten in Budapest ergibt sich: Im Schuljahre 1923-1924 standen beim Verband insgesamt 449 jüdische Hochschüler in Evidenz. Hievon studierten in Oesterreich 134, in der Tschechoslowakei 77, In Frankreich 19, in Deutschland 170, in Italien 39 und in der Schweiz 10. Für diese 449 jüdischen Studenten wurden vom Zentralverband an Unterstützungen 1 Milliarde 712 Millionen 54Q Tausend ungarische Kronen aufgewendet, während die Administration rund 14 Millionen Kronen kostete. Im Schuljahr , 1924-1925 gab es schon 585 im Auslande studierende Hörer, denen eine Milliarde 826,750.000 Kronen zugewendet wurden, die Administrationsspesen betrugen 15 ^lidneri Kronen, jm Studienjahr' 1925-1926 war die Zahl fai jüdischen Opfer des Numerus clausus, soferne sie unterstützungsbedürftig waren, bereits auf 764 gestiegen* w^s? halb die Unterstützungssumme nahezu 2,5 Milliarden betrug, Im letzten Schuljahr 1926-1927, in welchem schon mit Pengö. gerechnet wurde, haben sich 642 arme jüdische Studdntejn. Im Ausland an den Budapester Zentralverband gewendet und insgesamt 120.000 Pengö erhalten. pie; Verr waltung, kostete auch in diesem Jahre rund 470 Pej^ö| Diese Statistik bezieht sich bloß auf jene' vöjlig mittellosen Opfer des Numerus clausus, die auf die Unterstützung des Zentralyerbandes angewiesen sind. Es gibt aber auch noch eine'beträchtliche Zahl jüdischer Studenten aus Ungarn, die keine öffentliche Hilfe in-Anspruch nehmen, aber gleichfalls schweres Geld kosten. Dazu kommen noch solche im Auslande studierende jüdische Hochschüler, die von andere n Vereinen Subventionen erhalten, um ihre. Studien fortsetzen zu können. Alle diese ungeheuren Beträge fließen jährlich aus Ungarn ins Ausländ; Weshalb die Debreeziner Universität geschlossen wurde. Im Gegensatz .zum Rektorat der Eiudap.ester Universität, welches den rasserrschützlerischen Hochschülern nicht die geringste Entschiedenheit entgegenstellt und. dadurch den antisemitischen' Ausschreitungen an der Universität immer neue Avanqen macht, hat sich die Leitung der Debreeziner Universität M \ einem energischen. Schritt aufgeschwiungen. Auch; in Debreczin wurden die wenigen jüdischen Studenten'. aus 'der Universität geprügelt, Lehrpersonen insultiert und eitie' allgemeine Judenhetze in der Stadt propagiert:'In'Debreczin ist jedoch die Universität in einem Gebäude eingemietet, das dem protestantischen Kirchendistrikt gehört, an dessen Spitze der als Liberaler bekannte Bischof pr.-Bai t'h asa r steht. Bischof Balthasar hat wiederholt gegen die antisemitischen Umtriebe öffentlich Stellung genomrrien'und mit seiner Meinung auch zur Zeit der Hochkonjunk^r' der weißterroristischen Judenpogrome in Ungarn nicht " zurückgehalten. Damals war auch das Leben des- Bischofs Balthasaraiicht sicher.-Als nun an der Debreeziner Universität die antisemitischen Szenen in den letzten Wochen überhand nahmen, erschien der Bischof in der Rektoratskanziei und erklärte, daß er für den Fall, als an der Universität nicht rasch Ordnung gemacht werde,-' von seinem H a ü s h e r r n r e c h t Gebrauch m'a ch e'n und den Pacht mit sofortiger Räumung des Hauses kündigen müsse. Er könne es nicht dulden, daß das Haus: der protestantischen Kirche, das für Studienzwecke "vermietet wurde, zu Prügeleien und •ungesetzlichen Ausschreitungen mißbraucht werde. Diese energische Maßnahme des Bischofs veranlaßte nun das Rektorat zu energischeren Verfügungen. Wieder antijüdische Unruhen in Rumänien? Aus' Belgrad .eintreffende Nachrichten besagen, daß im Zusammenhang mit' der nationalistischen Propaganda für Rückkehr des früheren Kronprinzen Carol nach Rumänien und seine Krönung als König von Rumänien In Bukarest und" in .anderen Städten a-nti] ü d i seh e U nruhen stattgefunden haben, über welche Einzelheiten noch fehlen. " , ' ' ' „Dimlneatza" meldet aus J a s s y: Der huliganischc Banditismus hat wieder sein Haupt erhoben; sein erstes Opfer wurde der hochgeachtete jüdische Kaufmann G a- 1 a c i a n u, der um '10 Uhr abends von drei Studenten angefallen und s c h: w e r m'i ß h a n d e 11 wurde., Unter der jüdischen Bevölkerung-herrscht tiefe Besorgnis. „Curierul Israelit" teilt mit: In B u ze u erscheint ein cuzistisches Blättchen ,;Buzdaga", welches elnergefähTliche Pogromhetze betreibt. Auf der ersten Seite des Blättchens ist folgendes Bildchen: zu sehen: Ein Geistlicher, das Kr euz in der Hand, führt einen Trupp mit Hakenkreuzen geschmückter und mit Bajonetten und Messern •bewaffneter junger Leute gegen die Juden. „Curierul Israelit" fragt, ob die Behörde von Buzen nicht über genug Macht verfügt, um eine solche Hetze z>u verbieten.

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