Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 7 (4.11.1927)
- Date
- 1927-11-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Die neue welt Nr.7 | mich, wenn auch nicht regelmäßig. Wenn ich mich recht 'erinnere, wurde der Regierung unsere Formel in Gestalt 'einer Broschüre überreicht, welche dreimal hintereinander mit verschiedenen Veränderungen gedruckt wurde. Wenn ich mich nicht irre, befinden sich Exemplare aller drei Formulierungen in meinem Archiv. Aber die Regierung unterzeichnete bekanntlich ihre eigene Formel und kümmerte sich sehr wenig um das, was. wir forderten. Einmal, um Mitternacht, kam Dr. Weizmann strahlenden Auges mit einem Stück Papier zu mir und sagte: „Da ist es." Es war das Dokument, das seither unter dem Namen „Balfour-Deklaration" so bekannt geworden ist. Weizmann hatte es selbst erst vor.wenigen Stunden in die Hand bekommen und beeilte sich, es mir vor der Bekanntmachung zu zeigen. Wie herrlich schön waren jene Tage! Die Flitterwochen unserer Hoffnung. Als Beispiel für den Optimismus, der damals unter uns herrschte, will ich nur eine Sache erwähneft, die allein schon, wie es scheint, unsere Stimmung in jenen Tagen ausreichend beleuchtet. In einer der Sitzungen des oben erwähnten Komitees kam man auf die Schwierigkeiten der Zukunft zu sprechen. Ich faßte sie .mit wenigen. Worten zusarhmen und' er- : wähnte natürlich als eine der Haupttschwierigkeiten — die Araberfrage. Dirauf entgegnete eine der hervorragendsten Persönlichkeiten, daß diese Frage' uns überhaupt nicht : gefährlich werden könne, denn. die. englische Regierung betrachte die Araber als „natives" und uns als europäische Kultermenschen. In solchen Phantasien und Träumen. lebten wir damals. Aber das war noch geraume Zeit vor der Veröffentlichung der Balfour-Deklaration. Und nach ihrer Veröffentlichung, in jener bekannten Versammlung in London, die ihr zu Ehren veranstaltet wurde und an der sich einige der englischen Politiker beteiligten, war schon ein anderes Lied zu hören. Einer derjenigen, die unter uns am meisten als Freunde des Zionismus bekannt sind, sagte in seiner Rede, er stelle sich die Lösung der Frage des „Nahen Ostens" in Gestalt eines Dfeibündes vor, eines Bundes zwischen Arabern, Juden und — Armeniern. Und jedes dieser drei: Völker solle in seinem; Lande herrschen: die Araber in ihren Ländern, die Juden in Jüdäa, die Armenier in Armenien. Und wenn ich jetzt sehe, wie es dem unglücklichen armenischen ■ Volke ergangen ist und welches jetzt seine Lage ist, kann ich nicht ganz das bittere Lachen unterdrücken, das aus mir bricht, und ^ich sage zu mir selbst: Wenn ich, wie viele andere, imstande'wäre, ein wenig Trost für mich in den Leiden anderer zu finden, brauche ich nur auf den;.Zustand ,der,: :A«njenier^-zu,... blicken, um mich ein wenig über unsere;Leid.e.n zu trösten..... Ein Ballour-Wald in Palästina. Die Zionistische Organisation'Eil gl an ds beschloß,' einen Fonds zur Gründung eines' Balfour- Waldes in Palästina zu bilden. Der Wald soll Eigen-; tum des Keren Kajemeth werden. '' " Vermählt« Statt besonderer Anzeige Ins. Max Felix Andrycpow . . „Dieser Fasttag ist genau so bedeutend wie Jörn Kipur oder Tischa-bow; er beginnt, heute nach Sonnenuntergang!"- :" Die Kinder springen rasch vorn ' Bett herunter und barfuß, in ihren zerrissenen 'Hemdchen, . beginnen sie sich1 im Kreise zu drehen und dabei rufen sie lustig: „Also wir sollen "fästenj" Mendel verdeckt mit seinem Rücken,die Frau, damit die Kinder nicht das tränenüberströmte Gesicht der Mutter sehen. „Ihr dürft keinen solchen Lärm machen!" ermahnt er die Kinder, „an einem Fasttag' darf man nicht tanzen. Das werden wir so Gott will, Slmches Tolre tun!" ' Die Kinder suchen von neuem das Bett auf. Vergessen ist der Hunger," Von Müdigkeit übermannt, schlafen sie nach und( nach ein. •'."'.'" ' Nur der älteste Knabe ist wach geblieben und fragt: „Väter, wann werde ich dreizehn Jahre alt?" ' „Bis'dabin ist's noch lange, Chaimel, enn?:p. vier| Jahre, leben sollst du mir und gesund sein!" „Wirst 'du mir dann auch die „Tefillim" kaufen?" „Selbstverständlich." ' ' ' ' •" „Und auch ein Säckchen dazu?" ' „Natürlich/' . „Und ein Gebetbuch kriege ich dann auch so ein! kleines mit Goldschnitt?"' .; „Mit Gottes Hilfe, ja . i . sei nur recht fromm, mein Chaimel!" ... „Dann werde ich natürlich alle Fasttage halten müssen?" r\ ' »Ja, ja, Chaimel, alle!" . . Und leise für sich fügt Mehdl hinzu: „Großer Gott, gib nur, daß sie keine solchen Fasttage «■Utk* iratman lertjpn sntlen. wie den heutürenl Zion. Landeskomitee für Österreich Sonntag, den 8, Növember I927r.8 Uhr abends; (ohne Wartezeit) ,l>i: v ' Mittlerer Konzerthaussaal ' •' Vortrag (in deutscher Sprache) Dr. Maxa Nordau, Paris „Max Nordau als Menschund Zionist" Wenige'restliche iKarfen: -?/' Zton, Bureau, I., Kärntnerstraffe 2S . V Lc^'t, I., Rötentü mstraße-22 '! ' Rath, II.»Taborstiabe ,2D;ai: '/fK *H* t Vorfräg Maxa ^ordaifs. Max Nordaus- Töchter,-.die' Malerin Maxa Nordau, ■•wird am ft November über-iliFert Vater sprechen. Es wifd .sicherlich von eigenartigem Reiz,:sein,v von ihr eine- -.i^^- :Stellung des Lebens und Wirkens des großen Mannes %u erhalten, der an der Wiege' der 'iurtgj.iidischen Bewegurig gestanden ist und ihr den .Unterbau, .ihr Programm gegeben hät. Frl. Maxa Nor<laii',. die eine treue'Mitarbeiterin ihres Vater.s war, ist eine .anerkannte Künstlerin, deren erste Wege der Vater selbst; rJp,treut .hat, .Sie ist' im. Vorjahre in Amerika als Vottragende hervorgetreten und hat auch die sterblichen Ueberreste des: Vaters nach Palästina überführt. Man kann ihren Darlegungen, mit großer Spannung entgegensehen.' . Nahum Sokolow in Italien. Der. Präsident, der Zionistischen Exekutive, Herr Nahum Sokolow, weilt gegenwärtig in. Italien. Er hatte vor einigen Tagen Besprechungen mit dem Regierungschef Mm s so.l i.n.i und dem.Staatssekretär der päpstlichen Kurie Kardinal Gasp a'.r r i. Am ',27. Oktober - wurde Sokolow vom Papst und am folgenden Tage vom K Ö n i'g Viktor Emanuel empfangen.,. . .. . . ., - '' VViie der J. IV A.-Vertreter erfährt, hat der Papst in seinem Gespräch mit Sokolow etn starkes Interesse für die zionistische Aufbauarbeit itf Palästina bekundet. Der Papst sagte, er bewunderei.'iiie.. Tätsache der Wiederbelebung der h ebr ä i s:cbe n, S p'r a c'h.e .im Lande 'der Bibel. Zum Schluß gab er gegenüher ..Herxn Sokojpw die Versicherung ab, daß der Vatikan, sich jederzeit der y e rfolgten Jude n annehmen werde. Die Audienz dauerte ungefähr eine halbe- Stunde.: . . , Die zionistische Vefttetüng beim Völkerbund. -:■,(-. Der- .gegenwärtig in-.i^er.Un<feilende Leiter des .Genfer Bureaus der Zipnistis.ohen..:.p^nj§atlbnK »Her*... Dir. Vjktpr; Jakobson, machte in einer Pressekonferenz Mitte}-i hingen über die Bedeutung dieser Institution. Br sägte unter anderem: ''■■' :- *'""'''?i'*Tv'1 "• , •-' „Es jst bekannt, daß das tiehifer 'Bureau vom Völkerbund -offiziell änerkan'nt: ist4 - es1 f ührt:den Namen ' „Per-: -manente Vertretung: der. Zionistischen Organisation beim Völkerbund". Es bedeutet wobl nicht eine''.'•' regelrechte •staatliche Vertretung-— denn eineri■"'Staat haben.wir hoch nicht —y aber eine Verbindung mit dem Völkerbund in dem Sinne, daß das Bureau 'als die ^Tert r e ttätig' die r.je- •n'ig e n Instä n z anerkannt ist, die"auf G rund' ei n es V ö 1 k e r .b u n d m a n d a t s beider Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina mitzuwirken hät. B;as •Bureau steht mit derr verschiedenen Sektionen des Völkerbundes in ständiger Verbindung, insbesondere mit der! Mandatssektioh und der M atid a t's kotnmi ss.i o n,' deren Mitglieder —> wie.die weitere Behändluns der 'Palästinaberichte seit 1924 deutlich erkerinen läßt —.über die wirkliche Lage im Zionismus und. in Palästina immer besser informieirt sind. Der holl ändisch e Vertreter, zugleich Vizepräsident der Mandatskommission, Van Rees, der wiederholt den Vorsitz führte; hat zum Beispiel bei der letzten Sitzung der Mandatskommission er-, klärt, daß er nach, einer- Rede. Dr. Weizmänns' e i h -v ö 1- Ug anderes Bild über verschiedene Fragen des zionistischen Werkes-in Palästina erhalten und seine Ansichten! gründlich revidiert hätte. ■ ". Nehen der Genfer Aufgabe hat das Bureau wichtige Aufgaben auch in Rom und Paris zu erfüllen. Es ist schon mitgeteilt worden, däß in Rom mit Ausdrücklicher Zustimmung Mussolinis ein Prp-Palästina-Komitee in Bildung begriffen ist, dem hervorragende italienische Staatsmänner angehören werden. . , Was Paris betrifft, so war das Interesse art der zionistischen Bewegung früher dort sehr schwach. Jetzt' besteht dort das Komitee „France-Palestue", dem die hervorragendsten Männer Frankreichs'angehören ~; die 'Nichtjuden sind in der Mehrzähl — und dasi in vielleicht höherem: Siuiu' als die ro-Palästina-Komitees in ancTeren Ländern, prozionistisch eingestellt ist. Das Komitee gibt seit kuirzem eine in der Oeffehtl'ichkejt viei: beächtete Zeitschrift „Päle- Sinne als die Pro-Palästiha-Komitees in anderen Ländern, Europas mitarbeiten. Es stiftet Stipendien für' junge Palästine'nseri die sich in F r a n k r e i c Ii technisch vervollkommnen wollen, um dann in Palästina weiter zu wirken. In diesejn Jahre studlereu 'lö'solcher palästinensischer Stipendiaten in Frankreich," Wo sie' hervonragendid technische Äusblldürig genießen. ' Herr Dr. Iacobsoii sprach noch von dem Plan eines Züsamenwirkens der Prö-PaläsUria-Komffees der verschiedenen Länder, '' . ' .; Eine prozionistische Tageszeitung in Rom. Unter dem- Namen ,',11 Diurnö" beginnt am 15. Dezember in Rom eine, neue Tageszeitung, zu erscheinen., die in der Tendenz fascistisch und politischen und,kommerziellen Interessen gewidmet sein wird. In dem bereits veröffentlichten Programm erklärt die Leitung; daß sie für die Verwirklichung des jüdischen u n d z i p n i s t! seh e n Ideals eintreten wird. Chefredakteur ist Srgnor Ä. Ttd eschi. Prof. Friedrich Wilhehü Foerster über den Zionismus, In dem Krakauer zionistischen" f agblatt iyr4ewy Dziennik"veröffentlichte Vöf einigen Wöchen. dessen Redakteur Dr. Wilhelm B e r k e I h a m m.e r einen Professor Foerster gewidmeten Aufsatz unter dem Titel „Schädling oder Helot? Darauf erhielt Dr.. Berkelhammer folgenden Brief von Prof. Foerster aus Paris: . Seht, geehrter Herr Doktor! Nehmen Sie, noch; meinen verspäteten, aber sehr herzlichen Dank für die besondere Ehre und Freude, die Sie mir durch die Zusendung Ihres ritterlichen Artikels gemacht thaben.. Ich bin übrigens seit langem ein beson- . derer Freund, ihrer („z i o n i s t i s c h e n Bewegung**, von der ich noch G!rößes für Ihr Volk und di-e Gcsamtkültur erwarte. Ich habe durch amerikanische Freunde, die au dieser Bewegung .gehören,- vieles Gute..davon gehört und . weiß es auch ganz besonders zu schätzen, daß Sie trqtz all Ihrer Hingebung für Ihre nationale Säche' gleichzeitig ein so hohes Verständnis für meine' übernationale 'Arbeit haben. Sollte ich einmal nach Krakau kommen, so werde . ich nicht versäarhen,...Sie., aufzusuchen. , , In ausgezeichneter.^ochschM2xmg'■^i_.^xk% Fr. W. Foerster <m.' iv * Es ist nicht uninteressant^daß, ein so hervorragender Mann wie Professor Foerster' über den' Zibnisnfius erst durch amerikanische Freunde unterrichtet wird. Das zeigt, Wie gering der Aktionsradius der zionistischen Awfklä- ■rungsärbeit noch ist, aber auch, Wie - lückenhaft 'dieyAi'beit der pazifistischen "Demokratie betrieben'" wird, ' die trotz Balfour-Deklaration, trotz Völke'rbundmandat uud; Mihoritätenrecht von der zionistischen Bewegung üiid' dem grandiosen Aufbauwerk jn' Palästina so wenig wetßl Landeskonferenz des Keren Kajemeth. ßie diesjährige L a hde s k o nie r ea z des 'Kören Kajemeth findet. am Donnerstag den „10.: November?-1927, 7 Uhr abends^ im' Hehn der Zionistisoheri' Beziricsor^äiiisätion LeoDoldstadt, lLv':Zirleus*gäjise.33, statt." •" 7 Tagesö rxlnung:5 l. vReferat des Herrn Dr. E. M. Zwei g '(Jerwsalem)':- •v.TJie .••gegen-wärtige Lage' def ' zionistischen Bewegung und der Keren Kajemeth"; 2. Rechenschaftsbericht über; das' vergangene Jahr und Arbeitsprogramm für 'das neue. '3. Debatte. 4; Verlesung 'des; Pinkas des Keren'ifaieWefhÄ^'WaWe'n.-'"' v-^-^M; > : jene Sektionen respektive: Gruppen, die- Zumindest 20 Pfund -'äufg-ebracht -haben, entsendeneinen- Vertreter, solche,; die zumind est' 50 Pfuildauf gebracht, haben, .zwei Delegierte. Die Beglaubigüngsschreiben der ' Gruppen sind an den Keren Kajemeth ehestens zu' übersenden. Ab 7. d. sind die Legitimationen *ür die Tagung.; im Bureau des Keren Kajemeth;er.häItKch.; , '-:~ Schalom Schwarzbart. " ""•'■ -:':-,i ■■■'-■■.,......-.....:..... ./ '. ■ : Nach der Freisprechung. Aus Pari sV' wird 'gemeldet: - Schalöm Seit war %•>. ba r't wurde sofort' näßti-''dem freisprechenden' Urteil aus der H a f t e ri 11 a s s e'rt:' Die Mitteilung,: daß er erst' am nächsten Tage den Justizpaläst verJässen wird, wurde vom Gericht aus •Gr-tiiMen"de'r"";Vörsicnt:' gegeb'eni'da'-imän Afc-t-e der Petlfura-Päftei ibefürchtete. Der Verteidiger T ö r f e s hat es durchgesetzt, daß Schwarzbart nicht gleich in seine Wohnung 'zurückkehrte, er brachte ihn zunächst: an einen sicheren : Ort, da auch er Anschläge befürchtete. Die- Besorgnis war gerechtfertigt, wenn man an die Schlußworte des'-Ziviladvokaten der Familie P jwra denkt, der sägte: W „Weno Sie Schwarzbart freisprechen, meine Herren Geschwornen, weil er die Leiden seines Volkes gerächt hat, dann müssen Sie auch den Bruder Petliuras freisprechen, wenn er den Mord, seines Bruders an Schwarzbärt rächen wird. Wer kann eine Bürgschaft für das Leben Schwarzbarts Ubernehmen, wenn er äls freier Mann heute abend In seine Wohnung zurück-' kehrt?" - ' Trotz der;yorsichtsrnaßjiahmen gelang es einigen jüdischen Journalisten, '"* mit' Schwarzbart 'lausantmenzu kommen. Er^ sprach die Bitte aus* der jüdischen Oeffentlichkeit seine n Da n k dafür auszudrücken, daß sie für seine Tat Verständnis aufgebracht und zu ihm gehalten habe. Ich habe,; fuhr er fort, Schreckliches durchgemacht und' ' war auch bereit, den Tod zu erleiden. Ich war aber .keinen Augenblick in meiner Ueberzeugung erschüttert, daß PötWura der Hauptschuldige an der Abschlachtung zehn'taüsender Juden gewesen ist. Auf die Frage nach seinen Z u k u h f t s p lau e n, erwiderte Schwarzbart, er fühle sich durch die lange Haft und die Aufregungen des Prozesses sehr angegriffen und werde zunächst ein bißchen ausruhen, um sich'dann seinem bisherigen Beruf ' als Uhrmaqher weiter' zu widmen. Er bestritt energisch die Mitteilung einer Zeitung; daß ei n a c h A m e r i k a zu gehen gedenke, ttoh ' sich 'fit ''Am* nütztmg seiner Pcfp^larität. eine neue Existenz m ^runden